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Ausstellungsorte in Linz: Botanischer Garten / Skulpturenpark Landesgalerie OÖ, Forum Metall im Donaupark Linz / Nordico Stadtmuseum Linz

Linz
Nordico
Prost Mahlzeit!
bis 1. September 2019

Die Ausstellung widmet sich der facettenreichen Geschichte des Wirtshauses in Linz und erlaubt einen Blick hinter die Kulissen dieses Grundpfeilers der Alltagskultur. Das Wirtshaus. Sehnsuchtsort: wenn die Kirchenbank hart ist, die Arbeit zäh oder wenn daheim das Essen nicht schmeckt. Fluchtpunkt: wenn es draußen – metaphorisch oder ganz konkret – wieder einmal stürmt und schneit. Als „Lebensraum“ im ganz konkreten Sinne begleitet das Wirtshaus seine Gäste vom Taufessen bis zur Totenzehrung. Kurz: Wirtshäuser sind die Bühne, auf der das Leben spielt.

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Linde Klement: Sinnlichkeit und Lust am Essen, 2004, NORDICO Stadtmuseum Linz

Die Ausstellung widmet sich der facettenreichen Geschichte des Wirtshauses in Linz und erlaubt einen Blick hinter die Kulissen dieses Grundpfeilers der Alltagskultur. Das Wirtshaus. Sehnsuchtsort: wenn die Kirchenbank hart ist, die Arbeit zäh oder wenn daheim das Essen nicht schmeckt. Fluchtpunkt: wenn es draußen – metaphorisch oder ganz konkret – wieder einmal stürmt und schneit. Als „Lebensraum“ im ganz konkreten Sinne begleitet das Wirtshaus seine Gäste vom Taufessen bis zur Totenzehrung. Kurz: Wirtshäuser sind die Bühne, auf der das Leben spielt.

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Gasthausinszenierung im Nordico, Foto Norbert Artner

Das Wirtshaus ist m.E. mit leckerem Essen, von Pommes und Bratwurst über Backhendl sowie Gulasch mit Knödel bis hin zu Palatschinken und Marillenmarmelade, in Verbindung zu bringen, mithin mit spezifischen Gerüchen, die in die Nase steigen und Appetit machen. Auch wenn in der Ausstellung zwei Ausstellungsinszenierungen von einem Interieur eines Wirtshauses und eines Ausflugslokals mit Gartenklappstühlen zu finden sind, auf den sensorischen Aspekt hat man bei der Inszenierung leider verzichtet.

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Speisenkarte Achleitner

Auch das Stimmgewirr, das in einem Wirtshaus wahrzunehmen ist, unter anderem auch die lautstarken Debatten am Stammtisch, vermisst man beim Besuch der inszenierten Räumlichkeiten. Eine Speisekarte sucht man auf den Tischen ebenso vergeblich wie die Gedecke auf den Tischen. So bleiben die Rauminszenierungen doch eher spröde und wenig geeignet, in die Welt des Wirtshauses einzutauchen. Wo sind eigentlich die Aschenbecher? In Linz zumindest wurde und wird, so konnte ich mich beim letzten Besuch überzeugen, in den Wirtshäusern und nicht nur im Außenbereich geraucht. Rauchverbot beim Speisen scheint sich bei unseren Nachbarn noch nicht verbreitet zu haben.

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Gastgarten des Milchmariandl am Freinberg,1960, Fotograf unbekannt

Geweihtrophäen an den Wänden und ein Posthorn als Deko mögen für ein Gasthaus in Linz und anderswo typisch sein. Gleiches gilt für Reklameschilder für Linzer Poschacher Bier und Schwechater Bier. Gewiss auch Reklame von Cola und Fanta findet sich in mancher Gaststube. Auch an die Sternstunden des Linzer Braugewerbes wird in der Schau mit Biergläsern und Bierdeckeln erinnert.

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Linzer Bierschild, Foto:Thomas Hackl

Beim Besuch erfahren wir vom Wirtshaus ABC, unter anderem K wie Küche: „Das wollen Sie gar nicht wissen“. Aber auch über das Trinkgeld muss man Bescheid wissen: „Trinkgeld wird von manchem Kellner zu später Stunde selbstständig einkassiert“!

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Gasthaus Zum Biertrager,1955, Foto Hans Woehrl

Man erfährt Wissenswertes über die alte Tradition Linzer Biere– die erste Stadtbrauerei wurde bereits 1637 gegründet. Heute ist die niederländische Heineken-Gruppe für das Brauen von Linzer Bier verantwortlich. Oster- und Weihnachtsbräu gab es einst. Davon zeugen noch die ausgestellten Flaschenetiketten. Und was ist eigentlich mit dem Linzer Goldquell? Alles scheint im Wandel, nicht nur die Brautradition, sondern auch der Name traditioneller Wirtshäuser, die einst Gasthaus Zum Stahlrad, Gasthaus Zur Blauen Traube, Gasthaus Zur Eisernen Hand, Gasthaus Zur Pfeife, Gasthaus Zur Stadt Budweis, Gasthaus Zum Goldenen Kreuz und Zum Goldenen Fassl hießen und heute wie das Zum Goldenen Kreuz unter Panda Wok – zu finden nahe der Stadtpfarrkirche Linz – firmieren.

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Gasthausinszenierung, Foto Norbert Artner

Zahlreich sind die fotografischen Reproduktionen der Ansicht alter Gasthäuser, darunter auch das Gasthaus Zum Schiefen Apfelbaum mit einem riesigen roten Apfel als „Ladenschild“. In derartigen Gasthäuser waren Automaten für Streichhölzer – einen hat man ausgestellt – und für Kondome zu finden. Bizarr mutet es an, dass jeder Gast beim Gang auf die Toilette nicht umhinkam, sich an einem Automaten Seife, Handtuch und Klopapier zu besorgen. Wer übrigens auf dem inszenierten Klo sitzt und zuvor am besagten Automaten vorbeigekommen ist, kann in der Ausstellung die Geschichte des Gasthaus Hagen nachlesen. Dabei kommt er gewiss ins Schmunzeln, wenn er von dem letzten Bürgermeister von Urfahr erfährt, der sich stets auf seine maßgeschneiderten Schuhe urinierte, weil er die Benutzung eines Urinals, auch „englische Muschel“ genannt, so gar nicht schätzte und stattdessen eine „Pissrinne“ bevorzugte.

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Gasthaus in Alturfahr, 1980, LENTOS Kunstmuseum

O-Töne von Wirtshauskindern wie Sandra Grünberger und Wirtshausbetreibern wie Christian Schimpf (Gasthaus Zur Eisernen Hand) hat man audiovisuell auch in die Ausstellung integriert. Dabei verdeutlicht einer der Interviewten, dass der Wirt Wohltäter, Beichtvater, Heiratsvermittler und Psychologe sein muss. Zwei der vorgestellten Wirte, nämlich die des Rossbarths, zeigen den Wandel des Wirtshauses auf. Einst wurde am Ort ein Ballsaal betrieben, nunmehr gibt es im Keller des Hauses Jazz und Theater zu erleben, lädt das Restaurant am Hauptplatz mit seinem Arkadenhof zum Verweilen ein. Dass es im Linzer Hofberg auch Puppentheater zu bestaunen gab, dürfte die meisten Besucher überraschen.

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Fremdenzimmer - eine Ausstellungsinszenierung, Foto: Norbert Artner

So manches Gasthaus musste der Stadtentwicklung weichen, so auch der Gasthof Dangl, aus dem man Kegel und Kugel „gerettet“ hat. An seiner Stelle entstand das monströse Neue Rathaus in Urfahr. Auch die Brauerei Rössl ist unterdessen verschwunden.

Eine sehr dramatische Geschichte verbindet sich mit einem ausgestellten Sofa aus dem Gasthof Wiesinger: Auf ihm verstarb der ehemalige Leiter der Zollabteilung der Finanzdirektion Linz im Verlauf des Frühschoppens. Es waren die Vormittagsstunden des 3. Januar 1903, so vermerkt die „Chronik“.

Wie gesagt, es fehlt der Ausstellung hier und da an der „lebendigen Animation“. Zu sehr hat sie sich auf die historischen Aufzeichnungen im Rahmen eines Kapitels der Linzer Stadtgeschichte konzentriert. Man vermisst doch schon das „Prost“ und die „Mahlzeit“, wie es auch das Ausstellungsplakat suggeriert. Doch wer sich allein für die Stadtgeschichte der Donaustadt interessiert, der kommt bei seinem Besuch gewiss auf seine Kosten.

Text © ferdinand dupuis-panther Fotos © Nordico Stadtmuseum Linz bzw. angegebene Fotografen

Informationen
Nordico
https://www.nordico.at/


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