Ein Schauplatz von Gruselgeschichten
Das englische Dartmoor: sagenumwobene Nebelküche mit ureigenem Charme
Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab
Unaufhörlich bläst der Wind über das Land.
Einen Moment lang verdunkeln schwarze Wolken den Himmel, Regentropfen prasseln
nieder. Sekunden später reißt die dichte Wolkendecke ein wie
Seidenpapier. Die Sonne taucht die weitläufige Landschaft in gleißendes
Licht. Ein Regenbogen schlägt seinen Halbkreis über den malerischen
Landstrich im Südwesten Englands. An rund zweihundert Tagen im Jahr
zieht ein grauer Nebelschleier über die Moorlandschaft mit ihren rauschenden
Flüssen, ungewöhnlichen Granitformationen, bizarren Felsfiguren,
versteckten Dörfern und prähistorischen Stätten. Er verwandelt
das malerische Fleckchen Erde in eine dampfende Waschküche mit Flechten,
verkrüppelten Birken und Sümpfen.
Schon vor Jahrzehnten war dies der ideale Schauplatz für die guten
alten Edgar Wallace-Filme. Und auch einer der berühmtesten Romane
von Sir Arthur Conan Doyle, “Der Hund von Baskerville”, spielt
in dem rund 950 Quadratmeter großen Landstrich in der südenglischen
Grafschaft Devon.
Das Dartmoor, gleichermaßen von Wasserdampf und Legenden gezeichnet, gehört zweifelsohne zu den schönsten und landschaftlich reizvollsten Regionen der britischen Insel. Ein abgelegenes, hügeliges Gebiet, in dem Hirsche, Schafe und wilde Ponys durch das offene Moorland ziehen. Ein Schmelztiegel von Romantik und Farbe, noch dazu weitgehend unberührt.
Erstaunlicherweise ist der Norden des Dartmoors alles andere als karg. Dichte Wälder und wildromantische Flüsse, an deren bemoosten Ufern gewaltige Farne wachsen, bilden einen Kontrast zu den kahlen Buckeln des Hochmoors. Weithin sichtbar sind die Tors, jene Granitblöcke, die gefaltet, gestapelt, ja wie von Hand aufgeschichtet wirken. Tatsächlich jedoch sind die Felskolosse nicht von Kreaturen mit übermenschlichen Kräften errichtet worden, sondern vor Jahrmillionen durch Erosion entstanden. Heute dienen die beeindruckenden Steinauftürmungen den Wanderern als wichtige Orientierungspunkte.
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