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Münster

Statdmuseum Münster


Auf Münster fixiert. Fotografien von Berthold Socha 1970–2020
bis 1. August 202

Nunmehr wird das Lebenswerk des Fotografen Berthold Socha erstmals der Öffentlichkeit im Stadtmuseum Münster präsentiert. Am 25. September 2019 vereinbarten Oberbürgermeister Markus Lewe und Berthold Socha, dass der gesamte Nachlass des Fotografen als Geschenk dem Stadtmuseum Münster übergeben wird. Zum Anlass dieser großzügigen und wichtigen Schenkung zeigt das Stadtmuseum diese Ausstellung, die einen ausgewählten Überblick über das fotografische Werk von Berthold Socha in den Jahren von 1970 bis 2020 gibt.

aasee


Berthold Socha hat nie eine formale Ausbildung zum Fotografen durchlaufen. Schon als 11-Jähriger begeisterte ihn die Fotografie, und er bekam damals seine erste Kamera geschenkt. Es war und ist die analoge Fotografie, die Socha faszinierte und fasziniert. Fotografiert wurde mit einer Leica M6 und später auch mit einer Leicaflex SL2. Ohne Auftrag begab sich Socha auf seine Streifzüge durch Münster und hielt Szenen, Menschen und Stadtlandschaften in Momentaufnahmen für die Nachwelt im Bild fest. Vorbilder für den Autodidakten Socha sind bekannte Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Mitbegründer der Foto-Agentur Magnum, die aus Münster stammende Fotografin Barbara Klemm und der aus Schlesien stammende, 2018 verstorbene Fotograf Stefan Moses. Anders als bei Socha stehen und standen bei Klemm und Moses vor allem die Porträtfotografien im Fokus des Schaffens. Übrigens, dem von Socha geschossenen Porträt Barbara Klemms können wir in der Schau begegnen.

motorradtreffen


Socha erscheint als Flaneur mit der Kamera, der den richtigen Moment für den Auslöser suchte. Motivisch war er dabei frei, denn er war stets ohne Auftrag unterwegs. Sicherlich war auch der Zufall hilfreich für die eine oder andere Aufnahme wie die der alten, auf ihrem Rollator sitzenden, in schickem Weiß gekleideten Dame, die die glänzende Harley Davidson vor ihr keines Blickes würdigt. Diese Aufnahme gehört wie weitere zur jüngsten Stadtgeschichte Münsters, entstand sie doch während eines Motorradtreffens in der Friedensstadt.

 

Ende Wochenmarkt


Die Fotografien Sochas erzählen Geschichten, so auch die, die auf dem Wochenmarkt auf dem Domplatz entstanden sind. Da wird an einem Stand schon mal Obst gekostet, ehe sich die Käuferin dazu entscheidet, wirklich etwas zu kaufen. Keck schaut eine Marktbesucherin in die Kamera, während sie sich an den gestapelten Holzkisten zu schaffen macht. Interessant ist der Bildausschnitt auch insoweit, als sich links ein Pferd ins Bild bewegt. Fuhr man 1970 noch mit Pferdefuhrwerken auf den Markt? Man muss es annehmen. Am Ende eines Markttages traben zwei Mädchen mit einem Strauß Blumen davon. Haben sie sich an den hinterlassenen, unverkauften Sträußen bedient?


Der Katholikentag 2018 wird in der Ausstellung ebenso thematisiert wie das Leben auf dem Prinzipalmarkt. Da wurde im Mai 1985 die Außengastronomie ebenso genossen wie der Schaufensterbummel in den Arkaden. Der Prinzipalmarkt war auch Schauplatz für den Aufmarsch bewaffneter britischer Soldaten, die im Juli 2013 die Stadt verlassen haben. Licht- und Schattenspiele in den Arkaden des Prinzipalmarktes hielt Socha im Bild ebenso fest. Eigentlich ist dies eine eher banal zu bezeichnende Szenerie, aber eben auch Teil des Alltags in Münster, oder?

flohmarkt


Unter der Überschrift „In der Stadt“ können wir dank Sochas fotografischer Arbeit einem Pflastermaler über die Schulter schauen, werden mit Wahlpropaganda der DKP konfrontiert, die die Salzstraße zur Wahlkampfbühne umfunktionierte, durchstreifen den alten Hafen, der seinem Niedergang entgegensieht, und sehen dem Abbruch des Kaufhauses Karstadt im September 1984 zu. Dass Münster eine Radler freundliche Stadt ist, belegt unter anderem die Spiegelung zahlreicher Drahtesel in der Fassade des LVM-Kristalls. Aufnahmen vom wichtigsten Jahrmarkt Münster, dem Send, fehlen in der sehenswerten Schau nicht. Dass Kunst im öffentlichen Raum auch zum Kindervergnügen werden kann, zeigt die Aufnahme von Heinz Macks Wasserplastik an der Landesbausparkasse. Zu Münster gehört das Sonnenbaden am Aasee ebenso dazu wie die Treffen an den gigantischen „Pool Balls“ von Claes Oldenburg, Teil der legendären Skulptur-Projekte.

Drehpause


Zu den von Socha fotografierten Skulpturen gehören auch das Fürstenberg-Denkmal und das eines Dinos vor dem LWL Museum für Naturkunde. Die Fassadenkunst Otto Pienes entging dem Auge von Socha obendrein nicht. Zu sehen sind aber schließlich auch „Stillleben“ auf dem Flohmarkt und ein Treffen von Möllemann und Genscher sowie das Porträt von Johannes Paul II. anlässlich seines Besuchs im Mai 1987. Zu hoffen ist, dass das Stadtmuseum in der Zukunft weitere Blicke auf den Nachlass Sochas zulässt, um interessante Aspekte der Stadtgeschichte im Bild erleben zu können.

alltag


Wichtige Anmerkung:
Nach einer langen Schließungszeit ist das Stadtmuseum Münster nunmehr mit seiner Dauerausstellung und seinen Sonderausstellungen für Besucher wieder zugänglich. Über die eingeschränkten Öffnungszeiten und die spezifischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sollte man sich vor dem Besuch auf den entsprechenden Seiten des Museums informieren.

© ferdinand dupuis-panther Fotos Copyrights bei B. Socha und Stadt Münster


Information
https://www.stadt-muenster.de/museum/museum
https://www.stadt-muenster.de/museum/aktuelles

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