Ein norwegischer Künstler als Gartenarchitekt

Der Vigelandpark (Frognerpark)

Nicht nur die Bewohner von Oslo schätzen den Park zwischen Frogner plass und Madserud Alle, sondern auch die auswärtigen Besucher strömen hierher, um die aus Granit, Bronze und Gusseisen gefertigten Skulpturen von Gustav Vigeland zu sehen. Neben dem Park, der auch als Frognerpark bekannt ist, befindet sich das Vigeland Museet, in dem weitere Großskulpturen des wohl bekanntesten Bildhauers Norwegens zu sehen sind. Ihn wie auch den schwermütigen Maler Edvard Munch verbindet jedermann mit Norwegen, auch wenn er nicht unbedingt an bildender Kunst interessiert ist.

Frognerpark, Oslo, Skulptur von Gustav Vigeland
Der Großvater mit seinen Enkeln auf der so genannten Zirkeltreppe

Am Rande des Parks befindet sich das 1905 eröffnete Osloer Stadtmuseum (Oslo Bymuseum). Untergebracht ist es in einem schlossähnlichen Herrenhaus, in dem Bert Anker, im ausgehenden 18. Jh. Norwegens reichster Mann, seine Sommer verbrachte. Wer sich für die Geschichte Oslos und für die Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts interessiert, sollte diesem Museum einen Besuch abstatten.

Schon der Haupteingang des Parks, der zwischen 1939 und 1949 realisiert wurde, ist wegen seiner gusseisernen Gitter und Laternenaufsätze ein Hingucker. Schaut man sich die kreisrunden „Paneele“ an, so wird man Drachen und andere Fantasiewesen entdecken. Eine zentrale, vom Haupteingang ausgehende Achse, an der entlang die meisten Skulpturen Vigelands zu finden sind, ist das wesentliche Gestaltungselement des Parks. Im Verlauf der Achse überspannt eine Brücke zwei nierenförmige Teiche. Die Brückengeländer nehmen 58 Bronzeskulpturen auf, darunter auch den zornigen Jungen, die Fäuste geballt, den Fuß zum Stampfen erhoben, den Mund zum Schreien geöffnet. „Trotzköpfchen“ wird diese Arbeit genannt!

Ehe wir uns weiter der Gestaltung des Parks mit den Skulpturen Vigelands widmen, wenden wir uns den Rosengärten im Park zu. 14 000 Rosen blühen hier Jahr für Jahr. Aus dem 19.Jahrhundert stammen Arten wie Rosa spinossima Altaica und Rosa hugonis. Weit jüngeren Datums sind die Rosensorten „Westerland“, „Romanze“ und „Goldmarie“ sowie „Sangerhausen“. Die Rosarien finden sich südlich der Brücke sowie nördlich des Oslo Bymuseums. Lohnenswert ist auch ein Abstecher ins Vigelandmuseum, dem ehemaligen Atelier- und Wohnhaus des norwegischen Bildhauers.


Vigelandmuseum
Das Museum, einst Atelier und Studio des bekanntesten Bildhauers Norwegens, wurde nach Plänen von Lorentz Harboe Ree erbaut. 1924 bezog Vigeland seine neue Bleibe. Er arbeitete am Rande des Frogner-Parks bis zu seinem Tod im Jahr 1943. Seine künstlerische Karriere begann 1889 und während der nachfolgenden Jahre reiste er unter anderem nach Paris, um dort Auguste Rodins Kunst kennen zu lernen. Diese Begegnung blieb nicht ohne Einfluss auf die bildhauerischen Formen, insbesondere auf Vigelands lebensgroße Figuren und erotisch angehauchte Mann-Frau-Gruppen. Wer Rodins „Port d'Enfer“ und Vigelands „Die Hölle“ kennt, wird unschwer einen Einfluss Rodins auf Vigeland bemerken.

Andere Auslandaufenthalte führten ihn nach Berlin und Florenz. Doch Stipendien und der Verkauf seiner Kunst ernährten nicht den Mann, sodass Vigeland sich beim Wiederaufbau des Nidarosdoms von Trondheim verdingte und unter anderem biblische Figuren im Chor schuf. Geldgeber für diese „Kunst am Bau“ war der Norwegenliebhaber Kaiser Wilhelm II., der sich auch beim Wiederaufbau von Ålesund Verdienste erwarb. Zum Bestand des Museums gehört fast das gesamte Werk Vigelands, darunter etwa 1600 Skulpturen und 400 Holzschnitte.

Betrachtet man das biblische Paar „Hagar und Ismael“, so weiß der Kenner, dass der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen nicht ohne Einfluss auf das Frühwerk war. Teilweise findet man dramatische Inszenierungen wie in „Verflucht“, die Darstellung eines nackten Alten, an dessen Seite eine Mutter mit Kleinkind und ein Knabe zu sehen sind. Dabei handelt es sich um Vigelands erste Arbeit in Lebensgröße. Sie entstand 1891. Das Thema Mann und Frau spiegelt sich als dominantes Motiv in zahlreichen Arbeiten Vigelands, so in „Ein Mann hält eine Frau in seinen Armen“ oder „Orpheus und Eurydike“ (1899).

Seinen künstlerischen Durchbruch erzielte Vigeland mit dem Monument für den Mathematiker Niels Henrik Abel. Vigeland gewann 1902 den Wettbewerb für eine Statue, die am Eingang der Osloer Universität ihren Platz finden sollte. Vigeland porträtierte  nicht nur Abel, sondern auch den Premierminister Christian Michelsen, den Dichter Johan Sebastian Welhaven und den Komponisten Edward Grieg sowie den Schriftsteller Bjørnstjerne Bjørnson. Neben Werken in Ton verfügt das Museum über solche in Gips, zudem zahlreiche Skizzen und Studien. Eine Reiterstatue des norwegischen Königs aus Ton ist Vigeland ebenso zu verdanken wie das Modell des sogenannten Gokstad-Schiffs. Vigelands Arbeit sollte vor dem Zentralbahnhof in Oslo ihren Platz finden und an die Ausgrabung dieses Wikingerschiffes  im Jahre 1880 erinnern. Im Museum befinden sich alle Originalmodelle für den Vigeland-Park, darunter die sechs „Giganten“, die eine riesige Schale schultern, das „Träumende Mädchen“ sowie die „Drei kletternden Jungen“. Die norwegische Sagenwelt ließ Vigeland in einigen Skupturen wiederauferstehen, darunter „Gunnar in der Schlangengrube“ (1921). Der Besuch des Museums lohnt sich, wenn auch die lebensgroßen Skulpturen im Frognerpark als Teil der Parkgestaltung ganz besonders beeindruckend sind

Vigelandmuseum
Nobels gate 32
N-0268 Oslo
Tel. +47 23 49 37 00
http://www.vigeland.museum.no/

Wer sich an Rosensorten wie „Schöne Berlinerin“, „Lousiana“ oder „Mary Rose“ und „Crystal Palace“ erfreuen möchte, findet diese nicht weit vom Osloer Stadtmuseum entfernt. Es widmet sich der Geschichte der norwegischen Hauptstadt und verfügt über eine überaus reiche Gemäldesammlung mit Stadtansichten und Porträts.


Oslos Geschichte auf einen Blick im Stadtmuseum
Das Stadtmuseum, nunmehr Teil des Oslo Museum, zu dem auch das Theater und das Interkulturelle Museum gehören, befindet sich mit seinen Sammlungen zum einen in einem Teil des sogenannten Herrenhaus Frogner und zum anderen in der Scheune dieses Anwesens. Wer das Haus besucht, wird durch eine thematische Ausstellung geleitet. Zu sehen ist unter anderem die Geschichte der Stadt, von der unter anderem ein Modell „Oslo (Christiania) im Mittelalter“ gezeigt wird. Um 1300 lebten etwa 4000 Einwohner in der Stadt. Diese besaß sechs Kirchen, drei Klöster, die Residenz des Bischofs und die des Königs, der nur gelegentlich nach Oslo kam. Keines dieser Bauwerke hat die Wirren der Zeit überdauert. Oslo, das zwischen 1624 und 1925 Christiania hieß, musste nach dem Stadtbrand von 1624 komplett neu aufgebaut werden. Der damalige Monarch, Christian IV., entschied, dass die neue Stadt in der Nähe der Festung Akerhus entstehen solle. Neben dem Stadtmodell sehen Besucher auch eine Ansicht Christianias um 1840, als der Königspalast bereits gebaut war. Ein weiteres Thema der Präsentation nimmt sich des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs an: Die erste elektrische Straßenbahn, so erfahren Besucher, verkehrte seit 1894 in der Stadt. Diese war übrigens die erste ihrer Art in Skandinavien. Die Baugeschichte der Stadt wird im Museum ebenso behandelt wie auch die Entwicklung der Küchen vom Mittelalter bis in die 1950er Jahre. Zu sehen sind unter anderem zwei komplett ausgestattete Küchen, die auch die soziale Lage der Nutzer widerspiegeln. Eine der Küchen stammt aus einem Arbeiterwohnhaus, in dem mehrere Familien eine Küche nutzen mussten. „Freizeit und Kultur“ sowie die „Stadt als Hauptstadt“ sind weitere interessante Themen. Eine Stadt, die immer wieder von Bränden heimgesucht wurde, steht in einer anderen Ausstellungsabteilung im Mittelpunkt. Schließlich befasst man sich im Haus auch mit der Geschichte der Sakralbauten und dem Sozialwesen. Von unschätzbarem Wert sind die zahlreichen Gemälde mit Ansichten Oslos, ob nun Christian August Lorentzens „Aussicht von Ekeberg“ oder Sigurd Eriksens Darstellung der Karl-Johann-Straße, der Flaniermeile Oslos. L.V.Th Bratz verdanken wie eine Marktszene auf dem Stortorvet von 1843.

Oslo Bymuseum
Frognerveien 67
0266 Oslo
www.oslobymuseum.no
Anfahrt: Bus 20 bis Frogner plass, Straßenbahn 12 bis Frogner plass

Frognerpark, Oslo, Skulptur von Gustav Vigeland
Eine Mutter behütet ihre Kinder
Skulpturengruppe am Fuße des Monolithen

Nach oder vor dem Besuch der Museen erholt man sich im weiten Areal des Frognerpark. Niemand kommt umhin, bei seinem Aufenthalt die 100 Meter lange und 15 Meter breite Brücke zu überqueren. Die aus Granit gefertigten Geländer tragen Bronzefiguren und -gruppen, zu denen auch der oben bereits erwähnte zornige Knabe gehört. Nicht zu übersehen sind die vier auf Säulen platzierten Granitgruppen, die zum Beispiel den Kampf eines Mannes mit dem Drachen zeigen. Unter den Bronzen ist ein Vater, der sein Kind emporhebt, eine junge Frau, die tänzelt und mit ihren schulterlangen Haaren spielt sowie ein „Gigant“ in einem Kreis. Viele der Figuren – sie nehmen sich aller Altersgruppen an - bestechen durch eine gewisse Dynamik. Es scheint als seien sie in der selbstvergessenen Bewegung eingefroren: Der Opa mit dem Kind an der Hand ist eine „ruhig wirkende“ Bronze, während der mit seinen vier Kindern spielende Vater einem Akrobaten gleicht, balanciert er doch die Kinder auf den Schultern und seinem Fuß.

Frognerpark in Oslo, Skulptur von Gustav Vigeland
Figurengruppe auf der so genannten Zirkeltreppe

Unterhalb der Brücke erblickt der Besucher einen kleinen Platz mit acht Skulpturen, die kleine Kinder zeigen, mal hockend, mal liegend und mit den Zehen spielend und mal die ersten Kriechversuche machend.

Nachdem wir eine der Rosenanlagen des Parks durchquert haben, stehen wir vor der Fontäne. Zentral gestellt ist die Gruppe von vier Giganten, die eine Wasserschale auf ihren Schultern tragen. Von dieser Schale schießt das Wasser einer Kaskade gleich hinab. Umgeben ist diese Gruppe von 20 Mensch-Baum-Gruppen. Mal hockt ein Kleinkind in einer Astgabel, mal durchklettert ein Mädchen in waghalsiger Haltung das Astwerk eines Baums. Weiterspazierend stehen wir am Fuß des Monilithplateaus und der Zirkeltreppe. Der Zyklus des Lebens ist wie auch bei den anderen Arbeiten Vigelands das Zentralmotiv. 121 Menschen unterschiedlichen Alters bilden den zentralen Monolithen, der aus Granit besteht. Vigeland sprach bei dieser Arbeit gerne von einer „Menschensäule“. Umgeben ist diese Säule von Figurengruppen, die jeweils auf einem Sockel sitzen, knien oder gebeugt dargestellt sind. Lediglich die Kinder hat Vigeland in stehender Pose aus dem Granit geschlagen. Zwei lachende Freundinnen, ein Elternpaar, das sein Kind mit den Körpern schützt, zwei Frauen in Yogapose und ein Knäuel von Kindern können wir ausmachen. Eine alte Mutter und zwei alte Bärtige, aber auch ein junges Paar und eine Mutter, auf deren Rücken zwei Kinder reiten, sind weitere Motive an dieser Stelle des Parks. Abseits der Hauptachse finden wir noch weitere Werke, ob nun ein Selbstbildnis, die Sonnenuhr auf Granitsockel, das „Rad des Lebens“ oder die 1938 geschaffene Bronze „Triangel“. Während man sonst für Kunstgenuss Eintritt entrichten muss, ist der Kunstgenuss im Frognerpark kostenlos – und das ist gewiss ein großes Plus!

Informationen
Frognerpark
Kirkeveien/Middelthuns gate
N-0268 Oslo


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