Zu Besuch in Barentsburg auf Spitzbergen

Kohle, bunte Häuser und ein bisschen Lenin

Text und Fotos: Uwe Lexow

 

Barentsburg - Spitzbergen

„Viele Wege führen nach Rom“ heißt es im Sprichwort – nach Barentsburg, rund 55 Kilometer von der Hauptstadt Spitzbergens entfernt, gibt es nur zwei: Im Sommer gelangt man mit dem Ausflugsboot oder dem Kreuzfahrtschiff zum zweitgrößten Ort der Inselgruppe, im Winter per Hunde- oder Motorschlitten.

Knapp 500 Menschen leben hier, zumeist Russen und Ukrainer mit ihren Familien. Barentsburg- das ist einer der Außenposten Russlands im hohen Norden, ganz anders als Longyearbyen, etwas geisterhaft und doch lebendig und spannend.

Es ist Anfang August. Der Gronfjord, der „grüne Fjord“, ist eisfrei. Vor uns liegt Barentsburg, von den Niederländern um 1920 als Bergbausiedlung gegründet, und benannt nach dem großen Entdecker Wilhelm Barents, der die Inselgruppe am 19. Juni 1596 sichtete, während er auf der Suche nach der Nordostpassage war.

Barentsburg auf Spitzbergen

Es ist ein merkwürdiges Panorama, das sich vom Schiff aus bietet: Sowjetisch geprägte Architektur mit grell-bunten Fassaden, die geschmacklich nicht jedermanns Sache sind, alte Holzbauten, eine hölzerne Kapelle, Hafenanlagen, - alles ein bisschen klapperig. Irgendwie passt das alles nicht zusammen - oder doch??

Barentsburg auf Spitzbergen

Oberhalb der Ortschaft befindet sich am Berghang oberhalb eines schrecklich-schönen Wohnblocks ein sozialistischer Stern und die Parole Miru Mir (Weltfrieden).

Gleich am Hafen: Das Kohlekraftwerk. Es versorgt den zweitgrößten Ort Spitzbergens mit Energie.

Barentsburg auf Spitzbergen

Das Gebäude des Hafenmeisters hat schon bessere Zeiten erlebt. Es steht schon lange leer.

Barentsburg auf Spitzbergen

„Trust Arcticugol“ steht über dem Ortsnamen. 1932 verkauften die Niederländer ihren Besitz in Barentsburg an eine russische Gesellschaft. Noch heute befindet sich die Kohlemine von Barentsburg im russischen Staatsbesitz.

Auch wenn nach dem Svalbardvertrag von 1920 jeder der Unterzeichnerstaaten auf Spitzbergen Bodenschätze abbauen darf, wird die Möglichkeit nur von Norwegen und Russland genutzt.

Wirtschaftlich gelohnt hat sich der Kohleabbau in Barentsburg nie, und mit einer Fördermenge von 100.000 t Kohle pro Jahr kann der Ort ohne massive russische Unterstützung nicht leben.

Barentsburg auf Spitzbergen

Meist arbeiten die Kumpel - etwa 150 Bergleute arbeiten unter Tage - nur 2 Jahre auf Svalbard und kehren dann in ihre Heimat zurück. Die Löhne sind wesentlich höher als in Russland, die Arbeits,- und Lebensbedingungen nur ein paar Kilometer vom Polarkreis entfernt eher schlecht: Mehrere Grubenunglücke sorgten für Spekulationen über die Sicherheit der russischen Minen. Nachdem es im Jahr 2013 erneut zu drei schweren Grubenunglücken mit zwei Toten und einem Schwerverletzten gekommen war, belegte der Sysselmann die russische Bergbaugesellschaft Trust Arcticugol mit einem Bußgeld in Höhe von 1,3 Millionen norwegischen Kronen. Das sagt eigentlich alles.

Die Jahresmitteltemperatur liegt bei -6 Grad. Im Sommer wird es kaum wärmer als 8 Grad, die Polarnacht  dauert vom 26. Oktober bis zum 16. Februar. Die Temperasturen liegen bei – 16 Grad im Februar. Von Mitte November bis Ende Januar bleibt die Sonne mehr als sechs Grad unter dem Horizont, es tritt also nicht einmal eine Dämmerung ein.

Aber es geht auf Spitzbergen nicht um wirtschaftlichen Erfolg, sondern im Präsenz und Einfluss im Norden, in einer Zeit, da das arktische Eis schmilzt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis die nördlichen Routen ganzjährig eisfrei sind.

Das alte Telefon am Gebäude des Hafenmeisters hat schlechte und bessere Zeiten überdauert. Keine Ahnung, ob es noch funktioniert. Jedenfalls hat man den Eindruck, als wäre Putin am anderen Ende der Leitung, wenn man den Hörer abnimmt.

Barentsburg auf Spitzbergen

Eine Holztreppe mit unzählichen Stufen führt vom Hafen ins Zentrum des Örtchens, das seit 1989 seine Pforten für den Tourismus geöffnert hat. Ziemlich erschöpft stehen wir vor dem großen Kulturhaus mit Schwimmbad und einen Souvenirshop. Daran schließt sich die „Hauptstrasse“ an. Wer möchte und mit dem russischen Akzent der Guides zurecht kommt, kann sich dort einer geführten Tour anschließen. Mit ein bißchen Abenteuerlust kann man die Siedlung aber auch allein erkungen. Der Weg zum Pomor-Museum ist leicht zu finden, auch das russische Konsulat, und links und rechts der „Hauptstrasse“ finden sich tolle Fotomotive.

Barentsburg auf Spitzbergen

Ins Auge fällt die die hölzerne Kapelle. Sie wurde 1998 errichtet, als Erinnerung an 141 Flugzeuginsassen, die am 29.August 1996 um 10.22 h ums Leben kamen, als die Besatzung eines russischen Flugzeuges Tupolew Tu-154  bei schlechter Sicht die Orientierung verlor und die Maschine mit einem Berg kollidierte. An Bord befanden sich fast ausschließlich Minenarbeiter der Firma Arcticugol. Offiziell heißt der Crash von Flug Vnukovo Airlines 2801 von Moskau nach Barentsburg  „Operafjellet Unglück“. Es war nicht das einzige Flugzeugunglück auf Spitzbergen.

Barentsburg auf Spitzbergen

In der Kapelle fühlt man sich ins tiefste Russland versetzt. Handgeschriebene Erinnerungen, Erklärungen, Mahnungen, Heiligenbilder . Einen ortsansässigen Priester gibt es Barentsburg nicht. Die Kapelle steht jedermann offen, die Glocken neben der Kapelle dürfen aber nur von geweihten Personen geläutet werden. Wir widerstehen mühsam der Versuchung, an den Tauen zu ziehen.

Barentsburg auf Spitzbergen

Die hölzerne Zuwegung zur Kapelle ist in einem katastrophalen Zustand. Der Permafrost sorgt dafür, dass sich die Laufstege jedes Jahr erneut verschieben. Geld für eine Erneuerung der Stege fehlt oder wird in andere Objekte investiert. Von der Kapelle aus hat man einen schönen Blick auf den Gronfjord und alte Berarbeiterhüttten.

Barentsburg auf Spitzbergen

 

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