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Auch Hawaiianer und Mongolen sind vom Sumo nicht ausgeschlossen

Deshalb gab es vor Jahren, als die ersten schwergewichtigen Hawaiianer zumindest die sportliche Spitze erklommen hatten, lange Diskussionen, ob Ausländer überhaupt yokozuna werden können. Heute ist diese Frage längst zu Gunsten der Hawaiianer und Mongolen entschieden. Während die anderen Ringer nach weniger erfolgreichen Turnieren im Rang wieder absteigen können, bleibt die Stellung als yokozuna lebenslang erhalten. Verliert ein yokozuna, der vom Mythos her als „unbezwingbar“ gilt, zu viele Kämpfe, so wird von ihm erwartet, dass er sich vom aktiven Geschehen zurückzieht.

In jüngster Zeit sieht man die Fleischberge vom Kaliber eines Akebono oder Musashimaru nur noch selten. Die neue Generation der Ringer ist kleiner und weniger schwer, dafür athletischer, durchtrainiert bis in die letzte Faser, technisch besser und insgesamt sportlicher. Allerdings wird auch Kritik an der Zusammensetzung der heya geübt, denn Mitglieder eines heya kämpfen bei den großen Turnieren nicht gegeneinander. Wenn ein heya zu stark ist, werden die Kämpfe zu berechenbar und Langeweile breitet sich aus. Deshalb steht zur Debatte, die Regeln zu ändern. Aber solche Debatten dauern in Japan sehr lange.

Rituale vor dem Kampf

Das interessiert Herrn Matsushita kaum. Er konzentriert sich ganz auf diesen Tag, an dem sich jetzt eine gewisse Spannung in der inzwischen gut gefüllten Halle breitmacht. Die Stimmung steigt, vielleicht ein wenig beflügelt von den ordentlichen Mengen Bier, die bereits konsumiert wurden. Frau Matsushita bevorzugt ein kleines Fläschchen heißen Sake.

Gemessenen Schrittes betreten die Sumotori die Halle, verbeugen sich und nehmen am Rand des Rings neben einem Ringrichter Platz. Wieder tritt der Ausrufer in Aktion, kündigt die beiden nächsten Ringer an. Diese erheben sich und steigen an entgegengesetzten Seiten in den Ring, dohyo genannt. Der Hügel von etwa 60 cm Höhe besteht aus gestampftem Lehm, seine quadratische Form repräsentiert die Erde, die runde, von eingegrabenen Reisstrohsäckchen begrenzte Kampffläche von 4,55 m Durchmesser den Himmel: Sumo vermittelt zwischen Himmel und Erde. Deshalb sind auch die Vorbereitungen auf den meist nur Sekunden dauernden Kampf stark ritualisiert.
Hat ein Sumotori den dohyo erklommen, so stellt er sich in seine Himmelsrichtung, hebt ein Bein hoch zur Seite und stampft es wieder auf den Boden, dann erfolgt gleiches mit dem anderen Bein. Dieses Stampfen soll böse Geister vertreiben und war in ferner Vergangenheit auch bei vielen Tempelzeremonien üblich.

Japan / Ringer beim Stampfen

Dann hocken die Ringer gegenüber, verbeugen sich voreinander, klatschen in die Hände, was wieder die Aufmerksamkeit der Götter erregt, und heben mit nach vorne geöffneten Handflächen die Arme. So zeigen sie dem Gegner, dass sie fair und ohne Waffen kämpfen. Jeder geht zu seiner Seite des dohyo, spült den Mund mit „Kraftwasser“ aus und tupft ihn mit „Kraftpapier“ ab, greift eine Handvoll Salz und wirft sie je nach Temperament lässig auf den Boden oder kraftvoll in die Luft.

Japan / Salzwurf
Fukuoka Sumitori wirft Salz

Traditionell dient das aus dem Meer gewonnene weiße Salz zur Reinigung einer geweihten Stätte, doch hier will man sicher auch den Gegner ein wenig beeindrucken.



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