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Eine Sternstunde der Safari

Szenenwechsel. Giraffen, Elefanten und Zebras stehen in der offenen Savanne wie bestellt beisammen, eine Handvoll Wölkchen, ein mächtiger Baobabbaum mittendrin. Am Horizont spielt sich eine Sensation ab. Zu allem Überfluss zieht sich der Sonnenball hinter einer Hügelkette zurück, schlägt einen Farbenfächer von Blutrot über Bernstein bis Gelbgold und lodert weit in die Steppe hinein. Aufgeregt greifen alle zur Kamera – klack, klack, klack. Diese Silhouette ist die Sternstunde für Safarireisende. Freigebig stellt der Ruaha Nationalpark im südlichen Hochland Tansanias seine Schätze zur Schau. Der Kontrast ist perfekt.

Tansania Safari Jeep

„Jambo!“ – Hallo! begrüßt Sarah Fox gutgelaunt die Neuankömmlinge auf dem sandigen Landeplatz mitten im Wildgebiet. Ein besseres Empfangskomitee für ihre Gäste kann sich die braungebrannte Engländerin im Safari-Look nicht denken. „Ruaha ist einer der wild- und artenreichsten Naturparks in Afrika“, sagt sie lässig und fährt los. In der linken Hand das piepende Funkgerät, mit rechts lenkt sie den Landrover behutsam durchs Gelände. Das satte, dichte Grün des Selous ist verblasst. Ruaha protzt mit Gelb- und Grautönen, trockenen Schirmakazien, ausgedörrten Gräsern, verholzten Sträuchern und rußschwarzen Stöcken. Auch hier ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Nirgendwo ein Jeep, asphaltierte Straßen, ein Schlagbaum, an dem Besucher abgezählt würden. Impalas springen im Zickzack. Dikdiks und Klippschliefer, angeblich nahe Verwandte des Elefanten, flitzen aufgescheucht durchs Unterholz. Giraffen knabbern an einer Akazie. Am Fluss grast seelenruhig eine Riesenherde Zebras. Dies muss eines der letzten Paradiese Afrikas sein.

Tansania Safari Wildnis

Die Ruaha River Lodge, die Sarah und ihr Mann Peter betreiben, liegt am gleichnamigen Fluss auf einem Felsen. Eines von fünf Camps im Ruaha Nationalpark, der mit 13.000 Quadratkilometern Tansanias zweitgrößter ist. Die rustikalen Bandas, wie die Hütten heißen, bestehen aus rohen Steinquadern mit Dächern aus Stroh, jede mit Dusche und WC - mehr Komfort gibt es nicht. Im unentdeckten Südtansania ist man nicht auf Gäste eingestellt, die Champagner und Kaviar brauchen.

Das Abendrot wird zur Sucht

"It’s tea-time, girls!“ flötet der schwarze Kellner, der Tee und zwei Butterkekse auf dem hölzernen Klapptisch vor der Banda serviert. Es ist kurz nach sechs, die beste Zeit, um Wildtiere zu sehen. Guide Francis und der Fahrer Ayubu laden zum „Drive“ ein. Beim Verlassen des Camps warnt ein Hinweisschild: „Animals are dangerous. Take no liberties with them!“ – Wildtiere sind gefährlich. „Manche Europäer finden unsere Katzen plötzlich so süß wie ihre eigenen“, erklärt Francis den Hinweis.

Tansania Safari Giraffe

Den Giraffen gehören sofort alle Sympathien. Mit der Grandezza des tansanischen Wappentiers stolzieren die Langhälse umher. Natürlich stellt Francis die Fangfrage aller Fangfragen: „Wie viele Halswirbel hat die Giraffe?“ - Sieben, nicht mehr als der Mensch. Wer es nicht wusste, geniert sich auf die Schulbank zurück. Ayubu fährt im Schritttempo abseits der Sandpisten durch Gestrüpp und Steine. Francis lauert mit Raubtieraugen den Wildtieren auf. „Kudus“, ruft Francis und zeigt in den Busch hinein. Während Francis Arm vom Zeigen schon halb lahm ist, sucht das untrainierte Auge die schiefergrau-sandbraune Landschaft wie im Suchbild nach den famos getarnten Streifenantilopen ab.

Tansania Safari Flusslandschaft

Nach den Elefanten zeigen sich am zweiten Tag drei der übrigen „Big Five“. Ein mächtiger schwarzer Kaffernbüffel an einer Wasserstelle. Dann macht Francis eine Löwenfamilie aus. Ayubu pirscht sich mit dem Rover bis auf wenige Meter heran und stellt den Motor ab. Wie zwei eitle Diven liegen Mutter und Tochter auf dem hohen Steinklotz und lassen sich wohlgefällig von allen Seiten, vom Tatzenheben bis Naserümpfen, ablichten. „Solange Ihr im Wagen bleibt, tun sie nichts“, beruhigt Francis aufkeimendes Herzklopfen. Nur Büffel, Elefanten und Nashörner stürzen einen Jeep locker um. „Rhinozerosse stellen jedoch keine Gefahr mehr dar“, sagt Ayubu bitter. „Wilderer haben sie so gut wie ausgerottet.“ In ganz Tansania leben nur noch 17 Spitzmaulnashörner. „Nur der Hunger treibt Wildtiere zur Jagd, nie das Besitzstreben. Unter Tieren gelten Respekt und faire Waffen.“ Mitten in der Wildnis stehen wir plötzlich vor den elementaren Fragen der Zivilisation.

Tansania Safari Abend

Abends im Camp treffen sich alle oben in der Felsen-Bar. Safarigeschichten werden ausgetauscht, alle klingen wie Eroberungen. Peter Fox ist den biblischen Frieden, der im Ruaha Nationalpark noch herrscht, froh. Die meisten Touristen klappern Tansanias Norden ab, die Serengeti, den Kilimanjaro und den Victoria See. Die Serengeti, flächenmäßig kaum größer als Ruaha, zählt jährlich rund 45.000 Besucher, Ruaha nicht einmal ein Zehntel. Dennoch wünscht sich der Camp-Chef mehr Tourismus. „Der Parkbetrieb kostet rund 700.000 Dollar im Jahr“, rechnet Peter vor. „Umgerechnet bräuchten wir jährlich 15.000 Gäste, um den Parkfrieden und den Schutzauftrag zu gewährleisten.“ Als die Sonne untergeht, gerät auch Peter ins Schwärmen: “Dieses Leben ohne Uhr, das sich einfach nach der Natur richtet, und dieses einmalige Abendrot, das ist wie eine Sucht.“ Als Finale dieses grandiosen Tages sehen wir auf der Spitze einer benachbarten Berggruppe gerade noch, wie sich der gescheckte Kopf eines Leoparden zurückzieht.



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