Pilgern auf zwei Reifen

 

Klosterregion Ostwestfalen - Kopten-Bischof Anba Damian führt in der renovierten Klosterruine in Brenkhausen ein offenes Haus für Gäste und Touristen

Kopten-Bischof Anba Damian führt in der renovierten Klosterruine in Brenkhausen ein offenes Haus für Gäste und Touristen

Am Weserufer verläuft die Ferienstraße weiter zu den Koptischen Christen (Kopte = Ägypter) in Brenkhausen. Vor der ehemaligen Klosterruine, die von der koptischen Gemeinde renoviert wurde und nach Corvey zweitliebstes Ausflugsziel für Touristen ist, winkt Anba Damian seine Gäste heran. Im Refektorium des Kopten-Klosters bittet der Mann mit grauem Rauschebart und einem Kreuz aus Ziegenleder um den Hals an eine Kaffeetafel. Der höchste Repräsentant der koptisch-orthodoxen Kirche spricht über Flüchtlinge, denen man nicht mit dem Gesetzbuch sondern mit Herz und Verstand begegnen solle und meint, dass Muslime zwar zu Deutschland gehören, die Lehre des Islam aber dem Grundgesetz widerspreche. Vor 1000 Jahren lebten in Ägypten noch 50 Prozent Christen. Heute seien Kopten eine Minderheit und gelten als Bürger zweiter Klasse, berichtet der Bischof. Häufige Gewaltakte gegen seine Kirchenbrüder würden von Ägyptens Sicherheitskräften nur unzureichend oder gar nicht geahndet.

Klosterregion Ostwestfalen - Wo früher geschlachtete Ochsen in die Küche hochgezogen wurden, hängt jetzt im Refektorium des Koptischen Klosters Brenkhausen ein Leuchter. Das Unikat zeigt Varianten des typischen Kopten-Kreuzes. Die Glasgefäße wurden in Kairo von Müllmännern für den Leuchter gesammelt und wiederverwertet

Wo früher geschlachtete Ochsen in die Küche hochgezogen wurden, hängt jetzt im Refektorium des Koptischen Klosters Brenkhausen ein Leuchter. Das Unikat zeigt Varianten des typischen Kopten-Kreuzes. Die Glasgefäße wurden in Kairo von Müllmännern für den Leuchter gesammelt und wiederverwertet

Letzte Ausfahrt Marienmünster. An einem See ragen weithin als sichtbare Zeichen des Glaubens die Türme der Abtei in den Himmel und lassen keinen Zweifel an der richtigen Fahrtrichtung. Frühere Schaf- und Pferdeställe in der barocken Anlage sind heute gefragte Location für Hochzeits- und Geburtstagsfeien, andere Gebäudeteile dienen für Konzerte und Theater. Die Verwandlung des einst von 12 Corveyer Mönchen gebauten Sühneklosters in ein „Kloster der Klänge“ lässt die Kassen klingeln. Schon wenige Monate nach dem Umbau der ehemaligen Wirtschaftshöfe durfte die Kulturstiftung drei Kreuze machen: Bildungs- und kulturbeflissene Gäste kommen regelmäßig mit dem Rad, in Wanderschuhen oder Autos zu den Klosterfestivals mit Instrumental- und Chorkonzerten.

Klosterregion Ostwestfalen - Die Abtei Marienmünster ist Ausflugsziel für Pilger oder Tagesgäste sowie Bühne für Musikveranstaltungen

Die Abtei Marienmünster ist Ausflugsziel für Pilger oder Tagesgäste sowie Bühne für Musikveranstaltungen

Doch auch wenn die prächtige Barockorgel schweigt, sollten Reisende diesen Knotenpunkt der neuen Klosterroute nicht links liegen lassen. Zum einen, weil in dem multimedialen Informationszentrum Besucher durch gezieltes Betreten einer auf den Boden projizierten Landkarte Filme über Vergangenheit und Gegenwart der Klöster abrufen können. Andererseits, um sich im historischen Klosterkrug weltlichen Genüssen wie Mönchsspieß, Wildschweinsülze oder Westfalenkrüstchen hinzugeben.

Klosterregion Ostwestfalen - Alte Kunst des Heilens. Im Kloster Marienmünster geben Frauen Geheimnisse aus den Klostergärten preis. Dazu servieren sie was schmeckt und gesund hält

Alte Kunst des Heilens. Im Kloster Marienmünster geben Frauen Geheimnisse aus den Klostergärten preis. Dazu servieren sie was schmeckt und gesund hält

 

Reiseinformationen

Auskünfte im Internet:

www.kreis-hoexter.de und www.klosterregion.de

Alle beschriebenen Klöster sind für Besucher geöffnet. Info-Broschüren, Kartenmaterial und Auskünfte zum Fahrrad- und E-Bike-Verleih gibt es bei den oben genannten Adressen.

Unterkünfte:

In der Abtei vom Heiligen Kreuz in Herstelle, www.abtei-herstelle.de

Im Hotel „Klosterkrug“ Marienmünster, www.hotel-klosterkrug.com

Eine stimmungsvolle 850-jährige Klostergeschichte atmet das Hotel Schloss Gehrden, www.schloss-gehrden.de

In Warburg: Das „Alt Warburg Hotel“ im historischen Ambiente, www.alt-warburg.de

Privatzimmer gibt es unter www.warburg-touristik.de

Westfälische Spezialitäten:

„Blindhuhn“ ist ein Eintopf ohne Huhn, der mit Schinken oder Speck, Kochäpfeln und - birnen sowie weißen Bohnen auf den Tisch kommt. Das Gericht heißt Blindhuhn, weil selbst ein blindes Huhn in dem Eintopf etwas Gutes finden muss. „Pfefferpothas“ nennt sich ein deftiger Eintopf aus zartem Rundfleisch und Zwiebeln. „Hasenpfeffer“ ist ein Ragout aus Hasenklein.

Veranstaltungen:

Klosterfestival und andere Veranstaltungen auf Freilichtbühnen und in Kirchen: www.kulturland.org

Literatur:

Der Reiseführer „Kulturland Kreis Höxter“ gibt auf 192 Seiten mit Fotos, Karten, Rad- und Wanderrouten sowie Adressen kompakte Informationen über die Region. ISBN 978-3-89920-833-7. Preis 9,99 Euro.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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