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Ruhr Museum

Ausstellungen
Kohlewäsche

Josef Stoffels
. Steinkohlenzechen - Fotografien aus dem Ruhrgebiet
bis 2. September 2018

Kokerei
Das Zeitalter der Kohle
bis 11. November 2018

Josef Stoffels. Steinkohlenzechen -
Fotografien aus dem Ruhrgebiet

Am Ende des Jahres werden alle deutschen Steinkohlezechen, auch die in Bottrop und Ibbenbüren, stillgelegt sein. Die Geschichte des Steinkohlebergbaus hat dann ihr Ende gefunden. Angefangen hat das Zechensterben vor 60 Jahren, vor allem im Ruhrgebiet. Das ist Anlass genug sich mit der Zechengeschichte zu befassen, die Josef Stoffels, von Hause aus Polsterer, dann Amateur- und schließlich professioneller Fotograf mit Meisterbrief, nahezu enzyklopädisch mit seinen Kameras festgehalten hat. Mit rund 160 Fotografien von 60 Steinkohlenzechen und über 250 weiteren, teilweise bislang unveröffentlichten Fotografien zum Bergbau sowie Auftragsarbeiten und privaten Aufnahmen präsentiert die Ausstellung einen der bedeutendsten Fotografen und Dokumentaristen des Bergbaus im Ruhrgebiet.

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Doppelstrebengerüst, Zeche Centrum [Bochum-] Wattenscheid 1952 Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Umtriebig war Stoffels Zeit seines Lebens, auch wenn er während eines Frankreichaufenthalts auf einem Auge erblindete und eine schwere Beinverletzung davongetug. In den 1950er Jahren hat er so gut wie alle der damals existierenden 150 Klein- und Großzechen im Ruhrgebiet, aber auch in Niedersachsen und im Aachener Raum fotografiert und 1959 im Bildband „Die Steinkohlenzechen. Ruhr, Aachen, Niedersachsen. Das Gesicht der Übertageanlagen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts“ veröffentlicht. Darüber hinaus hat er aber auch ein Stück Essener Stadtgeschichte dokumentiert, sich mit der betrieblichen Fürsorge in den Zechenanlagen befasst und schließlich für die englische Besatzungsmacht auch Auftragsarbeiten übernommen. Diese Aufnahmen sind derzeit in den „Kabinetten“ der Kohlewäsche der Zeche Zollverein zu sehen.

Ausgestellt sind nicht nur die Farbaufnahmen aus der ersten Werkphase von 1952 bis 1954, die die Modernität der Zechenanlagen zeigen, sondern auch die Schwarzweiß-Aufnahmen, die zwischen 1956 bis 1959 entstanden. Dabei präsentiert die sehenswerte Schau neben Einzelbildern auch teilweise großformatig aufgezogene Aufnahmen sowie Serien und kleinformatige Abzüge aus den 1950er Jahren.

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Zeche Vereinigte Dahlhauser Tiefbau Bochum-Dahlhausen 1952 Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Zechenimpressionen

Zu den Themen, die die Schau behandelt, gehören neben den Zechen auch Kapitel zu Berglehrlingen, zum Bergbau-Durchgangslager Heisingen (Einrichtung zur Aufnahme der angeworbenen Bergleute), zur betrieblichen Sozialfürsorge im Steinkohlenbergbau und zu den Bergarbeiterwohnheimen und -siedlungen.

Zunächst fällt der Blick auf ein großformatiges Foto der Zeche Centrum – deutlich erkennbar am Schriftzug, der am Förderturm angebracht wurde. Wahrscheinlich war es sogar eine Leuchtschrift, die weithin sichtbar war. Kohle bestimmte ja das Leben von Tausenden, die im Ruhrrevier lebten, Einheimische wie Zugezogene aus Korea, der Türkei und aus Polen.

Prosper II und Hugo 1-2

Stoffels war auch auf Zeche Prosper II in Bottrop, etwa um 1958, und fotografierte den Holzplatz sowie die Zechenbahn. Es war eine der Zechenaufnahmen, die in 50 Jahren Tätigkeit als Fotograf entstanden. Dazu gehörten auch die Kumpels im Fahrkorb, die Gesichter schwarz vor Kohlenstaub und die Grubenlampen abgelegt oder am Gitter des Fahrkorbs aufgehängt. So sind wir dann auf der Erkundung der Zechen mit Stoffels in Essen-Heisingen unterwegs, immer noch in den 1950er Jahren. Zugleich erfahren wir, dass die fotografierten Kumpels auf einer Tiefe von 585 Metern von Stoffels angetroffen wurden.

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Schaufenster, Café Overbeck Essen-Stadtmitte 1962
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Weiter geht es zur Zeche Hugo 1-2 in Gelsenkirchen-Buer. Rauchfahnen wehen über die Zeche Concordia in Oberhausen. In einer Farbfotografie ist man hingegen bei der Lampenausgabe auf der genannten Zeche zugegen. Die Zeche Mathias Stinnes in Bottrop gehörte auch zu denjenigen, die Stoffels dokumentierte, mitsamt zwei Schloten, Kühltürmen und Gleisanlagen. Die Kokerei Nordstern am Rhein-Herne-Kanal wurde im Bild festgehalten, als Binnenschiffe beladen wurden. Doch wer ist eigentlich der Mann, der da als Staffage am Ufer des Kanals steht?

Aus der Zeit gefallen scheint das Pferdefuhrwerk vor dem Malakow-Turm der Zeche Prosper II. Ist es ein inszeniertes Foto, fragt man sich. Dass die Zeche Katharina in Essen-Kray einen Klappkübellaufkran besaß, zeigt uns eine weitere Aufnahme von Stoffels. Wie mühsam die Arbeit unter Tage war, unterstreicht das Foto eines in einem Streb arbeitenden Bergmanns, der gleichsam in den Verhau eingespannt war und mit einer Hand den Presslufthammer bedient.

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Josef Stoffels (mit Kamera) bei Aufnahmen auf der Zeche Schlägel und Eisen Herten-Langenbochum 1952
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Irmgard Stoffels

Nicht nur Kohle

Dass das Ruhrrevier nicht nur von der Arbeit auf der Zeche bestimmt war, machen Aufnahmen deutlich, die die Industrieglasproduktion des Glaswerks Ruhr AG zeigen. Zu sehen sind unter anderem oberschlesische Glasbläser bei der Arbeit, Frauen die Industrieglas prüfend hochhalten und ein Arbeiter, der in seiner Pause gerade einen Schluck Milch genießt. Neben Kohle war es Stahl, der im Revier für Arbeit sorgte. So finden sich im fotografischen Konvolut Stoffels, das aktuelle in Teilen zu sehen ist, auch Aufnahmen des Schienen-Walzwerks der Friedrich-Alfred-Hütte und das Drahtwalzwerk der Gutehoffnungshütte in Gelsenkirchen-Schalke.

Von gesunder Luft im Revier konnte in den 1950er Jahren nicht die Rede sein. Das belegt die Aufnahme von einer Schachtanlage in Bochum-Gerthe. In dichtem Rauch und Smog versinkt die Anlage der Zeche Lothringen mitsamt dem Kiosk, an dem sich einige Bergleute eingefunden haben.

Essener Ansichten nach dem Zweiten Weltkrieg

Doch auch Essen nach der Bombardierung durch die Alliierten und der Wiederaufbau in den 50er und 60er Jahren waren Gegenstand der Tätigkeit Stoffels. Wir werfen dank ihm einen Blick auf die zerstörte Akazienallee, in der nur vereinzelt Menschen in der Trümmerlandschaft verloren herumstehen. Keine Hakenkreuzfahnen wehten in der Straße, die Stoffels 1936 fotografierte, sogar mit einigen Passanten, die die Straße queren, wie die Mutter im langen weißen Sommerkleid mit ihren Kindern. Dass 1946 die großen Einkaufshäuser in Schutt und Asche lagen dokumentierte der Fotograf ebenso wie das durch Bomben zerstörte Münster ein Jahr später.

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Ausstellungsinszenierung,
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Rainer Rothenberg

Besuch im Grugapark und am Baldeney See

Teilweise eingerüstet war das Ferrostahlhaus in Essen-Süd am 13. Dez. 1951. Besucher im Folkwang-Museum kamen Stoffels vor die Kamera wie auch die Feuerwehr der Gruga sowie das Glockenspiel im Grugapark. Im Grugapark fotografierte Stoffels außerdem Richard Scheibes Skulptur „Eos“. Stoffels besuchte zudem das Strandbad Baldeney See und drückte in dem Moment auf den Auslöser, als jemand vom Sprungturm ins kühle Nass sprang. Cola und Kaffee standen auf den Tischen des Ausflugslokals Baldeneyer Fähre, das sehr gut besucht war, als auch der Fotograf in diesem Essener Ausflugsziel zugegen war.

Auch die Essener Messe wurde von Stoffels aus verschiedenen Anlässen fotografiert, so auch zur Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung im Jahr 1952. Wir können zudem einen Blick in eine Verkaufsfiliale für SABA-Fernseher werfen und sehen wie mit eigenen Bully-Transportern die Auslieferung bewerkstelligt wird.

Porträts von englischen Soldaten

Zu den Auftragsarbeiten, die Stoffels übernahm, gehörten Porträts des „Besatzer“: Sie hatten sich in der Villa Hügel häuslich eingerichtet, so auch Miss Jeffers oder Captain Skaggs, der in die Kamera grinste. Ob mit Billigung der Betroffenen oder nicht, jedenfalls zeigt uns Stoffels auch ein sich küssendes deutsch-englisches Paar, obgleich die sogenannte Fraternisierung ja gar nicht erwünscht war.

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Ausstellungsinszenierung
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Rainer Rothenberg

Stoffels im Bild

Unter den Museumsansichten des Ruhrlandmuseums befindet sich auch das Essener Stadtsiegel, aber auch Ausstellungsansichten aus Karnap anlässlich der 600-Jahresfeierlichkeiten am 18.9.1937.

Dass sich die Schau auch der Biografie Stoffels widmet, allerdings angesichts des Ausstellungsthemas m. E. in einem Kabinett etwas zu ausführlich, ist nachvollziehbar. Trotz der Zerstörung eines Teils des Archivs hinterließ der Essener Fotograf 8000 Positive in Kartons, wie wir erfahren. Man bekommt dank einer Aufnahme einen Eindruck vom Atelier in der Ursulastraße 6, sieht Stoffels in Selbstporträts, eine Pfeife rauchend und als Athlet, ganz sportlich posierend.

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indergarten, Zeche Mathias Stinnes, Essen-Karnap 1955
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Betriebliche Fürsorge

Eine Besonderheit war das Bergbau-Durchgangslager in Essen-Heisingen. Hier wurden angeworbene Arbeiter auf Herz und Nieren untersucht. Impfungen standen an und auch Lungenuntersuchungen – und Stoffels durfte mit der Kamera zugegen sein. Er besuchte Lehrlinge im Speisesaal ebenso wie beim Tischtennisspiel in Lederhosen (!). Im Kontext des Themas „Betriebliche Fürsorge“ erblickt man das Foto eines Bergmanns im Wannenbad und einen anderen bei der Wasseranwendung. Bergarbeitersiedlungen werden in der Schau schließlich auch noch vorgestellt, jedoch ohne Details über das dortige Alltagsleben zu erfahren.

Derartige ergänzende Informationen hält die umfängliche Schau bedauerlicherweise nicht bereit. So sind auch O-Töne von Bergleuten und anderen Bewohnern des Potts nicht zu vernehmen. Diese hätten der dokumentarischen Präsentation sicherlich als Ergänzungen gutgetan

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Kokerei und Zeche Helene, Essen-Altenessen, 20. Mai 1952 Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Text: © ferdinand dupuis-panther / Der Text ist nicht public commons.

 

Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte

2018 ist das Jahr des Endes des deutschen Steinkohlebergbaus. Nach 150 Jahren Erfolgsgeschichte der Kohle folgten ab den späten 1950er Jahren jedoch 50 Jahre, in denen der Bergbau in eine anhaltende Krise geriet, als Zechen schlossen und Bergleute um ihre und die Zukunft ihrer Familien bangten. Das machte einen Strukturwandel besonders im Ruhrgebiet, aber auch in den Saarländischen, Ibbenbürener und Aachener Steinkohlenrevieren und in Europa unvermeidlich. Präsentiert werden rund 1.200 Exponate, vor allem aus den Beständen der beiden Museen sowie von über 100 regionalen, nationalen und internationalen Leihgebern. Das Spektrum der Ausstellungsstücke ist vielschichtig. Es reicht von Gemälden und Büsten der europäischen Zechenbesitzer, Bergbaurelikten und schweren Maschinen, Fahnen der Bergarbeitervereine und -bewegungen bis hin zu historischen Plakaten, Fotografien und Filmen.

Der Steinkohlenbergbau in Deutschland und in Europa ist aber viel mehr als Krise und Kampf um die Kohle. Er ist ein wichtiger Teil des europäischen Kulturerbes. Die Kohle hat nicht nur die Bergleute und ihre Familien geprägt, sondern ganze Regionen. Diesem Kulturerbe widmet sich nun die Essener Ausstellung.

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Holger Graf, Antriebshauer auf Prosper IV, Schacht 9, Bottrop, 6. März 2017 © Michael Bader

Mit dem Steigerlied in die Ausstellung

Schon auf dem Weg in die Ausstellung werden wir von Bergleuten wie Ingo Lasogga „begrüßt“, kommen wir doch an deren Porträts vorbei. Dank der Fahrt in der Standseilbahn gelangen wir in die eigentliche Ausstellung. Dabei haben wir begleitet vom Steigerlied eine Reise durch die Erdgeschichte zurückgelegt, ehe wir im Karbon angelangen. Farnbäume wurden aus dem Botanischen Garten Bochum in die Kokerei gebracht, um den Besuchern einen Eindruck von der Vegetation jener Zeit zu geben, die mit dem Ursprung der Kohle in Zusammenhang steht. Inmitten des „Farnbaumwaldes“ wurde ein riesiger Steinkohlebrocken platziert, der aus der Zeche „Prosper Haniel“ stammt und 2016 im konventionellen Streckenabbau gewonnen wurde. Präsentiert werden zudem Kohlefunde aus unterschiedlichen Gegenden der Erde. Kohlevorkommen in Europa erstrecken sich in einem Band von Belgien über Deutschland und Polen bis in die Ukraine. Betrachtet man die ausgestellten Exponate, so findet sich glänzende Kohle aus dem Ruhrgebiet neben gräulich-anthrazitfarbener aus Tschechien. Doch nicht allein in Europa, sondern auch in Asien und Australien, hier auf Tasmanien und in NSW, gibt es ansehnliche Steinkohlevorräte unter Tage.

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Versinterung einer Schachtfahrte © Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok; Foto: Rainer Rothenberg

Ein Leben unter Tage

Auf dem Weg zum Bunker 34 sehen wir Fotos von der Grubenfahrt mit Lokführer, von einem Kumpel mit seinem Grubenpferd bei der verdienten Pause und kniende Kumpel im Streb. Beim weiteren Rundgang verdichtet sich die Annahme von der männlich dominierten Arbeitswelt, von Solidarität und Kameradschaft. Jeder war unter Tage auf den anderen angewiesen, auch bei der Sicherung der Stollen, beim Abtransport der Kohle in Loren oder beim Verbau mit Ständern, bevor der weitere Abbau beginnen konnte. Die Wichtigkeit der Grubenwehren wurde zudem betont. Der Kommunikation diente einst ein Siemens-Meldeempfänger, der unterschiedliche Signale aussendete, woraufhin sich die Wehren unter Tage sammelten.

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Dampfzylinder der Feuermaschine Saline Königsborn, 1797/99 © Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok; Foto: Rainer Rothenberg ZdK_Bild_17 Werbeplakat für Gaskoks, 1924 © Museum für Gestaltung Zürich / Archiv ZHdK ZdK_Bild_

Arbeiten unter Gefahren

Ein sogenanntes Schleifbrett, das ausgestellt ist, diente vor Jahrzehnten der Bergung Verunglückter. Fotografien in Schwarz-Weiß verdeutlichen die Gefährlichkeit der Arbeit im Bergwerk. Um 1930 entstand die Aufnahme eines durch Giftgas getöteten Bergmannes. Auch die Leichenreste eines Verunglückten von Courrières sind auf einer Aufnahme zu finden. Eines der schwersten Grubenunglücke gab es am 20.2.1946 auf der Zeche Grimberg. 405 tote Bergleute waren zu beklagen, wie der interessierte Besucher der opulenten Historienschau erfährt.

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Ölsicherheitslampe (Bauart Davy), um 1820/25 © Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok; Foto: Rainer Rothenberg

Schlagwetter und Kohlestaubexplosionen waren die alltäglichen Gefahren beim Kohleabbau. Die Dahlbuschbombe war daher eine der wichtigsten Errungenschaften, um Bergleute aus der Tiefe der Stollen zu bergen. In einem Film kann man diese Bergung hautnah miterleben. Dass man Unglücke vermeiden wollte, war klar, Warnhinweise wie „Das Betreten mit offenem Grubenlicht ist verboten“ gehörten zu den vorbeugenden Maßnahmen. Dass man Kanarienvögel in Käfigen mitnahm, wenn man einfuhr ist, keine zusammengereimte Geschichte, sondern wahr. Lange konnte man nur so hohen Methangaskonzentrationen frühzeitig wahrnehmen. Allerdings gab dabei der Piepmatz sein Leben, wenn dann kein Wiederbelebungsgerät vor Ort zu Hand war.

Mechanik statt Handarbeit

Dass nicht nur Pickel und Schaufel sowie Loren unter Tage eingesetzt wurden, sondern der technische Fortschritt auch am Bergbau nicht spurlos vorbeiging, wird angesichts der Dynamoelektrischen Zündmaschine deutlich, mit denen Sprengungen vorgenommen werden konnten. Zur Mechanisierung der Kohlegewinnung dienten Walzschrämmlader und Kettenschrämmmaschine. Beide sind in Modellen zu sehen.

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Aspirin-Verpackung, um 1900 © Bayer Business Service GmbH / Corporate History & Archives

Die Gegenüberstellung einer Röntgenaufnahme eines an Silikose erkrankten Bergmannes und verschiedener Schnupftabakdosen hat schon etwas Bizarres. Nun ist es nicht so, dass man sich vonseiten der Unternehmen nicht um die Gesundheit sorgte. „Bergauf – Deine Schutzseife“ wurde entwickelt und auch Bergauf-Augenreinigungssalbe.

Begeben wir uns über Treppen auf die nächste Ausstellungsebene, so sehen wir im Treppenhaus aufgehängte Gerätschaften wie Bohrer, Pickel, Schaufeln und …

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Bewohner der Bergarbeitersiedlung Orléans in Denain, um 1900 © Centre historique minier, Lewarde (F)

Verbrannte Wälder

„Energiespeicher Kohle“ lautet das nächste Ausstellungskapitel, das dann vor unseren Augen aufgeschlagen wird: Scheinbar unerschöpflich schien der Vorrat an Kohle, an in Kohle gespeicherter Sonnenenergie, die auf 300 Mio. Jahre zurückreicht. Kohle, die Jahrhunderte lang verbrannt wurde, sind die vorzeitlichen Wälder, Wälder auch aus Farnbäumen, wie wir sie zu Beginn des Ausstellungsbesuchs gesehen haben. Sehr sehenswert ist in diesem Kontext der Film „Die Entstehung des Steinkohleflözes“.

Veredlungen und Nebenprodukte

Eine Vielzahl von Gaslaternen und ein Gas-Badeofen verweisen in der Ausstellung darauf, dass die Kohleveredlung mit diesen modernen Errungenschaften einherging. Die erste deutsche Stadt, die in der Dunkelheit erstrahlte, war übrigens Hannover, das ab 1824 über Gaslaternen verfügte.

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Akkordeon eines polnischen Bergarbeiters aus dem Nord-Pas-de-Calais, um 1930 © Centre historique minier, Lewarde (F)

Zu den Nebenprodukten der Kokereien gehörte Montansalpeter, mit dem man Guano als Düngemittel ersetzen konnte. Aus der Kohleverflüssigung konnte man, so ist zudem zu erfahren, synthetische Seife, wie Warta-Seife, gewinnen.

Hingucker der Schau

Ein wahrer Hingucker der Ausstellung ist das Kunstobjekt „Dark Star“: Der aus dem walisischen Bergbaurevier stammende Künstler Jonathan Anderson hat dieses Objekt aus Fiberglaskern mit Kohlestaubbeschichtung geschaffen. Ähnlich spektakulär ist die Panoramawandtapete, auf der unter anderem die Eisenbahnlinie Lyon-St. Etienne zu sehen ist. Sie diente in der ersten Hälfte des 19. Jhs. dem Kohletransport durch das Rhonetal.

Aus Bakelit

Was ein Rasierpinsel, Mokkamühlen, ein Schreibtischorganisator und eine Spritzbeutelgarnitur aus Bakelit sowie Perlon-Strümpfe mit dem Thema „Zeitalter der Kohle“ zu tun haben, bleibt beim Ausstellungsrundgang kein Rätsel. „Beiprodukte“ wie Steinkohleteer, Phenole und Formaldehyd waren notwendig, um Kunststoff wie Bakelit herstellen zu können.

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Plakat der neu gegründeten RAG, 1968 © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Schlotbarone und Bergleute

In einer Porträtgalerie begegnen die Besucher den Schlotbaronen wie John Cockerill und Franz Haniel. Diese werden mit Aufnahmen von Streiks der Bergleute in einen Dialog gesetzt. Doch auch das Alltagsleben und -vergnügen wie Ponyrennen oder aber das Schießen mit einem Schießautomaten – Gewinn 1 Glas Bier oder Cognac oder zwei Zigarren beim Einsatz von 5 Pfennigen – werden in der Schau thematisiert. Zum Vergnügen des kleinen Mannes gehörte auch der Besuch des Wanderkinos, das ein Wittener Kohlehändler betrieb.

Das Thema „Krieg und Kohle“ bleibt ebenso wenig ausgespart wie die Nachkriegsentwicklung, die ganz und gar auf Kohleförderung ausgerichtet war, wie man einigen Propaganda-Plakaten entnehmen kann, Stichwort: „Der Bergbau braucht dich“.

Abgerundet wird die Schau durch das Thema „Menschen im Bergbau“. Dabei sind O-Töne von Zeitzeugen zu hören.

Text © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht public commons.

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Hochvakuumwaage zur Ermittlung von Feststoffpartikeln in der Luft, Sartorius AG, Göttingen, 1955 © Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), Essen; Foto: Piet Kremer & Jens Nober

Ruhr Museum Zollverein A 14
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