Reisemagazin schwarzaufweiss

REIHE ESSEN & TRINKEN UNTERWEGS

Auf zwei Rädern zum Riesling

Über den Mosel-Radweg durch Frankreich, Luxemburg und Deutschland

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Fast eben ist der Weg, flussabwärts heißt die Devise! Nur schlingen- und schleifenfest sollte der Radfahrer schon sein. Auch nach ein paar Gläschen Riesling! Denn alles dreht sich hier schließlich um den Wein. Und mit einem guten Tropfen im Bauch strampelt es sich schließlich nochmal so gut!

Moselradweg

Der Radweg an der Mosel

Die Mosel als Fluss kennt keine Barrieren. Warum also sollte der Radweg unnatürliche Hindernisse besitzen? Ganze drei Länder können entlang der Mosel in einer der schönsten Flusslandschaften Europas erradelt werden. Eine Grenzgängerroute par excellence. Rekordverdächtig? Echt europäisch auf jeden Fall. Die Vélo Tour Moselle, wie die Franzosen sie nennen, beginnt in Thionville/Frankreich, mäandert sodann wie der Fluss schlingen- und schleifenreich zwischen Luxemburg und Deutschland, genauer gesagt Rheinland-Pfalz, hin und her und endet in Koblenz am Deutschen Eck. Au revoir! Oder jetzt vielmehr: Auf Wiedersehen!

Auf der „Waistrooss“ in Luxemburg

Zwischendrin liegt das Moselland, umschlungen von Eifel und Hunsrück, wo sich Weinlandschaft und Kultur die Hand geben. Idyllische Städtchen und beschauliche Weinorte wie Konz, Trier, Bernkastel-Kues und Cochem liegen entlang der Strecke.

Dorf an der Mosel

Typisches Moseldorf am Fluss

Die erlesenen Weine finden sich meistens in Steillagenanbau, doch da muss man schließlich nicht hinaufstrampeln. Den hervorragenden Riesling kann man auch ganz bequem im Tal in einem der hübschen Winzerorte entlang des Radwegs verkosten. Und die Weinberge bilden vor allem im Sommer und Herbst eine malerisch grüne Kulisse, die sich immer wieder attraktiv im Fluss spiegelt.

Durch das luxemburgische Remich mit seinen vielen Terrassenlokalen rollt man den Fluss entlang, unzählige Dégustations-Möglichkeiten der „grandes vins moselles“ finden sich direkt am Radweg und an der Uferpromenade. So kann man weiter links- oder rechtsmoselig auf fast immer geteerten Wegen radeln, in Luxemburg entlang der „Waistrooss“, oder in Deutschland entlang der Elbling-Route. Der Radweg ist in diesem Streckenteil auf der deutschen Seite schöner, da direkt am Wasser verlaufend. Doch grüne Weinberge grüßen zu beiden Seiten, kohlebeladene Moselschiffe tuckern vorbei, auf der „Pax Europa“ fahren zwei Fahrräder mit. Man winkt.

Karte Elbling-Route

Elbling-Route

Die Römer kamen ohne Fahrrad

Wein haben an der „Mosella“ die Römer schon vor zweitausend Jahren angebaut. Das milde Klima und das schützende Flusstal sorgten und sorgen dafür, dass die Reben gut gedeihen. Und schließlich kommen auch uns die Römer in den Sinn, denn wir nähern uns der Moselmetropole Trier, der alten römischen Kaiserstadt mit der Porta Nigra, den Kaiser- und Barbara-Thermen, der Römerbrücke und dem vielleicht schönsten Platz Deutschlands, dem Hauptmarkt. Auch heute noch finden sich übrigens drei Millionen Reben auf Trierer Stadtgebiet. Ein süffiger Zwischenstopp ist also garantiert: Riesling, Elbling oder Spätburgunder?

Steillagen am Fluss

Steillagen am Fluss

Gleich hinter Trier säumen riesige Weinberge mit Steillagenanbau den Fluss. Die Winzer haben verlockende Vitrinen mit Flaschenausstellungen ihrer guten Tröpfchen aufgebaut, aus den Weinbergen grüßen die Schilder mit den Lagenbezeichnungen: „Pölicher Held“, “Thörnicher Ritsch“, „Klüsserather Bruderschaft“ oder „Köwericher Laurentius Lay“. Die Lagen kann man sich tagsüber aussuchen und abends wegtrinken. Und für alle, die genug von Bacchus haben, gibt´s in Neumagen-Dhron, dem ältesten Weinort Deutschlands, ein „Löwenbräu-Stüberl“.

Schinderei im Namen von Bacchus

Wir bleiben beim Rebensaft und quartieren uns im „Weingut Port“ in Bernkastel-Kues mit seinen Schieferhäusern ein (Foto rechts: Altstadt von Bernkastel-Kues). Das „Bett & Bike“-Siegel des ADFC garantiert eine fahrradfreundliche Behandlung und ein stärkendes Frühstück, und so ist es auch! Doch erst mal runter vom Rad und rein in den Weinkeller, wo man Weine aus eigenem Anbau der Ports probieren und kaufen kann. Gerade heute läuft die Flaschenabfüllanlage, Riesling und Rivaner werden abgefüllt, Herr Port erklärt uns alles ganz genau. Wir trinken. Köstlich!

Bremm liegt an einer der schönsten Schleifen der Mosel. Wer will und vom Radeln genug hat, kann nun in den steilsten Weinberg Europas klettern, den Calmont. Für knapp zwei Stunden wechselt man dann einmal die Perspektive und kann die Radler beobachten, die unten im Tal den Fluss entlang rollen. Schon die Römer beteten den "heißen Berg" an, den „calidus mont“. Der Boden ist tatsächlich erhitzt, in den Trockenmauern raschelt eine Eidechse. Dies ist eine in Jahrtausenden gewachsene Kulturlandschaft: Steilste Hänge säumen die Mosel zu beiden Seiten. Bis zu 65% steil sind die „himmelan strebenden Berge“, wie schon Ansonius um 370 zu berichten wusste, die gleichbedeutend sind mit Wein. Eine Schinderei, dem Weingott Bacchus ein paar himmlische Tröpfchen abzutrotzen! Doch zu helfen weiß man sich auch: Zahnradschienen, darauf Transportmöglichkeiten und sogar Sitze, führen die Hänge hinauf. Wir laufen, klettern oder krabbeln durch diesen Weinberg mit alpinem Charakter – und anschließend wieder hinunter. Unten schmeckt danach ganz bestimmt ein moselländischer Riesling im „Weinhaus Berg“ in Bremm aus eigener Produktion.

Moselschleife

Moselschleife bei Bremm

Solchermaßen gestärkt rollt sich´s etwas leichter, vorbei an der schönen Ruine Metternich. Eine Motoryacht braust vorbei, einen coolen sonnenbrillenverspiegelten Typen auf Wasserskiern im Schlepptau. Das Wasser glitzert, die Luft wird diesig, auf nach Cochem!

Moselradweg

Auf dem Radweg moselabwärts

Auch diese Stadt gehört - dem Wein! Aber auch dem Wasser: Herr Lehmann vom „Haus Erholung“, wo wir Quartier beziehen und man seine Fahrräder in der Fahrradgarage abstellen kann, zeigt uns, wie hoch die Flut in den verschiedenen Jahren jeweils gestiegen ist. Für mich „Landratte“ im Grunde unglaublich! Wie kann man damit leben? Herr Lehmann lacht einfach. Moselländischer Riesling-Humor? Auch hier wird in der Pension Wein verkauft, vom Schwager nämlich, dem das Weingut Edgar Comes gehört. Man kann sich sogar des Abends am Kühlschrank bedienen!

Der Wein beflügelt die Fantasie

Auch in Cochem gibt es viel zu entdecken. Die Häuser tragen steile Fachwerkgiebel, von oben schaut die Reichsburg herunter, in der Mitte des Städtchens ein romantischer Platz. Doch wir verirren uns in den Gässchen in eine urige Weinstube namens „Alte Gutsschänke“. Ein paar Stufen hinabsteigen muss man, vielleicht wie in ein Verlies? Man lugt schon aus dem tiefen, gut gehüteten Keller zu uns herauf, wir öffnen die saloon-artige Klapptür und sind mitten drin: Die Weinkarte ist vortrefflich, der Rieslingkäse mit Essig und Zwiebeln und das dazugehörige Roggen-Gewürzbrot ebenfalls. Oder doch lieber den deftigen Winzerteller? Also beides! Riesling oder Dornfelder? In dieser Reihenfolge, bitte! Und nach dem ganzen Winzerteller noch zwei Trester! Die alte Frau Schmitz ist einfach zu freundlich und wahrhaft um ihre Gäste bemüht: „Noch ein bisschen mehr Senf, vielleicht?“

Gasthof

Einladende Gastlichkeit

An den langen Holztischen im dunklen Gewölbe rückt man schnell näher zusammen und redet miteinander. Was? Über den Wein, vermutlich, und über das Wasser. Und dass es hier statt Bierdeckeln papierne Weinblätter gibt. Aber Genaueres weiß ich, ehrlich gesagt, nicht mehr. Schließlich haben laut Thaddäus Troll die Moselweine ihre eigene Wirkung: „Sie regen den Geist an, aktivieren den Witz, beflügeln die Fantasie, schärfen die Klingen für ein pointenreiches Gespräch, machen munter, frisch und jugendlich.“

Wasserschloss

Fahrradweg direkt durchs Wasserschloss in Gondorf

Das Ende naht und liegt in Koblenz am Deutschen Eck, wo die Mosel in den Rhein mündet. Schnell mal den dunkelgrauen, steinernen Kaiser umrundet und in der „Rheinzoll-Stube“ noch ein letztes Schlückchen Moselwein oder schon einen Rheinwein probiert? So könnte es weitergehen.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

Das könnte Sie auch interessieren

.

Reiseveranstalter Deutschland bei schwarzaufweiss

 

 

Einladung zum Mosel-Kir. Cochem zur Blüte des Roten Weinbergpfirsichs

In zartem Rosa strahlen die Blüten des Weinbergpfirsichbaums schon von den steilen Hängen an der Mosel, während die Reben noch nackt und kahl auf ihr Coming-out warten müssen.

Cochem Blüte des Weinbergpfirsichs

Mehr lesen ...

Von Strudeln und Wellen. Essen und Trinken in Regensburg

Die nördlichste Stadt Italiens wird Regensburg auch genannt, mutet sie doch mit ihren protzigen Geschlechtertürmen, den meisten nördlich der Alpen, versteckt liegenden Hinterhöfen und gewundenem, mittelalterlichem Gassengewirr an wie das toskanische Lucca. Bella Italia im Castra Regina der Oberpfalz? Un espresso, per favore!

Regensburg Essen & Trinken

Mehr lesen ...

 

Von Dachschindeln, Schnallen und Steyrer Torte. Ein Mehlspeisenrundgang durch das oberösterreichische Steyr

Zwischen Steyr und Enns erstreckt sich die Industrie- und Arbeiterstadt Steyr. Nicht nur auf der Fabrikinsel lag einst eine Fabrik neben der anderen, sondern auch längs der Steyr. Aber wir sind vor allem in Steyr, um zu schauen, ob auch ausgewiesene Süßmäuler beim Besuch an Enns und Steyr auf ihre Kosten kommen.

Steyr in Österreich

Mehr lesen ...

Viel mehr als heiße Suppe. Marseille und seine Bouillabaisse

Im alten Hafen von Marseille begann nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern auch die seines Traditionsgerichtes: der weltbekannten Marseiller Bouillabaisse. Noch bis vor zehn Jahren galt das Hafenviertel als düsteres und unsicheres Viertel. Heute gerät die Gegend rund um den alten Hafen immer mehr in den Fokus von Touristen. Neben Hotels, Cafés und Souvenirläden gibt es hier am Vieux Port auch jede Menge Fisch-Restaurants. Auf bunten Tafeln bieten diese vor allem die Spezialität ihrer Stadt an: die Marseiller Bouillabaisse. Und für ihre Zubereitung gehören ganz bestimmte Fische in den Topf.

Marseille - Bouillabaisse

Mehr lesen ...