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Ausstellungsorte in Oslo Oslo Museum / Astrup Fearnley Museum / Nationales Architekturmuseum / Henie Onstad Kunstsenter

Oslo
Astrup Fearnley Museum

The World is Made of Stories bis 30. Aug. 2017

The World is Made of Stories

Die Schau umfasst Arbeiten von Anselm Kiefer, Sigmar Polke und Damien Hirst, aber auch von Frans Widerberg, Erró, Andreas Gursky,. Karl Haendel, Peter Land, Josh Smith, Sam Taylor, Aaron Young oder Duane Hanson. Sie und andere Künstler, die zur Sammlun g des Museums gehören erzählen Geschichten und reflektieren ihre Sicht auf die Welt, so die Intention der Schau.

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Damien Hirst Damien Mother and Child (Divided), 1993 Photo Prudence Cuming Associates ©Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved,DACS, 2012

Es ist die Intention der Ausstellungsmacher mithilfe von Kunst private und öffentliche Geschichten zu präsentieren und so den Besuchern auch ein Mosaik bzw. buntes Kaleidoskop der Welt zu präsentieren. Bei einem derartigen Konzept denkt man vielleicht vorschnell an altmeisterliche Malerei oder Historienmalerei oder "Bildergeschichten" à la Neo Rauch. Doch die findet man im Museum nicht. Moderne Gegenwartskunst ist der Schwerpunkt der Sammlung, die in jeweils wechselnden, zweijährigen Zyklen vorgestellt wird. Pop Art in vielen Facetten hat in dieser aktuellen Präsentation ein gewisses Übergewicht.

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Blkick in die Ausstellung

Gleich zu Beginn werden Besucher mit Arbeiten von Damien Hirst und von Gilbert & George konfrontiert. Letztere stellen provokativ die Frage nach der Heterosexualität von Jesus und schrecken in einer ihrer Arbeiten vor der Zeile „God Loves Fucking!Enjoy“ nicht zurück. Bei Hirsts Arbeiten ist die religös-christliche Konnotation nicht wegzuwischen, betrachtet man die Kreuzigungsgruppe mit ausgeweideten Schafskörpern oder die Mutter-Kind-Darstellung in Gestalt einer halbierten Kuh und eines halbierten Kalbes. Beide Arbeiten sind Teil eines Werkzyklus', der sich „Natural History“ nennt.

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Jeff Koons Michael Jackson and Bubbles, 1988 Porcelain and ceramic 107 x 179 x 82 cm Astrup Fearnley Collection

Man möchte beim Betrachten einiger ausgestellter Werke von Robert Gober, einem Vertreter amerikanischer Pop-Art und Minimalismus, meinen, dass Marcel Duchamp wohl ein wenig „Zitatgeber“ war. Gober greift nicht immer auf Readymades zurück, aber seine Arbeiten wie „Split-up Conflicted Sink“ sind schon sehr nahe an diesen anzusiedeln, auch wenn sie eigens gefertigt wurden. Ob er nun zwei gekaufte Ausgüsse miteinander verbunden hat oder es sich bei dem Kunstwerk um Abgüsse derselben handelt, kann der Betrachter nicht genau sagen. In dem erklärenden Text zu diesem Kunstwerk ist von dem Kampf Gobers als Homosexueller in Amerika die Rede, die sich in genanntem Werk wiederfinde. Das scheint doch sehr abwegig, zumal es an einem O-Ton mangelt. Ebenso wenig nachvollziehbar ist der Text zu Gobers „Drain“, einem in der Wand eingelassenen Abflusssieb. Im genannten Text ist von dem Wechsel von einem Stadium zu einem nächsten und von der Kraft des Unbewussten die Rede. Und der Besucher verbleibt in Ratlosigkeit!

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Matthew Barney Torii 2006 Vivak, cast polycaprolactone thermoplast and acrylic 162,6 x 828 x 660,4 cm Astrup Fearnley Collection

Mit der Pop-Art geht es beim Rundgang dann auch munter weiter, zeigt man doch Arbeiten von Kitaj, Peter Blake und auch Juan de la Cruz, der in seiner Arbeit Cartoons mit "fotografischen" Motiven aus dem Vietnamkrieg verknüpft. Entstanden ist zu Zeiten, als der Vietnamkrieg in vollem Gange war, das Porträt des afroamerikanischen Stg. John Cross. Eat Art im übertragenen Sinne zeigt uns Patrick Caulfield mit „Un gran bell'arrosto“. Die Arbeit gleicht zwar einem Stillleben, hat jedoch eher mit Plakatkunst und Cartoons etwas gemein. Zu sehen sind Würste, eine Kasserolle, Maiskolben und auch Tomaten in sehr plakativer Darstellung und Farbsetzung.

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Ausstellungsinstallation

Als hätte der belgische Künstler Roger Raveel Pate gestanden, so mutet Eduardo Arroyos und Gilles Aillauds Werk an, das dem Figurativ-narrativen zuzuordnen ist und einen Mann in braunem Mantel und grauem Hut zeigt, dessen Gesicht fleckig mit Braun- und Grüntönen verfremdet wurde. Die Welt fernöstlicher Erotik – durchaus schon nahe am Pornografischen – verbindet hingegen Erró mit der Welt der Comics wie der von Superman. Auch Science-Fiction-Figuren tauchen bei Errós Arbeit auf.

Bildmaterial wiederzuverwerten und zu verfremden, auch durch geschickte Inszenierungen ist das Ding von Richard Price und Cindy Sherman, wie man beim Rundgang erleben kann. Sherman inszeniert dabei „Remakes“ nach Vorlagen berühmter Kollegen wie Walker Evans und hinterfragt darin auch das konventionelle Frauenbild und die vorherrschenden Stereotypen über das Weibliche. Richard Price persifliert ein wenig die Welt der Cowboys, die sich in der legendären Malboro-Zigarettenwerbung wiederfindet. Price geht nicht für eine Camel meilenweit, aber scheint fasziniert von den Mustangs und deren Reitern vor atemberaubender Szenerie. Freiheit, Männlichkeit und Nostalgie vereinen sich in Prices Arbeiten. Ob man sich dazu eine Portion Ironie denken muss?

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Cindy Sherman Untitled #402 2000 Color photograph Astrup Fearnley Collection

Sprudelt da wirklich Schokolade? Das fragt man sich, wenn man vor Frank Bensons Schokoladenbrunnen steht. Der ist allerdings aus Gusseisen gearbeitet worden und greift zugleich im weitesten Sinne Duchamps Arbeit „Fountain“ (1917) auf. Dass es sich bei Duchamps Arbeit um ein Pissoir handelt, sei hier angemerkt. Silbrig schillernd ist Prem Sahibs „Walk that Body IV“. Wer nähertritt, entdeckt kleine transparent erscheinende Bläschen. Es handelt sich um feine Tropfen von Schweiß. Man könnte meinen, man stehe vor einem Spiegel in der Sauna, der mit Schweißperlen bedeckt ist. Neben Albert Oehlens gestischer Malerei ist auch Bjarne Melgaard in der Schau präsent. Die sexuellen Motive sind in Melgaards Werk nicht zu übersehen.

Kitsch oder Kunst – das ist die Frage, steht man vor Jeff Koons Arbeit, die Michael Jackson zeigt. Ein Loch im Schädel? Das sieht man in Versalien und in Englisch geschrieben auf einer Wand, die von Christopher Wool gestaltet wurde. Darf man sich an den Bonbons bedienen, die da aufgeschichtet an einer Wand zu finden sind? Felix Gonzales-Torres hat dieses eigentlich unbetitelte Werk – Untertitel „Blue Placebo“ - geschaffen. Wogegen sollen die 130 kg Bonbons wohl helfen? Das fragt man sich. Sind es süße Verführer oder "Mother's Little Helper"? Entstanden ist diese Arbeit nach dem Tod des Partners des Künstlers, der damit auch die Art der Behandlung von AIDS-Patienten anprangert.

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Frank Benson Human Statue 2005 Forton MG, oil and acrylic paint, textile, wood 173 x 50 x 30 cm Astrup Fearnley Collection Photo by Anders Valde

Beeindruckend ist Anselm Kiefers kolossales Werk „Zweistromland“, das in erdigen Farben gehalten ist und aus Stahl, Blei, Kupfer und Glas gefertigt wurde. Es handelt sich um ein vierlagiges Regal mit Folianten in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Die Schriftzüge „Tigris“ und „Euphrat“ erkennt man auf den zweiten Blick und auch die trennende Glaswand zwischen den „Flüssen“.

Dass man dem 2017 verstorbenen Frans Widerberg, einem der bekannten norwegischen Künstler der Gegenwart, keine Werkschau gewidmet hat, sondern nur eine Arbeit zeigt, ist sehr zu bedauern. Auffallend ist zudem, dass man sich in der Sammlung sehr stark auf us-amerikanische, britische und deutsche Künstler konzentriert hat, soweit man das der aktuellen Präsentation entnehmen kann. Skandinavische Künstler wie Erró, Jorn oder Melgaard sind eher rar in der Schau, und man fragt sich nach dem Warum. So richtig gelungen scheint auch der Ausstellungstitel nicht, der ja Geschichten suggeriert. Doch erzählen die Künstler wirklich Geschichten oder präsentieren sie uns doch nur Standpunkte und stilistische Verortungen? © ferdinand dupuis-panther

Astrup Fearneley Museet
Strandpromenaden 2
0252 Oslo
http://afmuseet.no/en/hjem

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