Kleine, graue Schnecken
Ein romanisches Kleinod: Die Kirche von Celles
In Celles, einer Niederlassung aus römischer Zeit, wird bis heute der Heilige Hadelin verehrt – seine sterblichen Überreste ruhten einst in der Krypta der romanischen Kirche. Einen Heiligen in seinem Ort zu beherbergen, war im Mittelalter die Garantie dafür, ein angesehener Wallfahrtsort zu sein. Als die Mönche der ewigen Drangsal durch die Herren von Celles jedoch überdrüssig waren, kehrten sie dem Ort den Rücken zu und siedelten nach Visé bei Lüttich über. Selbstverständlich nahmen sie auch die Reliquie mit. Doch an der Verehrung für den heiligen Hadelin hat sich in Celles nichts geändert. Sehenswert ist nicht nur das geschlossene, von grauem Kalkstein dominierte Ortsbild, sondern außerdem die Einsiedelei des heiligen Hadelin, ursprünglich eine Klause aus dem 14. Jahrhundert, die im Laufe der Zeit zu einem Kloster ausgebaut wurde.
Im alten Bahnhof von Warnant - auf dem Weg von Namur nach Maredsous gelegen - werden Verwandte der Weinbergschnecken gezüchtet. Dieser Zuchtbetrieb von »Kleinen Grauen« ist eine von sieben belgischen Schneckenfarmen. Fabienne Brandt, begrüßt die Besucher im kleinen Farmladen, der nicht nur eingelegte Schnecken verkauft, sondern auch das Bier der Brauerei Caracole: Nostradamus und Caracole.

In einem Nebenraum warten in Styroporkartons die Hauptakteure des Tages auf unseren Besuch: Schnecken, die aus der Winterstarre geholt, ihre ersten Erkundungen unternehmen und sich paaren. Diese schleimigen Waldbewohner halten bis Anfang April Winterstarre, doch auf der Schneckenfarm werden sie bereits Anfang Februar aus ihren Schneckenträumen geholt. Wie geschieht das? Da Schnecken eine bestimmte Wärme, Licht, Wasser und Futter benötigen, wird ihnen dies alles geboten. Zwölf Stunden am Tag werden sie dem Licht ausgesetzt. Dabei achtet man auf eine Raumtemperatur von 15 bis 18 Grad Celsius. Alle zwei Tage werden die Schneckcn ausgiebig mit einem harten Wasserstrahl besprüht, was auch der Beseitigung von Parasiten dient. Als Futter dient unter anderem Maismehl. Zudem brauchen die Schnecken Kalk, um bei Beschädigung ihres Schneckenhauses, eine neue Schale aufbauen zu können. Diese ist dann allerdings ohne Farbzeichnung, sondern schlicht grauweiß.
Paarung im Schneckentempo
Sobald Fabienne den Deckel der Styroporbehausungen öffnet, regt sich Leben, wenn auch im Schneckentempo. Einige der zwittrigen Gesellen paaren sich, andere erobern neues Terrain und kriechen alsbald über den Boden des Raums. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage und nach vier bis sechs Monaten sind aus den Eiern ausgewachsene Schnecken herangereift. Wie man nicht anders erwarten kann, sind Schnecken bei der Paarung nicht sehr flott: Zehn Stunden dauert diese, die allerdings nur ein bis zweimal im Jahr stattfindet. Eine Schnecke legt etwa 120 Eier in 24 bis 28 Stunden in kleine Erdlöcher. Um in der Farm die Eier nutzen zu können, hat man spezielle Kartons mit derartigen Löchern präpariert. 15 Tage dauert es, bis die Nachkommen geschlüpft sind. Erhöht man die Raumtemperatur, dann geschieht dies schneller. 10.000 der dicksten Schnecken werden jedes Jahr für die Zucht aussortiert, die übrigen 380.000 werden verarbeitet und vermarktet
Vor der Verarbeitung versetzt man die Schnecken von Warnant durch Entzug von Nahrung, Licht und Wasser in eine künstliche Winterstarre und dann geht es an die Arbeit des Ausweidens – bei 400 000 Schnecken eine Sisyphusarbeit. Wer nun glaubt, dass alle Schnecken, die in Knoblauchbutter eingelegt und in belgischen Restaurants serviert werden, aus Belgien stammen, den belehrt Fabienne eines Besseren. Nur zwei Prozent des Marktes wird mit den Verwandten der Weinbergschnecke abgedeckt. Überwiegend werden aus Indonesien importierte Afrikanische Riesenschnecken verarbeitet.
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