Marokko

Gesegnet in Agadir

Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab

 

Marche Municipal von Agadir

Agadir wirbt mit 320 Sonnentagen pro Jahr - doch nur die wenigsten bleiben lange genug in dem Badeparadies im Südwesten von Marokko, um die Richtigkeit dieser Statistik zu überprüfen. Gleichwohl garantiert auch hier Regen einen gewissen Segen.

Wer nach Marokko reist, sehnt sich in der Regel nach Sonne und muckelig warmen Temperaturen. Der Marrokaner indes freut sich über jeden Regentropfen. Denn gewöhnlich lässt es Wettergott Petrus eher selten über diesen Teil Nordafrikas regnen. Das Badeparadies Agadir darf sich beispielsweise rühmen, im Mittel über 320 Sonnentage im Jahr zu verfügen. Kein Wunder, dass der von der Sonne verwöhnte Marrokaner gerne sagt, „wer den Regen mitbringt, ist gesegnet!". Blöd nur, wenn man als vermeintlicher Sonnenanbeter zufällig der Segensbringer wider Willen ist. Ganz ehrlich, ein Verzicht auf diese Ehre wäre ungleich schöner. Na ja, ändern lässt es sich eh nicht.

Marokko - Am Strand von Agadir mit Blick auf den Hausberg

Am Strand von Agadir mit Blick auf den Hausberg

Genussvolle Tage am zehn Kilometer langen und herrlich breiten Strand von Agadir fallen daher im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal ins Wasser. Am 236 Meter hohen Hausberg über der Marina, die sich mehr und mehr zum hippen Ausgehviertel mit kleinen Cafes und einladenden Restaurants gemausert hat, lässt sich der berühmte Schriftzug mit den arabischen Worten „Gott - Vaterland - König" im Nieselregen nur schemenhaft erkennen.

Auch der Aufstieg zur darüber liegenden Burg, der 1541 errichten Kasbah, lohnt nicht wirklich. Dabei lässt sich bei halbwegs anständigem Wetter von hier ein herrlicher Blick über die weite Bucht von Agadir mit dem sichelförmigen Strand und das Häusermeer der 420.000-Seelen-Metropole am Atlantik werfen.

Marokko - Kasbah

Die Kasbah wurde 1541 errichtet

Und auch der Ozean hält sich temperaturmäßig mit bescheidenen 19, 20 Grad noch dezent zurück. Dafür lässt er kräftige Wellen an den Strand krachen. Die meisten lassen sich ob der Wetterkapriolen die Laune nicht verderben, genießen ausgedehnte Strandspaziergänge, hüpfen in den beheizten Hotelpool (was bei Regen eigentlich noch schöner ist) oder nutzten die Zeit, um ein wenig zu shoppen.

Marokko - Ladenzeile in Agadir

Ladenzeile in Agadir

Natürlich gibt es in Agadir auch jede Menge Boutiquen und Geschäfte der bekannten Marken und Label, ungleich spannender ist es, über den Marche Municipal, den größten überdachten Basar der Stadt, zu flanieren. Hinter der hohen Mauer mit Türmen, die auch als Stadtmauer durchgehen könnte, öffnet sich eine ganz andere Welt. Denn ein Gang über den orientalischen Basar ist ein Fest für alle Sinne. Es duftet nach Kräutern und Gewürzen. Es herrscht großes Gewusel. Entsprechend groß ist auch das Geschnatter. Schließlich ist das Handeln und Feilschen tief verwurzelt in der Kultur der Marrokaner. Niemand zahlt hier den ursprünglich geforderten Preis. Der Händler pokert hoch, der Kunde versucht den Preis so weit wie möglich zu drücken.

Marokko - Als Viagra Berber verkaufter Ingwer im Marche Municipal von Agadir

Als Viagra Berber verkaufter Ingwer im Marche Municipal von Agadir

„Manchmal ist es schlau, einfach weiter zu gehen, denn nicht selten kommen die Händler hinterher und lassen sich doch noch auf den Preis ein", beteuert Mohamed Ait Brahim, auf den Märkten gehöre das Klappern zum Handwerk und sei Teil des Spaßes. Flachsend schiebt der Guide, der am Goethe-Institut fließend Deutsch gelernt hat, hinterher, man solle mal eine komplette „Händlerverwirrung" probieren. Wenn der Standbetreiber 300 Dirham fordere, solle man einfach mal 600 Dirham bieten, statt wie üblich nur die Hälfte.

Marokko - Gewürzstand im Marche Municipal von Agadir

Gewürzstand im Marche Municipal

Während die Gewürze meist zu kunstvollen kreiselartigen Türmchen aufgehäuft sind, wirkt insbesondere die Darbietungsform für Fleisch doch etwas gewöhnungsbedürftig. Da hängt die Haut eines Kuhkopfes und bei geschlachteten Schafen werden die Hoden gut sichtbar drapiert.

„Das Fleisch von männlichen Tieren ist bei uns wesentlich beliebter als das von weiblichen", unterstreicht Mohamed, dass so sicher gestellt wird, das niemandem eine Schafsdame als Bock angedreht würde.

Neben Obst, Gemüse und Kräutern werden auch Kleidung, Lederwaren, Teppiche und Souvenirs feilgeboten. Darunter auch Exportschlager wie Arganöl oder das sogenannte „Berber-Nutella", ein süßer Brotaufstrich aus Arganöl, Honig und Mandeln, der eigentlich „Amlou" heißt.

Marokko - Obst- und Getränkehändler im Marche Municipal von Agadir

Obst- und Getränkehändler im Marche Municipal

Hoch im Kurs steht auch eine Tagine. In den runden, tönernen Töpfen mit spitzem Deckel, deren Preise bei umgerechnet sieben, acht Euro beginnen, wird die gleichnamige marokkanische Nationalspeise hergestellt. Fleisch-, Fisch- oder reine Gemüsevarianten der Tagine köcheln mindestens drei Stunden über einem Holzfeuer oder einer Gasflamme. Die überaus schmackhafte Tagine, die bei keinem marokkanischen Familienfest fehlen darf, ist hinterher so hauchzart, dass das Fleisch schon bei der bloßen Berührung mit der Gabel zerfällt. Eine Gaumenfreude, die selbst den stundenlangen Regen vergessen lässt.

Viel Sehenswertes hat Agadir ansonsten nicht zu bieten. Schuld ist ein verheerendes Erdbeben im Jahre 1960, das weite Teile der Stadt nahezu komplett zerstörte. Heute entpuppt sich Agadir als klassischer Badeort mit zahlreichen Hotels, Restaurants und Bars sowie einer herrlich breiten Strandpromenade und einem weithin sichtbaren Riesenrad.

Marokko - Surfer am Strand in Taghazout

Surfer am Strand in Taghazout

Ein paar Kilometer weiter nördlich lockt das kleine Taghazout in erster Linie die Surferszene an. Die Wellen in der weiten Bucht türmen sich hier meterhoch auf. Erst recht, wenn es windet, stürmt und regnet. Und so sind die unzähligen, in wärmende Neoprenanzüge gehüllte Wellenreiter ganz in ihrem Element, während sich die leicht fröstelnden Sonnenanbeter die Hände am Pfefferminztee oder einem Nous Nous, einem marokkanischen Kaffee mit viel Milch, wärmen.

Marokko - Küste bei Taghazout

Küste bei Taghazout

Tags darauf, tut Wettergott Petrus dann doch wieder etwas für die Sonnenstatistik. Schon wandelt sich der Strand binnen kürzester in ein Mekka der Sonnenhungrigen. Manchmal lügt die Statistik eben nicht. Und der Job als Segensbringer wurde ja schon mit Bravour am Vortag ausgeführt...

Marokko - Strand in Taghazout

Strand in Taghazout

 

Reiseinformationen

Allgemeine Informationen

www.visitmorocco.com/de

Lage

Agadir, die Hauptstadt der Region Sousse, liegt im Südwesten Marokkos direkt am Atlantik und den Ausläufern des Atlas-Gebirges, dessen Gipfel hier bis auf 3.000 Meter hochragen.

Anreise

Eurowings bietet Direktflüge ab Düsseldorf an; von Frankfurt fliegen Sunexpress, Ryanair und Condor direkt in das Badeparadies, von München u.a. Condor.

Einreise

Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass.

Währung

Zahlungsmittel ist der Dirham. Ein Dirham entspricht etwa 0,08 Euro; ein Euro entspricht etwa 11 Dirham.

Essen & Trinken

Casa Mia, Agadir Marina, 80000 Agadir. Direkt an der modernen Marina gelegenes Restaurant mit marokkanischer Küche und exzellentem Fisch.

Dolce & Caffe, Boulevard Hassan II Agadir. Eines der angesagtesten Cafés der Stadt mit gutem Frühstück, Torten, Kuchen und kleinen Gerichten auf der Karte.

Pure Passion, Agadir Marina, Agadir, www.purepassion.ma. Mit Blick auf den Yachthafen gibt es hier tolle vegetarische Gerichte, aber auch Leckereien wie Jakobsmuscheln mit Arganöl.

Übernachten

Hotel Royal Atlas
Boulevard Du 20 Août
80000 Agadir
Fünf-Sterne-Hotel mit marokkanischem Flair direkt am Strand. Weitere Informationen bei FTI unter www.fti.de.

Les Alohades Beach Resort
Boulevard Du 20 Août
80000 Agadir
Vier-Sterne-Hotel mit 321 Zimmern und großzügigem Poolbereich rund 150 Meter vom Strand. Weitere Informationen bei FTI unter www.fti.de.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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