Funktionalismus trifft norwegische Romantik

Das Osloer Rathaus

Rathaus von OsloZwei hoch aufragende, kantige Türme flankieren den Mittelbau des Rathauses. Roter Klinker umhüllt den Bau, der nach den Entwürfen der Architekten Arnstein Arneberg und Magnus Poulsson entstand. Die Grundsteinlegung für den Bau, der den damaligen Zeitgeist des Funktionalismus ebenso reflektiert wie den Stil des norddeutschen Expressionismus eines Fritz Schumacher, erfolgte 1931. Aufgrund des deutschen Überfalls und der deutschen Besetzung Norwegens zwischen 1940 und 1945 verzögerte sich die Bauausführung, sodass Oslos Rathaus erst am 15. Mai 1950 feierlich eröffnet werden konnte. Die Eröffnung erfolgte zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 900.Gründungstag von Oslo. Nicht nur die beiden massiven Türme, die weithin sichtbar und eine Landmarke der Stadt sind, beeindrucken, sondern auch die übrigen Dimensionen des Baukörpers: Die Zentralhalle beispielsweise hat eine Höhe von 21 Metern und eine Grundfläche von mehr als 1500 Quadratmetern. Die Türme sind, schaut man genau hin, nicht gleich hoch: Der Ostturm erreicht eine Höhe von 66 Metern, der Westturm ist drei Meter kürzer. Im Ostturm befindet sich im Übrigen das Glockenspiel, das seit 2000 aus 49 Glocken besteht. Zu hören ist es stündlich zwischen 7 Uhr und Mitternacht.

Im Rathaus residieren sowohl die politischen wie auch die Verwaltungsgremien der norwegischen Hauptstadt. Dies wird symbolisch mit den beiden Türmen des Rathauses aufgegriffen. Besondere Hingucker im Inneren des funktionalen Bauwerks sind die riesigen Wandmalereien, die das Ergebnis eines 1936 ausgelobten Künstlerwettbewerbs sind. In den Wandmalereien stellen die beteiligten Künstler die Geschichte Norwegens dar. Bezüge zur Zeit des Zweiten Weltkrieges sind dabei nicht zu übersehen. In der Zentralhalle stoßen Besucher auf Henrik Sørensens „Arbeit, Verwaltung und Festlichkeit“, entstanden zwischen 1938 und 1950. Außerdem hat hier Alf Rolfsens Gemälde „Die Besetzung“ ihren Platz. Rolfsen schuf dieses Werk zwischen 1947 und 1949 und schaut dabei auf die Kriegsjahre zurück. Schließlich sei noch auf die Darstellung des Stadtheiligen Hallvard verwiesen, der als Märtyrer starb und im 12. Jahrhundert in Oslo seine letzte Ruhe fand.

Rathaus von Oslo, Wandmalerei in der Zentralhalle von Alf Rolfsens
Wandmalerei in der Zentralhalle des Rathauses: Alf Rolfsens,
"Arbeitsleben in Norwegen - von den Treibnetzen bis zu den Wäldern im Osten"
(Detail)

Der Eingangsbereich des Rathauses wird von 16 Holzreliefs flankiert, die Dagfin Werensiold zu verdanken sind. Die vom Künstler ausgewählten Motive entstammen der nordischen Mythologie. Daher sehen wir Thorn, den Sohn Odins, ebenso wie Odin, den Gott aller Götter der nordischen Mythologie. An der künstlerischen Gestaltung des Rathauses waren neben den oben erwähnten Künstlern zudem Per Krohg („Die Stadt und ihre Umgebung“, 1939-1949, Ostgalerie), Anne Grimdalen, Joseph Grimeland, Aage Storstein, Agnes Hiorth, Jonas Hidle, Nicolai Schiøll, Else Poulsson („Oslo-Wandttepich“ mit der Zentralfigur St. Hallvard) und Per Palle Storm beteiligt.

Über Norwegens Grenzen hinaus ist das Rathaus nicht nur wegen seiner funktionalen Architektur und den romantisch angehauchten Wandmalereien bekannt, sondern auch als Ort, an dem seit 1990 der Friedensnobelpreis überreicht wird.

Wer mehr zum Rathaus, seiner Geschichte, Architektur und künstlerischen Gestaltung erfahren will, kann sich in den Sommermonaten den werktäglich dreimal stattfindenden Rathausführungen anschließen.

Informationen
Rathaus
Fridtjof Nansens plass
0160 Oslo
www.oslo.kommune.no (auch Englisch)

 

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