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REIHE ESSEN & TRINKEN UNTERWEGS

Das Glück heißt Schokolade

Im Schokoland von Rausch in Peine

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Alles Schoko, oder was? Schokolaaade, klar! Das braune Gold, das glücklich macht! Kinderaugen glänzen; um mich herum höre ich quengeln: „Ich will Schokolade!“ Und auch Erwachsene können sich dieser süßen Sache mit Suchtpotential und dem Gefühl von Luxus nicht verschließen. Das ist allerdings kein Wunder, denn wir sind im Schokoland Rausch in Peine.

Das braune Gold hat seinen Namen von den Azteken, wo „xocolatl“ Kakaotrank bedeutete und „xococ“ übrigens für sauer, herb oder würzig stand. Den Azteken war der Kakao ein Geschenk des Quetzalcoatl, des gefiederten Windgottes. Und er war so bedeutend, dass die Kakaobohnen sogar als Zahlungsmittel eingesetzt wurden. „Xococ“, das ließe sich auch heute noch schmecken, dann nämlich, wenn man reine Kakaomasse auf der Zunge zergehen ließe.

Schokoland Azteken

Kakaobereitung bei den Azteken

Das schmeckte und schmeckt wohl nicht besonders gut, eher säuerlich, jedenfalls für europäische Gaumen, und so kam es, dass sich Christoph Kolumbus zunächst einen feuchten Kehricht um die großen braunen Bohnen scherte. Da musste erst noch Hernán Cortés nach Mittelamerika kommen und sie wenigstens bis nach Südamerika verbreiten.

Kakao und süßes Nichtstun

Schokoland Schokocafé

Die „Alte Welt“ musste immer noch warten, denn erst im siebzehnten Jahrhundert gelangte die Speise der Götter nach Europa. Dort kam man darauf, sie zu versüßen und zu verfeinern, und von da an war ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Sie wurde zum Star unter den Süßigkeiten. Zunächst bei Hofe: Das Kakaogetränk symbolisierte schlicht das süße Nichtstun und wurde oft des Morgens am Bett serviert. Bekannt sein dürfte in diesem Zusammenhang das Bildnis „La belle chocolatière“ aus der Semper Gemäldegalerie im Dresdner Zwinger, die übrigens auch auf der Speisekarte des SchokoCafés im Schokoland Rausch zu finden ist. So wie auf diesem weltberühmten und immer wieder reproduzierten Bild wurde Kaiserin Maria Theresia von Österreich die Trinkschokolade serviert!

Im SchokoMuseum im Schokoland Rausch in Peine findet man all diese Informationen und noch viele mehr, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Eine 3000-jährige Reise durch die Historie der Schokolade. Denn auch das Familienunternehmen Rausch hatte und hat sich ganz der Schokolade verschrieben. Mit großem Erfolg. 1890 begann die Story, und zwar mit einer Konditorei von Wilhelm Rausch senior in Velbert im Rheinland. Dem Süßen war also schon dieses Mitglied der Familie Rausch verschrieben. Dass das Rausch Schokoland heute zwischen Harz und Heide in Peine zu finden ist, beruhte sozusagen auf einigen Umwegen, denn erst einmal ging es weiter nach Berlin, wo Fassbender & Rausch auch heute noch am Gendarmenmarkt zu finden ist. Das Schokoland in Peine entstand 1995.

Der SchokoVulkan blubbert

Außen schon wehen die Fahnen mit dem Logo im Wind und zeigen uns, dass wir auf der richtigen Fährte sind: Schokoland Rausch! Also am Schild vorbei und ab durch die Glastür. Es beginnt im duftenden Laden mit Tausenden von glänzenden Verpackungen. Sodann biegt man rechts ab an der gläsernen Produktion vorbei, wo fleißig gearbeitet wird, zum SchokoCafé, in dessen Mitte ein kleiner beeindruckender SchokoVulkan blubbert. Und tatsächlich spuckt er Schokolade aus! Kaum auszuhalten, wie die dunkelbraune, schimmernde Masse an ihm herabrinnt. Blubb! Und der nächste Schub bahnt sich seinen Weg.

Schokoland Schokovulkan

So sieht er aus, der SchokoVulkan

Dann folgen Schautafeln mit Infos über den Kakao und die Kakaobohne: die Pflanze, die Ernte, Bestäubung der Pflanze, Geschichte. Es geht vorbei an der größten Praline der Welt und direkt hinein in den historischen Maschinensaal mit Erläuterungen und Maschinen zum Conchieren, der letzten Veredelungsstufe bei der Schokoladenherstellung. In Knet- oder Rotationsapparaten wird vermischt und emulgiert, bevor das ganze zu Tafeln gegossen wird. Hier residiert auch der größte Schokoladen-Osterhase der Welt (in 253 Arbeitsstunden aus 11.320 kleinen Osterhasen angefertigt, 3.190 mm hoch, 1.530mm breit und 1.230 mm tief). Dies ist das Land der Superlative! Denn selbstverständlich finden Sie hier auch die größte Schokoladentafel der Welt aus 105 Kilogramm Edelvollmilch, 1.700 x 1.000 mm groß.

Bräunlicher, betörender Glanz

Schokoland Kakaoschild

Alte Emailschilder (Foto), Plakate, ein Automat mit Schokoriegeln, Einwurf: 10 Pfennig, und vieles mehr komplettieren die Ausstellung, an deren Ende eine historische Pralinenhandlung aus der Zeit um 1900 mit Verkaufstresen, Waage und alter Registrierkasse aufgebaut ist. Das angeschlossene SchokoKino schließt die letzten Wissenslücken, bevor es in die „Dunkle Zone“ geht, wo sich eine Sonderausstellung zur Geschichte der Azteken befindet. Doch alles soll hier schließlich nicht verraten werden.

Nochmals ein schneller Blick in die gläserne Fabrik, wo all die Köstlichkeiten zubereitet werden. Süßes am laufenden Band! Ausschließlich Edelkakao aus den tropischen Gebieten rund um den Äquator und reine, natürliche Rohstoffe werden hier verwendet. Keine Fremdfette. Dafür sorgt ein Reinheitsgebot, ähnlich dem des bayerischen Bieres.

Schokoland Fabrik

Blick in die Fabrik: Süßes am laufenden Band

Nun aber ist es nicht mehr auszuhalten: Zeit zu probieren also! Rund um den SchokoVulkan im SchokoCafé könnte man zum Beispiel eine Schokoladentorte verspeisen und dazu einen Kakao trinken. Bräunlicher, schimmernder, betörender Glanz.

Je bitter, desto Glück

Angeblich haben die deutschen Süßmäuler 2004 pro Kopf 8,37 Kilogramm Tafeln, Riegel, Pralinen etc. vertilgt und 44,79 Euro dafür ausgegeben. Wohl gemerkt: andere kakaohaltige Brotaufstriche oder Getränke noch gar nicht mit eingerechnet. Der Absatz also boomt, der Rubel rollt. Auch ins Ausland verkauft die Schokoladenindustrie. Draußen werden die Lastwagen und Kleintransporter beladen. Weiter hinten gibt es seit kurzem eine neue Halle mit Schokoladentanks bis unter die Decke. Und der Fabrikverkauf brummt, sogar ganze Busse kommen hierher. Wen wundert’s?

Schokoland Tüten

Das Glück in Tüten

Das Glück also heißt Schokolade! Und das kommt nicht von ungefähr: Im Kakao ist ein Stoff enthalten, das Alkaloid Theobromin, das grob gesprochen dem Koffein ähnlich ist, eine anregende Wirkung entfaltet und die Stimmung aufhellt. Theobromin wirkt auch gefäßerweiternd, herzstärkend, entwässernd und dämpft Reizhusten! Die bitterste macht am glücklichsten! Also nehme ich die Plantagenschokolade der Sorte Tobago. Sie ist extra bitter und enthält 75 Prozent Edel-Kakao. Diese so genannten Plantagenschokoladen sind der Renner bei Rausch: Acht verschiedene Sorten gibt es davon, von der süßen Vollmilch, bis zur bitteren Tobago. Ein echter Bestseller! Pro Tag besuchen um die dreihundert Leckermäuler das Schokoland. Naschkatzen, auf geht’s nach Peine!

Information

Schokoland Wegweiser

Rausch Schokoland (mit SchokoMuseum, SchokoCafé, gläserner Fabrik und Fabrikverkauf)
Wilhelm-Rausch-Straße 4
31228 Peine
Tel. 05171/990120
www.rausch-schokolade.de

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10 – 18 Uhr
Samstag 10 – 16 Uhr, Sonntag 12 – 17 Uhr
An Feiertagen geschlossen

 

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