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Ausstellungsorte in Lugano: MASILugano/ Skulpturenpark/ Helidon Xhixha

Lugano
Helidon Xhixha: Reflections of Light
bis 22. September 2019

Kunst im öffentlichen Raum hat in der Stadt am Luganer See durchaus Tradition, davon zeugt nicht nur der sich als schmales Band am Ufer des Sees erstreckende Skulpturengarten, sondern aktuell auch die Ausstellung von Arbeiten des albanischen Künstlers Helidon Xhixha. Zwanzig großformatige Werke sind zu sehen, die alle aus Nirosta geschaffen wurden und durch ihre Formen die Umwelt brechen und wiedergeben, auch manchen Fotografen, der sie zu Objekten seiner fotografischen Begierden macht.

nebel

Wer sich mit der Standseilbahn vom Bahnhof Lugano in die Altstadt begibt – für Sportliche empfiehlt sich die parallel zur Bahn verlaufende Stiege –, der wird gleich am Ausgang der Station mit zwei Arbeiten konfrontiert, davon eine von Helidon Xhixha. Deren Platzierung in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Skulptur von zwei schnatternden Gänsen scheint wenig gut gewählt. Der Blick der Ankommenden streift Xhixhas Arbeit nur flüchtig, hat doch jeder den Besuch der Altstadt im Sinn. „Nebula“ nannte der Künstler, der in Mailand ebenso studierte wie in London, sein Werk. Die in sich gedrehte Skulptur lässt wenig an „Nebelschwaden“ denken. Zudem ist jeder Neuankömmling in Lugano bei der Konfrontation von den vielfachen Spiegelung irritiert, sodass die Namensgebung des Werks zweitrangig erscheint

V.om Rande der Piazza Cioccaro aus kann man seine Schritte gen Piazza Dante lenken, wo eine aufgerissene Kugel mit tektonischer Innenansicht den Blick auf sich lenkt. „Big Data“ betitelte Xhixha die Arbeit, die an ähnliche Arbeit von Lucio Fontana denken lässt, der sich in seinen Schöpfungen mit der Frage des Raums befasste, nicht nur zweidimensional, sondern auch dreidimensional. Von der Piazza Dante aus empfiehlt sich der Weg in den Parco Ciani im Osten der Stadt, da sich hier die Arbeiten im öffentlichen Raum konzentrieren.

bigdata

Nicht unerwähnt bleiben darf allerdings, dass einige auch entlang der Uferpromenade gen Paradiso ihren Ausstellungsort gefunden haben, so „Luce Divina“, ein riesiges welliges Kreuz, das auf Zeit die Piazza Bernardino Luini bespielt und in Korrespondenz zur Kirche Santa Maria degli Angioli gesetzt wurde. Diese Kirche ist für ihre Freskenmalereien eines Schülers von Leonardo da Vinci, Bernardino Luini, bekannt. Die bemalte Chorschranke mit biblischen Szenen unterstreicht, dass nicht das Wort, sondern das Bild am Anfang stand. Der albanische Bildhauer Xhixha, der unter anderem auf der 56. Biennale von Venedig und dank seiner Ausstellung in den Boboli-Gärten und den Uffizien von Florenz für Furore gesorgt hat, setzt mit einem riesigen Kreuz als Symbol des Christentums ein eher unspektakuläres Zeichen, vergleicht man diese Arbeit mit dem „bunten Bilderbuch“ im Kircheninneren.

illumination

Noch ein Satz zu einer weiteren Arbeit: „Illumination“ nannte Xhixha das Werk, das vor dem gläsernen postmodernen Palazzo Mantegazza, entworfen von Giampiero Camponovo, steht und sowohl die Wasseroberfläche und umliegenden Hügelketten reflektiert wie auch die Spiegelungen des Glaspalastes von Camponovo.

famiglia

Doch zurück zum Parco Ciani und dessen Umgebung: Begibt man sich ans Ufer des Luganer Sees, so wird man mit den „Schattenrissen“ der „Familie“ konfrontiert. Ausgestanzt aus dem Block aus Stahl wurden die Konturen von Personen. Das sieht aber nur derjenige, der sich nicht vom Lichtspiel auf der Oberfläche der Skulptur beeindrucken lässt. Weiter geht es zur Rivetta Tell; vor den Toren des Parks Ciani und in der Nachbarschaft zum postmodernen Casino steht „La O di Giotto“. Angesichts des Werktitels muss angenommen werden, dass Xhixha einen Bezug zu dem Renaissance- Maler und Baumeister Giotto di Bondone (* 1267 oder 1276 in Vespignano bei Vicchio; † 8. Januar 1337 in Florenz), auch bekannt als Giotto, im Sinne gehabt hat. Was wir sehen ist eine Scheibe mit tektonischen Aufwerfungen in der Mitte des Objekts. Betrachtet man diese, hat man den Eindruck, unzählige Augen starren einen an.

infinito

Schlendern wir durch den Park Ciani, dann stoßen wir nicht nur auf Feigenbäume, Palmen und blühenden Oleander, sondern auch auf einen in Australien endemischen Busch, der als Callistamon oder „Flaschaenputzerstrauch“ bezeichnet wird und rote längliche Blüten trägt, die an einen Flaschenputzer erinnern. Im Park selbst stoßen wir auf die Skulpturen „Infinito“ und „Ordine e Chaos“ („Ordnung und Chaos“). Letztere Arbeit gleicht einem monolithischen Block, der in der Vertikalen wellige Strukturen aufweist. Einem Einbaum aus Stahl, der am Ufer des See gelandet ist, gleicht „Fragments of Light“.

conoscenza

Unweit davon treiben zwei Eisberge aus Nirosta in Ufernähe im See, auch dies ist ein Werk von Helidon Xhixha. Ein „Sonderling“ unter Xhixhas Arbeiten ist vor dem Gebäude der Kantonalsbibliothek zu finden. „Terraferma“. Wenn auch die Formensprache all den anderen Arbeiten gleicht, so verwendete der Künstler wohl Stahl für das Werk, aber eben keinen polierten Nirosta.

Text und Fotos: ferdinand dupuis-panther

Informationen
nur in Italienisch

https://luganoeventi.ch/helidon-xhixha-lugano


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