Drei-Länder-Meer und Fürstentum

Mit dem Fahrrad auf dem Bodensee-Radweg und durch Liechtenstein

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Der Bodensee-Radweg und Liechtenstein bieten eine Menge Varianten an Radtouren - von der kurzen Stippvisite bis zu ausgedehnten Radreisen.

Bodensee-Radweg - Der bayerische Löwe an der Hafeneinfahrt in Lindau

Der bayerische Löwe an der Hafeneinfahrt in Lindau

Majestätisch und dennoch gelassen blickt er aufs dunkle Wasser hinaus. Er ruht ganz in sich selbst. Und plötzlich, in der Dämmerung, beginnt er orangerot zu leuchten. Auch das kratzt ihn nicht. „Schleich di!“, mag er sich denken, „Und starr mich nicht so an!“ Der Bayerische Löwe an der Hafeneinfahrt in Lindau besteht aus acht Tonnen Kelheimer Marmor und wacht dort seit 1856 gegenüber dem Neuen Leuchtturm. Somit ist klar, wer hier in diesem Zipfel am Bodensee das Sagen hat: Bayern.

Dahinter auf dem Hafenplatz steht der 33 Meter hohe Mangturm oder Alte Leuchtturm. Ringsherum sitzt man auf den Terrassen der Cafés und Restaurants und genießt ein Glas Bodenseewein mit Blick auf dieses Schauspiel und das dunkle Wasser. Um die Ecke steht das Alte Rathaus mit seinen prächtigen Wandmalereien, nicht weit davon das Münster „Unserer Lieben Frau“. In den krumm verlaufenden Gässchen auf der Insel lässt es sich herrlich umherstreifen.

Über den Damm geht’s per Fahrrad aufs Festland und nach rechts auf den Bodensee-Radweg Richtung Österreich. Doch einmal noch sollte man die Bremsen ziehen: Am „Strandhaus“ in Lindau, wo es zu 100% selbst Gemachtes zu verspeisen gibt. „Das ist auch bei den Nudeln so!“, betont Chef Klaus Winter. Der Fokus liegt auf regionalem Fleisch, das hier durch sehr lange Garzeiten bei niedriger Temperatur auf indirektem Holzfeuer schonend verarbeitet wird. Man schmeckt's. Dazu dürfen hier die klassischen Maultaschen natürlich nicht fehlen.

Badi - Anstalten machen zu baden

Bodensee-Radweg - Nostalgiebad Mili, Bregenz

Nostalgiebad Mili in Bregenz

Gleich am Anfang von Bregenz lockt das Mili-Nostalgiebad aus dem Jahre 1825 aus dem Sattel, ein hölzerner Pfahlbau mit Umkleidekabinen und Treppenzugang in den See. Von ihnen werden wir noch viele sehen, und die Frage ist: Welches ist das schönste oder kurioseste? Mir persönlich gefallen die alten Pfahlbauten am besten: In Bregenz das Mili mit seinen verschieden benannten Bereichen wie z. B. dem Drachenfelsen, der so heißt, weil hier hauptsächlich ältere Damen „ihr“ Revier verteidigen, oder Afrika, dem südlichen Teil. In Rorschach das „Badi“, wie es liebevoll genannt wird, oder das lindgrüne Badehaus in Bad Schachen sind meine weiteren Favoriten.

In der Bregenzer Unterstadt ist momentan Markt mit Bergkäsen aus Vorarlberg, Blumen und Gemüse. Auch die Nepomuk-Kapelle und das moderne, würfelförmige Kunsthaus sind sehenswert. Doch wer das ruhige, urige Bregenz kennen lernen will, sollte die Mühe nicht scheuen und gen Oberstadt radeln: Dort auf dem Ehragutplatz geht es ruhig zu wie in einem Dorf. Mittelalterliche Bauten und verwinkelte Gassen gilt es zu entdecken genauso wie den Martinsturm mit seinem Holzschindeldach oder ehemalige Wehrgänge, die heutzutage mit Balkonpflanzen geschmückt sind.

Bodensee-Radweg - in der Bregenzer Oberstadt

In der Bregenzer Oberstadt

Durch das Untere Tor rollen wir wieder hinab, an der Seebühne vorbei und Richtung Rhein, wo wir abbiegen gen Fürstentum Liechtenstein. Am der österreichisch-schweizerischen Grenzübergang liegt das „Habsburg“ direkt am Radweg. Der kleine Grenzverkehr von und zur In-Kneipe ist rege, und wir gönnen uns eine Pause. Sobald möglich biegen wir ab auf die „Liechtensteiner Rheintalroute“, mit Schweizer Beschilderung „Veloroute 35“, denn auf dem zwar glatt asphaltierten Rheindamm neben der Autobahn her zu fahren ist wahrlich kein Vergnügen. Mäandernd geht es nun durch Auwälder, an Bächen entlang begleitet von Vogelgezwitscher. Fast alle Baumstämme sind komplett von Efeu umwuchert.

Bodensee-Radweg - Seebühne, Bregenz

Seebühne, Bregenz

Hoi! - Vaduzer Städtle und Fürstentum

„Hoi!“, ruft ein Radfahrer. Das scheint der Liechtensteiner Gruß zu sein, denn auch das Souvenirgeschäft im Hauptort Vaduz heißt so. Rund um Vaduz stehen die Berge Spalier und tragen Namen wie Kuegrat, Garsellikopf oder Sarojasattel. Schloss Vaduz klebt hoch oben am Hang. Auf der „Fünf-Schlösser-Tour“ fahren wir zunächst dorthin, zum Wahrzeichen des Fürstentums. Leider ist es aber nicht zu besichtigen, denn hier residiert die fürstliche Familie.

Bodensee-Radweg - Schloss Vaduz, Liechtenstein

Schloss Vaduz in Liechtenstein

Das Land ist klein: 160 Quadratkilometer und rund 37.600 Einwohner. Hier befindet man sich zwischen Alpenflair und Hightech. Die Krone als Symbol prangt auf den Liegestühlen vor dem Tourist Office genauso wie auf den zu erstehenden Bleistiften. Im viertkleinsten Staat Europas trifft man auf Finanzexperten, Kulinarik-, Monarchie- und Autofans, die gerne im Rheintal herumbrettern. Pro Liechtensteiner soll es 1,03 Motorfahrzeuge geben. Allzu oft hört und sieht man sie durchs Rheintal donnern. Eine Förderung der Radkultur tut dem Land also gut. Und ja, teuer ist es. Bezahlen kann man übrigens in Euro, das Rückgeld aber sind Schweizer Franken.

Die „Fünf-Schlösser-Tour“ führt weiter in den Schweizer Ort Buchs mit Burg und Städtchen Werdenberg, der angeblich kleinsten Stadt der Schweiz mit ca. 55 Einwohnern. Entsprechend putzig geht es zu: Um die 40 mittelalterliche, teils reich bemalte Häuser gruppieren sich um das Schloss, in dem sich heutzutage ein Museum befindet. Weiter führt die Tour zur Burgruine Wartau, Schloss Sargans, Burg Gutenberg in Balzers, die auf einem Felssporn thront, und schließlich zurück ins Vaduzer Städtle.

Bodensee-Radweg - Schloss und Städtchen Werdenberg; Buchs in der Schweiz; Fünf-Schlösser-Tour ab/bis Liechtenstein

Bemaltes Haus im Stadtchen Werdenberg

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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