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Lange war die Perle am Zuckerhut finsterste Kolonialprovinz, selbst nachdem sie 1763 zur Hauptstadt Brasiliens aufgestiegen war. So weit bekannt ist, blickte aber auch der portugiesische König Dom ganz verzückt, als seine Flotte im Januar 1808 in die Bucht einsegelte.

Brasilien, Rio - Bucht
Diese Ansicht bot sich König Dom João 1808 noch nicht

Es war die Zeit liberaler Ideen in Europa, und ein französisches Heer stand vor Lissabon. Regisseur dieser geräuschvollen Inszenierung war Napoleon. Kurz vor dem Einmarsch der Sansculottes entschloss sich Dom João kühn zur Flucht über den Atlantik. Mit ihm schiffte sich sein gesamter Hofstaat von rund 15.000 Personen nach Rio de Janeiro ein. Etwas Einmaliges in der Geschichte von Staaten geschah, etwas, das sonst bestenfalls im Märchen vorkommt: Über Nacht wurde Aschenputtel zur Königin, die Kolonie zum Zentrum des portugiesischen Imperiums, die Stadt am Zuckerhut zur Metropole. Eine absolut paradoxe Situation.

Reste barocker Pracht

Die Praça 15 de Novembro, wie heute der Platz vor dem bescheidenen, aber ansehnlichen Palast der Vizekönige von 1735 heißt, soll voller Menschen gewesen sein, als die 36 schwer beladenen Schiffe vor Anker gingen.

Brasilien, Rio - Praca 15 de Novembro
Palast der Vizekönige am Praça 15 de Novembro

Das relativ kleine Viereck, auf dem im Schatten großblättriger Bäume Fremdenführer von Rios Anfängen erzählen, war Jahrhunderte lang Brennpunkt des städtischen Lebens. Auch die hohe Kirchendichte im Umfeld spricht dafür und der unscheinbare Torbogen Arco do Teles, der ins frühere Händlerviertel führt. Liebevoll gepflegt, steht dort in der Travessa do Comércio und der Rua dos Mercadores ein letzter Rest barocker Pracht: typische Kolonialhäuser mit Granitrahmen um Fenster und Türen und schmiedeeisernen Balkonen. „Um jeitinho!“, ruft ein krausköpfiger Junge mit Tüten voller Erdnüsse im Arm, rennt neben den Fremden her und lächelt unwiderstehlich, bis einer kauft. Die heutige Form des Handelns kommt ohne „jeitinho“, die Kunst, jeden Tag neu Überlebensstrategien zu finden, nicht aus.

Brasilien, Rio - alter Hafenkai
Der alte Hafenkai zwischen den Glasfronten der Bürotürme

Wenige Schritte weiter verbirgt sich zwischen den himmelstürmenden Glasfronten der Bürotürme und den autoreichen Haupt- und Hochstraßen der alte Hafenkai. Auf ein Fragment gestutzt, wäre er ohne den auffallenden Pyramiden-Brunnen mit der Armillarsphäre völlig verloren. Nicht einmal Wasser umspült wie einst die Kaimauer aus mächtigen Steinquadern, auf denen ein Straßenfeger seelenruhig die Cachaça-Flaschen der letzten Nacht zusammenkehrt.




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