Unterwegs auf dem westlichen Hardangervidda

Røldal ist nicht nur wegen seiner kleinen Stabkirche einen Aufenthalt wert, sondern auch als Ausgangspunkt für eine Mehrtageswanderung über den Westteil des Hardangerviddas bestens geeignet. Die Wandertour geht zunächst an den Ausläufern des Midnuten vorbei, ehe man auf einer Höhe von mehr als 1000 Metern an mehreren größeren und kleineren Seen angelangt ist. Unter diesen ist auch der Storvatn. Schließlich geht es hinab zum Vallsdalsvatnet, an dessen Ufer entlang die Tour gen Nordosten weiter verläuft. Ein langer Weg liegt dann vor uns, ehe man in den Ausläufern des Trossovdalen seine erste Nacht verbringen kann. Hier liegt die DNT-Hütte Middalsbu. Verschwunden sind die Ziegenherden, die einst über Almen bis hin zum Storvatn zogen. Tausende waren es von Juni bis Ende September. Die Natur ist nun weitgehend sich selbst überlassen – und das ist gut so.

Hardangervidda, Norwegen
Auf dem Weg von Röldal zum Valldalsvatnet

Die Stabkirche von Røldal

Wer vom Austmannli hinab ins Tal kommt, sieht sie, die winzig wirkende Kirche von Røldal. Die Verbindung von Ost nach West durch das Tal entstand erst zwischen 1870 und 1890, sodass auch erst seit jenen Tagen der Ort mitsamt seinem interessanten Sakralbau einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich ist. Nein, zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört diese Kirche nicht. Dieser Titel ist der Kirche von Urnes vorbehalten. Der Kern des Kirchenbaus, aus Fichten errichtet, geht auf die Zeit um 1200 bis 1250 zurück. In jener Zeit gab es etwa 800 Stabkirchen im Lande, von denen nur wenige bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind. Die hiesige Stabkirche scheint zwar hochbetagt, wurde aber erst 1917 in ihrer heutigen Gestalt „erbaut“. Aus Holz, das bei Wind und Wetter knackt und knarrt, besteht sie jedoch wie jede andere Stabkirche. Auch die Verzapfung der Bauteile mit „Holznägeln“ ist typisch für diese Art des Holzkirchenbaus. Die malerischen Dekors im Inneren stammen aus jener Zeit des „Neubaus“, wenn auch die Grundlage auf entdeckte Spuren von Ausschmückungen zurückzuführen ist. Rot, Gelb, Weiß und Schwarz sind die Farben, die für die Ausmalungen verwendet wurden. Wir sehen Akanthusblätter ebenso wie Blumen, ganz abgesehen von der Darstellung der Anbetung der Weisen. Die Altartafel zeigt die Auferstehung. Reiches Schnitzwerk schmückt die Kanzel, die aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts stammt. Aus Speckstein – das ist ein überaus üblicher Werkstoff für norwegische Kirchenausstattungen – wurde das Taufbecken gefertigt. Als ein Meisterwerk mittelalterlicher Kunst gilt das Kruzifix (13.Jh.).

Stabkirche von Röldal am Rande des Hardangervidda
Am Rande des Hardangervidda gelegen: die Stabkirche von Röldal

Die Landschaft, durch die wir am nächsten Tag unterwegs sind – dabei durchwandern wir das wasserreiche Middalen und die „Seenplatte“ unterhalb des 1580 Meter hohen Vassdalseggi –, ist karg und steinig. Selbst im Hochsommer können noch ausgedehnte Schneefelder vor uns liegen. „Unterirdisches“ Rauschen von Bächen dringt an unser Ohr. Trügerisch erscheinen die Schneebrücken. Ob sie unserem Gewicht standhalten, muss man ausprobieren. Das Risiko, mitsamt der Schneebrücke im Wasser zu landen, wenn auch nur knietief, kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Nur wenige andere Wanderer sind in diesem Teil des Hadangervidda unterwegs. Die meisten machen sich von Finse aus gen Haukeliseter zur Nord-Südquerung auf, sodass man stundenlang die Weite des Hadangerviddas für sich alleine genießen kann. Nur mit Rentierherden teilt man dieses Fleckchen Erde. Doch die scheuen Tiere bleiben auf Distanz. Schließlich steigen wir stetig hinab nach Hellevassbu – unserem Quartier für die Nacht. Früh am nächsten Morgen brechen wir auf, liegen doch noch sieben bis acht Stunden Wanderzeit vor uns, ehe wir in Haukeliseter ankommen, um von dort aus mit dem Bus nach Røldal zurückzufahren.

Informationen

Røldal
http://www.visitodda.com/newsread/news.asp?N=5031 (Deutsch!!)
Røldal Stabkirche
NO-5760 Røldal
Telefon: 48 10 92 84 48 10 92 84

Anreise

Flug bis Oslo-Gardermoen
www.norwegian.no (auch Deutsch)
www.lufthansa.com

Busse
www.nor-way.no (Norwegisch)

Wandern

DNT
www.dntoslo.no (auch in Deutsch: http://www.turistforeningen.no/deutsch/)

 

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