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Urlaub bei Nachbarn

Dänische Südsee

Text und Fotos: Beate Schümann 

Hemden mit Blumendruck, Shorts und Flip-Flops sind im Gepäck. Auch ein Sonnenhut und Creme mit Schutzfaktor 30. Es geht in die Südsee. Wir sind reif für die Inseln. Doch diesmal ohne Flugzeug, ohne Luxusliner. Diesmal starten wir von der Haustür weg mit dem eigenen Wagen. Die Strecke ist absehbar, und Windjacken haben wir auch dabei. Es geht in den Norden, nach Dänemark.

Dänemark - Fachwerkhaus auf der Insel Tåsinge
Fachwerkhaus auf der Insel Tåsinge

Südsee klingt doch herrlich exotisch, ähnlich wie Pazifik, Polynesien oder Hawaii. Auch in der Dänischen Südsee mangelt es nicht an exotisch klingenden Namen: Fünen, Langeland, Tåsinge, Ærø, Drejø, Hjortø, Skarø, Avernakø und Lyø.
Die Südsee Dänemarks liegt in der Ostsee. Sie umfasst jenen kleinen Bereich zwischen dem Kleinen und Großen Belt. Wie das Inselmeer zu seinem großen Namen kam, weiß heute niemand. Der Begriff „Südsee“ ist eigentlich belegt, eine Erfindung des Spanischen Eroberers Vasco Núñez de Balboa, der 1513 die Landenge von Panama querte und den vor ihm liegenden Pazifik so taufte. Als Synonym kommt noch die Inselwelt Polynesiens samt der Osterinseln hinzu. Möglich, dass frühe dänische Seefahrer das Revier mit den vielen Untiefen und Inseln als navigatorisch schwierig einstuften, was sie dem Stillen Ozean ähnlich macht. Sicher ist, dass zur „Danske Sydhav“ immerhin fünfzig Inseln gehören, meist unbewohnt und manche namenlos. Unter Seglern gilt sie als eines der beliebtesten Segelreviere. Doch man muss nicht segeln, um die Inseln zu lieben.

Balboa brauchte eine hochseetüchtige Flotte und Proviant für mehrere Wochen. Heutzutage ist alles so einfach. Moderne Brücken verbinden die größeren Inseln. Wo es keine gibt, transportieren regelmäßig verkehrende Fähren Personen, Autos und Fahrräder. Um die Existenz des Fährbetriebs zu den kleinen Inseln zu sichern, werden die Autofahrer an den Mautstationen kräftig zur Kasse gebeten. Ein typisch dänischer Solidaritätsakt.

Auf Fünen unterwegs

Dänemark - Insel Fünen - Faaborg
Im Hafen von Faaborg

Bei Sønderbog spannt sich eine Brücke zur Insel Als, wo die Fähre nach Faaborg auf Fünen wartet, der Hauptinsel in der Danske Sydhav. Es lohnt sich, dem Rat eines Kenners zu folgen: Nicht auf der Autobahn fahren! Wir haben Ferien, wollen vom Land etwas sehen und biegen auf die „Margeritenroute“, der mit 3.500 Kilometern längsten Sehenswürdigkeit Dänemarks. Die Margerite auf dem quadratischen Schild weist den Weg, eine Referenz an Königin Margrethe II., die die Route 1991 selbst eröffnete. Ihre Lieblingsblume führt auf die ruhigsten Nebenstrecken quer durch das Land und über die Inseln. Sie passiert weite Kornfelder, windet sich um Dünen, Fjords und Höfe, zeigt die verstecktesten Winkel und die schönsten Reetdachdörfer. Sie mäandert über Hügel, die sich bis 90 Meter aufschwingen und von den Dänen „Gebirge“ genannt werden. Sie lotst in 1200-Seelen-Dörfer, die bei ihnen „Städte“ heißen. Zu Orten mit aufrechten Stockrosen, die hier „hyggelig“ heißen, einfach urgemütlich.

Dänemark - Insel Fünen - Faaborg
Hyggeligkeit am Hafen

Das ist das, was wir in dieser Südsee suchen - Stockrosenidylle, Langsamkeit und Seelenruhe. Das mag den Tourismustrategen im fernen Kopenhagen nicht mehr so richtig gut gefallen, weil sie neuerdings darauf gekommen sind, dass dieses Bild antiquiert erscheinen könnte. Lieber wollen sie jetzt auf Modernität und Design setzen. Doch wir wollen es hyggelig.

Tåsinge

Dank der Brücke über den Svendborg Sund geht Fünen kaum merklich zur Insel Tåsinge über. Tåsinge, das sind 70 Quadratkilometer Wälder, Windrosenhecken und hochprozentige hyggelige Dörfer mit Dorfteichen. Eines davon ist Troense, das denkmalgeschützte Schifferdorf und das Abbild der Stockrosenidylle. Überall stehen reetgedeckte Fachwerkhäuser, jedes individuell gebaut, jedes mit blühendem Vorgarten - die schönsten in der Grønegaard, die am Ende bis zum Valdemars Slot führt. Das 1644 erbaute Schloss ist für dänische Inselmaße mehr als stattlich, gebührt aber einem Königssohn. Im kleinen Hafen tänzeln am Steg vertäute Boote und imposante Jachten. Das macht Lust auf eine Seetour.

Dänemark - Insel Tasinge - Troense
Stockrosen vor einem reetgedeckten Fachwerkhaus in Troense

Auf der Margeritenroute erreichen wir das Havkajakcenter von Skovballe. Das Seekajakfahren kommt ursprünglich aus Grönland, hat sich aber in der Dänischen Südsee wegen der geschützten Lage und der abwechslungsreichen Natur enorm verbreitet. Von Skovballe aus lassen sich leicht 34 Inseln erpaddeln, von denen viele die Infrastruktur für Tages- und Mehrtagestouren, Campingplätze, Leihboote und Ausrüstung anbieten.

Dänemark - Insel Tasinge - Seekajakfahrer
Das Seekajakfahren kommt ursprünglich aus Grönland

„Kein Wind, vielleicht anderthalb Knoten.“ Lenze, der Chef vom Havkajakcenter, hält die Nase in den Wind. „Ideale Bedingungen für Anfänger!“ Der gebürtige Holländer verteilt an alle Schwimmwesten. Dann schurren die Kajaks über den Sand, bis das Wasser unsere Knie umspielt. Das Einsteigen ist wackelig. Plumps, schon liegt einer. „Das Kajak zwischen die Beine nehmen, hinsetzen und die Beine nachziehen“, rät Lenze. Sitzt man, kommt schnell das Gefühl für Kajak und Welle. Zwei Stunden dauert die Tour zur Vogelschutzinsel Odden. Links und rechts tauchen die Paddel ins Wasser ein, mal schnell, mal gemütlich. Zurück an Land sitzen wir zufrieden bei Lenzes frisch aufgebrühtem Kaffee.

Jetzt aber mal an den Strand. Über den Siøsund rauscht man nach Langeland durch. Der schönste Strand hat den kürzesten Namen: Sti. Strandgebühren und Kurtaxen gibt es in Dänemark nicht. Am Abend leeren wir den Inhalt der Hosentaschen und sichten das Ergebnis des Strandspaziergangs: Muscheln, Feuersteine, Donnerkeile und Hühnergötter, diese nur noch selten zu findenden kalkweißen Rundsteine mit Loch.

Radeln auf Ærø

Von Fünen setzt die Fähre nach Ærø über. Mit dem Leihfahrrad radeln wir westlich zum Skjoldnæs-Kap, das der 22 Meter hohe Leuchtturm von 1881 markiert. Am Ende der engen Wendeltreppe kann man sich als Mastgucker fühlen. Angekommen, eröffnet sich ein 270-Grad-Panorama voller Segelschiffe. Von zig Schwalben umschwärmt, versteht der Mensch oben, was die Golfer unten am neuen 27-Loch-Platz reizt: Seeblick von zwei Seiten.

Dänemark - Insel Ærø - Ærøskøbing
Ærøskøbing auf der Insel Ærø

Radler haben auf den Inseln zwei Herausforderungen: die Hügel und den Gegenwind. Wind kommt von allen Seiten, am liebsten von vorn. Auch auf Ærø. Als Ærøskøbing erreicht ist, erholen wir uns erst auf einer Bank, dann im gut erhaltenen historischen Kern, der voller Postkartenmotive steckt. Kopfsteinpflaster, Porzellanhündchen in den Fenstern und hyggelige Häuser, eines schöner als das andere, das älteste von 1580. Dänemark ohne Stockrosenidylle?

Am Morgen dümpelt im Hafen von Faaborg ein riesiger Mastenwald vor den gelben Giebelhäusern. Beides historisch und beides ausgesprochen hyggelig. Da werden maritime Erinnerungen an die Zeit der Eroberungen wach. Gut vierzig Holzsegler, liebevoll restauriert, manche hundert Jahre alt: Kutter, Schoner, Briggs und Vollrigger, die zur Oldtimer-Regatta „Fyn Rundt“ im Juli einlaufen.

Dänemark - Insel Aerö - Oldtimer-Regatta Fyn Rundt
Teilnehmer an der Oldtimer-Regatta „Fyn Rundt“

Eine Tagesetappe und Ziel ist Svendborg, die Hauptstadt Fünens und des Inselmeeres. Unsere „Madonna“ liegt gut im Rennen. Unter aufgeblähten Segeln senkt sich der 3-Mast-Topsegelschoner tief in die Wellen und bäumt sich wieder auf, dass die Gischt am Bug hochspritzt. „Alles klar zur Wende“ ruft Kapitän Bo, der am Steuer steht. Wieder voll am Wind, manövriert er den Dreimaster geschickt zwischen den Untiefen und Inseln der Dänischen Südsee hindurch. „Bei den früheren Seefahrern war das nicht anders“, lacht Bo. Nur dass manche die Südsee von Balboa wirklich kannten.



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel

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