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Glücksspiel (nicht nur) auf vier Rädern in Macau

Da sieht Las Vegas ziemlich blass aus

Text und Fotos: Axel Scheibe

1999 ging Macau offiziell von Portugal an China über. Auch Dank des Schutzes durch den fünfzig Jahre geltenden Status einer Sonderverwaltungszone entfaltet sich auf der dicht besiedelten Insel neben den Sehenswürdigkeiten des UNESCO-Welterbes ein Spielerparadies, das man bislang nur aus der Wüste von Nevada kannte. Unser Autor Axel Scheibe war im "asiatischen Las Vegas".

Motorsport und Glücksspiel

Das Dröhnen wird lauter. Erst war es über zwölf Stunden das sanfte aber stetige Brummen der Triebwerke der Boing 747 von Cathay Pacific, die den weiten Weg von Europa nach Asien verkürzt und mit ihrem bekannten Service auch angenehm gestaltet hat. Es folgte eine Stunde, schon deutlich exzessiver, der Gesang der Motoren der Expressfähre vom Hongkonger Airport zum Fährhafen der Nachbarinsel Macau. Und jetzt, kaum am Ziel der langen Reise angekommen, schwillt der Geräuschpegel in die „Ohropax“ Region. Der jährliche Grand Prix hat Macau fest in der Hand. Das Dröhnen der kleinen Flitzer der Formel 3 zieht durch die Häuserschluchten. Der Stadtkurs sorgt dafür, dass kaum einer vom PS-Spektakel verschont bleibt. Drei Tage dreht sich (fast) alles um den Motorsport. Neben dem legendären Formel 3 Rennen, das seit 1954 einmal im Jahr stattfindet, sind es besonders die Endläufe der Tourenwagenweltmeisterschaft, die die kleine Insel immer wieder ins Rampenlicht der Motorsportwelt rücken.

China - Macau - Dr. Mario Theissen, Sportchef von BMW, wünscht seinem Fahrer Jörg Müller alles Gute für die entscheidenden Runden
Dr. Mario Theissen, Sportchef von BMW, wünscht seinem Fahrer
Jörg Müller alles Gute für die entscheidenden Runden

Größen wie die Schumacher Brüder oder Heinz- Harald Frentzen haben sich hier erste Sporen erworben und Tourenwagen-Legenden wie der Deutsche BMW-Pilot Jörg Müller sorgen bis heute für Sport höchster Klasse. Die Fahrer kommen gern hierher. Der Stadtkurs ist sehr anspruchsvoll und unberechenbar. Nicht ohne Grund spricht man in der Szene davon, dass die Sieger von Macau das „Glücksspiel auf vier Rädern“ für sich entscheiden konnten.

China - Macau - Tourenwagen
Der entscheidende Lauf um die Tourenwagen-WM ist gestartet

Und Glücksspiel, das passt zur ehemaligen Portugiesischen Kolonie, die seit 1999 als Sonderverwaltungszone zu Chinas gehört. Wie Hongkong hat auch der kleinere Nachbar nach der Übergabe an die Volksrepublik seine eigene Verwaltung, seine besonderen Gesetze und nicht zuletzt seine eigene Währung behalten. Für 50 Jahre sollte der Status einer Sonderverwaltungszone bestehen bleiben. Also noch bis 2049, bis zum nächsten großen Countdown.

Vorerst interessiert das in Macau kaum einen. Das pro Kopf Einkommen der 500.000 Inselbewohner zählt zu den höchsten in Asien und einmal im Jahr spendiert der Staat seinen Einwohnern eine Art „Kopfprämie“. So erhielt 2008 jeder Bürger, ob Säugling oder Greis, einen Scheck über rund 500 Euro. Wo gibt es so etwas sonst? Auch so kann man die Binnennachfrage ankurbeln. So lange das Geld aus den Casinos zu 40% ins Staatssäckel fliest, wird sich daran kaum etwas ändern. Kein Volk ist so wett- und glückspielverrückt, wie die Chinesen. Und von ihnen gibt es viele, sehr viele. Schon zu portugiesischen Zeiten stand das Glücksspiel auf der Insel hoch im Kurs. Nach der Übernahme durch die Chinesische Administration wurden neue Konzessionen vergeben. Allen voran kamen die Amerikaner mit ihrer Las Vegas Sands Corp. Nun hat Macau sogar Las Vegas im Umfang der Glücksspielumsätze überholt. Über 60 Milliarden Pataca, so der Name der einheimischen Währung, die an den Hongkong Dollar gekoppelt ist, also rund 5 Milliarden US-Dollar waren es 2008. Freilich für die Amerikaner kein Problem, auch hier verdienen sie kräftig mit. In Macau dreht sich (fast) alles ums schnelle Geld. Ob Black Jack, Roulette oder die Armee von tausenden einarmigen Banditen – der Rubel rollt. Besser sollte man wohl sagen, der Pataca.

China - Macau - Hier auf der Insel Taipa entsteht das neue Las Vegas des Ostens
Hier auf der Insel Taipa entsteht das neue Las Vegas des Ostens

Auf der kleinen Insel am Perlfluss drehen sich aber auch die Baukräne. Neues Land wurde der Chinesischen See abgerungen und moderne Superhotels und Casinos entstehen. Das Venetian, wer Las Vegas kennt, trifft auf eine weitere Kopie, ist schon da. Das neue Grand Hyatt erwartet seine Gäste. Rund herum, entlang des so genannten Cotai Strip, entsteht für 5 bis 10 Milliarden Dollar die größte und modernste Casino-Stadt der Welt. Wer mag bei solchen Beträgen so genau auf die Rechnung schauen? Doch auch an den großen Bauherren in Macau ist die Weltfinanzkrise nicht spurlos vorbei gegangen. So mancher Baukran stand und mancher Termin wanderte um Jahre in die Zukunft. Allein der Sands Corp. kostete die zwischenzeitliche Stilllegung ihrer Monster-Pläne schlappe 40 Millionen Dollar. Aber der Optimismus kehrt zurück. Kein Wunder, die Spieler bleiben nicht weg. Die Casinos sind gut gefüllt und in den VIP-Bereichen wandern weiterhin Summen über die Tische, von denen nicht nur „Normal-Chinesen“ nur träumen können.

China - Macau - Die „Spielhöllen“ haben ihre Lichter angeschaltet
Die „Spielhöllen“ haben ihre Lichter angeschaltet

Asiaten spielen verbissener. Die Lockerheit ihrer amerikanischen Spielgenossen fehlt ihnen. So fehlt auch das Laute, das Marktschreierische, das den eigenen Reiz von Las Vegas ausmacht. Beobachtet man die Spieler an den einarmigen Banditen, so sieht das fast wie Arbeit aus.

UNESCO-Welterbe in der Altstadt

Freilich ist Macau mehr als nur das Motorsportmekka der Region und die Spielerhauptstadt Asiens, auch wenn es davon gut lebt. Vielleicht könnten beide Punkte den Traum der Touristiker des Landes, wenigsten ab und an, wahr werden lassen. „Wie schön wäre es, wenn die Touristen für eine Woche zu uns kommen und dabei vielleicht einen Kurzausflug nach Hongkong einplanen.“ Wie gesagt, ein Traum. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Im Normalfall kommen die Gäste für ein bis zwei Tage von Hongkong herüber. Übrigens, für Globetrotter die schon fast alles gesehen haben, vielleicht auch eine lohnende Alternative zum x-ten Stoppver-Aufenthalt in Hongkong?

China - Macau - Die St. Lorenz  Kirche gehört zu den schönsten Gotteshäuern der Stadt und zum UNESCO-Erbe
Die St. Lorenz Kirche gehört zu den schönsten
Gotteshäuern der Stadt und zum UNESCO-Erbe

Neben dem Glücksspiel ist es vor allem das UNESCO-Welterbe, auf das man in der Altstadt immer wieder stößt, das immer mehr Touristen auch aus dem fernen Europa zu einer Stippvisite verführt. Historische Gebäude aus der Kolonialzeit, die in Hongkong in kürzester Zeit der Abrissbirne zum Opfer fielen, sind in Macau erhalten geblieben. Hier hat die Regierung schnell begriffen, welchen Schatz man da zwischen Senatsplatz und den Ruinen der Kirche St. Paul von den Altvorderen „geschenkt“ bekam. Nicht unbedingt typisch für China.

China - Macau - Meistfotografiertes Gebäude – die Ruine von St. Paul
Meistfotografiertes Gebäude
– die Ruine von St. Paul

Was man heute kaum noch glauben mag, die Insel am Perlfluss war noch vor wenigen Jahrzehnten ein eher verträumtes Plätzchen. Besonders im Vergleich zum benachbarten Hongkong. Und auch wenn dieser immer wieder gesuchte Vergleich eigentlich unfair ist, stellen muss sich Macau im Ringen um Touristen diesem Goliath. Aber die Geschichte zeigt: nicht nur einmal hatte ein David gute Karten in der Auseinandersetzung mit einem Goliath. Das Blatt, das Macau in den Händen hält, ist gut gemischt. Richtig ausgespielt, kann es zum Erfolg führen.

China - Macau - Marktimpression Roter Markt
Marktimpression Roter Markt

Zu den touristischen Erfolgsgarantien dürfte nicht zuletzt das enge Nebeneinander von Gestern und Heute gehören. Oft reichen fünf Minuten, um aus traditionellen chinesischen Stadtvierteln, wie sie wohl teils schon vor Jahrzehnten ausgesehen haben mögen, in die ultramoderne Hotel- und Casinowelt von heute zu gelangen. 9 Uhr ein Bummel über den Roten-Markt, 10 Uhr Ruhe und Erholung im Garten Lou Lim Leoc, wo Frauen sich dem Tai Chi widmen und 11 Uhr in der Casinozone rund um das Hotel Lisboa und das Wynn Macau sein Glück in Versuchung führen. Die Vielfalt der Eindrücke ist überwältigend. Das pralle Leben nimmt den Gast, da wie dort, fest in seine Arme.

China - Macau - Frauengruppe beim Tai Chi im Luis de Camöes Garten
Frauengruppe beim Tai Chi im Luis de Camöes Garten

Wer den Überblick sucht, dieser geht in den engen Gassen der Altstadt, die dazu noch im stetigen Auf und Ab wechseln, schnell verloren, nimmt den Fahrstuhl auf den Macau Tower. Der Ausblick ist überwältigend und lässt gleichzeitig erahnen, was da noch an Neuem aus dem Boden gestampft werden soll. Doch bei all dem Trubel und allem Fortschrittsglauben, selbst das kleine Macau mit seiner rekordverdächtigen Einwohnerdichte von 18.000 pro Quadratkilometer, muss auf ruhige Plätzchen und wildromantische Küstenabschnitte nicht verzichten. Dafür ist die kleine Insel Coloane zuständig, die mit Wäldern und Stränden aufwartet. Sogar für ausgiebige Wanderwege hat sich Platz gefunden.

So gesehen stehen dem Traum der Tourismusfachleute Macaus zumindest keine „technischen“ Widerstände entgegen. Macau ist durchaus mehr wert, als nur eine kurze Stippvisite. Außerdem, wer heute in Macau war, findet bereits in spätestens zwei Jahren neue gute Gründe um erneut zu kommen. Die Kräne auf den großen Baustellen drehen wieder ihre Runden.

China - Macau - Das moderne Zentrum
Das moderne Zentrum

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