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Ausstellungsorte in Linz: Botanischer Garten / Skulpturenpark Landesgalerie OÖ, Forum Metall im Donaupark Linz / Nordico


Linz
Botanischer Garten

Im Kraut und Natürlich Kunst
bis 27. Oktober 2019

Gleich zwei Ausstellungen unter freiem Himmel und eingebettet in die Vegetationszonen und den umfänglichen Rosengarten des Botanischen Gartens gibt es augenblicklich zu sehen. An der Ausstellung "Im Kraut" sind Künstler/innen wie Elisabeth Kramer, Betty Wimmer, Katharina Anna Loidl, Georg Graf sowie Cécile Belmont, Armin Haller und Margit Greinöcker beteiligt. "Natürlich Kunst" präsentiert Arbeiten wie die von Peter Newrkla, Barbara Ritterbusch Nauwerck, Heidi Zenz, Tobias Freitag und Sigrid Kofler & Thomas Wiederkehr.

skilift

Die jeweiligen Künstler sind sich der Tatsache bewusst, dass die Natur nicht nur eine marginale Rolle spielt, wenn sie ihre Kunst im öffentlichen Raum wie dem Botanische Garten präsentieren. Das gilt auch für Betty Wimmer, die eine ursprüngliche Skiliftsesselbank in ein wetterfestes Sitzmöbel umfunktioniert hat und es mit „heart of gold“ betitelte. Von Wimmer stammt auch ein Bettgestell, das beinahe im Erdreich verschwindet. Auf ihm liegt man unter freien Himmel und kann seinen Blick gen Himmel richten.

bett

Vor dem dichten Grün ist Sonja Mellers Arbeit „Ein Blatt in diesem Garten“ kaum zu erkennen. In Schreibschrift geschrieben ist ein Text des persischen Dichters Rumi, der zwischen Zweigen, Ästen und Blattwerk seinen Platz gefunden hat. Man muss nähertreten und sich Zeit nehmen, den Text zu dechiffrieren.

meller

Provokation pur ist die Arbeit von Magrit Greinöcker, die mitten im Botanischen Garten eine Baustellentafel mit einer Computergrafik aufgestellt hat und für Immobilienerwerb im Grünen wirbt. Auf den ersten Blick glaubt der Betrachter, dass nun wirklich der Botanische Garten einem Bauprojekt weichen soll, um hochpreisiges Wohnen zu ermöglichen. „Wohnparadies im Grünen“ hinterfragt ganz bewusst den Trend des Wohnens im Grünen. Es muss ja gefragt werden, wie viel Wohnen das Grün eigentlich verträgt.

vegetation

Dass in der Natur alles vergänglich ist und vergeht, unterstreicht „Eat the Artist“ von Maria Bichler. Aus Vogelfutter, Fett und Holz schuf sie eine auf einem Holzsockel platzierte Kopfbüste, ein Selbstporträt. Aufgrund des Materials lagen Teile der Büste bei meinem Besuch bereits auf der Erde. War das das Werk von Vögeln auf der Suche nach Nahrung und ohne Sinn für Kunst?

Umgestülpte schwarze Pflanztöpfe vereinte Roland Wegener (s.o.) zu seinem „Vegetationszirkel“. Die Eimer wurden auf einer Wiese platziert und einzelne Flächen abgedeckt, um dann im Laufe einer Woche an eine andere Stelle gerückt zu werden. So sieht man dann die Wachstumsflächen, die abgedeckt und die, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Das Prozesshafte lag auch Gregor Graf am Herzen, als er „Gesteinsverwitterer“ schuf. Zu sehen sind obendrein noch Werke wie „Der Späher“ von Cecile Belmont und „Bohnen träumen nicht“ von Edith Stauber & Georg Seyfried.

innere-landschaft

Weitere Kunstwerke im Botanischen Garten beziehen sich auf die Ausstellung „Natürlich Kunst“. Thomas Wiederkehr ist mit der Arbeit „Innere Landschaft“ in der Ausstellung vertreten. Dabei präsentiert er uns im Schatten ausladender Baumkronen zahlreiche „Baumbücher“, die jeweils aus zwei Stammsegmenten bestehen. Diese Baumbücher liegen aufgeschlagen auf dem Grund. Sie verweisen darauf, dass ohne Bäume auch keine Papierherstellung und damit Buchproduktion möglich ist. Unter einer Baumgruppe haben auch Pietrzyk Andrzejs „Pulte“ ihren Standort, nicht aus Holz, sondern aus Metall hergestellt.

pulte

Barbara Rittebusch Nauwerck kann mit folgenden Worte zur Intention ihrer Arbeiten zitiert werden: „Natürlich Kunst: HOLZ und seine Maserung sind nicht nur Rohmaterial für meine künstlerischen Zwecke sondern bereits ein Kunstwerk der Natur selbst. Dieses interpretiere ich als Biologin.“ Von ihr stammt unter anderem die Arbeit „1492 - Neue Welt“, ein stark gemasertes, ovales Holzstück, das in einem Felsbrocken verkeilt wurde. „Kosmische Koordinaten“ nannte die Künstlerin ein weiteres Werk, das sie in einer Astgabelung angebracht hat.

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Wie ein riesigesherabhängendes, vertrocknetes Blatt erscheint Thomas Wiederkehrs Arbeit namens „Gerät“. Wer die Arbeit länger anschaut, könnte auch an einen aufgehängten Schneeschuh denken.

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Schließlich sei noch auf Tobias Freitag hingewiesen, der uns „Mondseewächter“ präsentiert: Aus einem Mondseer Einbaum ragen zwei Fischschuppen heraus, die als ein großes Augenpaar erscheinen. Im Text zur Ausstellung lesen wir die nachstehende Beschreibung: „Sie überblicken die Zeiten seit ca. 5800 Jahren, als der letzte Gletscher geschmolzen war, das Wasser frei gab für die Fische und seine Ufer für die menschliche Besiedlung. Damals wurden die Menschen hier sesshaft. In den Abfällen ihrer Pfahlbausiedlung, in der Kulturschicht, finden sich viele Reste, die uns über die Lebensweise der Menschen und auch über die Ökologie des Mondsees berichten.“

mondseeeinbaum

Text und Fotos: © ferdinand dupuis-panther

Informationen
Botanischer Garten
https://botanischergarten.linz.at

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