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Reiseführer Istanbul

Dolmabahce-Palast

Nachdem im 19. Jh. der Kontakt des Osmanischen Reiches zu Mitteleuropa noch enger wurde, genügte dem Sultan der eher mittelalterlich ausgelegte Topkapi-Palast nicht mehr den Repräsentationsbedürfnissen der modernen Zeit und so wurde unter dem Sultan Abdülmecid I.  Mitte des Jahrhunderts am europäischen Bospous-Ufer eine neue Residenz errichtet (Architekten: Karabet und Nikogos Balyan). Der Name Dolmabahce – was so viel wie „aufgefüllter Garten“ bedeutet – verweist darauf, dass an dieser Stelle bereits früher ein Kiosk, ein kleines Lustschlösschen , stand, für das Sultan Ahmet III. einen kleinen Hafen zuschütten ließ.

Dolmabahce-Palast, Istanbul

Tor zur Gartenanlage des Dolmabahce-Palastes

Rein äußerlich zeit der Dolmabahce-Palast kaum osmanische oder türkische Merkmale, er ist eine Mischung aus Neoklassik und Neobarock, wie es Anfang des 19. Jhs. in Europa üblich war. 600 Meter erstreckt sich die große Dreiflügelanlage am Bosporus entlang.  Im Inneren zeugen die über 300 Räume und Säle von Prunk und Verschwendungssucht eines Imperiums, das seinem Ende entgegen ging – in dieser Hinsicht durchaus vergleichbar mit dem Palast von Versailles. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet kostete der Bau ungefähr 1 Milliarde Euro, was etwa einem Viertel der jährlichen Steuereinnahmen entsprach. So erwies sich der Palast als ein weiterer Mosaikstein für den Staatsbankrott des Osmanischen Reiches in der zweiten Hälfte des 19. Jhs.. Zu den Kunstschätzen des Palastes gehören hunderte von Vasen, Uhren, Kronleuchtern und Kerzenständern. Feinster Marmor und Alabaster wurde verwendet, böhmisches Kristall ist ebenso zu finden wie solches aus französischer und venezianischer Provenienz. Allein die Fläche der handgeknüpften Seidenteppiche aus der Stadt Hereke beträgt ungefähr 4500 qm. 14 Tonnen Gold und 40 Tonnen Silber sollen zur Verzierung und Innendekoration der Räume verwendet worden sein.

Im Dolmabahce-Serail wurde das erste türkische Parlament eröffnet, das jedoch nach zwei Monaten bereits wieder aufgelöst wurde. Wichtige Staatsgäste besuchten diesen offiziellen Regierungssitz, darunter der österreichische Kaiser Franz Josef und der deutsche Kaiser Wilhelm II. Bis heute dient der Palast als Schauplatz repräsentativer Staatsempfänge. Auch Atatürk wohnte in diesem Palast während seiner Istanbul-Aufenthalte, er starb hier sogar im Alter von 58 Jahren.

Dolmabahce-Palast, Istanbul

Im Harem des Palastes

Dolmabahce-Palast, Festsaal, Istanbul

Zwei verschiedene Rundgänge erschließen Besuchern den Palast. Eine Tour führt durch den öffentlichen Bereich, die andere durch den Harem und die Privaträume der Sultane. Wertvolle Ausstellungsstücke und Verzierungen sind in fast allen Räumen zu finden, darunter für damalige Verhältnisse modernste Bäder.
Ein 40 x 45 Meter großer Festsaal, von einer riesigen Kuppel überwölbt,  verbindet den privaten und öffentlichen Teil des Palastes. Ein mächtiger, 4,5 t schwerer Lüster mit 750 Kerzen hängt an der Decke (s. Foto).
Einen Ort der Erholung stellt die den Palast umgebende Gartenanlage mit Springbrunnen und mächtigen Bäumen dar.

Umgebung des Palastes

Vor dem südlichen Palasteingang erhebt sich ein vierstöckiger Uhrturm im Stil des Neobarock. Ein paar Meter weiter direkt neben dem Parkplatz erhebt sich die Mitte des 19. Jhs. errichtete Dolmabahce-Moschee, vom  Baustil her eine Mischung aus Neorenaissance und Neobarock. Auffallend ihre beiden äußerst schlanken Minarette.


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