Martinique

 

An der Baie de Robert

Martinique - Baie de Robert

Baie de Robert

Auch bei der Tour durch die Mangroven gehört der Punch dazu. Diesmal jedoch als „Planteur“, als Rum-Mix mit Fruchtsaft, und erst am Ende der Runde durch die Baie de Robert. Zehn Mini-Inseln und ein untermeerisches Riff riegeln die karibikblaue Bucht vom Atlantik ab. „Bereits in den 1970er-Jahren regte Jacques Cousteau an, hier Aquakulturen anzulegen“, erzählt Xavier Suivant, der vom Vater das Metier übernahm, und steuert mit seinem Kabinenkreuzer eine kleine Holzhütte an, neben der Plastikpontons mit Netzen die vier Becken der Familien-Fischzucht Aqua XS bilden. Hunderte rote Trommler tummeln sich darin.

Martinique - Baie de Robert Aquakultur

Xavier Suivant bei seinen Aquakulturen

Als „Loup des Caraïbes“ landet der barschartige Speisefisch in den kreolischen Koch-Ateliers von Claire-Marie Dubois (42) auf dem Holzbrett. Mit schnellen Scherenschnitten entfernt sie die Flossen, schneidet Rückenmark und Innereien heraus und füllt das feste, saftige Fleisch mit einem Mix aus rohem Thunfisch, mildem Chili (Piment végétarien), Frühlingszwiebeln und Petersilie. Erst jetzt sind die Hobbyköche dran. „Raspelt die Brotfrucht!“ Ratlos wandern die Blicke umher. Die Kreolin, die sich bei der renommierten Pariser Kochschule Ferrandi zur Meisterköchin ausbilden ließ, lacht, greift in den Gemüsekorb und holt eine grüne, fußballgroße Kugel voller Noppen hervor. „Voilà. Das einzige Gemüse, das auf großen Bäumen wächst! Einfach grob reiben, Maniok-Mehl, Ei und Salz untermengen, und dann den Fisch zentimeterdick ummanteln!“ Während er im Ofen gart, brutzelt sie als Amuse-bouche knusprige Accras aus der Pfanne, kleine Bällchen mit Fisch oder Gemüse, und schenkt eisgekühlten Guajilote-Saft ins Glas. „Wollt ihr ihn pur – oder lieber mit Rum?“

Martinique - Accras

Accras

Eine Frage, die in den Beach Bars niemand stellt. Strand und Rum gehören auf Martinique immer zusammen. Und Strände gibt es viele. Wenige am Atlantik, viele am karibischen Meer. In Saint-Pierre ist der Sand schwarz. Schwarz wie der Tod. Vor gut 200 Jahren hat die sieben Kilometer weit entfernte Montagne Pélée 30.000 Menschen ermordet. Und auch heute schläft der 1.397 m hohe Vulkan nur. Tödlich war nicht seine Lava, sondern seine Glutwolke. 250° Celsius heiß und 800 km/h schnell, bewegte sie sich auf die ehemalige Hauptstadt zu. Nur zwei Menschen überlebten den Gasangriff vom 8. Mai 1802. Das einstige Paris der Karibik erholte sich nie wieder von diesem Unglück. Langsam erobert das Grün die Ruinen des einst glanzvollen Theaters, Oleander umhüllt die Kanonen. Still sind die Gassen.

 

In der Hauptstadt Fort-de-France

Martinique - Bibliothek Schoelcher

Bibliothek Schoelcher

Neue Hauptstadt wurde Fort-de-France, mit fast 85.000 Einwohnern heute eine der größten Städte der Karibik. Drehkreuze schützen an den Straßenübergängen vor dem Verkehr. 300.000 Fahrzeuge bewegen die nicht einmal 400.000 Insulaner, und das vor allem in der Tropen-Kapitale. Zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr sollen die BHNS (Bus à Haut Niveau de Service) animieren, die in Fort-de-France auf separaten Busspuren getestet werden. Seitdem kracht es häufiger als sonst in Fort-de-France. Allein im Juni kollidierten 491 Fahrzeuge mit dem Bus, und 27 Fahrer verirrten sich auf der Busspur. Im Croisée Manioc-Kreisel blieb der Doppelgelenkbus stecken, und auch vor der Bibliothek Schoelcher, einem neobyzantischen Bücherpalast, kostenlos für alle Einwohner, ist die Testspur zu schmal für das Hightechgefährt. Zwischen Betonklötzen, Kolonialvillen und bunt verputzten Häusern mit Erkern, Balkonen und Veranden staut sich die Hitze.

Martinique - Farbige Fenster in der Kathedrale

Buntglasfenster der Kathedrale

Kühl ist es nur in Kathedrale, deren Metallskelette wie die Bibliothek nach Plänen von Pierre-Henri Picq bei Moisant-Laurent-Savey in Montrouge vorgefertigt und nach Martinique verschifft wurden – französischer Fertigbau für die Karibik, feuerfest und erdbebensicher, hoch, weit und luftig. Durch quer gestellte Buntglasfenster, die Heilige und Inselbewohner im Karibiklook schmücken, dringt das Lachen von Schülern, die im Schatten der Kirche die Mittagspause am Handy verbringen, den Fruchtsaft zwischen die Beine geklemmt, kleine Kuchen in der Hand.

Martinique - Baumwollhauben im kunterbunten Madras-Karo

Baumwollhauben im kunterbunten Madras-Karo

„Robinsonade“, „Amour Fou“ (wilde Liebe) und „Jalousie“ (Eifersucht) heißen die süßen Teilchen, die die mobile Patisserie vor dem Grand Marché verkauft. Im dämmrigen Innern der zentralen Markthalle sind die gesamten Gerüche und Genüsse Martiniques vereint: dicke Vanilleschoten, große Zimtrinden, Kokos, Kreuzkümmel, Kardamon, Kurkuma und andere tropische Gewürze, die als „Colombo“-Mix zu jedem Hähnchen-Curry gehören: Die Tropen auf der Zunge, vor Ort im Obergeschoss zu kosten. Weiter hinten im Markt stapeln sich Baumwollhauben im kunterbunten Madras-Karo. Diese Zipfel der „coiffes martiniquaises“ verraten viel, erzählt die Verkäuferin. „Eine Spitze bedeutet: Ich bin ledig. Zwei Spitzen signalisieren, ich bin verlobt. Drei verraten, ich bin verheiratet, vier, dass ich Witwe bin. Oder offen für Abenteuer...“ Ich zeige ihr ein Foto, dass ich wenige Stände zuvor von einem kleinen Fläschchen gemacht habe. „Redresseur de zizi“, „Culotte déchiré“, Pète Soutif“ steht schwarz auf den Etikett. Drinnen steckt das Aphrodisiakum der Antillen: bois bandé. „Unser Viagra“, lacht sie. Doch dann stutzt sie, nimmt schnell die Haube vom Haupt. Schnellen Schrittes nähert sich ihr Gatte dem Marktstand. Zeit fürs „déj“, das Mittagsmahl. Und die lange Siesta danach. Auch mir empfiehlt er das Restaurant „Le Joséphine“. Als ein Grüner Leguan unseren Weg kreuzt, sagt er schmunzelnd: „Der wandert gleich in die Suppe“. Die Echse flüchtet um die nächste Ecke.

Martinique - Grand Marché

Grand Marché

 

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