Kunst vor den Toren der norwegischen Hauptstadt

Das Henie Onstad Kunstsenter

Nur zehn Kilometer sind es von Oslo aus bis zu einer in den Oslofjord ragenden Landzunge, auf der sich das Henie Onstad Art Centre befindet. Der moderne Museumsbau ist den norwegischen Architekten Jon Eikvar und Sven Erik Engebretsen zu verdanken. Ohne die Sammlung des Ehepaars Sonja Henie – ein gefeierter Eiskunstlaufstar – und Niels Onstad – ein wohlhabender norwegischer Reeder – wäre ein derartig renommiertes Zentrum für moderne und Gegenwartskunst nie gebaut worden. Neben dem Einbringen der Sammlung übernahmen die beiden auch die Baukosten. Unterdessen umfasst die Kunstsammlung mehrere tausend Werke, die teilweise auch in dem weitläufigen Parkgelände rund um das Kunstzentrum zu sehen sind. 1968 öffnete das Zentrum seine Pforten und überzeugt seither immer wieder durch seine exquisiten Ausstellungen, ob nun Kurt Schwitters oder aber Jean Tinguely mit ihren Arbeiten vorgestellt werden.

Oslo Kunstsenter Henie Onstad
Arnold Haukeland: Sonnenskulptur, 1970

Nicht nur Art brut, vertreten durch Jean Dubuffet, sondern auch die wilden gestischen Werke der Künstler von CoBrA, zu nennen sind Pierre Alechinsky, Karel Appel und Asger Jorn, finden sich in der exquisiten Sammlung, über die manch ein Museum glücklich wäre. Doch auch Fluxus und Pop Art kann man beim Besuch des Kunstzentrums entdecken. Die Moderne ist mit Pierre Bonnard in der Sammlung präsent: Bonnard malte in dominanten Gelbtönen 1940 seinen „Nachtisch“, eine reichlich gedeckte Tafel mit allerlei Obst. Die magischen Welten der Träume und Albträume finden sich in den expressiven Arbeiten eines Asger Jorn, so auch in „Achtung – Gefahr“ (1957). Die Maschinenwelt der Moderne und die moderne Fortschrittsgläubigkeit spiegelt sich in Fernand Légers „Die Konstruktion“ (1950) wider, während fast zeitgleich Joan Miró in „naive Bilderwelten“ flüchtet, betrachtet man sein Ölgemälde „Frauen bei Nacht“ (1949). Das sogenannte Informel ist mit Antonio Tápies vertreten und die Fluxus-Bewegung durch den deutschen Künstler Joseph Beuys. Dieser ist nicht der einzige deutsche Künstler im Kunstzentrum: Hans Hartung (1904-1989) und Jörg Immendorf, ein unbequemer, auch politisch agierender, 2007 verstorbener Maler, der die europäische Kunstszene der letzten Jahrzehnte maßgeblich mitbestimmt hat, sind mit einigen Arbeiten Teil der umfänglichen Kunstsammlung.

Oslo Henie Onstadt Kunstsenter
Aase Texmon Rygh: Volta, 1978

Auch die norwegische Kunstszene ist breit im Haus vertreten. Da ist zum einen Jacob Weidemann, der einen gleichsam poetisch zu nennenden abstrakten Stil pflegte, mit dem er von Licht durchflutete Landschaften schuf. Zu Weidemann, dessen Werke auch im alten Pastorat in Ringebu zu sehen sind, gesellen sich Per Inge Bjørlo, der den Neoexpressionisten zuzurechnen ist, und Arnold Haugeland. Beide sind mit Skulpturen im Skulpturenpark des Museums vertreten. Angeregt durch die Landschaft Westnorwegens und organische Formen entstehen Inger Sitters Acrylarbeiten. Die Abstraktion hingegen bevorzugte Olav Strømme; Ähnliches gilt für Bjørn Sigurd Tufta, betrachtet man dessen abstrakte Landschaften.

Im Skulpturenpark finden einige der Skulpturen der Sammlung einen zeitweiligen Ausstellungsort, andere verbleiben dort dauerhaft. Dazu gehören Henry Moores „Stehende Figur“ (1961-1976) und Arnold Haukelands „Sonnenuhr“, die sich allerdings nicht mehr, wie anfänglich, um ihre eigene Achse dreht. Der dänische Künstler Per Kirkeby, bei uns durch zahlreiche Ausstellungen bekannt, ist mit einer Archiskulptur aus Ziegeln im Park vertreten. Tony Cragg, der in Deutschland lebt und unterrichtet, trägt ebenso zur Gestaltung des Parks bei wie Trygve Fredriksen. Fazit: Wer sich für moderne und Gegenwartskunst interessiert, der sollte bei seinem Osloaufenthalt auch das Henie Onstad Kunstsenter auf dem Zettel haben.

Informationen
Henie Onstad Kunstsenter
Sonja Henies vei 31
NO-1311 Høvikodden
Tel. +47 67 80 48 80/81
http://www.hok.no/ (Englisch!)

Anfahrt
Bus 151 von Oslo Busbahnhof bis Høvikodden

 

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