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Münster

Kunstmuseum Pablo Piacasso

Ein Fest für die Augen - EINE PRIVATSAMMLUNG
bis 28. April 2019

Honoré Daumier: Die menschliche Komödie
bis 28. April 2019

Ein Fest für die Augen

Die Kollektion als „Fenster zur Welt“ setzt Kunstwerke aus den unterschiedlichsten Epochen und Regionen der Weltkunst auf atemberaubende Weise miteinander in einen Dialog: Von europäischen Künstlern der Klassischen Moderne wie Le Corbusier, Georges Braque und Pablo Picasso bis hin zu der Volkskunst Afrikas aus Mali, Kamerun und Gabun, von den majestätischen Skulpturen der Khmer aus dem 12. Jahrhundert bis hin zum Abstrakten Expressionismus aus den USA der 1950er Jahre, vereinigt die Ausstellung ganz im Sinne des Sammlers Exponate, die dessen Leben für und mit der Kunst auf außerordentliche Weise zum Ausdruck bringen.

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Der Reiz der Ausstellung liegt in der Konfrontation zwischen der Kunst der Moderne und außereuropäischer Kunst. Damit eröffnet gleichsam die Ausstellung, die uns mit einer Terrakotta-Figur aus Nigeria und einer knienden Ahnenfigur nach Afrika entführt und zugleich auch nachhaltig den Einfluss der sogenannten Kunst der Primitiven auf die Künstler der Moderne, hier auf Pablo Picasso, unterstreicht. Man betrachte dazu das kantig ausgefallene „Frauenporträt II“ mit herausgestellten hohen Wangen, einer durchgebildeten Stirn-Nasen-Partie und weit geöffneten Augen, eher einem Holzschnitt gleichend, maskenhaft, so wie in den gezeigten Kunstwerken aus Afrika mit ihrem Sinn für das Kovexe und Konkave sowie einer Tendenz zum Schematischen.


Zeitgenössisches trifft im zweiten Ausstellungsraum auf die Avantgarde des 20. Jahrhunderts, Le Corbusier auf Milo Köpp, der in seinen Arbeiten wie „Brücke sich spiegelnd“ Bezüge zur Architektur und deren Formensprache herstellt. Sehr strukturiert wie in einer Architekturzeichnung, einem Aufriss, wirkt Le Corbusiers gezeichnetes Stillleben mit Gläsern und Flaschen. Von Le Corbusier zeigt man auch Figuratives wie zwei Figuren mit linearen Konturen, die von Farbfeldern überlagert werden. Biomorphes präsentiert Tony Cragg mit „Forminifera“, perforierte Gipsskulpturen, die an die Welt des Great Barrier Reef zu erinnern scheinen. Man könnte aber auch an vergrößerte Einzeller denken. Cragg bespielt mit einer mehrteiligen Skulptur noch einen weiteren Raum. Es sind „Kassettengebilde“, teilweise turmähnlich angelegt und den Titel „Eichelhäher“ tragend.

 

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Vorbei geht es an der „Großen Stele“ von Gustav Seitz, ein weiblicher Torso mit riesigen hängenden Brüsten, ehe wir zu Chung Chao Kangs „Remote View of Streams and Hills“ in „silbrigen Grautönen“ gelangen. Es ist ein zehnteiliges Werk, das einem Panoramagemälde gleicht. Es scheint, als habe Grisaille-Malerei für das Werk Pate gestanden. Konfrontiert wird diese Gegenwartskunst mit Georges Braques „Sonnenuntergang (Vogel IV)“ und Christoph Worringers „Der magische Kubus“, letztere Arbeit eher dem Surrealismus zuzuordnen.


Im großen Ausstellungsraum begegnen wir nicht nur Kunst der Khmer aus verschiedenen Epochen, sondern auch den Arbeiten von Mark Tobey. Die Arbeiten Tobeys erscheinen wie ein Gewirr aus Schnipseln und Glyphen, so auch in „Nightlife“. In diesem Gemälde meint man gar tanzende Glühwürmchen hätten sich zu einem Schwarm vereint. Es sind unruhige Bildflächen, die Tobey geschaffen hat.

 

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Das Auge des Betrachters findet keinen Ruhepunkt, sondern irrt umher. Teilweise erinnern einige Arbeiten an die Welt der Dot-Paintings australischer Ureinwohner und stilistisch an Werke der Neoimpressionisten. Man betrachte dazu intensiv „Floating World“! In ihrer Mitte ruhend erscheinen dagegen die Skulpturen von Ganesha und Vishnu, die aufgesockelt dem Betrachter präsentiert werden.


Im letzten Ausstellungsraum fällt der Blick nicht nur auf die Farbflächenmalerei von Gotthard Graubner, sondern auch auf die filigranen Installationen von Gunter Haese, den man gleichsam als Anti-Piene begreifen kann. Es schuf „kinetische Objekte“ zerbrechlich erscheinender Art wie „Rundell“, ein Gebilde, das sich dank Luftzügen bewegt. Für Kinetik bedarf es also nicht unbedingt eines Elektromotors!

 

Hari-Hara

Bildnachweise von oben nach unten

Ahnenfigur Nok Terrecuite, Privatsammlung

Carsten Gliese, Flur, 2009, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Günter Haese, Rundell, 1986, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Hari-Hara Kopf, Prä-Angkor Periode, 7. Jhd., Privatsammlung

Text: © ferdinand dupuis-panther



Honoré Daumier: Die menschliche Komödie

 

Schon früh hat man Daumier das ruh mreiche Prädikat eines „Michelangelo der Karikatur“ verliehen. Über 40 Jahre lang veröffentlichte er seineKarikaturen in den französischen Satirezeitschriften „La Caricature“ und „Le Charivari“. So entstand über Jahrzehnte der fast täglichen zeichnerischen Auseinandersetzung mit dem politischen und kulturellen Geschehen ein fulminantes Gesamtwerk gigantischen Ausmaßes von 231 Gemälden, 826 Handzeichnungen und fast 4.000 Lithografien.


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Erstmals präsentiert das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ausgewählte Grafiken Daumiers, die das Museum im September 2018 vom Münchner Sammler-Ehepaar Brigitte und Wolfgang Kames geschenkt bekommen hat. Hierunter befinden sich Szenen zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen, Blätter aus den beliebten Serien der „Bänker“ und „Juristen“, sowie die Grafikfolge „Antike Geschichte“.


Bildwitz vereint sich bei Daumier mit Sprachwitz, sodass es nahe liegend war, die in Französisch gehaltenen Legenden für die Ausstellung zu übersetzen. Daumier hatte schon früh die Welt der Justiz erlebt, verdingte er sich doch vor seiner künstlerischen Karriere als Laufbursche einer Anwaltskanzlei. Für die Verunglimpfung des Bürgerkönigs Louis Philippe erhielt er eine Haftstrafe von sechs Monaten und eine Geldbuße von 500 Francs. Der französische Potentat fand die Darstellung mit Birnenkopf überhaupt nicht komisch. Und auch die Darstellung als Orden und Auszeichnungen scheißender Monarch auf dem Toilettenstuhl war nicht dazu angetan, den zwischen 1830 und 1848 regierenden Monarchen für sich einzunehmen.

 

vergangenheit


Daumier veröffentlichte aber unbeeindruckt von den Nachstellungen durch Justiz und Zensur Zeichnungen im „Le Charivari“. Spottbilder waren es, die diese Publikation so beliebt machte. Es war ein Medium, das bei unseren Nachbarn einen höheren Stellwert hatte und bis heute noch hat. Angemerkt werden muss, dass neben van Gogh und Pissarro auch Pablo Picasso ein großer Bewunderer der Spottbilder Daumiers war.


In Zeiten von Raffgier und erstem „Turbokapitalismus“ nahm sich Daumier auch die Aktionäre vor, die er in „Die Wettleidenschaft“ in Männer verwandelte, die sich einseifen ließen, um sich rasieren zu lassen. 75 Bärte in einer Stunde, das war die Wette, die es zu bestehen galt. Daumier war Chronist der Zeit, sah den Umbruch in Paris, das breite Straßenschneisen erhielt, um den Barrikadenkampf zu erschweren. Das Zitat „Ein Glück für die, die es eilig haben“ begleitet eine Pariser Straßenszene.

 

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Daumier schuf außerdem die Kunstfigur Robert Macaire, Inkarnation des Kapitalisten, der dem Motto „Bereichert euch!“ folgte, ein Emporkömmlig der sogenannten Julimonarchie. Dies war die Zeit des Börsenbooms. Aktiengesellschaften schossen wie Pilze aus dem Boden: 1830 existierten davon 50 und 18 Jahre später bereits 1600. In der Zeichnung „Ein schwarzer Tag“ nimmt Daumier folgerichtig die Welt der Aktionäre auf die Schippe.


Die Welt der Justiz bekam von Daumier auch ihr Fett ab: In „Les Gens de Justice“ lautet die Legende: Wenn er nicht gerade Witwen und Waisen verteidigt, dann klagt er sie an.“ Einen unbefriedigten Kläger stellt uns Daumier zudem vor.

 

 

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Sehr humorvoll gehalten sind 17 Blätter, die sich mit der Historienmalerei und der Darstellung der antiken Schönheit befassen, ob es dabei um die Taufe des Achill geht – dieser ist als kleiner Prinz dargestellt – oder um den Narziss, der in seinem im Wasser spiegelnden Abbild nicht die Schönheit entdecken kann. Schließlich sei auch noch der Sturz des Ikarus erwähnt, der von einem Mann mit Fernglas beobachtet wird. Gaffer scheint es also schon zu Daumiers Zeiten gegeben haben, oder?


Text: © ferdinand dupuis-panther

 

Bildnachweise von oben nach unten

Honoré Daumier, Ein neu patentierter Regenschirm, aus der Serie "Emotions parisiennes", Nr 33, in: Le Charivari, 27. September 1840, Handkolorierte Lithografie, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

 

Honoré Daumier, Die Vergangenheit. Die Gegenwart. Die Zukunft, in: La Caricature, 9. Januar 1834, Lithografie, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Honoré Daumier, Masken von 1831, in: La Caricature, Nr 71, 8. März 1832, Lithografie, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster


Honoré Daumier, Der Fesselballon, aus der Serie "Actualités", Nr. 240, in: Le Charivari, 11. November 1867, Lithografie, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

 


Vorschau

Durch das Licht – Abstraktion in Frankreich

Von Bazaine bis Singier

11. Mai - 29. September 2019


In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg rangen einige französische Künstler um eine völlig neue Bildsprache, die die gegenständliche Welt hinter sich ließ. Sie schufen Strukturen und Farbsymphonien, die das Bild als gänzlich selbständige und eigengesetzliche Welt präsentierten. Jean Bazaine, Roger Bissière, Alfred Manessier gehörten ebenso zu dieser Gruppierung wie Elvire Jan, Gustave Singier und Joan le Moal. Ihre oftmals leise, subtile Bildsprache führte dazu, dass nur wenige von ihnen außerhalb ihres Heimatlandes Erfolge feierten und internationale Anerkennung erhielten.


IM RAUSCH DER FARBE – VON GAUGUIN BIS MATISSE

Meisterwerke aus dem Musée d'Art moderne de Troyes

12. Oktober 2019 - 19. Januar 2020.


Im Licht der Sonne des Mittelmeeres revolutionierten Henri Matisse und André Derain zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dem südfranzösischen Fischerdorf Collioure die Malerei der Moderne. Die leuchtenden, expressiven Farben und die vereinfachenden Formen ihrer Bildkompositionen entwickelten eine derartige visuelle Sprengkraft, dass die Gruppe fortan „Fauves“ – „Die Wilden“– genannt wurde. Das Picasso-Museum präsentiert im Herbst 2019 rund 70 hochkarätige Werke von Malern wie Henri Matisse, André Derain, Georges Braque, Kees van Dongen, Maurice de Vlaminck und Othon Friesz, die mit ihren Gemälden das Pariser Publikum in einen fauvistischenFarbrausch versetzten.

 

 

Information
https://www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

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