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Kulinarisches und mehr

Das Vinschgau abseits der schnellen Pisten

Text und Fotos: Axel Scheibe

Italien - Vinschgau - Tiefer Winter an der Matscher Alm. Die mächtige „Eisskulptur“ hat der Frost geschaffen

Viele Besucher fahren achtlos daran vorbei. Wer über den Brennerpass nach Südtirol kommt, nimmt es zumeist nicht zur Kenntnis. Klar, der Weg von Bozen in Richtung Westen zieht sich. Hinter Meran beginnt es, das Vinschgau. Ein Stückchen Südtirol, das mehr Zeit verlangt, als nur einen Zwischenstopp für die Touristen, die aus Österreich den Reschenpass nehmen auf dem Weg in den Süden. Weite Obstplantagen sorgen im Sommer für sattes Grün im Tal. Im Winter sieht das natürlich anders aus. Nicht selten macht sich der Schnee im Tal rar. Doch dort, wo sich die Berge links und rechts des weiten Tales in die Höhe recken, wird es schnell weiß. Manch kleines Paradies für Skifahrer versteckt sich in den Seitentälern. Aber auch abseits der Piste gibt es viel zu sehen und zu entdecken.

Italien - Vinschgau - Anna Gruber und Christine Tappeiner (v.l.) greifen kräftig mit zu bei der Käseknödelherstellung

Anna Gruber und Christine Tappeiner (v.l.) greifen kräftig mit zu

Dazu gehört nicht zuletzt die Südtiroler Küche mit einem ihrer Glanzlichter – dem Südtiroler Käseknödel. Dieser Spezialität auf der Spur sind die Winterwanderer auf dem Weg zur Matscher Alm. Ihr Auto haben sie am Glieser Hof abgestellt. Von dort führt ein dick beschneiter Forstweg noch 250 Meter höher. Eine gute halbe Stunde sind es bis auf 2045m. Beste Voraussetzungen für den richtigen Appetit. Doch vor dem Genuss wartet noch etwas Arbeit. Immerhin wollen sie nicht nur schlemmen, sondern eine Stippvisite bei Hüttenwirt Daniel Lutz verspricht auch einen kleinen Kochkurs, der den Weg zum perfekten Käseknödel weisen soll. Sprich, man verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen.

Italien - Vinschgau - Auf dem Weg in den Topf. So soll ein guter Südtiroler Käseknödel aussehen

Auf dem Weg in den Topf. So soll ein guter Südtiroler Käseknödel aussehen

Nachdem Daniel seinen Gästen mit Käsekeller und Bettenlager einige Blicke hinter die Kulissen der Alm werfen ließ, ist Koch Reiner Habicher an der Reihe. Nur Zusehen ist nicht. Es heißt mit Hand anzulegen. Zuallererst muss reichlich Käse gerieben werden. Natürlich der von der eigenen Alm. Ein schweres Stück Handarbeit. Der Käse ist hart, die Reibe etwas rustikal und die Knödel sollen für viele Gäste reichen. Aber Reiner ist konsequent, geriebener Käste macht sich deutlich besser in den Knödeln als Käsestücke. So seine langjährige Kocherfahrung. Ist das geschafft, wird die Masse gerührt und geknetet. Mini-Semmelwürfel, Eier, Milch, Käse und manch Gewürz. Anna Grube und Christine Tappeiner sind mit viel Spaß bei der Sache. Ob das einen kräftigen Muskelkater in den Armen gibt? Egal, nach einer halben Stunde sind einige Dutzend Käseknödel fertig. Der Gästeansturm, eine große Gruppe hat sich angemeldet, kann kommen. Doch bevor es soweit ist, landen die ersten runden Verführungen im Dampfbad, denn wer fleißig war, soll natürlich die ersten „Fertigprodukte“ auf den Teller bekommen. Zufriedene Gesichter allenthalben zeigen, es hat sich gelohnt. Südtiroler Käseknödeln am heimischen Herd steht nichts mehr im Weg …

Italien - Vinschgau - Reiner Habicher, Chefkoch auf der Matscheralm, bringt die Käseknödel

Reiner Habicher, Chefkoch auf der Matscheralm, bringt die Käseknödel

So lecker zünftige Käseknödel auch sind, es gibt natürlich noch andere kulinarische Anziehungspunkte im Vinschgau, die einen Abstecher lohnen. So, um gleich beim Käse zu bleiben, die Hofkäserei Englhorn im kleinen Malser Ortsteil Schleis. Milchbauer und Käsespezialist Alexander Agethle bietet seinen 13 Stück Braunvieh auf der Wiese hinterm Haus paradiesische Bedingungen. Kein enger Stall, keine Hochleistungsmilch und regelmäßig eigene Kälbchen. So wie das früher einmal war. Ruhe und Gelassenheit sorgen für Qualität, die sich auch in den Käsesorten widerspiegelt. Ob Frischkäse oder gut gereifter Alpenkäse, Agethle produziert in seiner modernen Käserei, nachhaltige Qualität die man schmeckt. Gäste sind auf seinen Hofführungen immer willkommen.

Gut zu seinem Käse passt Chutney von der Palabirne. Und damit kommt eine andere Spezialität der Region ins Spiel. Bekannt ist die Palabirne seit Jahrhunderten. Nur im Vinschgau ist sie heimisch. Ihre Bäume werden bis über 20 Meter hoch, aber die Früchte halten sich nur sehr kurze Zeit. Gründe dafür, dass diese Obstsorte über Jahrzehnte fast in Vergessenheit geraten ist. Doch in den letzten Jahren hat sich Walter Tschernett vom Tälerhof in Schluderns ihrer wieder angenommen. An die 200 Jahre alt sind manche der noch erhaltenen Palabirnenbäume. Sie hat er wieder auf Vordermann gebracht. Der Ertrag gibt ihm Recht. Zentnerweise kommen die Früchte, teils mit Hebebühnen geerntet, vom Baum. Fruchtmus, Trockenobst und Mostarda gehören zu den Spezialitäten, die immer mehr Liebhaber finden.

Italien - Vinschgau - Mittelalterliche Laubengassen in Glurns

Mittelalterliche Laubengassen in Glurns

Einen Teil seiner Produkte findet man auch im Tee-Salon von Siegi Platzter und Traude Horvath in Glurns. Die Beiden begeistern nicht nur durch ihr Angebot aus Hand gesammelten Tees mit Kräutern der Region, sondern haben auch ein Stück Altstadtarkade wieder zu neuem Leben erweckt. Ein Tee, ein Wein und eine kleine Mahlzeit oder eine Nascherei - im Tee-Salon trifft man sich gern. Glurns selbst gilt nicht nur als Südtirols kleinste Stadt, sondern auch als urbanes Kleinod des Vinschgau. Wo sonst findet man in so konzentrierter Form original mittelalterliche Laubengängen und manch Gasse, die den Besucher in eben diese Zeit zurück versetzt. Der Bummel durch Glurns ist ein Muss für Vinschgau-Touristen.

Italien - Vinschgau - Hoch über Mals, das Kloster Marienberg

Hoch über Mals, das Kloster Marienberg

Mit einem Superlativ kann auch Mals aufwarten. Das am Berg gelegene Kloster Marienberg ist das höchstgelegen Kloster Europas und seit dem 12. Jahrhundert eine Benediktinerabtei mit bewegter Geschichte. Über viele Jahrhunderte hinweg blieb es das geistiger Zentrum des Vinschgau. Ein vom Vinschgauer Stararchitekt Werner Tscholl gestaltetes Museum gibt interessante Eindrücke in die spannende Historie des Klosters, das bis heute von Benediktinern betrieben wird. Ist man einmal auf der Straße in Richtung Schlinig unterwegs, an ihr liegt das Kloster, sollte man sich vielleicht noch Zeit für einen Ausflug in die Bergwelt auf dieser Seite des Tales nehmen. Nach einigen Kilometern über das malerisch gelegene Gebirgssträßchen erreicht man das kleine Dörfchen Schlinig. Direkt hinter dem Dorf eröffnet sich für alle Freunde der schmalen Langlaufbretter ein wahres Loipenparadies und mit der Schliniger Alm auch der richtiger Platz für eine deftige Brotzeit. Und hier oben auf fast 2.000 m wurden früher auch die Schafe des Klosters gehalten. Das Hotel „Anniglhof“ erinnert zumindest im Namen daran. Das italienische Wort „agnello“ steht für Lamm. Auch wenn dort keine Schafe mehr den Alltag bestimmen, der historische Teil des Hotels erzählt museumsgleich von vergangenen Zeiten und der Koch am Herd lässt keine Wünsche offen.

Italien - Vinschgau - Auch ein Winterwanderweg führt zur Schliniger Alm

Auch ein Winterwanderweg führt zur Schliniger Alm

Informationen

Vinschgau Marketing
Laubengasse 11
I-39020 Glurns
Tel.: 0039/0473/620480
www.vinschgaumarketing.net

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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