Der Mönch vom schwarzen Fluss
Die Malerin Anne Steinen ist in Cork geboren: „Diese Stadt brummt vor Ideen. Sie ist voll mit jungen, kreativen Leuten“, schwärmt sie und ärgert sich, dass „so viele Projekte an den Behörden oder simplen Versicherungsfragen scheitern“. Im Kulturhauptstadtjahr 2005 sollte sich das ändern.
Aus zweitausend Vorschlägen, die die städtische Veranstaltergesellschaft auf ihre europaweite, offene Ausschreibung erhalten hatte, wählten die Juroren vierzig Projekte aus: Ausstellungen zur Geschichte der Ozeanriesen, die den Corker Hafen Cobh mit Nordamerika verbanden, ein Straßentheaterfestival, ein Monat der Kindheit, ein Ruderrennen vom 23 Kilometer entfernten Atlantik in die Innenstadt, Gastspiele von Performancekünstlern und Theatern aus den neuen EU-Ländern, Kunstausstellungen und viele kleinere Ereignisse unter dem Motto Kunst für alle.

Lusitania Denkmal: Ein deutsches U Boot versenkte
am
7. Mai 1915 vor Cobh (damals Queenstown) den
Nordatlantikliner "Lusitania". Die wenigen
Überlebenden
gingen in Queenstown an Land.
Der Heilige Fin Barre würde sich über diese quirlige Stadt zu Füßen seiner Kathedrale wundern. Er hat sich einst hier niedergelassen, um dem Rummel auf seiner Insel zu entfliehen. Als immer mehr Pilger in seine Einsiedelei auf der Insel Gugan Barra kamen, machte er sich auf die Suche nach einem ruhigen Plätzchen, an dem er Gott nahe sein konnte. Der eigenwillige Mönch folgte dem Lauf des schwarzen Flusses nach Osten. Schließlich gründete er vor 800 Jahren an einer Biegung des Lee ein neues Kloster, die Keimzelle der Stadt Cork.

Cork ist stolz auf seine Tradition der meist friedlichen Begegnungen verschiedener Kulturen. In der Bucht, die der Lee-Fluss unten am Meer geschaffen hat, landeten Wikinger, Normannen, Engländer und Hugenotten, die alle ihre Spuren in der Stadt hinterlassen haben. Das von den Religionsflüchtlingen aus Frankreich im siebzehnten Jahrhundert gebaute Hugenottenviertel ist heute ein beliebtes, autofreies Ausgehviertel mit vielen neuen Bars und Restaurants. Ein Platz trägt dort den Namen des Gitarristen Rory Gallagher. Er ist Corker wie der „Befreier Irlands“, Frank O’Connor.
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