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Ziel sind die Sumotori – die dicken Männer

Nach einer halben Stunde ist der Bahnhof erreicht, die beiden Alten zeigen ihre Rentnerkarten vor und marschieren zielstrebig zu den Gleisen für den Shinkansen. Alle zehn Minuten fährt tagsüber einer der Schnellzüge ein, saugt die ordentlich in einer Schlange Wartenden auf und schießt dann hinaus über die Stelzen in den Reisfeldern und durch die zahllosen Tunnel, mit denen die Bergrücken durchbohrt wurden. Familie Matsushita fährt heute nach Fukuoka auf der südlichen Insel Kyushu, die wegen ihrer heißen Quellen berühmt ist. Doch die sind nicht ihr Ziel, sondern eine große Sporthalle, auf die sich die neugierigen Augen der Nation richten. Denn hier kämpfen die dicken Männer, die Sumotori.

Shinto-Priester als Schiedsrichter

Japan / SchiedsrichterSumo ist Japans Nationalsport. Er verbindet sich in vielfacher Weise mit der Kultur und der shintoistischen Religion. Schon vor 2000 Jahren sollen Kämpfe stattgefunden haben, vom 8. bis 12. Jahrhundert gehörten die Ringkämpfe zur Freizeitgestaltung des Kaiserhofes, bei der nebenbei geeignete Kandidaten für die Palastwache ausgewählt wurden. Sumo-Ringer traten in Tempeln an, um Geld für Neubauten oder Renovierungen aufzubringen, und bis heute handeln die Schiedsrichter (Foto) bei den Weihezeremonien des Rings als Shinto-Priester. Erst Ende des 17. Jahrhunderts allerdings wurden Regeln landesweit festgelegt und bestimmte Techniken erlaubt oder verboten, während das professionelle Sumo, so wie es heute betrieben wird, weniger als hundert Jahre alt ist.

Sumo als gesellschaftliches Ereignis

Als das Ehepaar Matsushita am Halleneingang die jeweils über siebzig Euro teuren Eintrittskarten zückt, ist die Atmosphäre noch gelöst. Jüngere Ringer steigen in yukata gekleidet aus Taxis, werden von jungen Mädchen und schüchternen Ausländerinnen zu Fotos eingeladen und schlappen dann auf Gummilatschen feixend durch die Gänge zu den Aufwärmräumen. Herr Matsushita inspiziert das Angebot an Souvenirs und entscheidet sich für eine große Tüte mit Sumo-Kalender, Erinnerungsbuch mit Farbfotos aller Ringer, Sumo-Püppchen und einigen Snacks. Noch zwei Dosen Bier, dann werden die beiden Alten zu ihrem Platz gar nicht weit vom Ring geführt. Die Halle ist noch leer, obwohl schon seit drei Stunden Kämpfe der jüngeren und schmaleren Sumotori stattfinden. „Hänflinge“ nennt der dünne Herr Matsushita sie und packt sein Picknick aus.



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