Kolumbien
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Kurzportrait
„Im
Paradies braucht man keinen Führerschein!“ Lässig geht
Vespaverleiher Antonio über solche Formalien hinweg. Keine Lizenz,
kein Helm, keine Versicherung auf seinem paradiesischen Eiland. Eine
Geldgarantie braucht er auch nicht. Der junge Mann zwirbelt an seinem
Oberlippenbärtchen und strahlt seine Kunden mit schlitzohrigem
Charme an. „Von der Insel kommt ihr ohnehin nicht runter“,
sagt er.

In
Kolumbien wird Simón Bolívar
als Vater der Unabhängigkeits bewegung verehrt
Gemeint
ist die Isla de San Andrés, ein
kolumbianischer Sonderfall, der 200 Kilometer vor der Küste Nicaraguas
in der Karibik liegt. Erst seit 1822 gehört die Insel zu Kolumbien
und gilt heute als einer der sichersten Landesteile. Die Insel ist mit
ihren 25 km² die größte in einer weiten Zone aus Eilanden
und Atollen, Providencia und Santa
Catalina heißen die nächsten größeren.
Die Festlandskolumbianer machen mit Vorliebe einen Abstecher nach San
Andrés, das 1953 zum Freihafen deklariert wurde und mit günstigen
Preisen lockt. In den Läden der Inselhauptstadt quellen die Auslagen
vor Kameras, Mixern und Toastern über. Auch Knoblauchshampoos sind
erhältlich und Heizkissen gegen Menstruationsbeschwerden. Auf den
Straßen sind mächtige Chevrolets und Buicks unterwegs, Ausflugsboote
nehmen von der Sardinenbucht Kurs auf das vorgelagerte Palmeninselchen
Johnny Cay. Einst war San Andrés
ein berüchtigtes Freibeuternest, in das es den Piratenkapitän
Henry Morgan verschlug. Auf seine Spuren und die eines verborgenen Schatzes
begibt man sich an der Cueva de Morgan,
der im Inland gelegenen Morgan-Höhle. Man steht vor dem schwarzen
Schlund der Grotte, am unterirdischen See ist Schluss. Der Pegel des
Gewässers hebt sich, sobald das Meer ansteigt. Labyrinthische Gänge
sollen die geheimnisvolle Grotte durchziehen, nach 50 Metern die trockenen
Teile beginnen. Irgendwann um 1665 oder 1670 soll Morgan hier seinen
Schatz versteckt und seine Kameraden um ihre Anteile gebracht haben.
Vielleicht, so sagen Skeptiker, ist er auch niemals hier gewesen. Der
Mythos Morgan bleibt rätselhaft.

Die
Altstadt von Cartagena
zählt zum Weltkulturerbe der Unesco
Kolumbien
steckt voll von landschaftlichen und kulturellen Schätzen: Amazonasgebiet
und Andenriesen, Pazifik- und Karibikstrände, Nationalparks und
Weltkulturerbestätten. Schon wegen ihres altkolonialen Gepräges
gilt das im äußersten Nordwesten gelegene Cartagena
de Indias Kennern des Kontinents als schönste Stadt Südamerikas.
Während der spanischen Herrschaft war Cartagena ein mit schweren
Bollwerken befestigtes Handelszentrum und einer der wichtigsten Seehäfen
in der „Neuen Welt“, von dem aus die Schätze für
die spanische Krone auf Galeonen verschifft wurden. Allen modernen Hochhaushälsen
und einem Zuzugsgebiet von über einer halben Million Menschen zum
Trotz hat sich das historische Viertel eine unvergleichliche Atmosphäre
bewahrt, die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Es
ist eine faszinierende Stadt der Plätze und Gässchen, der
Holzbalkone und Arkaden, der Klöster und Herrenhäuser, der
Kirchen und Festungen. Zu den bedeutendsten Bauwerken zählen die
Kathedrale, das Kloster San Pedro Claver, der Inquisitionspalast mit
seinem historischen Museum sowie das hoch über allen Dächern
thronende Kloster La Popa. Nicht zu vergessen die Mauern und Kastellanlagen
wie San Felipe de Barajas. Im ummauerten Teil Cartagenas bieten sich
gute Gelegenheiten zum Kauf von Goldschmiedearbeiten und weiteren kunsthandwerklichen
Erzeugnissen. Die wichtigsten Strände um Cartagena heißen
El Laguito, Bocagrande
und La Boquilla. Schnorchler und Taucher
kommen an der von Korallenriffen geprägten Inselgruppe Islas
de Rosario auf ihre Kosten. Weitere lohnende Exkursionen führen
ab Cartagena zur Playa Blanca (schöner
Strand), zum Schlammvulkan Totumo und nach
San Jacinto, einem traditionellen Zentrum
der Kunsthandwerker mit einem breiten Angebot an Hängematten und
gewebten Stoffen.
Weiter
nordöstlich von Cartagena und dem für ihre ausgelassenen Karnevalsfeierlichkeiten
bekannten Barranquilla erreicht man mit
Santa Marta eine der bekanntesten Städte
an der rund 1.600 Kilometer langen Karibikküste Kolumbiens. 1525
wurde Santa Marta als erste spanische Ansiedlung auf dem Festland von
Rodrigo de Bastidas gegründet und bietet kolonialzeitliche Sakralbauten
wie die Kathedrale. In einem fünf Kilometer außerhalb gelegenen
Landhaus, der Quinta de San Pedro Alejandrino,
verstarb 1830 der große Amerika-Befreier Simón Bolívar,
dem in vielen kolumbianischen Städten Denkmäler gewidmet sind.
Santa Martas Strand-, Wassersport- und Funtourismus konzentriert sich
auf den Vorort El Rodadero. Wesentlich
unberührter sind die Gegenden um den Fischerort Taganga.

Schnorcheln
und Tauchen
steht an der Karibikküste und auf den Inseln hoch im Kurs
Santa Marta ist Sprungbrett in den von Buchten, Stränden und Gebirgsausläufern
geprägten Nationalpark Tayrona; der
Hauptzugang liegt in El Zaíno. Im
Küstenhinterland bäumt sich das Gebirgsmassiv der Sierra
Nevada de Santa Marta auf, in der der Pico
Cristóbal Colón mit 5.775 Metern an den Wolken
kratzt und die landesweit größten Höhen erreicht. Das
Gebirge ist als Nationalpark ausgewiesen. Ureinwohner der Sierra waren
die indigenen Gruppen der Arhuaco und der Kogui. Auf ein anderes Volk,
die Tayrona, geht die tief im Gebirge gelegene Ciudad
Perdida zurück, die „Verlorene
Stadt“.
Im
geografischen Herzen des Landes und auf einer stattlichen Höhe
von 2.600 Metern liegt die Hauptstadt Bogotá
(amtlich: Santafé de Bogotá). Von den Spaniern unter Gonzalo
Jiménez de Quesada 1538 gegründet, ziehen sich die heutigen
Häusermeere Bogotás über ein Hochplateau und vereinen
– abweichenden Schätzungen zufolge – mittlerweile sechs
bis acht Millionen Menschen auf sich. Wer nach Bogotá kommt,
bleibt von den dröhnenden Verkehrsströmen nicht verschont
und sollte seine Cityziele mit Bedacht auswählen. Zu den „Musts“
gehören die Kathedrale an der Plaza Bolívar, das malerische
Candelaria-Stadtviertel, die San-Francisco-Kirche, der städtische
Aussichtsberg Monserrate (knapp 3.200 Meter hoch) und das spektakuläre
Goldmuseum. Pralles Händlerleben herrscht entlang der Carrera Siete.
Zu den Ausflugszielen im näheren Umkreis von Bogotá rechnen
der bis auf über 4.000 Meter ansteigende Chingaza-Nationalpark,
die von sattem Grün umzogene Laguna de Guatavita
und die Kathedralstadt Zipacirá.
Bei
den Entfernungen innerhalb Kolumbiens muss man andere Maßstäbe
anlegen und sich stets vor Augen halten, dass man sich in einem Land
von der mehr als dreifachen Größe Deutschlands bewegt. Nimmt
man Bogotá als Mittelpunkt, breiten sich Kolumbiens Highlights
sternförmig aus: im tiefen Süden der von urwüchsigen
Amazonasregenwäldern geprägte Amacayacu-Nationalpark,
im äußersten Westen der vom Pazifik umspülte Nationalpark
Isla Gorgona, im Südosten die Serranía
de la Macarena, im mittleren Norden die zum Weltkulturerbe der
Unesco zählende Kolonialstadt Mompox,
im Nordwesten der an die Grenze zu Panamá stoßende Nationalpark
Los Katíos. Auch Los Katíos ist Unesco-Welterbestätte,
umfasst über 700 km² und bietet eine ungewöhnliche Artenvielfalt
von Flora und Fauna; Spitzkrokodile und Ameisenbären kommen ebenso
vor wie Tapire, Jaguare und über 450 Vogelarten.
Auf die Spuren vergangener Kulturen begibt man sich weit im Südwesten
von Bogotá im Parque Arqueológico
Tierradentro (ausgeschmückte Grabkammern aus präkolumbischen
Zeiten) und im Parque Arqueológico San
Agustín mit seinen einzigartigen Steinskulpturen und sakralen
Monumenten. Weiter westlich der Archäologischen Parks haben die
Spanier mit Popayán eine weitere
eindrucksvolle Kolonialstadt hinterlassen. Erlebnishungrige sollten
sich auch den westlichen Nationalpark Ensenada
de Utría (Lebensraum der Emberá-Indígenas)
und den tief im Süden gelegenen Nationalpark
Cahuinarí vormerken. Cahuinarí gehört zum
abgelegenen und extrem niederschlagsreichen Amazonasgebiet, in dem man
sich in Booten fortbewegt und in dem sowohl Süßwasserdelfine
als auch Süßwasserschildkröten vorkommen.
Andreas
Drouve
Adressen,
Links, Musik und Bücher

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Reiseinfos
Einreise-
und Aufenthaltsbestimmungen
Für die Einreise nach Kolumbien ist der gültige Reisepass erforderlich,
visafreier Aufenthalt bis zu 90 Tagen („noventa días“).
Allerdings sollte man darauf achten, welche tatsächliche Aufenthaltsdauer
der Grenzer dem Reisenden einräumt; diese kann ggf. weniger als 90
Tage betragen. In bestimmten Zonen des Landes ist das Aufenthaltsrecht
für Ausländer stark eingeschränkt. Bei der Ausreise zielen
Gepäckkontrollen zuvorderst auf möglichen Drogenschmuggel ab.
Es ist generell emfpehlenswert, sich vor Beginn der Reise über den
aktuellen Sicherheitsstandard zu informieren (Auswärtiges
Amt). Von Individualreisen rät das Auswärtige Amt seit langem
dringend ab !
Klima und Reisezeit
In Kontinental-Kolumbien kommen fast alle denkbaren Klimatypen vor. Sie
reichen vom tropisch-drückenden Klima im Amazonasgebiet und dem „ewigen
Frühling“ in den andinen Niederungen über den „ewigen
Sommer“ an Pazifik- und Karibikstränden bis hin zum „ewigen“
Schnee in den extremen Andenhöhen. Bei Höhen zwischen 500 und
2.000 Metern spricht man von einem subtropischen Klima. In den Küstenregionen
schwankt die Jahresdurchschnittstemperatur von 24° C bis 26° C,
in der 2.600 Meter hoch gelegenen Hauptstadt Bogotá bewegt man
sich durchschnittlich um die 14° C. Auf Höhen über 3.000
Meter beginnt die Kaltzone, die u.a. von den Páramos (Ödland)
bestimmt wird und in der der Temperaturspielraum im Regelfall von –18°
C bis +13° C reicht. Beliebteste Reisemonate sind die kolumbianischen
Sommermonate von Dezember bis April.
Geld
Landeswährung ist der kolumbianische Peso; gebräuchlichste Geldscheine
sind die zu 2.000, 5.000, 10.000, 20.000 und 50.000 Pesos. Reisende sollten
einen gewissen Vorrat an US-Dollar in bar mitbringen, denn Reiseschecks
(ebenfalls auf US-Dollar ausgestellt) sind nicht überall problemlos
zu wechseln. Am besten, man stockt seine Finanzen in größeren
Städten auf. Gängige Kreditkarten, mit denen man auch Bares
an Geldautomaten abheben kann, erfreuen sich zunehmender Akzeptanz in
Hotels, Restaurants, Reisebüros, Souvenirshops etc. Die verbreitetsten
Kreditkarten sind Visa und MasterCard. Gewarnt sei überall vor Taschendiebstählen;
Geldgürtel und Brustbeutel tun gute Dienste, Wertgegenstände
sollte man – so es sich um ein vertrauenswürdiges Hotel handelt
– in den Safe geben.
Medizinische Versorgung / Gesundheit
Impfungen sind bei der Einreise nach Kolumbien nicht vorgeschrieben. Grundsätzlich
anzuraten ist, den Schutz gegen Polio, Diphterie, Gelbfieber und Tetanus
zu überprüfen und ggf. auffrischen zu lassen. Kolumbien verfügt
über durchweg gut ausgestattete Apotheken. In der Hauptstadt Bogotá
sind einige deutschsprachige Ärzte ansässig, außerdem
gibt es eine ganze Reihe verlässlicher Privatkliniken.
Vor Reiseantritt ist der Abschluss einer Auslands-Krankenversicherung
anzuraten, die den Rücktransport im Notfall garantiert und Arzt-
bzw. Krankenhauskosten übernimmt. Auch ein Gesundheitscheck beim
Hausarzt sollte der Reise vorangehen, denn bereits in Bogotá geht
es auf eine Höhe von 2.600 Metern hinauf. Die mit Schwindel-, Müdig-
und Übelkeitsgefühlen einhergehende Höhenkrankheit darf
man nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sollte sich ein bis
zwei Tage Eingewöhnungsphase gönnen, sich mäßig schnell
bewegen und ganz auf alkoholische Getränke und Zigaretten verzichten.
Da sich die Impfbestimmungen immer wieder ändern können, sollte
man sich im Vorfeld der Reise an eine der diplomatischen Vertretungen
wenden.
Buchtipp
„Nah dran – Kolumbien“ von Hella Braune und Frank Semper,
Sebra-Verlag, Hamburg. Verlässliches Standardwerk mit einer riesigen
Infofülle auf 500 Seiten, inklusive aktualisierten Preisangaben für
Unterkünfte und Busverbindungen. Umfangreicher praktischer Teil.
Statistik
Lage:
Im nordwestlichen Südamerika. Im Nordwesten stößt Kolumbien
an Panamá, im Nordosten und Osten an Venezuela, im Südosten
an Brasilien, im Süden an Peru und im Südwesten an Ecuador.
Im Westen grenzt das Land an den Pazifik, im Norden an die Karibik. Zu
den bewohnten Außenbesitzungen zählen die Karibikinseln San
Andrés, Providencia und Santa Catalina sowie die Cayos de Alburquerque.
Fläche: 1,14 Mio km²,
was mehr als der dreifachen Größe Deutschlands entspricht und
Kolumbien zum viertgrößten Land Südamerikas macht (nur
übertroffen von Brasilien, Argentinien und Peru).
Höchste Erhebung: Pico
Cristóbal Colón (5.775 Meter).
Staat: Präsidiale Republik,
Staatsoberhaupt ist der Präsident.
Name: República de
Colombia.
Hauptstadt: Bogotá.
Bevölkerung: Rund 40
Mill. Einwohner, von denen über die Hälfte auf Mestizen entfallen.
Der Rest der Bevölkerung setzt sich aus Weißen (rund 20 %)
und Mulatten (um die 15 %) sowie Schwarzen und Angehörigen indigener
Gruppen zusammen. Die Landflucht ist ungebrochen hoch, mittlerweile sind
sieben von zehn Kolumbianern in Städten heimisch, die meisten Menschen
leben in den Hochbecken und Gebirgstälern. Größte Stadt
ist Bogotá; inoffizielle Schätzungen beziffern die Einwohnwerzahl
auf sechs bis acht Millionen Menschen. Weitere Millionenstädte sind
Cali, Medellín und Barranquilla, während die östlichen
Tiefländer extrem dünn besiedelt sind. Rund 90 % der Bevölkerung
bekennen sich zum Katholizismus.
Amtssprache: Spanisch.
Verkehr: Insgesamt 74 Flughäfen;
wichtige internationale Airports in Bogotá („El Dorado“),
Cali, Medellín, Cartagena und Barranquilla. Seehäfen in Buenaventura,
Santa Marta, Barranquilla und Puerto Bolívar; wichtiger Handelshafen,
der auch von europäischen Kreuzfahrtschiffen angesteuert wird, in
Cartagena. Maßgebliches Verkehrsmittel innerhalb Kolumbiens ist
der Bus; gute Fortbewegung in modernen Pullmanbussen, in großen
Städten Terminals für die Überlandbusse.
Wirtschaft: Trotz aller
industriellen Fortschritte und der Exporte von Erdöl und Steinkohle
dominiert in vielen Teilen Kolumbiens noch immer die Landwirtschaft. Wichtigstes
Anbau- und Ausfuhrprodukt ist Kaffee, gefolgt von Bananen. Allerdings
unterliegen beide den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt. Zu den weiteren
agrarischen Hauptanbauprodukten zählen Zuckerrohr, Kartoffeln, Getreide,
Baumwolle, Tabak, Reis sowie verschiedene Gemüse- und Obstsorten.
Illegale Gelder bringen Produktion und Handel mit Kokain und Marihuana
ein, weshalb Kolumbien international in Verruf geraten ist. Mit der Ausfuhr
von Schnittblumen hat sich Kolumbien neue Märkte erschlossen. Über
Kohle und Erdöl hinaus verfügt das Land über weitere Bodenschätze
wie Gold, Eisen- und Kupfererze, Silber, Platin und Smaragde. Wichtige
Industriezweige sind Nahrungsmittel-, Textil-, Chemie- und elektronische
Industrie. Großen Stellenwert hat auch der in- und ausländische
Fremdenverkehr.
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