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Tour 1: Vom Platz der Republik zum Altstädter Ring

Vom Platz der Republik zogen einst die böhmischen Könige im Krönungszug zur Burg hinauf. Wir folgen diesem traditionellen Weg vom Pulverturm über die belebte Celetná zum zentralen Platz der Altstadt, dem Altstädter Ring.


Karte Tour 1: Vom Platz der Republik zum Altstädter Ring

(1) Platz der Republik (2) Repräsentationshaus (3) Pulverturm (4) U Hibernu (5) St. Josefskirche (6) Hotel Pariz (7) Jakobskirche (8) Teynhof

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Der Platz der Republik (1) ist dank der gleichnamigen Metrostation ein günstiger Ausgangspunkt für die Erkundung der Altstadt. Nur wenige hundert Meter sind bis zum Altstädter Ring zurück zu legen, doch sehenswerte Bauten unterschiedlicher Epochen auf engstem Raum verleiten zu häufigem Verweilen.

Das wohl beeindruckendste Gebäude am Platz ist das Repräsentationshaus (2), das wohl prunkvollste der ehemaligen Gemeindehäuser Prags und ein herausragendes Beispiel des Prager Jugendstils.

Mit dem Repräsentationshaus durch eine Galerie verbunden ragt der spätgotische Pulverturm (3) in den Himmel, dessen Geschichte eng mit dem ehemaligen Königshof verknüpft ist.

Pulverturm, Prag

Pulverturm
Foto: Hans Peter Schaefer, http://www.reserv-a-rt.de (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Pulverturm und Repräsentationshaus direkt gegenüber erhebt sich der mächtige Empirebau des Palastes U Hibernu (4) (Zu den Hybernern), der heute als Musiktheater genutzt wird und dessen Dachterrasse einen schönen Blick über Prag gewährt.

Der heutige Bau geht auf eine ehemalige Barockkirche irischer Franziskaner (Hiberner) zurück, die 1599 nach der Aufhebung der Klöster aus Irland vertrieben worden waren und 1629 nach Prag kamen. Einige Mönche des hier gegründeten Konvents kehrten später nach Irland zurück und brachten in der ersten Hälfte des 18. Jhs. eine bislang unbekannte Feldfrucht nach Prag: die Kartoffel. Im 18. Jh. als Zollamt genutzt, wurde die Kirche 1808 - 1811 vom Architekten Georg Fischer in Anlehnung an die Berliner "Neue Münze" mit einer klassizistischen Fassade versehen und in den 40er Jahren des 19. Jhs. schließlich zu einer Ausstellungshalle umgebaut.

Die barocke St. Josefskirche (5) an der Einmündung der Straße Na porici wurde um 1640 für den Kapuzinerorden errichtet, dessen Klosterareal sich anschloss.

Bevor man den Platz der Republik Richtung Altstädter Ring verlässt, sei noch ein Abstecher in die kleine Straße U Obecniho domu empfohlen. Hier glänzt das exklusive Hotel Pariz (6) mit seiner Jugendstilfassade, ein Baustil, der sich vor allem im Innern des Nobelhotels entfaltet. Bohumil Hrabals berühmter und lesenswerter Roman "Ich habe den englischen König bedient" berichtet vom Treiben im Chambre sparée, in das sich die Prager Börsianer gern mit den Damen des Hauses zurückzogen.

Die Celetná (Zeltnergasse, benannt nach den calty, den mittelalterlichen Semmelbäckern dieses Viertels) geht nach wenigen Schritten in eine Fußgängerzone über, die zum gemütlichen Flanieren einlädt. Im Sommer bewegen sich auf diesem Teilstück des ehemaligen Königsweges Massen von Touristen Richtung Burg. Schaufenster mit böhmischem Glas neben antiquarischen Büchern und Modeartikeln, Weinstuben und Restaurants wechseln in rascher Folge ab. Man sollte aber auch ab und zu einen Blick in die Höhe werfen und die barocken Fassaden der im Kern romanischen und gotischen Häuser betrachten.

Vier mächtige Atlanten des Bildhauers Ignaz Platzer tragen den Balkon des Hauses Nr. 36, in dem vom 16. bis zum 18. Jh. das Prager Münzamt seinen Sitz hatte. Das benötigte Edelmetall bezog man u.a. aus den Minen des böhmischen Kutná Hora (ehemals Kuttenberg). Während der Pfingstaufstände 1848 war hier das Militärkommando unter General Windischgrätz untergebracht, der die Demonstrationen für die tschechische Unabhängigkeit blutig niederschlug. Nur mit der Drohung, Prag mit schwerem Geschütz zu beschießen, konnte er den Aufstand schließlich beenden. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1759.

Gegenüber, an der Ecke zum Obstmarkt (Ovocný trh), fügt sich der kubistische Bau des Hauses Zur Schwarzen Muttergottes aus dem Jahr 1912 (Architekt Josef Gocar) erstaunlich gut in die weitaus älteren Fassaden der Nachbargebäude ein. Auch das Hauszeichen des Vorgängerbaus wurde gekonnt integriert.

Wo die unscheinbare Gasse Templová abzweigt, verbirgt sich hinter Arkaden das Haus Im Tempel (U Templu, Nr. 27). Nichts an seiner schlichten klassizistischen Fassade deutet darauf hin, dass dieses Wohnhaus 1801 aus dem Umbau einer frühbarocken Kirche hervorgegangen ist.

Ein Doppeladler als Hauszeichen markiert das Haus Zum Roten Adler (U cerveneho orla, Nr. 21). Im 19. Jh. beherbergte es ein Café, das zum Treffpunkt tschechischer Patrioten wurde. Etwas fremdartig wirkt das 1897 erbaute Haus Nr. 30 mit seinem extravaganten Holzbalkon und der zarten ornamentalen Bemalung. Einige Schritte weiter wartet im Haus Zum Geier (U supa, Nr. 22) das gleichnamige Restaurant auf Gäste. Dieses Gebäude, das zur Karlsuniversität gehört, beherbergte bereits im 14. Jh. eine Brauerei. Am Buquoy-Palast (Nr. 20) ist vor allem das Portal sehenswert, der gotische Bau wurde im 18. Jh. umgestaltet.

Auf den ersten Blick verrät auch das Menhart-Haus (Nr. 17) mit seiner Barockfassade aus dem 18. Jh. nichts von seinem gotischen Baukern. Dass es zu den ältesten Prager Häusern gehört, wird erst bei einem Besuch in der mittelalterlichen Taverne U Pavouka (Zur Spinne) im Durchgang des Hauses deutlich, die in einem gotischen Saal aus dem 14. Jh. eingerichtet ist.

St. Jakobskirche, Prag

Stuckarbeiten im Eingangsbereich der St. Jakobskirche
Foto: Rémi Diligent (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Durch den Durchgang des Menhart-Hauses, vorbei an einer Statue des Herkules mit dem Löwen, lohnt ein Abstecher in die Malá Stupartská, Hier treffen wir auf die St. Jakobskirche (7) (Kostel Sv. Jakuba), nach dem Veitsdom die zweitlängste Kirche Prags. König Wenzel I. hatte um 1232 den Minoritenorden nach Prag geholt, der den ursprünglich romanischen Kirchenbau samt anschließendem Kloster begründete. Im 14. Jh. wurde mit dem Bau einer gotischen Kirche begonnen, die unter Karl IV. 1374 ihre feierliche Einweihung erfuhr. Bei einem Umbau Ende des 17. Jhs. erhielt das Gotteshaus seine heutige barocke Gestalt.

Beachtung verdienen zunächst die kunstvollen Stuckarbeiten an der Stirnseite des Baus von Ottavio Mosto (1695). Umrahmt von zahllosen wild bewegten, zum Teil weit aus der Fassade heraustretenden Putten, Engeln und Sagengestalten, stehen hier die Heiligen Jakobus (Mitte), Franziskus (links) und Antonius (rechts). Berühmte Barockkünstler waren auch im Innenraum tätig: Das von Engeln umrahmte Hochaltarbild mit dem Martyrium des hl. Jakob malte Wenzel Lorenz Reiner 1739; die Deckenfresken mit Szenen aus dem Leben Marias und der Verehrung der hl. Dreifaltigkeit stammen von Franz Guido Voget. Mit dem Grabmal für den Grafen Jan Václav Vratislav von Mitrovic im nördlichen Seitenschiff kann man einen Höhepunkt der barocken Bildhauerkunst bewundern. Nach einem Entwurf Fischer von Erlachs führte der erst 24jährige Ferdinand Maximilian Brokoff in den Jahren 1714 -16 dieses Meisterwerk aus. Der Graf war Ritter des Malteserordens und Oberster Kanzler des Königreichs Böhmen gewesen. Seine Gestalt ruht an der Schulter einer Frauengestalt. Stolz und der Glaube an Erlösung kennzeichnen die Szenerie. Begleitet wird die Gruppe links unten von einer trauernden Allegorie der Kunst - galt doch Mitrovic als ihr Förderer , rechts vom griechischen Gott Chronos mit der abgelaufenen Sanduhr. Die Figuren selbst bestehen aus Sandstein, ihr Oberfläche ist eine Stuckarbeit.

Die gute Akustik des Kirchenraums und eine barocke Orgel aus dem 18. Jh. lassen ein klassisches Konzert in diesem Rahmen zum Genuss werden (Bitte Aushänge beachten !).

Eine makabre Sehenswürdigkeit ist rechts vom Eingang zu finden: Hier baumelt angeblich der Rest eines Armes, der einem Dieb im 14. Jh. abgehackt worden war.

Schräg gegenüber liegt einer der beiden Eingänge zum Teynhof (8). Dieser umgebaute Fürstenhof (von týn, umzäunter Hof) trägt auch den Namen "Ungelt", was noch deutlicher auf seine ehemalige Funktion hinweist. Bereits im 11. Jh. konnten ausländische Händler hier übernachten, ihre Waren lagern und verkaufen. Gegen eine Gebühr - das Ungelt - standen sie unter dem Schutz des Herrschers. Im Teynhof wurden auch das amtliche Maß und die amtliche Waage aufbewahrt. Bis ins 16. Jh. hinein mussten fremde Händler Waren für die böhmischen Länder hier verzollen und anbieten, bevor sie sie weitertransportieren durften. Bis 1775 diente der Hof als Zollamt. Mittlerweile ansehnlich renoviert, sticht unter den zahlreichen sehenswerten Gebäuden ein Komplex hervor, das Granovsky-Haus, ein Renaissance-Bau mit offener Loggia aus der Zeit um 1568. Seine nur noch schlecht erkennbaren Wandmalereien stellen biblische und mythologische Szenen dar.

Zurück zur Celetná: Das ehemalige Palais Caretto-Millesimo (Nr. 13) reiht sich in die Zahl jener Barockbauten ein, die auf romanischen und gotischen Resten errichtet wurden.

Auch das einstige Palais Hrzán (Nr. 12) mit Büsten und dämonenhaften Fratzen an der Fassade wurde auf den Resten eines romanischen Baus errichtet.

Im ersten Stock des Hauses Zu den Drei Königen (U tri Králu, Nr. 3), kurz vor dem Altstädter Ring, wohnte von 1896 bis 1907 die Familie Kafka. Franz Kafkas Vater, Hermann Kafka, betrieb im selben Haus ein kleines Geschäft. Teile des Kafkaschen Frühwerks entstanden hier (z.B. "Beschreibung eine Kampfes"), mit einem Ladenmädchen aus der Zeltnergasse hatte er seine ersten erotischen Erlebnisse, wie in seinen Briefen nachzulesen ist.

Auch das gegenüber liegende Sixt-Haus (Nr. 2) beherbergte die Familie Kafka für zwei Jahre (1888-1889).

weiter gehts mit Tour 2...


 

 


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