Marrakesch

 

Marokko - Schlange eines Schlangenbeschwörers in Marrakesch

Kobra auf dem Djemaa el Fna

Vorsicht ist jedoch bei den Gauklern und Schlangenbeschwörern geboten. Diese lassen sich oft scheinbar bereitwillig ablichten, wollen dann aber schnell mal 100 bis 200 Dirham pro Foto haben. Und damit ihnen kein ahnungsloser Tourist entgeht, sind sie in der Regel gut organisiert. Jeder Gaukler, jeder Schlangenbeschwörer verfügt über ein halbes Dutzend „Helfer", die alle wild fotografierenden Touristen fest im Blick haben und anschließend mit einer gewissen Hartnäckigkeit versuchen, abzukassieren.

Rund um den Djemaa el Fna stehen Caféhäuser und Restaurants. Hier empfiehlt es sich, auf den Balkonen in der ersten oder zweiten Etage oder auf der Dachterrasse Platz zu nehmen, um das bunte Treiben auf dem Platz entspannt zu beobachten. Gleichzeitig bietet sich von hier - wie beispielsweise vom Dach des Café de France - zumeist ein herrlicher Rundblick auf Marrakesch bis hin zum Atlas-Gebirge.

Marokko - Djemaa el Fna in Marrakesch

Djemaa el Fna

Augenfällig ist die Tatsache, dass sich in den Cafés der Stadt neben den Touristen meist nur Männer tummeln. Alkohol gibt es in der Regel nur in Restaurants und Hotelbars.

„Viele trinken bei uns nur Alkohol, wenn Allah schläft", verrät ein Kellner im Café de France und fügt augenzwinkernd hinzu, dass einige Marokkaner offenbar der festen Überzeugung seien, dass Allah auch schon mal einen Mittagsschlaf hält.

Für Letzteren bleibt in Marrakesch eigentlich keine Zeit. Zu spannend ist die Tour durch die verwinkelten Gassen und Gänge sowie engen Straßen der Altstadt. Überall in der Medina finden sich gut getarnt sogenannte Riads. Dies sind mehr oder weniger prunkvolle Herrenhäuser und Paläste mit schmucken Innenhöfen, Brunnenanlage und prunkvollen Gärten hinter völlig schmucklosen Fassaden.

„Ein Kennzeichen der Riads, die heute meist als Hotels genutzt werden, sind die blinden Mauern", erläutert Mohamed, die hohen Wände der stolzen Stadthäuser seien bewusst fensterlos und verfügten lediglich über eine schlichte Tür. Damit sollte sichergestellt werden, dass niemand auch nur ahnte, welche Pracht und welcher Reichtum sich hinter den schlichten Mauern verbargen.

Marokko - Bahia-Palast in Marrakesch

Bahia-Palast

Hinter einer der vielen blinden Mauern versteckt sich mit dem 125 Jahre alten Bahia-Palast, auch der einzige Palast der Stadt, der zumindest in Teilen von innen besichtigt werden kann. Das stolze Anwesen bekleidet eine Fläche von 80.000 Quadratmeter und war einst im Besitz des Großwesirs, dessen Stellung etwa vergleichbar mit der eines Ministerpräsidenten war. Im Gegensatz zu anderen Palästen besteht Bahia nur aus einem administrativen und einem Wohnteil.

Marokko - Bahia-Palast in Marrakesch

Details des Bahia-Palastes

„Da hier nie ein König residierte, gibt es keinen Thronsaal", liefert Mohamed eine simple wie einleuchtende Erklärung. Obschon die Räume fast alle komplett leer sind, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, in welchem Luxus der Großwesir dereinst geschwelgt haben muss. Decken und Türen sind aus Zedernholz und mit aufwendigem Dekor oder Malereien verziert. In jedem der zahlreichen Innenhöfe findet sich ein Springbrunnen. Und die Gärten werden von schattenspendenden Bitterorangenbäumen dominiert.

Marokko - Jardin Majorelle in Marrakesch

Jardin Majorelle

Ein noch prominenteres Beispiel marokkanischer Gartenbaukunst befindet sich mit dem weltberühmten Jardin Majorelle in der Neustadt außerhalb der Stadtmauern. Namensgeber Jacques Majorelle erwarb 1923 das Stück Land, das heute den Garten bedeckt. Der französische Maler sammelte exotische Pflanzen aus aller Welt und beauftragte 1931 den Architekten Paul Sinoir, inmitten des Anwesens ein Künstleratelier im Art Deco Stil zu errichten. Die Wände wurden im kräftigen Majorelle-Blau gehüllt.

Marokko - Jardin Majorelle in Marrakesch

Wände in kräftigem Majorelle-Blau

1947 öffnete Majorelle seinen Prachtgarten für die Öffentlichkeit. Nach seinem Tode im Jahre 1962 verfiel die Anlage in einen Dornröschenschlaf. Es dauert fast zwei Jahrzehnte, ehe sich Modeschöpfer Yves Saint Laurent bei seinem ersten Besuch in der marokkanischen Königsstadt vom Rausch der Farben verzaubern ließ und sich auf Anhieb in den Garten verliebte. 1980 erwarb er gemeinsam mit seinem Lebenspartner Pierre Bergé das Anwesen und ließ es aufwendig restaurieren.

Für Yves Saint Laurent war Marrakesch ein Ort der Inspiration und im Jardin Majorelle fand er Entspannung und Muse für seine Kreationen. Heute erinnert ein Gedenkstein im Garten an den 2008 verstorbenen Modedesigner. Direkt angrenzend an den Jardin Majorelle wurde erst im Oktober 2017 das neue Musée Yves Saint Laurent eröffnet. Das Gebäude mit seiner augenfälligen Terrakottafassade beherbergt eine Ausstellung mit rund 5.000 Kleidern und 15.000 Haute-Couture-Accessoires sowie Tausende von Zeichnungen und Fotos von Yves Saint Laurent.

Wer es nicht schon vorher war, ist spätestens nach dem Besuch des Jardin Majorelle wie dereinst Yves Saint Laurent von dem Bazillus infiziert, der da heißt „Marrakesch". Und nicht wenige schwören sich, wie einst der Modemacher, immer wieder hierher zurückzukommen.

Allgemeine Informationen: www.visitmorocco.com/de

Anreise: Eurowings bietet Direktflüge ab Düsseldorf ab etwa 70 Euro an; von Frankfurt fliegen Ryanair und Condor von München u.a. Condor in die Königsstadt.

Einreise: Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass.

Währung: Zahlungsmittel ist der Dirham. Ein Dirham entspricht etwa 0,08 Euro; ein Euro entspricht etwa 11 Dirham.

Essen & Trinken: Café de France, Jemaa El Fna, Marrakesch 2034, Marokko, Telefon 00212-5244-42319. Die Qualität der gebotenen marokkanischen Speisen ist dürftig, dafür lässt sich bei einem Tee oder Kaffe vom Balkon oder der Dachterrasse ein herrlicher Blick auf die Stadt genießen.

Übernachten: Be Live Experience Palmeraie Marrakesch, Route de Fes, km 6, Zone de Zahrat Annakhil, Marrakesch. Doppelzimmer in dem erst im Oktober 2017 eröffneten All-Inclusive-Haus beginnen bei ca. 85 Euro pro Nacht. Buchungen und weitere Informationen unter www.fti.de

Veranstalter: FTI bietet spezielle einwöchige City-Arrangements für Marrakesch mit Kochkurs inklusive Übernachtung, Frühstück und Flug sowie die achttägige Rundreise „Marokko-Kombi-Spezial - Genuss für Leib und Seele" inklusive Flug, Übernachtung und Kochkurs an. Buchungen und weitere Informationen unter Telefon 089-710451498 beziehungsweise unter www.fti.de.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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