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Kein Bedarf für einen Shooting-Star aus Odense

Angekommen in Kopenhagen war er ein paar Jahre zuvor, am 5. September 1819. Aufgeschossen, ungelenk, mit zehn Talern in der Tasche und dem Kopf voller Flausen stand er vor dem Westtor. Hinter ihm lag die Überfahrt mit dem Schiff von Fünen, lag Odense, die Heimatstadt, lagen 14 magere, versponnene Jahre. Alles Vergangenheit, das. Ab heute gehörte ihm die Welt. Schauspieler würde er werden, der arme Schustersohn. Eine umjubelte Lichtgestalt in der lauten, überfüllten, stinkenden Hauptstadt.

Dänemark Kopenhagen Denkmal 2
Der Märchenerzähler ...

Heute thronen, wo damals der Wallgraben plätscherte, Rathaus, Lurenbläser und "Lis`s Poelserbar". Anstelle des Westtors blinken die Leuchtschriften von "Politikken" und "Haribo". Und statt des Gasthauses "Gardergaard" in der Vestergade, wo der Junge seine erste Nacht in der Fremde durchfieberte, erquickt "Heidis Bierbar" durstige Kehlen und Seelen.

Am Königlichen Theater, das, wie er glaubte, geradezu auf einen Shooting-Star aus Odense gewartet hatte, kam er nicht unter. Doch das warf ihn nicht um. In den kommenden Wochen platzte er in die Salons, rezitierte, sang, blamierte sich, dass so manche Augenbraue hochging, und fand am Ende doch auch Gönner. Soll der Lümmel doch Ballettunterricht am Hoftheater nehmen! Glücklich war er dabei nicht. Das Ballett hatte keinen Bedarf an langem Elend und ließ ihn das auch deutlich spüren. Viel später freilich, als er schon berühmt war, kam er zurück und las seine Märchen unter dem blau-goldenen Bühnenhimmel vor einem begeisterten Publikum.

Dänemark Kopenhagen Straßencafé
... und seine Stadt

In Kammern unterm Dach des Museums sind die Büsten bedeutender Schauspieler, Schriftsteller und Musiker abgestellt. Wer genau lauscht, hört aus dem Dunkel empörtes Gezischel: "Was für ein Gewese neuerdings, um diesen komischen Provinzler, den eitlen Fatzke, während unsere erlauchten Namen... ". Andersen hatte Glück. Er durfte zur Schule, machte das Abitur, schrieb erste Stücke. Ein Roman und frühe Märchen machten ihn erst bekannt, dann, etwa ab 1840, berühmt. Er gönnte sich die Welt, reiste 30 mal ins Ausland, bis nach Rumänien und Schottland, in die Türkei und auf den Balkan. In Kopenhagen, seinem Zwischen-Zuhause, wechselte er die Wohnungen mit Begeisterung und brachte es im Lauf der Jahre auf acht verschiedene Adressen. Allein an Nyhavn, dem Stichkanal, in dem die alten Segler liegen, wohnte er nacheinander in Nr. 20, 67, 69 und 18.



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