Radabenteuer ViaRhôna

Von Lyon zum Mittelmeer

Text und Fotos: Hilke Maunder

Die ViaRhôna ist (fast) fertig: 815 Kilometer lang folgt sie dem Lauf der Rhône von den alpinen Gestaden am Genfer See bis zu den Stränden der Camargue am Mittelmeer. Die neue Radfernroute ist ein Mammutprojekt von drei Regionen – Auvergne Rhône-Alpes, Languedoc und Provence-Alpes-Côte d’Azur. 2016 wurde sie als Eurovelo 17 ins Netz der europäischen Radwanderwege aufgenommen. Bis 2020 soll die gesamte Infrastruktur stehen – mit Picknickplätzen, geprüften radfahrerfreundlichen Unterkünften mit dem Label Accueil vélo, viel Service und perfekter Beschilderung an der ViaRhôna. Ob die Route schon heute attraktiv ist – und gut geradelt werden kann – habe ich mit meiner Freundin Claudine getestet.

Frankreich - Lyon - ViaRhone

Wir starteten in Lyon (1). Nach einer Stadtbesichtigung per Rad jedoch hievten wir die Räder am Bahnhof Lyon-Perrache erst einmal in das Fahrradabteil der Vorortbahn, um dem massiven Verkehr, der die Ausfahrt gen Süden bis Vienne begleitet, zu entkommen. Eine perfekte Lösung – denn Vienne ist schon das erste Highlight unserer Tagesetappe. Wer Lyon – Vienne lieber radeln will, folgt der ViaRhôna via Givors und Saint-Romain-en-Gal nach Vienne.

Vienne (2) war zu Römerzeiten die zweite Hauptstadt Südgalliens. Ihren Namen allerdings soll sie vom Weg zur Hölle, der Via Gehenna, erhalten haben – ein Omen? Einer der Kaiser, die hier regierten – Valentinian II. – hat sich hier 392 das Leben genommen, verzweifelt über die eigene Machtlosigkeit. „Was für eine Legende“, denke ich, als ich im antiken Theater stehe, das sich seit 40 n. Chr. an den Pipet-Hügel schmiegt. Bis heute ist es Bühne der Kultur – beim alljährliche Festival Jazz à Vienne im Juli. Wir werfen noch einen Blick auf den Augustus-und-Livia-Tempel, der im sechsten Jahrhundert in eine Kirche umgewandelt wurde, und radeln dann über eine eindrucksvolle Hängebrücke, die heute Radfahrern und Fußgängern vorbehalten ist.

Vorbei am Schloss von Ampuis erreichen wir das Naturschutzgebiet Île du Beurre. Ein Naturkundehaus stellt Flora und Fauna des Auenwaldes an der ViaRhôna vor. Das ganze Jahr hindurch könnt ihr dort an naturkundlichen Ausflügen teilnehmen, Pilze sammeln, Fährten lesen oder die Vögel kennenlernen, die an die Futterhäuschen kommen.

Frankreich - Condrieu - Brücke über die Rhone

Brücke über die Rhône bei Condrieu

Condrieu! (3) Von dessen Weingärten hatte schon Plinius geschwärmt ….Im Hôtel de Bellevue von Les-Roches-de Condrieu genießen wir mit Blick auf den Fluss ein opulentes Mittagsmahl. Und vor dem Dessert noch einen kleinen Weißen, der genauso als AOP geschützt ist wie die Weine ringsum: der Rigote AOP de Condrieu – ein herrlich cremiger Weichkäse aus der Ziegen-Rohmilch … und perfekter Begleiter zu den Grand Crus aus Condrieu! Nach dem Déjeuner hätten wir uns am liebsten in eines der gemütlichen Betten gelegt, die sich in kuscheligen Kammern mit Rhôneblick verbergen. Viognier zum Mittag… ein Konditionskiller, aber köstlich!

Geradezu fasziniert bin ich von den Wasserkraftwerken, die immer wieder den Lauf der Rhône säumen. In Saint-Pierre-de-Boeuf (4) umhüllt uns feinster Wassernebel, als wir in die Tiefe auf die tosenden Wassermassen schauen. 850 000 000 Kilowattstunden elektrischer Leistung liefert allein dieses Wasserkraftwerk der Compagnie Nationale du Rhône, die mit Wasser- und Windkraft im Rhônetal grüne Energie produziert – und auch sämtliche Schleusen betreibt. Die Rhône eignet sich wie kein zweiter Fluss für die Energiegewinnung aus Wasserkraft: Kein anderer französischer Fluss hat eine so hohe Fließgeschwindigkeit. Und so hohes Wasservolumen. Mit einem Anteil von 25 Prozent im Wasserenergie-Mix ist die Rhône wahrhaftig ein Strom unter Strom. Gleich hinter dem Kraftwerk: Getreidesilos, Liegeplätze und ein kleines Terminal für den Warenumschlag auf Binnenschiffe.

Frankreich - ViaRhone - Radweg bei Sablons

Radweg bei Sablons

Zwischen Limony und Sablons taucht die ViaRhône ein in einen grünen Dschungel. Efeu hat die Bäume erobert, im Unterholz blubbert und gluckert es. Libellen fliegen dicht an unseren Nasen vorbei, Reiher staken durch Morast, Enten schnattern. Huschte da nicht eben eine Eidechse vor uns über den Weg? Mitten durch die Flussinsel mäandriert der Oves. "Hier sind nachts die Biber aktiv", verrät eine Infotafel, zu deren Füßen Orchideen blühen. Vier Wanderwege führen tiefer hinein in die amphibische Urnatur, die seit dem Jahr 2000 als Natura 2000-Gebiet geschützt ist.

Erst spät erreichen wir Andancette (5), wo Frankreichs älteste Hängebrücke seit 1827 hinüber zum kaum merklich größeren Andance führt. Die Sonne funkelt auf den Fluten. Vor uns: ein großer Garten mit Oleander und Olivenbäumen, der an der Flutmauer des Flusses endet. "Noch ist der Pool warm, springt gleich rein!", begrüßen uns Brigitte und Bruno, die in ihrer Villa Rhôna einige Gästezimmer und eine Ferienwohnung eingerichtet haben – mit nostalgischem Charme und High-tech von heute.Dann parken sie unsere Räder in ihrer Garage, stellen ein paar frisch gepflückten Tomaten, Oliven und Gläser auf den Gartentisch und entkorken den Wein. "Bienvenue!"

Abendrot macht gutes Wetter? Am zweiten Radel-Tag auf der ViaRhôna werden wir des Besseren belehrt. Es regnet. Oder besser: Noch nieselt es. Platanen und Akazien säumen hinter Andancette den asphaltierten Radweg. Dort schützt uns ihr Blätterdach…. Doch: Sind wir hier überhaupt richtig? Statt der vertrauten ViaRhôna-Schilder sehe ich nur Vélo-en-Drôme-Hinweise. Das Handy hat kein Netz, die Karte nicht die Infos, die wir suchen. Was nun? Umdrehen und zurück.

Frankreich - ViaRhone - Tournon - Radweg bei Bourg-les-Valence

Radweg bei Bourg-les-Valence bei Tournon-sur-Rhône

Beschwingt radeln wir über die Pont Marc Seguin nach Andance. Und entdecken ein Schild, das uns den Zubringer zur ViaRhôna anzeigt. Frohen Mutes strampeln wir los. Dass es jetzt von oben richtig pladdert, stört uns im Ort nur recht wenig. Doch… müsste da nicht langsam ein zweites Schild den Weg zum Radweg am Fluss zeigen? Fehlanzeige… Die letzten Häuser verschwinden im Dunst, nur schemenhaft erkennen wir im Regen die Rebhänge. Auf der Landstraße zeigen jetzt Autos und Laster, was sie drauf haben, überholen uns waghalsig und drängen uns auf die Bankette. Jedes Fahrzeug, dass uns überholt, duscht uns aufs Neue. Patsch, von unten. Und noch mal eine Schleuder dreckiges Nass von der Seite. Auch der Himmel hat alle Schleusen geöffnet. Auf meiner Brille läuft Wasserkino. Patschnass flüchten wir schließlich über die Rhônebrücke von Sarras ans richtige linke Rhôneufer und strampeln weiter nach Tournon-sur-Rhône, unserer nächsten Station an der ViaRhôna.

Die Liebestote von Tournon

Im Burgschloss von Tournon-sur-Rhône (6) treffen wir auf die Konservatorin Aurélie Laruelle, die uns durch die Burgräume des Château-Musée führt, das neben einer Ausstellung zur Binnenschifffahrt die Rhône-Brücken von Marc Seguin und Arbeiten lokaler Künstler vorstellt. Ein Zimmer ist der berühmtesten Dame des Ortes vorbehalten: Hélène de Tournon (1559-1577). Sie grämte sich ob ihrer verschmähten Liebe so sehr, dass sie – gerade mal 18 Jahre jung – verstarb. Und von Shakespeare als Ophelia in „Hamlet“ unsterblich verewigt wurde…

„Jetzt zeige ich euch unsere Schmuckstücke“, unterbricht Aurélie unsere Gedanken, und steigt mit uns die Steinstufen empor. Oben angekommen, hat der Regen eine Pause eingelegt. Von der oberen der beiden Terrassen blicken wir über die Stadt und die Rhône auf eine riesige Plane, die zwischen die Reben am Hang gespannt wurde: Hermitage M. Chapoutier lese ich.

Acht Millionen Flaschen Wein produziert das 1808 gegründete Familienunternehmen pro Jahr – heute ganz biodynamisch. „Früher waren seine Weine besser“, sagt Xavier Gomart und zeigt uns seinen Keller: La Cave de Tain. In hochmodernen Stahltanks und alten Barrique-Fässern werden aus dem Rebensaft seiner mehr als 1000 ha großen Weingärten in den Appelationen Hermitage, Crozes-Hermitage, Saint-Joseph, Cornas und Saint-Péray fünf große Crus vinifiziert. La Cave de Tain ist damit der Platzhirsch unter den Weingütern im Norden des Rhônetals.
2015 wurde der Keller umfangreich vergrößert – und ein vier Kilometer langer Weinlehrpfad angelegt: Sur les Pas de Gambert – elf Etappen, auf denen ihr mehr über die Geologie des Hermitage-Hügels, seine Terroirs, seine Reben und den Weinbau auf Terrassen erfahrt. Jeden Sommer bereichert eine Land-Art-Ausstellung mit Freiluftkunst den Weinpfad, der zugleich auch immer wieder neue Aussichten auf den Lauf der Rhône eröffnet.

Wie gut Wein und Schokolade zusammen passen, verrät die Cité du Chocolat. Die Erlebniswelt rund um den zarten Schmelz, die ihr „Erfinder“ Franck Vidal 2013 eröffnete und heute leitet, hebt sich erfreulich von ähnlichen Merchandising-Spin-Offs anderer Unternehmen ab: Im Vordergrund steht nicht die gut verpackte Werbung für Valrhona, sondern die Entdeckung der Rohstoffe. Wir testen unsere Sinne an Aromastationen, erfahren viel über die Verarbeitung, kosten, hören, riechen – und erhalten, ganz nebenbei, viele praktische Tipps zum Kochen und Backen mit Schokolade.. Und wer Lust hat, kann in Schoko-Ateliers seine eigene Tafel Schokolade gestalten. Lecker!

Frankreich - Tournon-sur-Rhone - Boat & Bike mit der Compagnie des Canotiers

Boat & Bike mit der Compagnie des Canotiers

„Als die Marquise von Sévigné (1626 – 1696) auf einer ihrer vielen Fahrten in den Süden wieder einmal die Rhône hinab reiste, um ihre Tochter in Grignan zu besuchen, lief ihr Boot bei Gervans auf den Table de Roy auf, einem kleinen Felsen mitten im Fluss. Der Fährmann rettete die berühmte Briefeschreiberin...“ Am nächsten Morgen lese ich diese Anekdote im Reiseführer. Draußen jagen sich wieder die Wolken am Himmel, lassen sichtbar die Muskeln zucken – oder machen sich dünn, geradezu schmal, wenn der Wind durch sie jagt. Unser heutiges Programm: Boat & Bike mit der Compagnie des Canotiers… Unser Gefährt: die einzige „sapine“, die heute noch die Rhône befährt, aus Lärchenholz nach Vorbild der traditionsreichen Flussschiffe in Österreich nachgebaut. Früher wurde die Sapine getreidelt – von Aigues-Mortes bis Mâcon wurde sie, schwer beladen mit Salz aus der Camargue – von Land aus den Fluss hinaufgezogen. Heute sorgen Solarpanele auf dem Dach für sauberen Antrieb.

Leise gleiten wir über den Fluss. Alle Geräusche von Land sind verschwunden. Ein Kormoran flüchtet ins Ufergehölz, als er uns kommen sieht. Dann taucht ein Binnenschiff hinter uns auf, sprintet vorbei, ist verschwunden im morgendlichen Dunst, der Himmel und Erde, Wasser und Land verschwimmen lässt.

Frankreich - ViaRhone - typische Infotafel

Typische Infotafel an der ViaRhôna

Als wir uns La Roche-de-Glun nähern, sind die Gewitterwolken einem Himmelszelt im Einheitsgrau gewichen. Parallel zur legendären Route Nationale 7 und zur Autobahn, von denen wir beides nichts bemerken, strampeln wir am linken Ufer der Rhône hin zu einem Ort, der genau auf dem 45. Breitengrad liegt, und damit genau auf der Mitte von Nordpol und Äquator.

Und genau hier hätte für mich an diesem Tag der Reise schon enden können: in Pont de l’Isère, der Heimat von Michel Chabran. Der Zweisternekoch hat bodenständige Klassiker aufs Köstlichste modern wiederbelebt – Ravioles aus der Drôme, je nach Saison mit jungem Spinat oder Trüffelsplittern gefüllt, Millefeuille mit Gemüse der Provence oder zartes Zicklein mit Estragongelee. Während mir in Gedanken das Wasser im Munde zusammen läuft, strampelt Claudia schnurstracks weiter, überquert die Isère, und bemerkt nichts von meinen kulinarischen Tagträumereien. Und ich, die ich kaum die Landschaft beim Träumen wahrgenommen habe, stehe jetzt mitten in einer Blüten- und Blätterpracht. Knallig leuchten Hagebutten zwischen lila Sommerflieder; weiß heben sich Blütenstände vor Blättern in Gelb, Gold und Rot ab. In einem Seitenarm der Rhône wiegt sich das Seegras, Flechten und Moose haben Borke und Fels erobert.

Frankreich - Valence - römische Mosaiken im Museum

Römische Mosaiken im Museum in Valence

In Bourg-lès-Valence sehen wir den ersten Vorposten der nahen Großstadt: ein weiteres imposantes Wasserkraftwerk der Compagne Nationale du Rhône. Der Verkehr bleibt uns zunächst fern; wir radeln auf einem ruhigen Radweg direkt am Rhôneufer weiter gen Süden. Einige Kilometer später werden Radweg und Autostraße zwar parallel geführt, aber deutlich voneinander getrennt. Valence (7). Wir tauchen ein ins Stadtgewühl der alten Hauptstadt der Drôme, bestaunen römische Mosaiken und vernaschen Schweizer – „suisses“, knusprige Mürbteigmännchen von der Patisserie Nivon.

Frankreich - Valence - in der Patisserie Nivon

Christel Valli mit Pogne in der Patisserie Nivon

Am nächsten Morgen verschwimmen die 420 Liegeplätze des Sportboothafen von Épervière im Dunst. Der Hafen im Süden von Valence ist damit nach eigenen Worten die größte Marina am Fluss. Doch der Wind, der uns beim Radeln über die Pont de Mauboule anschiebt, lässt Hoffnung keimen. Kündigt sich etwa der Mistral an? Der die Wolken fortjagt und den Himmel blank putzt?…

Über die Brücke radeln wir von der Drôme nach Ardèche, hin zur Île de Blaud. Wilde Apfelbäume wachsen zwischen Gestrüpp. Schreber aus Valence haben hier ihre Gärten. In einem großen Bus hinter der Brücke leben Kreative. Mit Sprayern aus der Stadt haben sie die Brückenbögen in eine riesige Open-Air-Galerie mit Street Art, Graffiti und humorvoll veränderten Traditions-Murals verwandelt.

In Charmes-sur-Rhône (8) konkurrieren eine Zypresse und ein Steinturm um die Lufthoheit. Ursprünglich thronte das mittelalterliche Feudalschloss der Familie Crussol über dem Ort. Richelieu ließ es 1624 jedoch niederreißen, um Steine für den Bau des Dorfes zu gewinnen.

Zugang gewährt die wehrhafte Porte d’Embroye. Clever: Damit ihre Tore nicht mit einem Rammbock aufgestoßen werden konnten, wurde das Stadttor in einer Kurve gebaut. Von dort führt der Sentier de Troubadour zu allen sehenswerten Winkeln. Hinter einer Holztür in der Rue du Péage 28 arbeitet Anne Grenier. Aus Gips formt die Fünfzigjährige Torsi, die sie mit Muscheln, Schlüsseln, Stoff oder anderen Materialien kunstvoll ausstaffiert.

Frankreich - Charmes-sur-Rhône - Anne Grenier

Anne Grenier in Charmes-sur-Rhône

Als wir ihr Atelier verlassen, reißt für einige Minuten der Himmel auf. Kräftig bläst der Mistral aus Nord. Mal mit Regentropfen versetzt, mal trocken, schiebt er uns weiter gen Süden. Wir sausen vorbei an Beauchastel mit seiner Bourg und seinem Rhone-Kraftwerk, überqueren den Eyrieux, und wechseln in La Voulte-sur-Rhône wieder das Rhône-Ufer.

Frankreich - ViaRhone - Flussinsel Printegarde

Flussinsel Printegarde

Jahrhunderte lang war die Rhône hier ein besonders gefährliches Gewässer, und die Passage war für den Fährmann wie auch die Gäste Abenteuer und Herausforderung zugleich. „Prends-toi garde“ sagte man damals – und gab so der Flussinsel Printegarde den Namen, deren amphibischer Dschungel heute ein 14 km langer Naturpfad für Fußgänger und Radfahrer durchzieht. Haubentaucher und Stockenten leben in dieser mystischen Welt in Grün. Im glasklaren Wasser wiegt sich Flussgras in der Strömung, eine Schwanenparade gleitet vorbei, dann eine einsame Feder. Was für ein Schauspiel der Natur! Stundenlang könnte ich am Ufer hocken und diesem friedlichen Lauf der Welt zuschauen. Inmitten dieser Urnatur entdecken wir nach einer versteckten Kurve zwei Schleusentore weitab vom heutigen Strom. Wie hoch die Pegelstände in den letzten Jahrhunderten waren, und welche Wassermengen flussabwärts geströmt sind, verrät ein Flutmarker. Mehr als zwei Meter hoch erreichen die Markierungen…

Frankreich - ViaRhone - alte Schleuse im Reserve Naturelle Printegarde

Alte Schleuse im Reserve Naturelle Printegarde

Wir überqueren die Drôme, und radeln am linken Ufer, begleitet von Maisfeldern, bis zur Brücke, die uns zurück ans rechte Ufer nach Le Pouzin (9) bringt. Accueil Vélo, verrät das Schild an der Fassade des Maison Jeanne, das Christine und Dominique als Unterkunft für Radwanderer und andere Reisende umgewandelt haben – im Erdgeschoss mit einem geräumigen Chambre d’Hôte, im ersten Stock mit einer Ferienwohnung für Familien oder kleine Gruppen. Im Hof schnattert des Federvieh, zwischen Büschen und Blüten lugt eine Holzbank mit Schwanenköpfen hervor. Angekommen. Und gleich wird beim Table d’hôte gemeinsam gegessen. „Alles, was auf den Tisch kommt, stammt aus unserem Garten, von unseren Tieren, oder aus der Ardèche“, erzählen unsere Gastgeber. Und servieren zum Auftakt eine „Ardoise Ardèche“, ein Schieferbrett mit köstlicher Charcuterie, Schinken und Käse aus der Region.

Am nächsten Morgen bringt uns Dominique nach Cruas, damit wir nicht ein kurzes Stücke auf der D86 radeln müssen, da ein kleines Teilstück der ViaRhôna hier noch fehlt. Kurz vor Cruas bringt uns eine Stichstraße wieder auf den Radweg. Baix, Cruas, Meysse, Rochemaure: Wie Schwalbennester hängen die mittelalterlichen Orte am Fels, hocken auf einem Kamm des Coiron oder thronen auf Vulkankegeln über der Ebene der Rhône. Vom Donjon des Château d’Adhemar, das ein Zweig der Grafenfamilie in Rochemaure auf einem Basaltfelsen errichtete, schweift der Blick von den Kühltürmen von Cruas-Meysse im Norden und der Staumauer von Rochemaure über die Ebene von Montélimar im Osten bis zum Défilé von Donzère im Süden.

Frankreich - ViaRhone - Hängebrücke in Rochemaure

Hängebrücke in Rochemaure

In Rochemaure begegnen wir wieder Marc Seguin (1786 – 1875). Mehr als 20 Brücken schuf der Erfinder der Tragseilbrücke allein entlang der Rhône. Für Rochemaure entwarf der Ingenieur im Stil der Neoromantik eine Hängebrücke, die asiatische und afrikanische Lianenbrücken imitierte und sich zugleich mit ihren 13 bzw. 14 m hohen Türmen im Stil einer Burg dem mittelalterlichen Ortsbild von Rochemaure anpasste. Heute ist sie Radfahrern und Fußgängern vorbehalten: Passarelle Himalayenne nennt sich jetzt die 339 m lange Prachtstrecke über die Rhône mit Kippel-Kick. Besonders, wenn der Mistral wie jetzt durch das Rhône-Tal fegt und den Himmel blank putzt. Gen Norden blicken wir noch auf schwarze Wolken, im Süden aber erwartet uns die Sonne!

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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