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Lange Lehrzeiten für zukünftige Sumo-Ringer

Unter den Ringern gibt es eine strenge Hierarchie. Alle sind in heya genannten Kampfställen organisiert, in denen sie etwa ab einem Alter von 17 Jahren zusammen leben und trainieren. Dabei müssen die jüngeren Kämpfer auch sauber machen, einkaufen und kochen sowie die Ringer der oberen Ränge bedienen. Dazu kommt das morgendliche Kampf- und Taktiktraining, während nachmittags in den meisten heya das Stemmen von Gewichten auf den modernen Foltermaschinen auf dem Programm steht. Durch gewonnene Kämpfe bei einem offiziellen Turnier kann man sich auf der Rangliste nach oben arbeiten, aber es dauert mindestens zwei Jahre, bis man zu einem der sechs großen nationalen Turniere zugelassen wird, und vier bis fünf Jahre intensiver Anstrengung und eines immer unter der Beobachtung der Gemeinschaft stattfindenden Lebens, bis ein Kämpfer soweit aufgestiegen ist, dass er nicht nur vor hundert picknickenden Zuschauern antritt. Herr Matsushita nimmt noch einen Schluck Tee.

Zeremonien vor dem Kampf

Japan / Ringer mit PrunkschürzeAm späten Nachmittag füllen sich die Ränge, denn nun nahen die Schwergewichte. In feierlichen Gewändern gekleidet treten ein Schiedsrichter und ein Ausrufer auf, dann folgen hintereinander die Ringer der Westdivision, die über dem Lendenschurz, der mawashi genannt wird, noch eine Prunkschürze (Foto) tragen. Dem Rang nach werden ihre Namen, ihre heya und ihre Geburtsregionen ausgerufen. Dann treten sie in den erhöhten Ring, umrunden ihn und stellen sich mit den Gesichtern zum Publikum auf. Eine kurze Zeremonie beginnt, mit Händeklatschen, damit die Götter aufmerksam werden, Recken der Arme und leichtem Anheben der Prunkschürze. Schließlich marschieren sie einer hinter dem anderen wieder hinaus und dieselbe Prozedur wiederholt sich für die Ostdivision. Die Unterteilung in Westen und Osten entstammt der frühen Tradition, als die Ringer noch in den Festungen der Fürsten kämpften und sich damit für die Palastwache, die ebenfalls in Westen und Osten unterteilt war, qualifizieren konnten. Heute ist die Unterteilung mehr zeremonieller Art, sie sagt nichts über die Herkunft der Ringer oder der Mannschaften aus.

Die Sumotori sind nicht allein Kämpfer

Nun beginnen aber die interessanten Kämpfe. Herr Matsushita studiert eifrig einen plakatgroßen Zettel, auf dem die Ansetzungen des heutigen Tages verzeichnet sind. Immer ringt ein Sumotori aus der Westgruppe gegen einen aus dem Osten, in der Hierarchie schreitet man wieder von unten nach oben voran, sodass die Ringer mit dem höchsten Rang, die yokozuna, als letzte drankommen. Um yokozuna zu werden muss ein Sumotori nicht nur über Jahre erfolgreich kämpfen, sondern einige Turniere hintereinander gewinnen oder zumindest hervorragend beenden. Die Turniere dauern 15 Tage und an jedem Tag bestreitet jeder Ringer einen Kampf. Die beste Punktzahl wäre also 15:0, aber auch mit einem oder zwei verlorenen Kämpfen kann noch der Turniersieg errungen werden. Vor dem Zutritt in den Himmel der yokozuna steht aber zudem eine genaue Prüfung durch den strengen und mächtigen Sumo-Verband, der neben den sportlichen Aspekten auch den Lebenswandel des Kandidaten bewertet, denn ein yokozuna soll nicht nur moralisches Vorbild sein, sondern muss auch einige shintoistische Zeremonien durchführen, die in der japanischen Kultur als heilig gelten.



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