Reisezeit
Wer nur in den heißen Monaten Juli und August nach Nordzypern reisen kann, tut gut daran, sich in einem Strandhotel einzuquartieren und größere Touren zu meiden. Für einen erholsamen Strandurlaub (im Mai erreicht die Wassertemperatur schon 20 Grad, um diese Marke erst wieder im November zu unterschreiten), für Besichtigungen und Ausflüge gilt der Zeitraum Mitte April bis Juni und Mitte September bis Anfang November als ideale Reisezeit mit moderaten Temperaturen und geringer Niederschlagsneigung.
Preise
Auch in Nordzypern ziehen die Preise spürbar an, doch liegen die Lebenshaltungskosten noch überwiegend unter denen der mitteleuropäischen Länder.
Der griechische Teil Zyperns („EU-Zypern“) hat am 1. Januar 2008 den Euro eingeführt. Seit dem 1. Januar 2005 gilt in Nordzypern die Neue Türkische Lira (Yeni Türk Lirasi / YTL).
Einreisebestimmungen
Bei der Einreise muß ein gültiger Reisepaß oder Bundespersonalausweis vorgelegt werden. Ein nordzyprischer Sichtvermerk im Paß ist kein Hindernis mehr für eine spätere Einreise auf dem Luft- oder Seeweg in den griechischen Teil Zyperns. Der Einreisestempel wird von den Behörden im Süden durchgestrichen und damit ungültig gemacht.
2004 wurden auf Veranlassung der EU Erleichterungen bei der Überquerung der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südzypern durchgesetzt. Danach ist den Bürgern beider Staaten auf Zypern sowie allen EU-Bürgern die freie Bewegung zwischen beiden Landesteilen erlaubt, unabhängig davon, wo sie eingereist sind. Es ist jetzt auch möglich, mit einem Leihwagen vom Süd- in den Nordteil einzureisen, umgekehrt aber nicht. Nur mit einem Privatwagen ist eine Nord-Süd-Tour durchführbar. Man erkundige sich rechtzeitig, welche Formalitäten jeweils zu beachten sind.
Waren für den persönlichen Gebrauch bis zu einem Wert von 135 Euro können vom Norden in den Süden und umgekehrt eingeführt werden, aber nicht mehr als 40 Zigaretten und ein Liter Spirituosen.
Zur Zeit gibt es sechs Grenzübergänge, davon drei in Nicosia, zwei im östlichen Landesteil und einen im Westen der Insel.
Es bestehen so gut wie keine direkten telefonischen Verbindungen zwischen dem Nord- und Südteil der Insel. Mobiltelefone mit Roaming-Funktion schaffen Abhilfe.
Medizinische Versorgung
Deutsche gesetzliche und private Krankenkassen bieten zwar Reisekrankenversicherungen an, doch Heilbehandlungskosten werden in der Regel nur nach Inanspruchnahme innerhalb der EU erstattet oder in Ländern, die mit Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen haben. Das ist mit Nordzypern nicht der Fall. Insofern ist zur Absicherung der Abschluß einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung unentbehrlich. Diese bietet überdies Leistungen, die gesetzliche Kassen grundsätzlich nicht übernehmen dürfen wie Krankenrücktransport und Ambulanzflug.
Lage und Fläche
Im Norden der seit 1974 geteilten Insel Zypern im östlichen Mittelmeer.
Fläche: Gesamtzypern = 9.251 km², davon unter türkisch-zyprischer Kontrolle: 3.355 km² (37 % der Gesamtfläche), unter griechisch-zyprischer Kontrolle: 5.896 km².
Staat
Offizielle Bezeichnung: Kuzey Kibris Türk Cumhuriyeti, Türkische Republik Nordzypern. Gegründet 1983. Außer von der Türkei international als eigenständiger Staat nicht anerkannt.
Bevölkerung
256.644 (Census 2006) türkische Zyprer, darunter auch eingebürgerte Festlandstürken (sunnitische Muslime). Außerdem einige Hundert katholische Maroniten, orthodoxe griechische Zyprer und Dauergäste ("foreign residents") .
Sprache
Landessprache ist ein ausgeprägter Dialekt des Türkischen. Englisch wird von vielen Einheimischen gesprochen. Eine Verständigung in Deutsch ist dagegen nur in wenigen Hotels möglich.
Hauptstadt
Der nördliche Sektor der geteilten Inselmetropole Nicosia, türkisch: Lefkosa (sprich: Lefkoscha). Einwohner: 49.237 (2006)
Verkehr
In Nordzypern wird links gefahren. Das Straßennetz ist im ganzen gut ausgebaut. Hier und da kann man auf eine noch nicht asphaltierte Nebenstrecke stoßen. Busse und Sammeltaxen ("dolmus") bemühen sich um einen reibungslosen Personentransport zwischen nah und fern.
Grenzverkehr
Seit Inkrafttreten der EU-Ratsverordnung 866/2004/EK aus dem Frühjahr 2004 können sich die Bewohner beider Staaten auf Zypern sowie alle EU-Bürger – unabhängig vom Einreiseort – in beiden Landesteilen frei bewegen. Allerdings ist der Übergang über die „Green Line“, wie man hier die Demarkationslinie zwischen Nord und Süd nennt, z. Zt. auf nur sechs Übergänge beschränkt. Die Einreise aus dem Norden in den Südteil mit einem Leihwagen ist nicht erlaubt. Einziger Ausweg: Einreise mit einem Privat-Pkw, wobei hierfür eine Versicherung notwendig wird, die am Übergang erhältlich ist.
Wirtschaft
Der Neuanfang nach De facto-Teilung und Bevölkerungsaustausch (1974/75) stand unter keinem günstigen Stern. Obwohl Zyperns Norden der bestentwickelte Landesteil war, blieb der erhoffte Aufschwung weitgehend aus. Bis heute hinkt der Wirtschaftssektor der internationalen Entwicklung hinterher. Verantwortlich dafür war zunächst das Ausbleiben von Finanzmitteln aus Drittländern als Anschubhilfe und die größtenteils konsumptive Verwendung der in Nordzypern vorhandenen Ressourcen. Auch eine allgemeine Unerfahrenheit und mangelndes Know-how trugen dazu bei. Eine zusätzliche Belastung bedeuteten die verfehlten ökonomischen Konzepte, die alle Wirtschaftssektoren in Mitleidenschaft zogen sowie die internationale Isolation durch Nichtanerkennung und vor allem das "erfolgreiche" griechische Wirtschaftsembargo, verstärkt noch durch künstliche Importhürden in EU-Ländern.
Helfer in der Not ist die Türkei. Sie gleicht den chronisch defizitären Staatshaushalt aus, gewährt zusätzliche Finanzspritzen und bezahlt Direktprojekte im Infrastrukturbereich. Die Wirtschaftsaktivitäten sind vor allem in der Landwirtschaft (44 % der Exporte, 21 % der Beschäftigten), im verarbeitenden Gewerbe (Lebensmittel, Getränke, Textilien, Bekleidung) und im Dienstleistungssektor angesiedelt. Die in Brüssel wiederholt angemahnte Unterstützung bei der Lockerung des Wirtschaftsembargos zeigte bisher kaum Ergebnisse. Mithin wird sich die prekäre Lage der nordzyprischen Wirtschaft in naher Zukunft nicht ändern.
Der Tourismus hat wie viele andere Wirtschaftssektoren mit den oben skizzierten Problemen zu kämpfen. Mit viel gutem Willen und unerschütterlicher Hoffnung ist inzwischen eine touristische Infrastruktur entstanden, die zunehmend an die mediterranen Standards heranreicht. Rund 400.000 Touristen kommen jährlich nach Nordzypern, darunter 75 - 80 % Türken vom Festland. Engländer führen mit weitem Abstand vor Deutschen (5500 in 2006) die Liste der europäischen Gäste an. Hinzu kommt eine wachsende Zahl von Touristen aus dem Süden, die nach Öffnung der Grenze auf eigene Faust oder mit organisierten Busrundreisen den schönen Norden besuchen.