Saale-Unstrut

Land zwischen Stein und Wein

Text und Fotos: Dagmar Krappe

 

Saale-Unstrut - die Neuenburg bei Freyburg

Die Neuenburg bei Freyburg

Entlang Saale und Unstrut erstreckt sich Deutschlands nördlichstes Qualitätsweinanbaugebiet. Schlösser, Burgen, Dome und Klöster aus dem Hochmittelalter säumen die „Straße der Romanik“.

Saale-Unstrut - Spätburgunder

Spätburgunder

„Unstrut-Essig“ wurde er einst genannt, der Wein aus Deutschlands nördlichstem Qualitätsweinanbaugebiet entlang des 51. Breitengrads. Zu Unrecht, denn an den Hängen von Saale und Unstrut scheint die Sonne immerhin rund 1.600 Stunden im Jahr. Sachsen-Anhalt gehört zu den niederschlagsärmsten Bundesländern. Gute Voraussetzungen, dachten sich Volker und Sandra Frölich. Vor fast 25 Jahren gründeten die ehemalige Deutsche Weinkönigin und der gelernte Landwirt ihr Weingut in Roßbach vor den Toren der Domstadt Naumburg. „In Bad Kreuznach an der Nahe habe ich mich zum Weinbautechniker ausbilden lassen und mir viel Wissen über Rebensaft in Rheinhessen und im Rheingau angeeignet“, erzählt Volker Frölich: „Meine Frau war damals in Mainz beim Deutschen Weininstitut tätig.“ Sie kehrten in die Heimat zurück und bewirtschaften heute einen von zirka 35 Haupterwerbswinzerbetrieben, die es in der Region gibt. Auf zehn Hektar Fläche bauen sie auf Muschelkalk- und Buntsandsteinböden überwiegend Weißweine an: „Unsere Hauptrebsorten sind Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder, Silvaner und Riesling. Bei Rotweintrauben setzen wir auf Spätburgunder und Dornfelder.“

Saale-Unstrut - Memleben, Ruinen der Klosterkirche St. Marien aus dem 13. Jahrhundert

Memleben, Ruinen der Klosterkirche St. Marien

Das Saale-Unstrut-Gebiet ist durch bestens ausgeschilderte Rad- und Wanderwege vernetzt. Die Entwicklung des Weinbaus reicht bis ins Hochmittelalter zurück. Eine Zeit, in der entlang der beiden Flüsse viele Burgen, Schlösser, Klöster, Dome und Kirchen im romanischen Stil entstanden. Die „Straße der Romanik“ verbindet über 80 dieser Bauwerke. Am „Unstrut-Radweg“ stehen die Ruinen des Benediktiner-Klosters Memleben. „Dieser Ort ist eng mit der Herrschaft der Ottonen, einem sächsischen Adelsgeschlecht, verbunden“, erklärt Kunsthistorikerin Andrea Knopik: „Die Luidolfinger oder Ottonen herrschten 200 Jahre lang vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. Mehrfach hielten sich König Heinrich I. und sein Sohn, Kaiser Otto der Große, in der einstigen Kaiserpfalz Memleben auf.“ Als letzterer dort verstirbt, stiftet sein Sohn Otto II. ihm zu Ehren ein Benediktinerkloster. „Nach der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts wurde es aufgelöst und als Getreidespeicher genutzt“, informiert Knopik: „Langsam verfiel es und wurde schließlich als Steinbruch freigegeben. Dass noch Reste einer Monumentalkirche aus dem 10. Jahrhundert und hinter dem Klostergarten die Ruine der fast 800 Jahre alten Marienkirche mit spätromanischer Krypta erhalten sind, ist dem Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel zu verdanken.“ Er setzte sich bereits 1833 für die „Denkmalpflege“ in der damaligen preußischen Provinz Sachsen ein.

Saale-Unstrut - die Neuenburg bei dem Winzerstädtchen Freyburg

Auf der Neuenburg

Hoch über der Unstrut und dem Winzerstädtchen Freyburg thront die gewaltige Neuenburg mit dem Bergfried „Dicker Wilhelm“. Der Thüringer Graf Ludwig der Springer ließ sie einige Jahre nach der Eisenacher Wartburg errichten. Immerhin auch schon mehr als 160 Jahre alt ist die Geschichte der Sektkellerei Rotkäppchen. Während einer Führung durch die alten Gemäuer zeigt Ilona Kaiser den Rüttelkeller, den Lichthof, eine Jugendstilindustriehalle, die für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, und das große Cuvéeholzfass: „Es wurde aus 25 Eichenstämmen gebaut und hat ein Fassungsvermögen von 160.000 Flaschen.“

Saale-Unstrut - Sektkellerei Rotkäppchen

Schild der Sektkellerei Rotkäppchen

Ursprünglich vertrieben die Firmengründer Kloss & Foerster ihren Sekt unter dem Markennamen Monopol. Das gefiel Ende des 19. Jahrhunderts dem französischen Champagnerhaus Heidsieck & Co. Monopole gar nicht. Es gewann den Rechtsstreit. Kloss & Foerster nannten ihr Hauptprodukt zukünftig Rotkäppchen – aufgrund des roten Flaschenverschlusses. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sektkellerei ein volkseigener Betrieb“, berichtet Kaiser. Nach der Wende brach der Absatz ein. Den meisten Ostdeutschen stand nun der Sinn nach trendigen Westprodukten. Auch in den alten Bundesländern mit der Traditionsmarke Fuß zu fassen, erwies sich als schwierig. Zwölf Jahre später kam für die Firma die „Wende“ noch einmal: Längst gehören bekannte Schaumweinproduzenten an Rhein und Main zum Freyburger Unternehmen, das inzwischen führend auf dem deutschen Sektmarkt ist.

Saale-Unstrut - Weinberghäuschen am Schweigenberg bei Freyburg

Weinberghäuschen am Schweigenberg

Bunt gestrichene Weinberghäuschen klammern sich an die mit Trockenmauern terrassierten Steilhänge des Schweigenbergs. In ihnen bewahrten die Winzer früher ihr Handwerkszeug auf, und sie dienten als Schutzhütten für Arbeiter und Weinbergschützen, die Vögel aus den Rebstöcken verjagten. Im Naumburger Blütengrund mündet die Unstrut in die Saale, an der sich der „Saale-Radweg“ entlangschlängelt. Die frühere Trennung zwischen Domfreiheit und Bürgerstadt mit Marktplatz, Rathaus, Handelshäusern und der St. Wenzelkirche ist noch deutlich im Naumburger Stadtgrundriss zu erkennen. Eine über 125 Jahre alte Institution ist die Straßenbahn.

Saale-Unstrut - Naumburger Straßenbahn Baujahr 1973

Naumburger Straßenbahn, Triebwagen Baujahr 1973

„Zu DDR-Zeiten ein wichtiges Transportmittel für die Bevölkerung, landeten die Waggons 1991 auf dem Abstellgleis“, sagt Geschäftsführer Andreas Plehn. Schnell gründete sich eine Initiativgruppe „Rettet die Ringbahn“, heute die „Nahverkehrsfreunde Naumburg – Jena e.V.“ Inzwischen sind drei der einstigen fünfeinhalb Kilometer langen Trasse wieder befahrbar. Die „Wilde Zicke“ ist als Linie Nummer 4 täglich neben den Stadtbussen auf der Schiene. „Wir fahren ausschließlich mit in der ehemaligen DDR produzierten Fahrzeugen, die in unterschiedlichen Städten im Einsatz waren“, so Plehn. Der nächstgelegene Haltepunkt, um zum Dom St. Peter und Paul, der seit Juli 2018 auf der UNESCO Weltkulturerbeliste steht, zu gelangen, ist der Jägerplatz.

Saale-Unstrut - Naumburg - Dom St. Peter und Paul

Dom St. Peter und Paul

Das größtenteils vor 1250 errichtete Gotteshaus hat mit einem romanischen Kruzifix, zwei erhaltenen Lettnern, dem Domschatz und der Elisabethkapelle einiges mehr zu bieten als Uta, die schönste Frau des Mittelalters. „Doch die zwölf Stifterfiguren im Westchor sind einfach unser Besuchermagnet“, meint Holger Kunde, Direktor der Vereinigten Domstifter. “Naumburger Meister“ wird der unbekannte Künstler genannt, der das Figurenensemble schuf und so viel Leben in die steinernen Skulpturen meißelte. Sicher ist, dass er aus Frankreich stammt oder sich dort durch die Kathedralbaukunst inspirieren ließ. Alle zwölf Plastiken - wie Markgraf Ekkehard II. mit seiner etwas unnahbar wirkenden Gemahlin Uta von Ballenstedt oder Markgraf Hermann von Meißen und seine fröhliche Frau Reglindis - sind bis auf die Schilde aus denselben Sandsteinblöcken gefertigt. „Der italienische Schriftsteller Umberto Eco antwortete auf die Frage, welche Frau aus der Geschichte er gerne einmal treffen würde, mit Uta von Naumburg“, erzählt Holger Kunde stolz. Bei einem edlen Tropfen Saale-Unstrut-Wein hätte die schöne Uta ganz sicher nichts dagegen einzuwenden gehabt.

Saale-Unstrut - Naumburger Dom - Markgraf Ekkehard II. mit seiner etwas unnahbar wirkenden Gemahlin Uta von Ballenstedt

Markgraf Ekkehard II. mit seiner Gemahlin Uta von Ballenstedt

 

Informationen

Informationen

Die Reise wurde von Saale-Unstrut-Tourismus e.V. (www.saale-unstrut-tourismus.de) unterstützt.

Lage

Das nördlichste deutsche Qualitätsweinanbaugebiet Saale-Unstrut umfasst knapp 770 Hektar Rebfläche. Sie befinden sich größtenteils in Sachsen-Anhalt, erstrecken sich aber auch nach Brandenburg und Thüringen.

Unterkunft

Hotel „Zur Alten Schmiede“
Lindenring 36
06618 Naumburg
Tel. 03445 261080
www.ck-domstadt-hotels.de
Ruhig gelegenes Vier-Sterne-Hotel im Naumburger Stadtzentrum zwischen Dom und Marktplatz. Fünf Gehminuten bis zur Straßenbahnhaltestelle „Poststraße“. Bis 1963 ließ der Schmied hier noch den Hammer auf den Amboss knallen. Dieser, der Schmiedeofen und andere Gerätschaften schmücken heute das Restaurant. Das Hotel besteht aus mehreren Gebäuden, auf die sich 60 Zimmer verteilen.

Hotel „Zum Edelacker“
Schloss 25
06632 Freyburg/Unstrut
Tel. 034464 350
www.edelacker.de
Vier-Sterne-Hotel mit 85 Zimmern über den Weinbergen des Winzerstädtchens Freyburg. Kurzer Fußweg zum Schloss Neuenburg. Aussichtsterrasse mit Blick auf Freyburg und ins Unstrut-Tal.

Nützliche Adressen

Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt: www.strassederromanik.de

Weinstraße Saale-Unstrut: www.weinbauverband-saale-unstrut.de

Saale-Radweg (403 km): www.saaleradweg.de

Unstrut-Radweg (186 km): www.unstrutradweg.de

Ausflugstipps

Naumburger Straßenbahn (Länge ca. 3 km), einer der kleinsten Straßenbahnbetriebe Europas, im Linienverkehr mit historischen Fahrzeugen aus DDR-Zeiten im Einsatz, Depotbesichtigung möglich: www.naumburger-strassenbahn.de, Tel. 03445 703002

Naumburger Dom, täglich öffentliche Domführungen: www.naumburger-dom.de

Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben: www.kloster-memleben.de

Schloss Neuenburg, Freyburg: www.schloss-neuenburg.de

Rotkäppchen Sektkellerei, Freyburg – Kellerführungen: www.rotkaeppchen.de

Allgemeine Informationen

Saale-Unstrut-Tourismus e.V.
Topfmarkt 6
06618 Naumburg
Tel. 03445 233790
E-Mail: info@saale-unstrut-tourismus.de
www.saale-unstrut-tourismus.de

 

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