Zwischen Fischerbooten und Touristenmassen

Peggy`s Cove in Nova Scotia, Kanada

Text und Fotos: Uwe Lexow

 

Kanada - Nova Scotia

„Du hast Glück“ sagt mein Freund und Kollege Ken Parker, „heute kommen hier in Halifax keine Kreuzfahrtschiffe an – dann ist Peggy`s Cove charmant“. Ken hat Recht. Ich verlasse Halifax über den Highway 333.l Eine gute ¾ Stunde später erreiche ich nach 45 km Fahrt Peggy`s Cove. Gegründet wurde das Örtchen 1811 an der Ostküste der St. Margaret`s Bay. Seit 1995 gehört das 650-Seelen Örtchen regional zur Hauptstadt der zweitkleinsten Provinz Kanadas. Die wunderschöne Bucht war schon seit 1766 bekannt; damals hieß die Gegend „Eastern Point Harbour“.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Fischerboot

Fischerboot

Um den Namen Peggy`s Cove ranken sich Geschichten: Nach der gleichermaßen romantischen wie traurigen Version hat das Örtchen seinen Namen nach der jungen Frau eines Fischers, der auf See geblieben ist, und sich die junge Frau aus Liebeskummer das Leben nahm. 1900 hatte der Ort 300 Einwohner, die von Fischfang und Ackerbau lebten oder in der Konservenfabrik arbeiteten, in der schon damals die Hummer landeten.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Fischerboot

Relikt aus der Vergangenheit

Bevor der Tourismus Einzug hielt, war das Leben der Einwohner eher karg, heute prägt der Tourismus den Ort. Allerdings: Damit das Örtchen nicht durch Bodenspekulation und Hotels seinen Charme verliert, ist der Zuzug nach Peggy`s Cove durch strenge Regeln begrenzt. Peggy`s Cove ist eine „protected town“. Peggy`s cove macht - etwas ketzerisch formuliert - den Eindruck eines von Touristen besuchten Freiluftmuseums, hat aber seinen Charme trotz aller Touristen ( im Jahr kommen rd. 750.000 Besucher hierher) nicht vollständig verloren.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Hummerfangkörbe

Hummerfangkörbe

Vom Hummerfang – Saison ist von November bis Mai - leben die Fischer nur noch zum Teil. Der Verkauf von Souvenirs, die Arbeit in einer Galerie oder in der Gastronomie tragen erheblich zum Broterwerb bei. Die Fangquoten für Hummer sind begrenzt. Die Hummerkästen und Körbe sind nicht nur farblich hübsch, sondern auch den einzelnen Fischern zugeordnet, so dass man gut kontrollieren kann, wer was fängt. Der kleine Hafen ist „schnuckelig“, Häuschen und Fangkörbe bunt und man fühlt sich ein bisschen in ältere Zeiten zurück versetzt.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - bunte Häuser

Bunte Häuser in Peggy's Cove

Hauptattraktion ist der Leuchtturm “Peggy`s Point“, 15 m hoch, klassisch rot-weiß angestrichen. Der Leuchtturm ist auch Hauptattraktion der 340 Kilometer langen „Leuchtturmroute“, die entlang der Atlantikküsten von Halifax über Peggy`s Cove, Mahone Bay, Lunenburg, Liverpool, Shelburne bis Yarmouth verläuft.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Leuchttum Peggy's Point

Leuchtturm “Peggy`s Point“

Nova Scotia verfügt über 160 Leuchttürme, der von Peggy`s Cove gehört zu den meist fotografierten der Welt. Er stammt aus dem Jahr 1915, der Vorläufer aus Holz bereits aus dem Jahr 1868, von dem seit 1954 nach einem Hurricane nichts mehr zu sehen ist.

Seit 1958 war der Turm nicht mehr von einem Leuchtturmwärter besetzt, im 2. Weltkrieg diente der Leuchtturm kanadischen Seestreitkräften als Radarstation, und inzwischen ist der Leuchtturm, wie auch das kleine Postamt dort, in dem, man sich bis vor ein paar Jahren einen Sonderstempel abholen konnte – von der kanadischen Küstenwache außer Dienst gestellt. Der Popularität des Leuchtturms, der 1992 das Kanadische 25-Cent Stück zierte, tut das keinen Abbruch, und es bedarf schon etwas langem Atems, um den Turm halbwegs „touristenfrei“ aufs Bild zu bekommen.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Granit beim Leuchttum Peggy's Point

Warnschild beim Leuchtturm “Peggy`s Point“

Nicht nur der Turm selbst, sondern auch die Kulisse ist spektakulär. Der Leuchtturm steht auf eiszeitlichem Granit, blankgeschliffen von der Brandung des Atlantik, bei Nässe eine Todesfalle für Unvorsichtige. Whatever: Peggy`s Cove Lighthouse ist ein Touristenmagnet.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Inukshuk, wie die Steinmännchen  der Inuit heissen

Inukshuk, Steinmännchen der Inuit

Ein paar Schritte abseits finden wir wunderschöne Inukshuk, wie die Steinmännchen der Inuit heissen. Wörtlich bedeutet Inuksuk bzw Inukshuk „gleich einem Menschen“. Die Inuit verstehen darunter „einen Gegenstand, der anstelle eines Menschen Aufgaben übernehmen kann“. Die Gründe, die zum Bau von Inukshuk führten, haben sich über die Jahrhunderte hinweg bis heute kaum verändert: Wie Steinmännchen anderer Kulturen dienten Inukshuk Reisenden als Wegweiser, waren Landmarken zum Wiederfinden von Vorratsstellen, Warnhinweise auf gefahrvolle Plätze und Erinnerungszeichen an Orten, an denen sich Ungewöhnliches ereignet hatte. Dass die Leute, die auf den Felsen herumklettern die Warnhinweise der Inukshuk vor den Gefahren der glatten Felsen verstehen, bezweifle ich. Fotogen sind die Steinmännchen gleichwohl.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Fishermen`s Monument

Fishermen`s Monument

Verbundenheit mit den Fischern spiegelt sich auch in den Werken des finnischen Einwanderers William deGerthe ( 1907-1983 ) wieder. Ein Museum erinnert an den Bildhauer und Maler. 65 Werke sind dort zu sehen. „Fishermen`s Monument“ ist seine Hommage an die Bewohner von Peggy`s Cove, das mitten im Örtchen zu finden ist. Nur 50% des Werkes sind fertig gestellt.

An die schottische Herkunft der Siedler, die in Nova Scotia ihre neue Heimat gefunden haben, erinnert an diesem Sommertag ein Dudelsackspieler. Nicht, dass der schlecht gespielt hätte – aber ohne das Quäken des Instruments wäre es in Peggy`s Cove romantischer gewesen.

Kanada - Peggy's Cove in Nova Scotia - Fischerboote im Hafen

Fischerboote im Hafen

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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