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Villa Hügel

interaction josef albers
bis 7. Oktober 2018

Die Wirkung der Farbe in den Werken von Josef Albers ist kraftvoll und unverwechselbar. Linie, Farbe, Fläche und Raum interagieren miteinander, fordern die Wahrnehmung des Betrachters heraus. Albers‘ Serie „Homage to the Square“, die mehr als 2.000 Bilder umfasst, wurde zum Markenzeichen des wegweisenden Künstlers, Lehrers, Kunsttheoretikers und Impulsgebers. In einer groß angelegten Retrospektive führen die Kulturstiftung Ruhr und das Josef-Albers-Museum Quadrat Bottrop Hauptwerke seines facettenreichen Schaffens in der Villa Hügel, Essen zusammen. Erstmals ist damit seit 30 Jahren wieder eine große Werkschau des in Bottrop geborenen Künstlers zu sehen. Gut 130 Arbeiten – der Hauptteil davon aus bedeutenden amerikanischen Sammlungen und dem Josef Albers Museum – sind im einstigen Wohnhaus der Industriellenfamilie Krupp zu sehen.

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Die Ausstellung ist sowohl thematisch wie auch chronologisch strukturiert. Dabei bietet der „Eingangsbereich“ der Ausstellung summarisch einen Überblick über den Werkkanon Albers, der ja eigentlich von Haus aus Volksschullehrer war, ehe er dann ans Weimarer Bauhaus ging und dort auch unterrichtete. Was wenige wohl wissen, Albers „orientierte“ sich in seinen konkret-konstruktiven Arbeiten wie der Hommage an ein Quadrat auch an Cézannes Verständnis von Raum und Fläche, wie einem der zahlreichen informativen Saaltexten zu entnehmen ist.

Frühe Arbeiten

Neben zwei Landschaften, gewiss zu den frühsten Arbeiten zählend, entdeckt man beim Besuch auch ein Selbstporträt, das den Künstler mit skeptischem Blick zeigt. Derartige Arbeiten entstanden in der Zeit, als Albers an der Königlich Bayrischen Akademie der Bildenden Künste in München studierte.

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Zuflucht Amerika

In der Übersicht wird auch die Zeit gestreift, in der das Ehepaar Albers in den USA Zuflucht vor der Verfolgung suchte. Im Dezember 1933 begann in der Neuen Welt für beide der Neuanfang. Die Zeit am Bauhaus, sie fing 1920 an, lag hinter Josef Albers, der nicht nur bei Johannes Itten den Vorkurs besuchte, sondern im Auftrage von Gropius als Geselle den Kurs Glaskunst neu belebte. Eine Ausstellungsinsel zeigt nicht nur eine in Rotnuancen gestaltete Glasarbeit mit quadratischen Formen, sondern auch Mobiliar, das Albers entworfen hatte. Darunter waren auch Satztische mit unterschiedlich farbigen Tischplatten. Zudem entdecken wir als Besucher auch einen Lehnstuhl, ganz frei vom Konzept des Freischwingers.

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Auch im nachfolgenden Raum fällt der Blick auf eine weitere Ausstellungsinsel, auf der ein einfacher Schreibtisch Platz gefunden hat. Gelblich ist die feste Arbeitsplatte, die durch ein Klappelement noch erweitert werden kann.

Grafische Strukturen

Wir erblicken streng-grafische Arbeiten wie „Lauben“ und „Pergola“, nichts weiter als geschickt „gestapelte“ lange Rechtecke in unterschiedlichen Farbgebungen. Derartige Balkenkonstruktionen lassen beim Betrachten auch an Hochhausschluchten und moderne Flachbauten erinnern. Zu sehen sind Porträtfotos, die am Bauhaus entstanden, wie aber auch zwei Designs, eine Fruchtschale und ein Teeglas.

Buntes Glas als Ausgangmaterial für Kunst

Ein Raum ist den Glasarbeiten gewidmet. 1917 war der erste kommerzielle Auftrag Albers die Fenstergestaltung eines Sakralbaus in Bottrop. „1921 war alles, was ich besaß, ein Hammer und ein Rucksack. Damit ging ich zur Müllhalde, um nach Flaschen zu schauen, sie zu zerschlagen und daraus Bilder zu machen.“ Das ist einer der O-Töne, die wir in der Schau finden und das den eher "handwerklichen Aspekt" der Glaskunst beleuchtet.

Die Albers hatten nach ihrer Ankunft in den USA sehr viel Glück, dass sich Philip Johnson für sie verwendete und Josef Albers als Hochschullehrer empfahl, sodass dieser eine Stelle am Black Mountain College antreten konnte – und das trotz mehr als bescheidener Englischkenntnisse!

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Sehen lernen

„Ich sagte stotternd „Augen offen halten“. Und das wurde meine Lebensregel. Ich habe gelehrt, sehen zu lernen.“ So lautet das Motto von J. Albers. Und zum gleichen Thema erfahren wir Folgendes: „Meine Lehre ist kein System, ist keine Theorie, sondern eine Anregung zum Sehen, zur Sensibilisierung, zur Schärfung des Sehens.“ Dass dabei Fläche und Form – man denke an die verschieden farbigen, verschachtelten Quadrate – eine wesentliche Rolle spielen, erschließt sich beim Überblick über die Schaffensphasen des Bauhausmeisters durch die reine Anschauung.

Adobes und Quadrate

1947 begann Albers seine Serie „Adobes“ und drei Jahre später die der Quadrate. Beide Aspekte des Schaffens von Albers werden in der Schau üppig präsentiert. Die Reisen nach Mexiko und ein Interesse an präkolumbischer Kunst – einige Exponate widmen sich Letzterer – regten Albers zu den abstrakten Bildern an, die Bezug auf die Adobe-Architektur nehmen. Dabei handelt sich um Bauten aus „gestampften Erdziegelelementen“ Wie bei seiner Hommage an ein Quadrat variierte Albers die Farbsetzungen. Zudem finden sich aber aus jener Zeit auch Werke, die Bezug auf die Ausgrabungen von Monte Alban nehmen und wie in einer Lithografie von 1942 eine Stufenpyramide in strenger Formensprache einfängt.

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Beinahe neben dieser Werkserie entstanden einzelne Arbeiten, die der konstruktiven und konkreten Kunst nahe sind, so auch „Janus“ in Graustufen und aus zwei ineinander gesetzten rechtwinkligen Dreiecken und einem vertikal gesetzten langen Rechteck bestehend. „Figure One Reversed“ verbindet hingegen Abstraktes mit Figurativem.

Ein sicherlich wesentlicher Aspekt der künstlerischen Arbeit von Josef Albers nimmt seine „Verneigung vor dem Quadrat“ ein. Es sind abstrakte Darstellungen, die mal in Rot-, mal in Gelbnuancen gehalten sind; mal trifft auch ein inneres graues Quadrat auf eine gelbe „Quadratrahmung“ oder ein inneres blaues Quadrat wird von Tannen- und Petrolgrün gerahmt. In diesen abstrakten Arbeiten lassen sich auch „systematische geometrische Strukturen“ entdecken, was das Verhältnis von innerem Quadrat zu den jeweiligen Rahmungen betrifft. Das aber wird in der Schau in einem Saaltext nicht hervorgehoben. Kurz vor seinem Tod hat Albers noch ein letztes Mal ein farbiges Quadrat geschaffen, das am Ende der sehr gelungenen Ausstellungsinszenierung zu sehen ist.

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Text:© ferdinand dupuis-panther

Bildnachweis/Copyrights: Die Rechte an den Werken liegen bei dem Künstler, seinem Rechtenachfolger bzw. VG BildKunst

Einblick in die Ausstellung „Josef Albers. Interaction“ ©️Kulturstiftung Ruhr, Essen 2018

Einblick in die Ausstellung „Josef Albers. Interaction“ ©️Kulturstiftung Ruhr, Essen 2018

Josef Albers, „Kaiserlich“ um 1923, Glasassemblage, Josef Albers Museum Quadrat Bottrop © The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Josef Albers, "In Open Air", 1936, Öl auf Masonit, Josef Albers Museum Quadrat © The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Josef Albers, “Variant / Adobe: 4 Central Warm Colors Surrounded by 2 Blues”, 1948, Öl auf Masonit, Josef Albers Museum Quadrat Bottrop © The Josef and Anni Albers Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Josef Albers, "Homage to the Square: Luminant", 1959, Öl auf Masonit, Josef Albers Museum Quadrat © The Josef and Anni Albers Foundation / Foto: Werner J. Hannappel / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Information
www.villahuegel.de


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