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Ausstellungsorte in Chur: Forum Würth/Skulpturenpark/Bündner Kunstmuseum


Chur
Skulpturenpark
dauerhaft

Die Sammlung Würth, deren Ursprung in den 1960er Jahren liegt, konzentriert sich auf die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und umfasst heute rund 18000 Werke der Malerei, Grafik und Bildhauerei. Initiiert durch Reinhold Würth präsentiert sich die Corporate Collection seit 1991 vorwiegend am Ort des Firmensitzes im süddeutschen Künzelsau im Museum Würth sowie in der 2001 eröffneten und nur 20 km von Künzelsau entfernten Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Doch auch in Chur (Schweiz) ist Kunst aus dem Hause Würth präsent. Der Park wurde im Juli 2007 eröffnet und lädt zur Begegnung mit Kunst ein.

tongue

Phallisch mutet die silbrig-glänzende Skulptur an, die der aus Sent stammende und zur rätoromanischen Minderheit gehörende Not Vital geschaffen hat: „Tongue“ entstand 2008 aus rostfreiem Stahl und misst beinahe acht Meter. Aus dem Originalabguss einer Rinderzunge schuf der Künstler sein riesiges, gen Himmel sich reckendes Gebilde. Man denke sich dabei vielleicht auch die Rinderzungen, die bei Tiertransporten am Gestänge der engen Boxen lecken. Betrachtet man die Skulptur könnte man auch an einen schmelzenden Eiszapfen denken, der in den Höhe der Alpen entstanden ist und in rostfreiem Stahl den Weg nach Chur gefunden hat.

 

nana noire


Mit ihren Nanas und Schießbildern sorgte die französische Malerin, Bildhauerin, Architektin und Aktionskünstlerin Niki de Saint Phalle für Aufsehen. Ein Großteil ihrer Werke, nicht nur ihre Nanas, sind im Sprengel Museum Hannover und am Leineufer der niedersächsischen Landeshauptstadt zu sehen. Auch im Skulpturenpark in Chur stößt man auf zwei Arbeiten dieser Künstlerin, die in einer Art eigener Märchenwelt gefangen gewesen ist. „Nana Mosaïque Noire“ aus dem Jahr 1999 scheint trotz ihrer fülligen Formen die Bodenhaftung aufzugeben und selbstvergessen zu tanzen. Tanzt sie gar den Blues? Auf einem pyramidalen Socken aufgesetzt wurde von Niki de Saint Phalle „Le Monde“, die Versinnbildlichung der Welt. Eine blaue Nana im goldenen Einteiler dreht sich elegant auf der Weltkugel, um die sich eine bunte Schlange windet. Nimmt die Künstlerin dabei auf die biblische Vertreibung aus dem Paradies Bezug? Das ist ungewiss. Es scheint, als dirigiere die auf einem Bein balancierende blaue Nana die Welt in ihrem Sinne. Dazu hält sie gleich zwei Dirigentenstäbe in den Händen.

 

nana le monde


Wo Niki de Saint Phalle ist, darf ihr Lebensgefährte Jean Tinguely nicht fehlen. Und so ist es auch im Park rund um das Forum Würth in Chur. Übrigens, mit dem

Eisenplastiker Bernhard Luginbühl, der mit Arbeiten auch im Park präsent ist, verband ihn eine langjährige Freundschaft. Mit ihm und weiteren Künstlern, sowie mit seiner Frau Niki de Saint Phalle realisierte er diverse gemeinsame Projekte. „Markenzeichen“ von Tinguely sind seine beweglichen maschinenähnlichen Skulpturen, die er aus Ready Mades fertigte. Für seinen Freund, den Formel-I-Piloten Jo Siffert schuf er eine Fontäne, die, wie konnte es auch anders sein, den Titel „Fontaine pour Joseph Siffert“ (1969) trägt. Als Material zur Gestaltung dienten Gummiriemen, Gummischlauch, E-Motor, Stahlräder, Rohre, eine Radnabe und weitere Teile von Maschinen, die er neu zusammensetzte, so dass eine sich drehende Fontäne entstand.

 

tinguely


Tinguelys Freund Bernhard Luginbühl stellt auf Zeit sein „Ding auf Barocksockel“ aus. Auf einer Säule, die auf ihrem reich floral verzierten Säulenknauf steht, ruht eine riesige „Aufziehschraube“ und eine Art Glockengehäuse. Für sein „Bauerndenkmal“ hat der Schweizer Eisenbildhauer eine Reihe von Pflugscharen miteinander verbunden.


Bis in den Oktober 2019 hinein zeigt man außerdem weitere Arbeiten von Luginbühl, so „Boss mit Saurierknochen“ , die „Schubstangenfigur“ und „Dampfkesselfragment“. Dabei scheint sich der Künstler vor der modernen Eisenzeit zu verneigen, die längst verschwunden ist.

 

luginbuel


Carlo Barer verdanken wir „370 - Loftshape“, eine Skulptur, die in der Formensprache an Max Bills Moebius-Schleife anzuknüpfen scheint. Vom gleichen Künstler stammt auch ein silbrig glänzendes „Schneckenhausgerippe“ aus Chromstahl, das er mit „400 -Transformer“ betitelte. Man stelle sich bildlich das Gehäuse einer großen Tritonschnecke vor, dessen Kalkstruktur allmählich zerfällt.


Der Parkbesuch kann am besten in Verbindung mit einem Besuch der wechselnden Ausstellung im Forum Würth erfolgen und ist jederzeit möglich.

 

barer


Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Informationen
Forum Würth Chur
Würth International AG
https://forum-wuerth.ch/de/


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