DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Zu Gast bei den Buschleuten

Unterwegs in Tansania

Text und Fotos: Dirk Schröder

„We have to go", unterbricht Hassan unser Gespräch und deutet auf den weißen Jeep hinter uns. „Oh, oh, wo sollen wir da noch hin?“ frage ich mich. „In der Vorderreihe sitzen schon zwei, ohne den Fahrer mitzuzählen, die beiden Querbänke ganz hinten im Landrover sind inzwischen gestopft voll und unsere Rucksäcke auf dem Dach sind unter anderen Gepäckstücken nicht mehr zu sehen. Michael zwängt sich in die zweite Reihe, wo schon eine Frau sitzt, daneben kommt Hassan und zur anderen Seite Caspar. Ich quetsche mich ganz selbstverständlich vorne an den Fensterplatz. Dem Fahrer bleibt bei der Enge nichts anderes übrig, als seinem Nachbarn zwischen die Beine zu greifen, um den ersten Gang einzulegen. Dann geht es endlich zu den Buschleuten - nein, noch nicht so richtig. Erst noch ein Stopp bei der Tankstelle, aber dann. "'Wie viele zählst Du noch hinter dir?" frage ich Michael. "Fünf Kinder und vier Erwachsene" dringt seine Antwort nach kurzer Pause zu mir vor. Und acht in den beiden vorderen Reihen ergibt 17. Erst später bemerke ich, dass auf dem Dach noch fünf Männer kauern.

Tansania - Jeeps

Wir alle sind auf dem Weg nach Barasani am Rande des Lake Eyasi, der sich am Rande der Serengeti ausdehnt. Von Karatu, dem beliebten Ausgangspunkt für Safaris in den Ngorongo Krater ist die Staubpiste die einzige Verbindung in den abgelegenen Winkel Tansanias, der seit Menschengedenken von Buschleuten bewohnt wird. Wissenschaftler sehen das Gebiet als die Wiege der Menschheit an. Durch die zunehmende Bewirtschaftung der fruchtbaren roten Erde ist die Zahl der letzten Jäger und Sammler Ostafrikas auf 800 – 1200 Menschen geschrumpft. Michael und ich wollen einige Zeit mit ihnen leben und von ihnen lernen. Den jungen Schweizer habe vor einem Jahr bei einem Treffen der Wildnispädagogen kennengelernt. Als er von seinem Vorhaben erzählte, war ich sofort Feuer und Flamme und machte alles möglich, um ihn zu begleiten.

Michael war bereits vor einigen Monaten nach Tansania gereist, wo er Hassan und Caspar getroffen hat, die den Kontakt zu den weit abseits in der Dornensavanne lebenden Buschleuten herstellen können. Sie sind nur wenig älter als er und schnell ist eine tiefe Freundschaft entstanden. "Micel is a good man", sagt Hassan mit großem Respekt. Beide waren nach Arusha gekommen, um uns dort nach der langen Fahrt von Nairobi in Empfang zu nehmen. Im Bus wurden schon die ersten Möglichkeiten ausgelotet, die Nomaden weit abseits der Orte zu treffen. Hassan spielt dabei eine wichtige Rolle, weil er im Land der Hadzabe aufgewachsen ist und immer noch guten Kontakt zu ihnen pflegt.

Durch das offene Fenster brennt mir nun die Sonne auf die wenigen freien Hautstellen. Am Horizont glitzert für Augenblicke der See, dann wieder Buschwerk. Die Häuser nehmen zu. Ich bin sprachlos, wie dicht dieses Gegend besiedelt ist. Später erfahre ich von Caspar, dass im Dorf Barasani etwa 2000 Menschen leben, im ganzen Gebiet des Sees schätzt er die Bevölkerung auf 10.000. Alles, was in den kleinen Geschäften verkauft wird, muss über diese Holperstrecke. Strom gibt es nur durch private Generatoren, dafür aber guten Handyempfang.

Tansania - mit dem Motorad unterwegs

Nach einigen Einkäufen geht es mit zwei Motorrädern weiter Richtung See. Mein großer Rucksack wird geschickt mit Gummibändern auf dem schmalen Gepäckträger der Honda befestigt. Sie sind aus alten LKW-Schläuchen geschnitten und in einigen Läden hier erhältlich. In Windeseile haben die beiden Männer alles verzurrt und noch einen Karton Mineralwasser mit der Aufschrift „Kilimanjaro“ oben draufgebunden. Mit dem kleinen Rucksack auf dem Rücken klemme ich mich zwischen Gepäck und Lenker der XLR. Links baumelt noch die Fototasche. – „Typisch Touri" denke ich mir dabei. Caspar steht neben mir und schaut mich etwas fragend an. "Kannst du den Rucksack nach vorne auf den Bauch hängen, damit ich hinten noch drauf kann?" höre ich seine englischen Brocken. Da muss ich ihn wohl lange sehr entgeistert angeschaut haben.“Das kann nicht sein Ernst sein“, denke ich mir, sehe aber keine andere Möglichkeit, denn auf der roten Enduro haben sich schon Hassan und Michael eingeklemmt. Also Rucksack nach vorne und Caspar hinten drauf. Den Lenker konnte ich kaum bewegen, weil der Rucksack zwischen Tank und meinem Kinn klemmte. Hinten die schwere Last und dazwischen Caspar eingekeilt, jongliere ich über Sandpiste. Anhalten wäre fatal geworden, umfallen darf ich mir gar nicht vorstellen. Jetzt kommen mir meine langjährigen Motocrosserfahrungen wieder zugute. Es ist doch nichts umsonst, was man im Leben so alles lernt, denke ich mir. Irgendwie haben wir es in der Staubwolke von Hassan und „Micel“, wie er hier genannt wird, geschafft, das grüne "Living Tree Camp" zu erreichen. Ich muss wohl unter dem großen Baum eingeschlafen sein. Michaels aufgeregten Worten „schau, da sind die ersten Buschleute!“ bringen mich blitzschnell wieder in die Gegenwart. Zwei Männer mit nacktem Oberkörper kommen auf uns zu. Beide halten sie Pfeil und Bogen in der Hand, ihr Gang wirkt entschlossen würdevoll. Wir erfahren von Caspar, der sich um dieses Camp kümmert, das immer wieder kleine Gruppen in die Orte kommen, um sich etwas Geld durch Safariunternehmen zu verdienen, das dann oft in Alkohol getauscht wird. Die Hadzabe sind Nomaden und leben in kleinen Familienverbänden von 20 bis 50 Mitgliedern. Dort, wo die Strukturen noch intakt sind, gibt es die klassische Aufteilung wie seit Jahrtausenden. Die Männer gehen mit Pfeil und Bogen auf die Jagd und die Frauen sammeln Beeren, Wurzeln und holen Wasser. Wenn die Ressourcen weniger ergiebig sind, wandern sie weiter und bauen an anderer Stelle in ihrem Stammesland die igluförmigen Grashütten auf. Am Rande der Siedlung beginnt das Stammesland der Buschleute, wo Hassan einige Familien vermutet.

Tansania - Pfeil und Bogen

Mit den Motorrädern in die Steinzeit

Nach dem vielen Papierkram sind wir endlich auf dem Weg nach Maji Moto, wo Michael beim letzten Aufenthalt einige Buschleute getroffen hat.

Die Lehmhütten werden weniger, der Sandboden wird weicher. Schließlich knattern wir nur noch an stacheligen Büschen vorbei. Mit einem Schlag verändert sich die Landschaft. Vor uns liegt eine Weite, die wie ein ausgetrockneter See wirkt. Der Boden hat Risse, die Erde ist weiß, salzig weiß. Mitten drin einige braune, aufgetürmte Rundfelsen, davor eine Wasserlache, die von heißen Quellen gespeist wird und dahinter eine kleine Hütte. „Wo sind wir hier nur gelandet?“ will ich wissen. "Das nennt sich Maji Moto" erklärt mir Michael. „Die Hadzabe leben nicht weit von hier!“ Der erfahrene Traveller hatte die Koordinaten im GPS gespeichert und von Hassan gehört, dass die Gruppe immer noch im gleichen Camp lebt. Der Mann mit dem Lederkappi braucht etwas Zeit, um sich zu orientieren, dann findet er den unscheinbaren Weg. Es dauert nicht lange, da biegt Hassan vor mir ins Nichts ab. Dornengebüsch streift unsere Hosen, meine Hände sind durch Plastik am Lenker geschützt, die Hemdsärmel gefährdet.

Tansania - Buschleute

Was ich jetzt sehe, kommt mir vor wie gestellt für uns Weiße: Männer und Jungs sitzen auf dem Boden und arbeiten an Pfeil und Bogen, die Mädchen und Kinder spielen bei den Frauen, die im Schatten Perlen zu Ketten auffädeln. Erst viel später wird mir klar, dass dies ihr Alltag ist, das ist echt. Wir begrüßen alle und setzen uns dazu - lautlos, weil wir die spezielle Klicksprache nicht sprechen und die wenigen Worte, die wir auf Kisuaheli können, für eine Konversation nicht reichen. Zum Glück haben wir Hassan, der uns dolmetscht. Die Kinder kennen keine Sprachbarrieren. Sie fordern uns bald zum Bogenschießen auf. Auch wenn dies zu unseren Leidenschaften gehört, sehen wir neben den Jungs doch alt aus. Am Abend heißt es dann: „Wir gehen auf die Jagd, wollt ihr mit?“ – so haben wir jedenfalls die Gesten interpretiert. Nach meinem spontanen „Ja!“ habe ich als Antwort auch schon einen Bogen und drei Pfeile in der Hand und muss rennen, teilweise sogar ganz schön flott. Der Junge neben mir zeigt sichtlich stolz auf eine Spur, die auf ein großes Tier schließen lässt und wir rennen hinterher. Wir sind sofort Teil der Männergruppe. Ich bin überglücklich, dass alles so leicht ging. In der Dämmerung kommen wir ohne Beute zurück. Dafür haben Michael und ich jeder einen Ast in der Hand, der ein Bogen werden soll. Wir sitzen am Lagerfeuer, schnitzen und hören dem Lachen der Menschen zu. Es wurde nichts gegessen, nichts getrunken, doch keiner jammert. Morgen haben sie vielleicht mehr Glück.

Tansania - Bogenschießen

Es dämmert bereits, als ich wach werde. „Nun aber raus aus dem Zelt“, sagt meine innere Stimme. Tatsächlich, die Jäger stehen schon bereit. Njerere, den mir Hassan als Stammesoberhaupt vorstellt, begrüßt mich auf Kisuaheli. Neben ihm sehe ich noch einen Mann mit leichtem Flaumbart und zwei Kinder, die ich auf nicht älter als sechs und sieben Jahre schätze. Alle halten bereits ihre Jagdwaffe in der Hand. Dzakaija wird der schlanke junge Mann mit seinem Lederumhang genannt. Auch Njerere trägt einen, der mit Perlen verziert ist und durch einen Knoten auf der rechten Schulter hält. Die anderen haben nur eine zerrissene kurze Hose an. Uns begleitet noch eine große Schar Hunde - klein, mager und sehr flink. Sie hören auf Zischellaute und laufen schon ganz aufgeregt hin und her, als wenn sie es nicht mehr abwarten könnten. Michael hat Njerere bereits als guten Jäger erlebt. Er gibt ein schnelles Tempo vor. Wir laufen auf die roten Felsen in der Ferne zu, Wege gibt es hier nicht. Was sein Plan ist, kann ich nicht erkennen. Der stolze Mann, den ich auf Mitte 30 schätze, windet sich geschickt zwischen den Büschen hindurch, während ich immer wieder an den Dornen hängen bleibe. Ohne Mütze hätte ich sicher schon meinen Skalp gelassen. Mein Hemd hält das gröbste von meinem Körper ab, trotzdem gab es schon einige Blutopfer. Im Laufschritt beobachte ich den Jäger mit buntem Perlenstirnband vor mir. All seine Sinne sind gespannt, er scheint jede Bewegung zu registrieren. Dann verschwindet er halb in der Hocke unter einem Baum, sein Bogen ist bereit. Es dauert nicht lange, da flattert ein Hühnervogel mit einem Pfeil im Rücken auf und davon. Alle sind zusammen gekommen, um die wertvolle Beute zu finden. Auch die Hunde rennen kreuz und quer, bis schließlich der Schütze den Vogel in der Hand hält – stolz! Der Pfeil steckt noch, das Tier regt sich nicht mehr. Vier Guineafowl’s sind die Ausbeute für diesen Vormittag. Einer wird sofort auf dem Feuer knusprig gebraten und damit der erste Hunger gestillt. Das Muster der Federn erkenne ich an den Pfeilen wieder. Erst jetzt fällt mir auf, dass keiner der Männer eine Tasche dabei hat oder Wasser in irgendeinem Behälter. So teilen wir nach dem Essen das Quellwasser in Plastikflaschen aus unseren Rucksäcken. Auch das war eine Erfahrung, die Michael auf seiner ersten Reise machen musste. Das trübe Wasser, das die Menschen hier trinken, würde uns umbringen. So sind wir mit einem guten Wasserentkeimer ausgerüstet und tragen so viel wie möglich Quellwasser in Plastikflaschen mit.

Tansania - Jagderfolg

Als Dzakaija über uns auf dem Felsen wie aus dem Nichts erscheint, fällt mir auf, dass er beim Essen nicht dabei war. Er wechselt mit Njerere einige Worte und alle stehen sofort auf, verlassen den Picknickplatz, der noch durch Federn und eine erloschene Feuerstelle gekennzeichnet ist und kraxeln geschickt wie Gazellen die Böschung hinauf – wir hinterher. Als alle an einer senkrechten Felswand mit einem Spalt stehen, wird schon wieder ein Feuer entzündet. Die Kinder holen schnell Holz herbei und erneut dreht sich der Pfeilschaft, dem die Eisenspitze entnommen wurde, zwischen den großen Händen von Themo in einem trockenen Stück Holz – Rauch, glühender Abrieb, der zwischen Dung gelegt wird, anblasen und wenig später steigen kleine Flammen in dem trockenen Grasbüschel in der Hand des Feuerspezialisten auf. Mich erinnert diese Szene an den Geschichtsunterricht in der Schule, als es um die Steinzeit ging. Dieser Besuch bei den Buschleuten ist für mich wie eine Zeitreise. Die Buschleute jagen seit Jahrtausenden mit Pfeil und Bogen, leben in simplen Grashütten, wissen, wofür die Pflanzen gebraucht werden, sind absolut autark und wirken wie ein Teil der Natur. Uns wurde von den Primitiven nicht erzählt, dass sie sehr viel Zeit haben, ein gut funktionierendes Sozialgefüge, immer fröhlich sind und das Erlernen der lebenswichtigen Fertigkeiten ganz spielerisch und leicht geht. Was in dem Bild um mich herum nicht stimmt, sind die Textilen, die Schuhe aus Altreifen, die Zigaretten gewickelt aus Zeitungspapier und die Metallspitzen geschlagen aus einfachen Nägeln.

Tansania - beim Feuermachen

Ich weiß immer noch nicht, warum bei der Hitze dieses Feuer lodert. Gegessen haben wir und zum Teekochen fehlen der Topf und das Wasser. Die Männer stecken sich noch genüsslich eine Zigarette an und schweigen. Ich genieße die Stille, die nur vom Kläffen der Hunde unterbrochen wird. So weit ich schauen kann Buschsavanne mit dem Lake Easy in der Ferne, der als langer Streifen mit dem Horizont zu verschmelzen scheint.

Süßer Nachtisch direkt aus der Natur

Tansania - Bienenwabe

Als Njerere dem jungen Mann einige der brennenden Stöcke reicht und dieser damit im Spalt herumfummelt, bin ich mir ziemlich sicher, was jetzt passieren wird. Ja, da kommen schon die ersten Bienen herausgeflogen. Mit einem Stein wird der Zugang noch verengt, sodass jetzt auch weiter oben Qualm zu sehen ist. Die Männer warten geduldig, dann langt einer mit dem Arm bis zur Brust hinein, holt eine Wabe heraus und reicht sie uns mit einem stolzen Leuchten in den dunklen Augen. Der Honig tropft nur so heraus. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas Köstliches von den Bienen gelutscht. Eine Wabe wird nach der anderen geerntet, alle schmatzen und lecken sich den Akazienhonig von den Fingern. Als die Letzten mit Maden serviert werden, muss ich mich schon überwinden, hinein zu beißen. Es schmeckt deutlich anders, strenger! Zum Neutralisieren schiebe ich noch einen süßen Happen hinterher. Auf Bildern hatte ich bereits gesehen, wie Pflöcke in Baobab-Bäume geschlagen werden, um wie auf einer Leiter hinauf zu klettern, wenn dort Bienen ihre Honigwaben gebaut haben.

Tansania - Dörrfleisch

Am Abend kommt zu den Vögeln noch Wildschwein auf die rote Glut. Der Vorrat wird in die Bäume gehängt. Als Beilage rühren die Frauen auf dem Feuer Maisbrei in einem großen zerbeulten Alutopf an. Der riesige Rührlöffel ist selbst geschnitzt. Die Stimmung im Camp, das vor einer Höhle errichtet wurde, um bei Regenzeit einen trockenen Unterschlupf zu haben, berührt mich. Ich spüre deutlich, dass wir integriert sind, wenn auch Msungus - Weiße. Die Kinder spielen Fußball mit einem schwarzen Knäuel, das aus Stoffresten zusammengerollt ist. Als Torbegrenzung je zwei Steine. Sie spielen friedlich. Bei Unstimmigkeiten bäumen sie sich voreinander auf, so wie das Jungs in dem Alter machen, doch es kommt nie zu einem Streit. Überhaupt kann ich mich nicht an eine böse Stimmung erinnern. Es gibt schon mal laute Worte. Das klingt dann ernst, aber nie lieblos. Außer bei den Hunden, die kriegen immer wieder ordentlich was ab. Vielleicht sind sie ja Ventil für Spannungen in der Gemeinschaft.

Tansania - Maisbrei

Der Bau dieser kleinen Hütten, die nicht größer sind als Iglu-Campingzelte, ist Sache der Frauen. Sie haben in Windeseile die nötigen Zweige geschnitten, das dickere Ende angespitzt und mit dem Stock ein Loch in den Boden gegraben. Die Zweige werden verflochten, frisches Gras darüber, fertig. Die Menschen besitzen fast nichts, halten keine Tiere, legen keine Vorräte an. Sie sind frei, ziehen in andere Gebiete, wenn die Nahrung knapp wird. Dies hat inzwischen allerdings dramatische Formen angenommen. 2006 wurde in einer Zeitung erstmals von Hungersnot unter den Buschleuten berichtet.

Tansania - Hüttenbau

Aus einer der Hütten am Höhleneingang kommt Gesang von Frauen. Die fremden Laute klingen wie ein Mantra für meine Ohren. Ich habe keine Ahnung, was darin abgeht, vielleicht ein Ritual? Zwischendrin höre ich Gelächter und dann wieder die gleichen Klänge. Die Männer und Jungen sitzen wieder um ein Feuer und arbeiten an ihren Pfeilen. Unter ihnen auch Pindu Pindu Manjano, der uns als Medizinmann vorgestellt wurde. Er sitzt oft abseits der Gruppe, die ich auf sechs Männer, vier Frauen und acht Kinder schätze. Schätze deshalb, weil es täglich wechseln kann.

Tansania - in einer Hütte

Der Tagesablauf wird von der Sonne bestimmt. Wenn beim Morgengrauen die Kinder zum ersten Mal das Feuer mit der restlichen Glut wieder entfachen, kommt meist schon das erste Stück Fleisch drauf. Die Frauen bereiten am Morgen in der Regel einen Brei aus Mais an, der von den Datoga getauscht wird, die in der Nähe leben. Er wird dickflüssig getrunken. Gegessen wird selbstverständlich mit den Fingern aus Gemeinschaftstöpfen. Alle sitzen dazu im Kreis, gießen sich gegenseitig das Wasser zum Reinigen über die Hände und rollen aus Ugali, den dicken Klos aus Maismehl, schnell und geschickt eine Kugel, in die sie mit dem Daumen eine Vertiefung drücken. Nach einigen Malzeiten wurde mir klar, dass mit dieser Technik möglichst viel Flüssigkeit aus dem Fleischtopf den Mund erreichen kann. Manches Suppenfleisch zergeht auf der Zunge, anderes muss von den Sehnen oder Knochen abgeknabbert werden. Reichen dafür die Zähne nicht aus, dann hilft ein scharfes Messer weiter, das kann auch ein Buschmesser sein.



Reiseveranstalter Tansania

Reiseveranstalter Safaris




Twitter
RSS