Porto Santo

Ein Hauch von Afrika

Text und Fotos: Beate Schümann

Insel mit dem Goldstrand – Ilha Praia Dourada, so wird die kleine Insel vor Madeira genannt. Der Strand glitzert tatsächlich golden, wenn die Sonne ihre Strahlen nach Porto Santo schickt.

Der feine Sandstrand an der Ponta da Calheta, im Süden von Porto Santo, der kleinenre Nachbarinsel von Madeira, Portugal

Der feine Sandstrand an der Ponta da Calheta, im Süden von Porto Santo

„Der besondere Glanz entsteht, weil der Sand extrem viel Muschelkalk enthält“, sagt José Idalino Vasconcelos an der Ponta da Calheta im Süden, wo der Strand von schneckenartigen Muschelresten übersät ist. „Geologisch sind sie 30 Millionen Jahre alt“, erklärt der gebürtige Portosantenser. Die Erosion hat sie an die Oberfläche gebracht, eine Schneckenart, die heute gar nicht mehr existiert.

Porto Santo hat, was der grünen Blumeninsel Madeira fehlt: feiner goldgelber Sandstrand, und davon gleich neun Kilometer am Stück. Die Portugiesen kürten ihn sogar zu einem der Sieben Weltwunder Portugals. „Wir sind der beste Sandstrand im Atlantik“, rühmt ihn auch Vasconcelos, der auf der elf Kilometer langen Insel eine Reiseagentur betreibt und bei der nächsten Wahl im September Bürgermeister werden will. „Unsere Vorzüge sind der Strand, die Stille und absolute Sicherheit, damit können wir wuchern“, sagt der 57-Jährige. Der Tourismus floriert, auch wenn es nach seinem Geschmack gern etwas mehr sein dürfte.

Der 9 Kilometer lange Sandstrand von Porto Santo, Nachbarinsel von Madeira, Portugal

Der 9 Kilometer lange Sandstrand von Porto Santo

Der weltweite Terrorismus hat seiner Insel in den letzten Jahren ein spürbares Plus und in 2016 rund 22.000 Gäste beschert. Deshalb wurde die Saison bereits von drei auf sechs Monate verlängert, so dass die neun Hotels und die Restaurants nun von Mai bis Oktober geöffnet haben. Drei Hotels versuchen sich sogar ganzjährig. Im beliebten Dünenbereich von Campo de Baixo hat auch Fußballgott Cristiano Ronaldo schon Land gekauft. Was der in Funchal geborene Ausnahme-Kicker damit vorhat, weiß niemand so genau. Allerdings hat er auf Madeira gerade sein erstes Hotel CR7 eröffnet. Dass er sich für den vulkanischen Archipel weiter engagieren wird, ist Ehrensache, seit der Flughafen von Funchal im April nach ihm benannt worden ist.

Steile Basaltklippen im Nordosten von Porto Santo. Die kleine Nachbarinsel von Madeira im Atlantik. Portugal

Steile Basaltklippen im Nordosten

„Mehr Sand als hier ist Wüste“ erfand ein findiger Werbetexter als Slogan für Porto Santo. Liebhaber von Farben wie Sandgelb, Kamelbraun und Khakigrün sowie Einsiedlerkrebse, die gern für sich sind, werden auch länger als eine Woche Gefallen an der unaufgeregten Landschaft und dem gemächlichen Lebensrhythmus haben. So wie Heidi Papka aus Hamburg, die sich mit ihrem Freund gleich für mehrere Monate auf Porto Santo eingebucht hat. „Die Insel mag klein sein, aber sie ist die totale Entspannung“, sagt die Volksdorferin. Das erste Mal blieben sie neun Wochen – zum Ausprobieren. „Jetzt fühlen wir uns wie Zuhause.“ Wenn sie nicht lesen, surfen oder kiten sie oder wandern in den Bergen vom Pico do Castelo oder Pico Branco e Terra Chã, wo es ausgeschilderte Wanderwege mit herrlichen Ausblicken auf die Steilküste gibt. Denn um ein bisschen landschaftliche Abwechslung ins Bild zu bringen, hat die Natur im Norden steile Basaltklippen aus dem Meer getrieben und die Ebenen mit ein paar hübschen Anhöhen garniert, die sich Picos oder Miradores nennen. Auch Drachenflieger wissen die Topographie zu schätzen, unter denen Porto Santo als Topspot kursiert.

Fährt man durch die Insel, spürt man den Hauch von Afrika überall. „Tourismus ist unsere wichtigste Einnahmequelle“, sagt Taxifahrer Gabriel, der wie seine Kollegen Rundfahrten auf der Insel anbietet, den Besuchern die versteinerten Dünen von Fonte da Areia, die seltene Basaltorgel am Pico Ana Ferreira und Portela zeigt, der „Theaterloge“ der Insel, von der man die ganze Südküste überblicken kann. „Wenn der Winter genügend Niederschläge bringt wie im letzten, trägt die Insel für kurze Zeit ein richtig grünes Kleid“, erklärt der junge Mann. „Wie auf Madeira“, schmunzelt er. Aber es passiere nicht jedes Jahr. Und doch genügt es, um bei Camacha einen kräftigen hochprozentigen Inselwein zu produzieren.

Das verkarstete Land im Nordosten der Insel, Serra de Dentro. Porto Santo, Madeira, Portugal

Das verkarstete Land im Nordosten der Insel, Serra de Dentro

Im verkarsteten Inselnordosten, in der Serra de Dentro dagegen schaffen es nur die zähesten Pflanzen wie Besenerika in der Trockenheit zu bestehen. Die Menschen haben vor langer Zeit das Feld geräumt und es dem Wind überlassen. Bei Pedregal sieht man noch die Mauern verlassener Bauernhäuser und Reste der früher einmal betriebenen Terrassenwirtschaft. Sie erzählen von den vergeblichen Anstrengungen, den verdorrten Boden urbar zu machen und ihm das Lebensnotwendige abzuringen - Weizen, Getreide, Roggen und Linsen. Vereinzelt lässt sich ein Flussbett erkennen, aber es führt kein Wasser. Ein paar Schafe, Ziegen und Kühe knabbern am kargen Bodenbewuchs. Obwohl das Wasser so knapp ist, haben die Portosantenser 2004 einen Golfplatz vom bekannten Architekten Severiano Ballesteros kreieren lassen, ein Meisterschaftsplatz mit achtzehn Spielbahnen. Die Entsalzungsanlage, die die Insel mit Trinkwasser versorgt, kam erst zwei Jahre später.

Blick auf Vila Baleira, Hauptort von Porto Santo, der kleineren Nachbarinsel von madeira. Portugal

Blick auf Vila Baleira, Hauptort von Porto Santo

Im Hauptort Vila Baleira erinnert die Pfarrkirche Igreja Nossa Senhora da Piedade aus dem 17. Jahrhundert an eine weiter zurückreichende Vergangenheit. Für einen kurzen historischen Augenblick war das Wüsteneiland der großen Schwester nebenan um eine Nasenlänge voraus. 1418 schreiben die portugiesischen Kapitäne João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz in die Logbücher, dass ihre Schiffe in Sturm gerieten und auf einer Sandbank strandeten – Porto Santo, sicherer Hafen. Auf dem nicht einmal vierzig Kilometer entfernten Madeira landeten die Karavellen zwei Jahre später.

Kein großer Ruhm, findet Idalino Vasconcelos, aber auf Porto Santo ist man doch ein bisschen stolz darauf. Noch stolzer sind die rund 5.500 Bewohner aber auf Christopher Kolumbus, der seine große Karriere als Entdecker Amerikas hier vorbereitet und in der Pfarrkirche die Gouverneurstochter Filipa de Perestrelo Moniz geheiratet haben soll. „Wahrscheinlicher ist, dass sie sich das Jawort in Lissabon gegeben haben“, räumt Vasconcelos mit einer Legende auf. Kolumbus, der als Zuckerhändler nach Madeira kam, habe sie auch nicht aus Liebe auserwählt, sondern weil er sich wegen ihres Adelstitels Zugang zum portugiesischen Hof und eine Audienz beim König João II. erhoffte. Dieser lehnte 1482 jedoch ab, dessen Entdeckungsfahrt gen Westen zu finanzieren. Bekanntermaßen versuchte Kolumbus danach bei den spanischen Königen Isabella und Ferdinand erfolgreich sein Glück. Am Strand von Porto Santo soll der genuesische Kaufmann jedoch die „Fava de Colombo“ gefunden haben, eine angeschwemmte Bohne, die ihn auf die Idee gebracht haben soll, dass Amerika im Westen liegt. „Tatsächlich kam sie aus Florida“, weiß Vasconcelos. Die ganze Geschichte mit allen wahren oder unwahren Legenden wird im Kolumbus-Museum erzählt, im Wohnhaus von Filipa und dem Kaufmann aus Genua.

Kolumbus, der berühmte Seefahrer, der eine Zeitlang auf der Insel lebte und es als Sprungbrett für seine Karriere nutzte. Vila Baleira, Porto Santo, die kleine Nachbarinsel von Madeira, Portugal

Kolumbus, der berühmte Seefahrer, der eine Zeitlang auf der Insel lebte und es als Sprungbrett für seine Karriere nutzte

Der Strand von Porto Santo hat sogar noch mehr Qualitäten: therapeutische. Früher staunte man über die Portugiesen, die sich am Strand einbuddelten und stundenlang wie eine Mumie verharrten. Was lange als Volksglauben abgetan wurde, bestätigten schließlich wissenschaftliche Untersuchungen. Dabei wurden hohe Bestandteile an Chrom, Strontium und Jod festgestellt, die sich wohltuend auf die Gesundheit auswirkt. Auch hier kommen die steinalten Muschelschnecken wieder ins Spiel. Der Abrieb der mineralhaltigen Korallen, Muscheln und Seeigel im Sand enthält Karbon und wirkt in Verbindung mit Wärme. Inzwischen wird er in den Wellnesshotels von Porto Santo auch medizinisch eingesetzt. Man kann sich aber genauso gut wie die Portugiesen im Sand einbuddeln.

Informationen

Anreise:

Die Airline TAP Portugal fliegt mehrmals pro Woche, freitags und sonntags, über Lissabon direkt nach Porto Santo, www.flytap.com.

Übernachtung:

Luamar Aparthotel
Cabeço da Ponta
Tel. 351 291 980 190
http://luamarapart-hotel.guestcentric.net/en/hotel-overview.html
Hübsche, aber schlichte Zimmer auf Vier-Sterne-Niveau in Strandnähe. Preis im DZ: ab 70 Euro.

Der Reiseveranstalter Dertour bietet Reisen nach Porto Santo mit Quartier im 4-Sterne-Hotel Pestana Porto Santo für eine Woche ab ca. 1.250 Euro, Service-Telefon 069-153 22 55 33, www.dertour.de

Auskunft:

Turismo de Portugal
Zimmerstr. 56
10117 Berlin
Tel. 0302541060
www.visitportugal.com, www.visitportosanto.pt

 

Website der Autorin: www.beate-schuemann.de

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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