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Reiseführer Istanbul

Archäologisches Museum

Eingang zum Fayencenschlösschen, Istanbul

Eingangsbereich des Fayencenschlösschens

Wer sich intensiver der Kultur und Geschichte der Türkei und des Osmanischen Reiches und seiner Nachbarvölker widmen möchte, für den ist ein Besuch des Archäologischen Museums geradezu ein Muss. Das Museum gehört zu den angesehensten Sammlungen seiner Art weltweit – die Funde stammen überwiegend aus der Türkei, aber auch aus dem Nahen Osten und Nordafrika, den einstigen Herrschaftsgebieten des Osmanischen Reiches. Wie so oft bei derartig großen Museen wird man leicht von der Vielfalt der Exponate erschlagen. Zwei oder drei Stunden sollte man sich also mindestens Zeit nehmen, um einen sinnlichen Eindruck dieser vergangenen Kulturen mitzunehmen.

Gegründet wurde das Museum bereits 1891 durch Osman Hamdi Bey (1842 – 1910), einem Maler und Archäologen, der selbst Ausgrabungen in Sidon im Libanon leitete, wo u.a. der mittlerweile weltberühmte Alexandersarkophag entdeckt wurde.
Das Museum gliedert sich in drei Gebäudekomplexe, die alle drei einen Besuch wert sind.


Gleich hinter dem Eingang erstreckt sich links das Altorientalische Museum, das sehenswerte Fundstücke aus Assyrien und Babylonien, Ägypten und Mesopotamien präsentiert.  Ein paar Schritte weiter, gleich neben dem schönen Freiluftcafé, erhebt sich das so genannte Fayencenschlösschen, ein bereits 1492 unter Sultan Fatih Mehmet II. (der Eroberer) errichtetes Lustschloss, das heute farbenprächtige seldschukische und osmanische Fayencen sowie herrliche Iznik-Fliesen birgt.
Direkt gegenüber liegt der Eingang zum Hauptgebäude des Archäologischen Museums, dem ein moderner, vierstöckiger Anbau angegliedert ist. Im Eingangsbereich kann man sich mit ausführlicher Literatur zum Museum und den entsprechenden Kulturen versorgen. Dutzende von Sälen mit tausenden von Exponaten erwarten nun den Besucher, angefangen von den berühmten Sarkophagen aus der Hafenstadt Sidon im Libanon über prachtvolle Funde aus hellenistischer , römischer und byzantinischer  Zeit.
Am Übergang zum modernen Anbau ist eine Kinderabteilung eingerichtet, die den jüngeren Besuchern die Kulturgeschichte näher bringen will, u.a. mit einer begehbaren Nachbildung des Trojanischen Pferdes.

Altorientalisches Museum

Das Gebäude präsentiert Funde aus Mesopotamien, dem Reich der Hethiter und Assyrer, Funde aus der altbabylonischen und jungassyrischen Epoche, aus Ägypten und anderen Orten, die im Einflussbereich des Osmanischen Reiches standen. Unter den Exponaten sind Särge und Grabbeigaben, Statuetten und Statuen, Obelisken, Siegel und Torsi.

Teilstück des Ischar-Tores aus Babylon, Archäologisches Museum Istanbul

Ein Teilstück des weltberühmten Ischar-Tores aus Babylon

Zu den beeindruckendsten Schaustücken gehören Teile des berühmten Ischar-Tores aus Babylon, dessen glasierte Ziegel eindrucksvoll die damalige Pracht wiederspiegeln. Sehenswert auch die zahlreichen Keilschrifttafeln aus Ton, wobei der besondere Stolz des Museums dem so genannten Vertrag von Kadesch gilt, der älteste bekannte schriftliche festgehalten Friedensvertrag der Menschheit. Der Vertrag stammt aus dem Jahr 1269 v. Chr. , er fixiert den Frieden zwischen Hethitern und  Ägyptern, genauer gesagt zwischen Hatuschilli III. und Ramses II.

Der Vertrag von Kaddesch, Archäologisches Museum Istanbul

Der erste schriftlich fixierte Friedensvertrag der Menschheit - der Vertrag von Kaddesch aus dem Jahre 1269 v. Chr.

Fayencenmuseum

Hinter einer säulenverzierten Vorhalle taucht der Besucher ein in die farbenprächtige Welt der Mosaiken und Fliesen. Das reicht von einer Auswahl seldschukischer Keramik und Rohfayencen aus dem 12. bis 14. Jh.  über osmanische Fayencen aus dem 14. und 15. Jh. bis hin zu herrlichen Iznik-Fliesen aus dem 16. und 17. Jh. sowie spätere Keramikwerke, die schon den westlichen Einfluss erkennen lassen. Zu den beeindruckendsten Exponaten zählt der fayencenverzierte Mihrab der Ibrahim – Bey – Moschee in Karaman, einem mittelanatolischen Städtchen, sowie zwei Bogenfenster aus der Haseki – Hürrem – Moschee in Istanbul aus dem 16. Jh.

Fayencen im Archäologischen Museum Istanbul

Farbenprächtige Fayencen birgt das Fayencenschlösschen

Archäologisches Museum

Gleich hinter dem Museumsshop erreicht man eines der Highlights des Museums, die Sarkophage aus den Ausgrabungen von Sidon im heutigen Libanon. Der so genannte Alexander-Sarkophag aus dem 4. Jh. v. Chr. Gilt als das Prunkstück der Ausstellung. Alexander der Große, nach dem dieser Sarkophag benannt ist, lag allerdings niemals darin, vermutlich war er für einen phönizischen Prinzen gefertigt worden. Verziert wird der Sarkophag durch kunstvolle Reliefs, die ihre einstige Farbigkeit allerdings nur noch in Spuren zeigen. Wilde Jagd- und Schlachtszenen unter Beteiligung Alexanders des  Großen weisen auf die hohe Kunstfertigkeit damaliger Steinmetze hin. Auch der „Sarkophag der Klagefrauen“ (4. Jh. v. Chr.)  gleich daneben zeichnet sich mit seinen durch Säulen abgetrennten klagenden Frauen durch eine hohe Kunstfertigkeit aus.
Die Bildhauerkunst ist auch in den anschließenden Sälen vorherrschend – verwirrend zahlreich die vielen Statuen, Büsten und Skulpturen aus archaischer, hellenistischer und römischer Zeit, die unterschiedlichen Grabungsstätten entstammen.

Alexandersarkophag (Detail) im Archäologischen Museum von Istanbul

Der berühmte Alexandersarkophag (Detail) aus dem 4. Jh. v. Chr.


Im Erdgeschoß des Anbaus werden Funde aus den antiken Gegenden von Thrakien und Bithynien ausgestellt, Landschaften, die früher rings um das alte Byzanz lagen. Neben antiken Funden sind auch zahlreiche Objekte aus byzantinischer Zeit vorhanden, darunter Schmuck und Mosaike.


Die erste Etage des Anbaus hat die Geschichte der Stadt Istanbul zum Thema. Unter den Exponaten Reste jener Kette, mit der die Byzantiner fremden Schiffen einst die Einfahrt ins Goldene Horn verwehren konnten.


Die Geschichte Anatoliens von der Steinzeit bis zur Eisenzeit präsentieren die Säle des zweiten Stockwerks, darunter zahlreiche Funde aus dem bronzezeitlichen Troja.
Im dritten und obersten Stockwerk schließlich sind Funde aus Zypern ausgestellt, sowie die sehenswerte Rekonstruktion von Grabanlagen aus Palmyra, das im heutigen Syrien liegt. 


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