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Ausstellungsorte in Krefeld: Kunstmuseen Krefeld

Krefeld

KUNSTMUSEEN KREFELD / KAISER WILHELM MUSEUM

Peter Behrens: Das Praktische und das Ideale
bis 14. OKTOBER 2018

VON DER IDEE ZUR FORM - DOMEAU & PÉRÈS: DIALOGE ZWISCHEN DESIGN UND HANDWERK
bis 14. OKTOBER 2018

Peter Behrens: Das Praktische und das Ideale

Das Praktische und das Ideale miteinander in Einklang bringen – so formulierte es Peter Behrens programmatisch in einem Brief an den Gründungsdirektor des Kaiser-Wilhelm-Museums Friedrich Deneken. Die Kunstmuseen Krefeld zeigen erstmals in einer monografischen Ausstellung ihre Sammlungsbestände des wegweisenden Künstlers, Gestalters und Architekten Peter Behrens (1868­1940). Anlässlich seines 150. Geburtstags wurde der komplette Bestand restauriert sowie die umfangreiche Korrespondenz aufgearbeitet, die sich zwischen Peter Behrens und Friedrich Deneken erhalten hat.

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Peter Behrens Tischventilator, AEG Nr. 13968, 1907-1909 Fotografie (anonym) Kunstmuseen Krefeld

Um es vorwegzunehmen, die Ausstellung präsentiert Peter Behrens vor allem mit seinem grafischen Werk, wenn auch hier und da einige Designs, so der berühmte AEG-Ventilator, zum Ausstellungskonvolut gehören. Zu Beginn des Rundgangs stößt der Besucher auf einen Holzschnitt in sieben farbigen Zuständen. Dabei handelt es sich um das Abbild einer Frau mit silbrig farbenen Haaren, die einen Strauß mit roten Blumen mit ihren Händen umfasst. Diese Arbeit mit dem Titel „Welke Erinnerungen“ gehört ebenso wie „Der Kuss“ zu dem Kapitel der Schau, die sich mit den künstlerischen Anfängen von Behrens beschäftigt.

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Peter Behrens Der Kuss, aus: Zeitschrift PAN, IV Jg. Heft 2, 1898 Farbholzschnitt Kunstmuseen Krefeld

Der Kuss, das sei angefügt, ist längst nicht so erotisch aufgeladen wie Rodins gleichnamige bildhauerische Arbeit. Wüßte man es nicht besser, so könnte man meinen, es handle sich bei Behrens Arbeit um ein Plattencover für eine Veröffentlichung im Genre Psychodelic Rock! Das für den Jugendstil so prägende Peitschenschlagmotiv findet sich nicht nur in der „Rahmung“ des Kusses, sondern auch auf dem Umschlagblatt für die Zeitschrift „Die Kunst, Heft 7, April 1902“. Für einen Holzschnitt durchaus ungewöhnlich, sind die weichen, fließenden Formen, die wir bei der Arbeit „Sieg (Prometheus)“ entdecken. Prometheus brachte den Menschen ja bekanntlich das Feuer. Behrens präsentiert diese Figur der griechischen Mythologie aus den Wellen des Meeres steigend, die Fackel in der Hand haltend.

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Ja, auch die ersten Designs sind gleich zu Beginn der Schau zu sehen: Fünf Gläser mit einem etwas plump wirkenden weinroten Stiel. Im Gegensatz zu diesen Gläsern sind die ausgestellten Gläser mit Goldrand geradezu filigran. Fotos bringen uns Behrens als Designer und Inneneinrichter zudem näher, sieht man doch auf diesen unter anderem sein Darmstädter Speisezimmer. Zu sehen sind zudem „Musterblätter“, die Behrens ornamentale Illustrationen in Schneckenform zeigen.

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Peter Behrens Musterbahn mit angeklebter Borte, um 1910 Anhalter Tapeten-Fabrik, Ernst Schütz AG, Dessau Kunstmuseen Krefeld

„Auf dem Weg zum modernen Gestalter“ lautet ein weiteres Ausstellungskapitel, in dem Behrens als ein Künstler vorgestellt wird, der für Unternehmen das Corporate Design entwarf und somit auch Unternehmenswerbung betrieb. Das trifft auf die AEG – man beachte das Firmenlogo mit den drei Buchstaben in jeweils einer „Wabe“ - ebenso zu wie für die Rixdorfer Linoleum, deren Logo drei Eichenblätter sind. Der Anker steht als Logo hingegen für die Delmenhorster Linoleum-Fabrik, für die Behrens auch tätig war. Das Vorsatzblatt es Geschäftskatalogs dieses Unternehmens ziert der Rapport eines Ankers. Sehr modern und noch heute zeitgemäß erscheint der Linoleumentwurf von Behrens für das Bremer Rathaus. Aus den Elementen Kreis und Quadrat in Schwarz und Weiß schuf der Designer ein beinahe minimalistisch anmutendes Fußbodenmuster.

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Ausstellungsansicht, Kaiser Wilhelm Museum Krefeld Foto: Volker Döhne

1907 wurde Peter Behrens zum künstlerischen Leiter der AEG benannt. Dieses Jahr, in dem sich auch der Werkbund gründete, gilt als Geburtsstunde der „Corporate Identity“. Zu sehen sind unter anderem die Teekessel, die Behrens für die AEG entwarf, mal mit glatter Messingoberfläche, mal mit getriebenen Riefen, aber immer mit Basthenkel. Diese Kessel finden sich auch auf einem Foto wieder, das den Verkaufsraum der AEG in der Königgrätzer Straße zeigt.

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Peter Behrens "Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft/ A.E.G.", Plakat, 1907 Kunstmuseen Krefeld

Weitere Abbildungen zeigen verschiedene Ventilatoren, ob Tisch- oder Deckenventilatoren, aber auch eine Zahnbohrmaschine, bei deren Anblick man daran denken muss, welche Schmerzen die Patienten wohl haben aushalten müssen. Von der heutigen zahnmedizinischen Technologie war, das noch weit entfernt!

Auch Beleuchtungskörper entwarf Behrens, wie man beim Besuch der Ausstellung entdeckt. Auch für das elektrische Weihnachtsbaumlicht, das beworben wurde, zeichnete Peter Behrens verantwortlich.

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Peter Behrens Glühlampe, AEG-Nr. 14368, 1908 Fotografie (anonym) Kunstmuseen Krefeld

Text: © ferdinand dupuis-panther

 

VON DER IDEE ZUR FORM - DOMEAU & PÉRÈS: DIALOGE ZWISCHEN DESIGN UND HANDWERK

Die Kunstmuseen Krefeld zeigen im Rahmen der Ausstellung Von der Idee zur Form erstmals eine wichtige Design-Schenkung von rund 60 Objekten renommierter, internationaler Designer im Kaiser Wilhelm Museum, die sie 2017 von den französischen Herstellern Domeau & Pérès erhalten haben. Zur Schenkung gehören auch diverse Skizzen, Prototypen und Archivmaterial. Parallel dazu wird ein Konvolut von Objekten und Skizzen des Designers Peter Ghyczy gezeigt – ebenfalls eine Schenkung an das Museum –, das seine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Elastogran demonstriert.

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Domeau & Pérès. Dialoge zwischen Design und Handwerk Ausstellungsansicht, Kaiser Wilhelm Museum Krefeld Foto: Volker Döhne

Beginnen wir mit unseremAusstellungsrundgang bei der Schenkung Peter Ghyczy, der ähnlich wie Verner Panton Designs aus Kunststoff zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Auffallend ist zunächst der „Triangeltisch“ aus Polyurethan. Drei Elemente hat dieser Tisch, sodass man ihn von einer Trapezform in ein Parallelogramm überführen kann, durchaus eine spannende Idee für ein Möbelstück, das sich flexibel an die Raumgröße und Nutzung anpassen lässt. Sehr massiv, beinahe klobig wirkt ein Sessel, den Ghyczy uns präsentiert. Dabei gehen die Beine schwungvoll in Gestalt einer „Parabel“ in die Lehne über. Funktional und formschön ist das Gartenei, das der aus Ungarn stammende, nach Deutschland geflohene Designer entworfen hat.

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Domeau & Pérès. Dialoge zwischen Design und Handwerk Ausstellungsansicht, Kaiser Wilhelm Museum Krefeld Foto: Volker Döhne

Der Deckel des Eis ist aufklappbar, sodass Sitzfläche und Lehne entstehen. Durch die Klappe ist das Möbel vor Regen geschützt, muss also nicht aus dem Garten ins Haus geholt werden. Zudem hat es nichts mit klassischen Gartenmöbeln wie Korbstühlen gemein. Ein wenig an Rietvelds Zickzackstuhl muss man beim Stuhlmodel Lucy denken, auch wenn dieser Stuhl viel organischer daherkommt als der Rietveld-Entwurf.

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Domeau & Pérès. Dialoge zwischen Design und Handwerk Ausstellungsansicht, Kaiser Wilhelm Museum Krefeld Foto: Volker Döhne

Neben den Entwürfen von Ghyczy – dazu gehört auch eine Einbauküche, von der einige Frontelemente und die Pläne gezeigt werden – sind es vor allem die Arbeiten, die Domeau & Pérès in Kooperation mit Designern und Architekten gebaut und hergestellt haben, die die Blicke auf sich lenken. Zunächst sei die Architektin Odile Decq erwähnt, die unter anderem das Foyer der UNESCO in Paris mit ihren Möbelentwürfen bestückt hat. Von ihr kann man in der aktuellen Ausstellung einen schwarzen Konsolentisch ebenso bewundern wie den 2-Sitzer „Confident“. Sehr beeindruckend sind die Diaaufnahmen von der Möblierung des UNESCO-Foyers. Da scheinen in den Möbeln abstrakte vegetabile Formen umgesetzt worden zu sein.

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Domeau & Pérès. Dialoge zwischen Design und Handwerk Ausstellungsansicht, Kaiser Wilhelm Museum Krefeld Foto: Volker Döhne

Die Industriedesignerin Matali Crasset, die einige Jahre für Philippe Starck tätig war, hat nach dem Prinzip des Baukastens mit Bauklotzelementen ein flexibles Kindermöbel entworfen, das auch als Sofa genutzt werden kann. Fotos zeigen jedoch, in welcher Art und Weise sich Kinder der Elemente bemächtigen und daraus ihre Spielhöhle bauen. Das in Weiß und Lila gehaltene Möbel hat schon etwas von Pop- und Op-Art, sodass die Hängung einer Arbeit von Victor Vaserely über dem Sofa durchaus passend erscheint. Nicht gerade nach Sitzkomfort schaut der Stuhl Nextome aus, den man leider im Gegensatz zu einigen besonders gekennzeichneten Möbelstücken nicht ausprobieren kann. Genial und für kleine Wohnungen bestens geeignet ist die „Säule der Gastlichkeit“, die gleich zweimal in der Schau präsentiert wird, zweimal in der Tagesform als Möbelsäule, in der sich das ausrollbare Bett befindet und einmal in einer Installation, die beide Zustände – tags und nachts – präsentiert. Ein an der Säule einzuhängender Wecker und ein ebenfalls einhängbarer Leuchtkörper vervollständigen das praktische Möbelstück für den Bewohner einer kleinen Einraumwohnung!

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Sophie Taeuber Arp Ensemble 1, 1928/1930 Limitiert auf 12 Stück 1300 x 233 x 500/340 mm Tannenholz Foto: Frédérique Dumur

Gezeigt wird auch der Nachbau eines Schreibtisches, der Sophie Taeuber-Arp zu verdanken ist. Das konstruktivistische Prinzip, das sich auch in den dazu präsentierten Mondrian-Kompositionen zeigt, findet sich auch im ausgestellten Möbelstück wider, das allerdings die Farbigkeit vermissen lässt, die für Mondrian, aber auch für die Vertreter von De Stijl so markant war. Diese Farbigkeit findet sich allerdings im Regalsystem wieder, das Taeuber-Arp ebenfalls entworfen hat und das ungemein an Judds Kasteninstallationen erinnert. Hat Judd bei Taeuber-Arp abgekupfert?

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Domeau & Pérès. Dialoge zwischen Design und Handwerk Ausstellungsansicht, Kaiser Wilhelm Museum Krefeld Foto: Volker Döhne

Zu sehen sind außerdem Arbeiten des Autodidakten Eric Chevalier, der einen sehr voluminösen Schreibtisch in Parallelogrammform entwarf. Lederummantelt ist die Arbeitsfläche, des auf Böcken ruhenden Möbelstücks. Mit Mathematik befasste sich François Mangeol bei seinem Spiegel Pi. Ausprobieren kann man das Sitzmöbel Domo von Martin Szekely, der Leder und Wolltuch dafür verarbeitete. Von ihm stammt auch der Papierkorb „Le plus belle“, ein Wortspiel mit dem französischen Begriff für Mülleimer.

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matali crasset Téo 2 à 3, 1998 Geöffnet: 1800 x 100 x 450 mm Geschlossen: 520 x 400 mm Holz, dual-density Schaum, Stoff Foto: Volker Döhne

Wie gesagt, nicht nur das Gartenei lädt zum Sitzen ein, sondern auch das Baukastensofa und auch die Schlafrolle von Crasset zum Liegen. Das macht die Ausstellung zu modernem Design wahrlich begreifbar und erfahrbar.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Kunstmuseen Krefeld
http://www.kunstmuseenkrefeld.de/d/index.html

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