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Reiseführer Istanbul

Die Welt der Moschee

Semsi-Pascha-Moschee von Sinan in Usküdar, Istanbul

Die kleine Semsi-Pascha-Moschee, erbaut von Sinan, im Stadtteil Usküdar

Der Begriff Moschee geht auf ein arabisches Wort zurück, das so viel wie „Ort, an dem man sich niederwirft“, bedeutet. Es bedeutet ursprünglich nichts anderes als diejenige Stelle, wo man vor Gott zum Gebet auf die Knie sinkt. Das muss bis heute nicht notwendigerweise ein architektonisch gestalteter Raum sein, denn nach islamischer Auffassung ist jeder Platz gottgeweiht, „ wo die Gebetsstunde dich erreicht“. Diese Lehre des Propheten resultiert aus der alten nomadischen Lebensform der Araber. So verlangt die islamische Lehre zwar das tägliche Gebet zu den vorgeschriebenen Zeiten, doch allein zum gemeinsamen Freitagsgebet soll möglichst die Moschee der Stadt oder des Viertels aufgesucht werden.

Zwingend ist dagegen die Ausrichtung des Gebets nach Mekka, der Heiligen Stadt - eine Haltung, die der Prophet Mohammed seit 624 eingenommen hatte. Bei neu erbauten Moscheen wird man diese Orientierung nach Mekka ebenso vorfinden wie in übernommenen Gotteshäusern, wo manchmal eine eigens eingezogene Mauer die korrekte Richtung weist. Eine Gebetsnische (Mihrab) ziert diese nach Mekka hin gelegene Wand. Sie erinnert zwar an eine Kirchenapsis, besitzt jedoch keine vergleichbare Bedeutung für die Architektur des Raumes und liegt deshalb auch nicht zwangsweise in der Mittelachse des Gebäudes.

Meist befindet sich gleich rechts neben dem Mihrab der Minbar, eine der christlichen Kanzel vergleichbare Erhöhung, erreichbar über eine Treppe mit ornamentierten Seitenteilen, von der der Imam (Geistliche) bei besonderen Anlässen predigt. Als Vorbeter begibt er sich dagegen vor die Mihrab-Nische, wo in größeren Moscheen ein Podium seine Stellung erhöht. Ein spezielles Abteil für Frauen ist entweder durch Holzschranken abgetrennt oder auf die Estrade über der Eingangsseite der Moscheee gelegt.

In der Blauen Moschee, Istanbul

Kalligraphie in der Blauen Moschee

Der Betraum ist - verglichen mit den meisten christlichen Gotteshäusern - sehr kärglich ausgestattet. Die Inneneinrichtung beschränkt sich auf Lampen und einige Holzgestelle (Kursi) für die Ablage des Koran. Der Boden ist mit farbigen, zuweilen auch einfarbig grünen Teppichen ausgelegt, und zwar rechtwinklig zur Mihrab-Wand. Nach figürlichen Darstellungen wird man in einer Moschee vergeblich suchen. Das islamische Bilderverbot führte vielmehr zu einer hohen Kunstfertigkeit in Ornamentik und Kalligraphie. Zum Teil zieren kunstvolle Schriftzüge - meist Worte des Propheten - die Wände.

Fünfmal am Tag dient das prominenteste Erkennungsmerkmal einer Moschee, das Minarett, seiner Bestimmung. Von hier aus ruft der Muezzin die Gläubigen zum Gebet. Heute haben in der Regel moderne Lautsprecheranlagen und auch Tonbänder diese Funktion übernommen, nur noch selten wird man den Gebetsrufer selbst auf den schlanken Minaretten erblicken.

Die genaue Uhrzeit der fünf Gebete ändert sich - entsprechend dem Mondkalender - täglich in genau festgelegten Abständen vom Zeitpunkt des Fastenbeginns an. Man unterscheidet ein Morgen- (Günes), Mittags- (Ögle), Nachmittags- (Ikindi) und Abendgebet (Aksam) sowie das Gebet nach Sonnenuntergang (Yatsi). Der ritualisierte Gebetsruf hat Gesangscharakter und beginnt stets mit denselben Worten: „Allah ist groß! (4 x) / Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah (2 x) / Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Allahs ist ( 2 x) / Auf zum Gebet (2 x) / Auf zum Heil (2 x) / Allah ist groß (2 x) / Es gibt keinen Gott außer Allah!“

Reinigungsbrunnen der Hagia Sophia, Istanbul

Der schöne Reinigungsbrunnen der Hagia Sophia
dient heute nur noch Touristen als Motiv

Das das Gebet nur im Zustand der „Reinheit“ verrichtet werden darf, müssen die Gläubigen zuvor rituelle Waschungen vornehmen. Dazu dient ein Reinigungsbrunnen im Hof (Sadirvan) oder eine Waschgelegenheit an der Außenseite der Moschee. Vor dem Betreten des Betraumes sind die Schuhe auszuziehen, was auch Touristen unbedingt beachten müssen. Zur Zeit des Gebets ist Ruhe zu bewahren, zu anderen Tageszeiten reden die Anwesenden hier auch schon einmal zwanglos miteinander. Dies verweist auf die traditionelle Funktion der Moschee als öffentlicher Versammlungsort und allgemeiner Treffpunkt. Stets war sie ein Ort des Kontaktes, an dem unterrichtet wurde und wo Gläubige ausnahmsweise sogar übernachten konnten.


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