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Ernsthaftigkeit und Konzentration sorgen für Spannung

Die ungeheure Ernsthaftigkeit und Konzentration der schweren Männer ist fast mit den Händen zu spüren, eine gewaltige Spannung baut sich in ihnen auf, die beim tachi-ai ausbricht wie ein Vulkan. Mit der Beschleunigung eines Leichtathleten schnellen sie empor und prallen auf den Gegner. Schon nach Sekunden setzt ein heftiges Keuchen ein, denn trotz der Körperfülle sind die meisten Bewegungen präzise und schnell. Die offenen Handflächen klatschen auf den Oberkörper, selbst ins Gesicht des Gegners, denn nur das Schlagen mit der Faust, das Ziehen an den Haaren und das Treffen der Augenpartie oder der drei Kostbarkeiten ist verboten. Wie bei vielen Sportarten gewinnen auch beim Sumo die wirklich guten Athleten ihre Kämpfe vor allem im Kopf.

Japan / Reichen des Wassers
Reichen des Wassers

Wenn ein wichtiger Kampf vorbei ist, tobt die Halle. Teils aus Jubel, teils aus Wut. Gellende Pfiffe und Rufe mischen sich unter die Zustimmung der nun gar nicht mehr zurückhaltenden Japaner. Den Ringern hingegen ist nichts anzumerken. Sie stellen sich einander gegenüber auf, verneigen sich voreinander, der Verlierer geht ohne erkennbare Gefühlsäußerung von dannen. Der Sieger bekommt auf dem Fächer des Schiedsrichters einen Umschlag gereicht. Darin befindet sich ein Scheck von Sponsoren, der das sowieso schon gute Gehalt, das die besten Ringer vom Sumo-Verband kassieren, noch verbessern wird. Drei angedeutete Handkantenschläge, auch dies Tradition, vollführt er darüber, dann nimmt er den Umschlag und reicht ihn an seinen Assistenten weiter. Kein Zeichen der Freude, des Jubels über diesen Sieg ist ihm anzumerken. Und seine Aufgaben sind noch nicht erfüllt. Er muss dem nächsten Ringer seiner Division eine Kelle Wasser und das Tuch reichen, erst dann geht er unter dem Beifall vieler Zuschauer gemessenen Schrittes aus der Halle.

Frenetischer Jubel nach dem letzten Kampf

Nach dem letzten Kampf brandet Jubel auf, die Zuschauer werfen die Sitzkissen Richtung Ring. Zum Abschluss findet noch eine Bogenzeremonie im dohyo statt, für die kaum noch die angemessene Ruhe zu bekommen ist. Man will diskutieren, der Nationalsport Sumo lebt.

Herr und Frau Matsushita verlassen im Strom der Menschen die Halle, blicken kurz zu dem Trommler hinauf, der auf einem zwanzig Meter hohen Bambusturm am Eingang eine große Trommel schlägt, reihen sich dann in die Busschlange ein. Zügig rollt ein städtischer Bus nach dem anderen heran und bringt die Zuschauer mit der gewohnten Effizienz des japanischen Verkehrssystems zum Bahnhof. Dort nehmen die Matsushitas noch einen Imbiss in einem der zahlreichen Restaurants ein, dann zischt der Shinkansen mit ihnen in die Nacht Richtung Hiroshima.



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