Madeira mit Maske

Reisen in Zeiten der Corona-Pandemie

Text und Fotos: Judith Weibrecht

 

Madeira - Landschaft

Nach Madeira dürfe man reisen und müsse hinterher nicht in Quarantäne, denn dort gebe es nämlich einen traumhaft niedrigen Inzidenzwert. So las ich irgendwo. Also kurz gegengecheckt auf der Website des Auswärtigen Amtes und Informationen zur Einreise eingeholt. Los geht‘s! Das Formular von „Madeira safe“ hatte ich schon im Vorfeld am Smartphone ausgefüllt: Name, Adresse, Aufenthalt, Temperatur messen. 36,6°C Grad hatte ich angegeben, und keinerlei Symptome. „Fühlen Sie sich heute noch so?“, wird man dann täglich vor Ort gefragt. Ich klicke das „Ja“ an.

Maske auf. Im ICE zum Flughafen Frankfurt ist trotz Vorweihnachtszeit jede Menge Platz. Alle tragen Maske, man kommt mit niemandem in Berührung. Auch im Airport lassen sich die Distanzen gut einhalten, es ist ja deutlich weniger los als noch vor einem Jahr. Der Check-in verläuft reibungslos.

Madeira

Sicher ist sicher: auch Churchill trägt lieber Maske, das Monument steht in Câmara de Lobos

Im Flieger allerdings, Überraschung, sind wir zusammengepfercht wie eh und je, nämlich wie die Heringe in der Economy. Noch dazu sind nur die beiden Toiletten am hinteren Ende der Maschine geöffnet, was zu Staus führt und dazu, dass sich Menschen auf engstem Raum aneinander vorbei schieben, Bauch an Bauch. „Wer darf wann, warum, was?“, fragt einer in der Schlange. „Am Flughafen mussten wir doch noch Abstand halten!“ Wer dachte, dass nur wenige Menschen reisen und in ein Flugzeug dürfen, ist nun eines Besseren belehrt.

Nach der Landung: Hände desinfizieren, Gepäck vom Band holen. Dann messen freundliche Damen mit einem Stirnthermometer die Temperatur. Den zur Einreise notwendigen negativen PCR-Test, er darf höchstens 72 Stunden alt sein, hatte ich bereits zu Hause gemacht und in die Madeira-Safe-App hochgeladen. Am Cristiano Ronaldo Flughafen musste ich ihn und den QR-Code, den mir Madeira Safe zugemailt hatte, in der „green line“ (grün auf dem Fußboden gekennzeichneten Schlange) stehend, nur vorzeigen und weiter ging‘s. Wer den Test nicht hatte, wurde von den netten Helfer*innen in die Reihe mit den blauen Symbolen eingeteilt, ab zum Covid-Test, und musste nachher bis zu zwölf Stunden im Hotel auf das Ergebnis warten. Das ist verschmerzbar, wir kommen ja spät nachmittags an. Sollte er aber positiv sein, gibt es auf Madeira spezielle „Corona-Hotels“, in denen man dann seinen Urlaub verbringen muss – schlimmere Fälle im Krankenhaus.

Tief durchatmen

Madeira - Blick über den Hotel-Pool auf das Meer

Pool im Schwimmbad "Lido" in Funchal. Man kann auch über Leitern ins Meer

Per Bus geht‘s zum Hotel, wo natürlich auch Maske getragen werden muss und abermals die Hände desinfiziert werden. Der Check-in läuft komplett digital übers Smartphone ab. Zwar steht mir eine nette Hotelfachfrau hinter einer Plexiglasscheibe bemaskt gegenüber, doch mein Smartphone berühren darf sie nicht.

So weit ging alles reibungslos und fix. Und nun: Durchatmen! Die Balkontür öffnen, aufs Meer hinausschauen und in die Sonne blinzeln.

Madeira - Markt in Funchal

Mercado dos Lavradores in Funchal

In den Orten herrscht Maskenpflicht, zwei Meter Abstand sollen eingehalten werden, und vor dem Betreten von Läden, Restaurants, Cafés müssen stets die Hände desinfiziert werden. Trotzdem: Ein Spaziergang in Funchal, die Hafenpromenade entlang, durch die verwinkelten Altstadtgassen und über das sehenswerte Mosaik-Pflaster aus Flusskieseln in Schwarz und Weiß zum Stadtpark mit seiner herrlichen Pflanzenwelt tut gut. Am dortigen Kiosk einen Galão trinken, Milchkaffee im Limoglas, oder lieber eine Bica, einen Espresso? Sobald man am Tisch sitzt, darf der Mund-/Nasenschutz abgenommen werden. Personalien und Adressdaten muss man nicht hinterlassen. Es ist alles herrlich entspannt. Freundlich lächelt die Kellnerin. Zufrieden lächele ich, strecke die Beine aus und bewundere bei 20 Grad Außentemperatur riesige Adventssterne, weiße, elegante Calla-Blüten und büschelweise orange leuchtende Strelitzien. Ein kleiner Vorgeschmack auf die vielen Botanischen Gärten, die ich besuchen will. Meine Favoriten sind der Palheiro-Garten oberhalb der Inselhauptstadt und die Palace Gardens in Monte. Der Blick schweift weiter und die Gedanken auch: Gegenüber liegt das Teatro Baltazar Dias, wo tatsächlich ein Konzert stattfindet.

Madeira - in den Palaca Gardens in Monte

In den Palace Gardens

Im Fotografiemuseum, untergebracht im ehemaligen Fotoatelier von Vicente Gomes da Silva, bewundern wir das Madeira von „damals“ auf Original-Fotografien, die zwischen 1870 und 1978 entstanden sind. Bilder ganz anderer Art findet man in der Rua Santa Maria vor: von Künstlern bemalte Türen. Dass die Straße einst recht verlassen gewesen sein soll und die einstigen Häuser der Fischer und Handwerker fast verfallen, mag man heute kaum glauben.

Madeira - von Künstlern bemalte Tür

Bemalte Tür in der Rua Santa Maria, Funchal

Kneipen reihen sich dicht an dicht. Und haben fast alle geöffnet. Denn durch die Street Art siedelten sich Ateliers an, und schon bald folgte die erste Bar. Bis kurz vors gelbe Fort Sao Tiago zieht sich die hippe, mit Kopfstein gepflasterte Gasse. Von da aus hat man einen weiten Blick auf den Atlantik und bis auf die vorgelagerten Inseln. Noch ein Stück weiter bergan trifft man auf einen der zahlreichen Miradouros (Aussichtspunkte), die man überall auf der Insel findet. Vor diesem hier ist ein hübsches Café. Ein lauschiges Plätzchen. Über die Mauer hinter mir blicke ich hinunter auf das in die Felsen gebaute Meeresschwimmbad Barreirinha.

Baden könnte man auch in Anlagen wie dem Lido in Funchals Hotelviertel mit seinem riesigen Schwimmbecken, am allerbesten jedoch in den Meeresschwimmbecken von Porto Moniz im Norden des Eilands, wo die Wellen in die Pools brechen und schon mal ein Fisch dabei ist. Ein großer Spaß! Am kleinen, aber feinen schwarzen Lavasandstrand namens Prainha (Strändchen) am Nordostkap oder gleich auf der Nachbarinsel Porto Santo, wo neun Kilometer goldgelber Sandstrand auf Besucher warten.

Madeira - Funchal

Bis hoch in die hügelige Landschaft erstreckt sich Funchal

Steil geht‘s zu auf der Insel. Hinauf in die Oberstadt Funchals lohnt dennoch ein Gang, dort reiht sich ein Museum ans andere. Wer jedoch wandern möchte, und das ist es schließlich, was man hier hauptsächlich tut, der muss keine Angst vor Steigungen haben, denn an den Levadas kann man trefflich entlang spazieren. Levadas heißen die Bewässerungskanäle, die sich rund um die Insel ziehen. Heute gehe ich auf der Levada do Moinho ein tief eingeschnittenes Tal entlang und nehme den Rückweg nach Lombada da Ponta do Sol auf der Levada Nova. Tief unter mir ist eine Schlucht, darin rauscht der Fluss Ribeira da Ponta do Sol. Zweimal muss ich hinter einem Wasserfall hindurch. Riesige Farnwedel hängen über den Weg. Eukalyptusduft weht von den Bäumen herüber. Tief durchatmen. Mund-/Nasenschutz ist in der Natur und am Strand natürlich nicht vorgeschrieben. Vom Atlantik her weht eine sanfte Brise. In einem Levadatunnel (Taschenlampe nicht vergessen!) kommen mir zwei Wanderer entgegen.

Madeira - unterwegs auf der Levada Nova

Unterwegs auf der Levada Nova

Praktischerweise lassen sich fast alle Levadas per Bus erreichen, so dass man Streckenwanderungen unternehmen kann und nicht zum Ausgangspunkt zurück muss. Überhaupt die Busfahrten: Wie die Fahrer sicher und elegant um die engsten Kurven zirkeln, das muss man erlebt haben!

An der wildromantischen Levada do Furado erreiche ich ein Dorf namens Portela. Maske auf, bis man am Tresen steht, und ab in die lokale Kneipe, wo ältere Herren Karten spielen und kleine Bierchen vom Fass (Finos) zischen. Praktischerweise gibt es das nämlich in drei Größen: Fino, Balão und Caneca. Dazu wird oftmals eine Art Tapa gereicht, oder man bestellt sich eine der vielen Köstlichkeiten der madeirensischen Küche. Was man fast immer und überall bekommt, ist Espada, Degenfisch, mit Bananen. Er wird in den Tiefseegewässern vor der Küste gefischt. Kabeljau in Kartoffelpüree mit Sahne gilt als eine weitere der lokalen Spezialitäten oder einfach Prego no Pão, in Olivenöl angebratenes Rindfleisch, in das Knoblauch eingeklopft wurde, im Brötchen. Nicht zu vergessen die sämige Tomaten-Zwiebel-Suppe, bei deren Anblick einem schon das Wasser im Munde zusammen läuft. Okay, ich höre schon auf. Die Insel hat viele traumhafte Facetten.

Madeira - Degenfisch

Degenfisch

 

Literatur:

Irene Börjes, Madeira, Michael-Müller-Verlag, ISBN 978-3-95654-001-1, Euro 17,90

Oliver Breda, Madeira, Wanderführer mit 37 Touren, ISBN 978-3-95654-472-9, Euro 14,90

 

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