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Was ist ein „Brutto-Nationalglück“?

Begonnen hatte unsere Reise im Westen, in Paro, wo der einzige Flugplatz des Landes liegt. Durch ein tiefes Tal getrennt hatten wir das berühmte "Tigernest" bewundert, jenes Kloster, das wie angeklebt auf 3050 m Höhe an einer Granitwand sitzt, und waren dann nach Thimpu weitergefahren. Auf den unregelmäßig geformten Feldern spross zartgrün der Weizen, Apfelbäume blühten, und Pfirsiche, und die vereinzelten Bauernhöfe thronten wie würdige Paläste zwischen ihrem Besitz. Auf einem Sockel aus Naturstein erheben sich Lehmmauern mit Bogenfenstern, Dächer aus rotem Wellblech oder grauen Holzschindeln thronen darüber und die quadratischen, geweißten Flächen zwischen den Fachwerkbalken schauen wie blanke Augen übers fruchtbare Land.

Bhutan Lehm-Architektur

Mit leichten Variationen wird so im ganzen Land gebaut. Auch die Kleidung der Einwohner, stämmiger Menschen mit flächigen, braunen, herben Gesichtern, hat der König gesetzlich geregelt: Frauen hüllen sich in die bodenlange Kira, die Männer tragen den Kho, ein Wickelgewand, das bis zu den Knien reicht und um den Bauch "die größte Tasche der Welt" bildet - zusammen mit Kniestrümpfen, Halbschuhen und möglicherweise einem Handy am Ohr eine fast unschlagbare Kombination. Freilich dringen, Gesetz hin, Gesetz her, Jeans, Lederjacken und Sweatshirts auch hier vor.

Bhutan klassische Kleidung und Handy

Den König mag das nicht freuen, aufhalten, weiß er, kann er es nicht. Jigme Singye Wangchuck mit den sinnlichen Lippen und dem hohen Scheitel ist beliebt, sein Bild hängt in jedem Büro und jedem Restaurant. Schon bald nach Beginn seiner Herrschaft 1972 hatte er das "Brutto-Nationalglück" zur Maxime bhutanesischer Politik erhoben, und Ausbildung, Umweltschutz und medizinische Versorgung im Lauf der Jahre stark vorangebracht. Weniger menschenfreundlich handelte er, als er, um die kulturelle Identität seines Volkes zu stärken, in den achtziger Jahren ein Gesetz erließ, das die zahlreichen Bhutanesen tibetischer oder nepalesischer Herkunft kurzerhand zu Nicht-Bhutanesen erklärte. Blutige Unruhen waren die Folge und noch heute warten über 100.000 Flüchtlinge in nepalesischen Lagern auf die Rückkehr in die Heimat und ihren Teil am Brutto-Glück.

Bhutan Fahnenwald

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