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Im Zeichen der Sonne

Ins unbekannte Peru

Text und Fotos: Markus Howest

Die Ruinen von Machu Picchu kennt jeder. Auch die einstige Inka-Hauptstadt Cuzco ist hinreichend bekannt. Doch wer kennt schon das Inti Raymi Fest und den Sonnentempel von Ollantaytambo? Peru mal anders erleben.

Peru - Blick auf Ollantaytambo mit Vorratskammern am Hang
Blick auf Ollantaytambo mit Vorratskammern am Hang

Sie liebt das Allgäu und mag deutsche Männer. Als Peruanerin liebt sie auch das Hochland der Anden und kennt sich aus mit der Kultur der Inkas. Luz Maria Lazo besuchte in Lima eine deutsche Ordensschule und spricht perfekt Deutsch. Sie spricht es nicht einfach so, sie spricht es mit Hingabe. Luz ist eine Grenzgängerin zwischen den Kulturen. Hier das Peru der Gegenwart und seine reiche kulturelle Vorgeschichte, dort ihr Wissen um die deutsche Kultur aus ihrer Ehe mit einem deutschen Fotografen. Jeder, der mit ihr reist, begibt sich auf einen Lehrpfad durch die Jahrhunderte. Wie jetzt auf der Fahrt zum Inti Raymi, dem Sonnenwendfest, das seit dem Jahr 1944 wieder auf der Inkafestung von Sacsayhuamán nahe Cuzco stattfindet. Im Jahre 1535 fand das letzte Fest in der Inkazeit statt, danach wurde es von den Kolonialherren und der Kirche verboten.

Auf 3.360 Metern Höhe scheint die Sonne intensiv und die Luft wird dünner. Mitteleuropäer atmen kurz und leiden unter zunehmenden Kopfschmerzen. „Eine Tasse Coca-Tee hilft sofort“, preist Luz dringend das Wundergetränk gegen die Höhenkrankheit an. Und tatsächlich: Die Atmung stabilisiert sich, neue Energien werden frei. Der Kleinbus schleicht sich hupend die kurvenreiche Straße nach Sacsayhuamán (1) hinauf. „Das Sonnenwendfest mobilisiert tausende“, berichtet Luz. Links und rechts laufen die Menschen schwer bepackt am Straßenrand entlang. Frauen mit ihren typischen Zylinderhüten tragen ihre Säuglinge auf dem Rücken, ihre Zöpfe sind zusammengebunden, ihre Kleider schillern in allen erdenklichen Farben.

Peru - Inti Raymi Fest - Einzug der Gruppen
Einzug der Gruppen

Auf Tribünen und auf den umliegenden Hügeln warten Einheimische und Gäste ungeduldig auf den Startschuss des vier Stunden dauernden Spektakels. Berichten des Inka-Chronikers Inca Garcilaso de la Vega zufolge war das Inti Raymi die wichtigste Feierlichkeit in der Inkazeit. Es soll auf symbolische Weise den „mythischen Ursprung der Inkas“ wiedergegeben haben und dauerte ganze neun Tage lang - mit bunten Tänzen und Prozessionen. Teil der damaligen Zeremonie seien Gebete für ertragreiche Ernten verbunden mit Tieropfern gewesen. Getreu der historischen Überlieferung ziehen zum Auftakt nach und nach unterschiedlichste Gruppierungen auf den von mächtigen Steinquadern umgebenen Festplatz ein. Frauen in gelb-roten Kleidern strecken die Arme zur Sonne aus, Krieger rennen jubelnd in Kriegsbemalung mit Lanze und Schild in der Hand auf den geschmückten zentral gelegenen Altar zu. Eine Herrscherfigur wird auf einer Sänfte von dutzenden Trägern eskortiert. Sternförmig richten sich alle eingezogenen Gruppen zum Altar hin aus und erwarten in untertäniger Pose den Beginn der Gebetszeremonie in der Sprache der Inkas, in Quetchua.

Peru - Inti Raymi Fest - untertänige Krieger vor Zuschauertribüne
Untertänige Krieger vor Zuschauertribüne

„Man muss die Kultur der Inkas begreifen“, reagiert Luz auf die fragenden Blicke der Besucher: „Sie pflegen ein reziprokes Verhältnis zur Natur. Wenn sie ihr etwas geben, erhalten sie von ihr auch etwas zurück“, so der weit verbreitete Glaube, der auch heute bei der Indio-Bevölkerung fortlebt. Wie der Glaube an schwarze Magie. So gelte es sich vor so genannten schwarzen Schamanen mit ihrer negativen Energie zu schützen, bekräftigt die Kulturexpertin.

Peru - Inti Raymi Fest - Inkakönig mit Trägern
"Inkakönig" mit Trägern

In der Ferne liegen majestätisch die Gletscher des Chicon auf 5200 Metern und des Wakay Willka auf 5780 Metern Höhe. Auf dem Weg durchs Valle Sagrado de los Incas, durch das Heilige Inka Tal, führt die Straße vorbei an kleinen Gebirgsdörfern. Die Häuser sind mit Lehmziegeln bedeckt, die Fenster winzig. „So dringt die Kälte nicht ins Innere“, erklärt Luz und zeigt zugleich auf die vielen Symbole auf den Häuserfassaden. Traktor, Blume, Herz oder Fisch stehen für bestimmte Aussagen politischer Parteien. „Weil viele Indios nicht lesen können, wenden sich die Parteien so an die Indiobevölkerung.“

Peru - Blick ins heilige Tal
Blick ins heilige Tal

Die Straße schlängelt sich weiter längs des Rio Urubamba, der in seinem weiteren Verlauf in den Amazonas mündet. Von hier sind es noch gut 100 Kilometer bis zum Machu Piccu. Doch das Ziel heißt Ollantaytambo (2). „Das einzige Dorf aus der Präinka-Zeit, das noch bewohnt ist“, bestätigt Luz und es scheint, als sporne sie das kulturelle Erbe dieses Ortes ganz besonders an. Es heißt, die ersten Inka-Könige hätten diesen Ort als religiöses Zentrum ausgewählt, fährt die quirlige Peruanerin fort. Vom Marktplatz aus sind die vielen terrassenförmig angelegten Stufen bis hinauf zum Sonnentempel zu sehen. Gegenüber dem unvollendeten Sonnentempel liegen am steilen Hang die Vorratskammern der Tempelanlage. Sie erscheinen im rötlichen Abendlicht wie kleine Klöster. Millimetergenau aufeinander getürmte Steinquader bilden die Überreste der Tempelanlage. „Tausende von Arbeitern haben das bis zu 200 Tonnen schwere Pucar Pucar Gestein aus dem kilometerweit entfernten Steinbruch her transportiert und jahrelang bearbeitet“, weiß Luz ein weiteres Detail. Eine leichte Brise weht vom Fluss hinauf, Wolken streifen den Schnee bedeckten Gletscher. Jahrhunderte wehen durch die historischen Ruinen des Tempels. Luz steht angelehnt an einem Tordurchgang und blickt auf Ollantaytambo, dem einzigen Ort, an dem sich die Inkas gegen die Spanier erfolgreich behaupten konnten. Ob sie jetzt auch ans Allgäu denkt?

Peru - Tempelanlage von Ollantaytambo mit Blick auf Berg El Dedo
Tempelanlage von Ollantaytambo
mit Blick auf Berg El Dedo



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