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Josef Stoffels. Steinkohlenzechen - Fotografien aus dem Ruhrgebiet
bis 2. September 2018

Josef Stoffels. Steinkohlenzechen -
Fotografien aus dem Ruhrgebiet

Am Ende des Jahres werden alle deutschen Steinkohlezechen, auch die in Bottrop und Ibbenbüren, stillgelegt sein. Die Geschichte des Steinkohlebergbaus hat dann ihr Ende gefunden. Angefangen hat das Zechensterben vor 60 Jahren, vor allem im Ruhrgebiet. Das ist Anlass genug sich mit der Zechengeschichte zu befassen, die Josef Stoffels, von Hause aus Polsterer, dann Amateur- und schließlich professioneller Fotograf mit Meisterbrief, nahezu enzyklopädisch mit seinen Kameras festgehalten hat. Mit rund 160 Fotografien von 60 Steinkohlenzechen und über 250 weiteren, teilweise bislang unveröffentlichten Fotografien zum Bergbau sowie Auftragsarbeiten und privaten Aufnahmen präsentiert die Ausstellung einen der bedeutendsten Fotografen und Dokumentaristen des Bergbaus im Ruhrgebiet.

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Doppelstrebengerüst, Zeche Centrum [Bochum-] Wattenscheid 1952 Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Umtriebig war Stoffels Zeit seines Lebens, auch wenn er während eines Frankreichaufenthalts auf einem Auge erblindete und eine schwere Beinverletzung davongetug. In den 1950er Jahren hat er so gut wie alle der damals existierenden 150 Klein- und Großzechen im Ruhrgebiet, aber auch in Niedersachsen und im Aachener Raum fotografiert und 1959 im Bildband „Die Steinkohlenzechen. Ruhr, Aachen, Niedersachsen. Das Gesicht der Übertageanlagen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts“ veröffentlicht. Darüber hinaus hat er aber auch ein Stück Essener Stadtgeschichte dokumentiert, sich mit der betrieblichen Fürsorge in den Zechenanlagen befasst und schließlich für die englische Besatzungsmacht auch Auftragsarbeiten übernommen. Diese Aufnahmen sind derzeit in den „Kabinetten“ der Kohlewäsche der Zeche Zollverein zu sehen.

Ausgestellt sind nicht nur die Farbaufnahmen aus der ersten Werkphase von 1952 bis 1954, die die Modernität der Zechenanlagen zeigen, sondern auch die Schwarzweiß-Aufnahmen, die zwischen 1956 bis 1959 entstanden. Dabei präsentiert die sehenswerte Schau neben Einzelbildern auch teilweise großformatig aufgezogene Aufnahmen sowie Serien und kleinformatige Abzüge aus den 1950er Jahren.

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Zeche Vereinigte Dahlhauser Tiefbau Bochum-Dahlhausen 1952 Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Zechenimpressionen

Zu den Themen, die die Schau behandelt, gehören neben den Zechen auch Kapitel zu Berglehrlingen, zum Bergbau-Durchgangslager Heisingen (Einrichtung zur Aufnahme der angeworbenen Bergleute), zur betrieblichen Sozialfürsorge im Steinkohlenbergbau und zu den Bergarbeiterwohnheimen und -siedlungen.

Zunächst fällt der Blick auf ein großformatiges Foto der Zeche Centrum – deutlich erkennbar am Schriftzug, der am Förderturm angebracht wurde. Wahrscheinlich war es sogar eine Leuchtschrift, die weithin sichtbar war. Kohle bestimmte ja das Leben von Tausenden, die im Ruhrrevier lebten, Einheimische wie Zugezogene aus Korea, der Türkei und aus Polen.

Prosper II und Hugo 1-2

Stoffels war auch auf Zeche Prosper II in Bottrop, etwa um 1958, und fotografierte den Holzplatz sowie die Zechenbahn. Es war eine der Zechenaufnahmen, die in 50 Jahren Tätigkeit als Fotograf entstanden. Dazu gehörten auch die Kumpels im Fahrkorb, die Gesichter schwarz vor Kohlenstaub und die Grubenlampen abgelegt oder am Gitter des Fahrkorbs aufgehängt. So sind wir dann auf der Erkundung der Zechen mit Stoffels in Essen-Heisingen unterwegs, immer noch in den 1950er Jahren. Zugleich erfahren wir, dass die fotografierten Kumpels auf einer Tiefe von 585 Metern von Stoffels angetroffen wurden.

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Schaufenster, Café Overbeck Essen-Stadtmitte 1962
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Weiter geht es zur Zeche Hugo 1-2 in Gelsenkirchen-Buer. Rauchfahnen wehen über die Zeche Concordia in Oberhausen. In einer Farbfotografie ist man hingegen bei der Lampenausgabe auf der genannten Zeche zugegen. Die Zeche Mathias Stinnes in Bottrop gehörte auch zu denjenigen, die Stoffels dokumentierte, mitsamt zwei Schloten, Kühltürmen und Gleisanlagen. Die Kokerei Nordstern am Rhein-Herne-Kanal wurde im Bild festgehalten, als Binnenschiffe beladen wurden. Doch wer ist eigentlich der Mann, der da als Staffage am Ufer des Kanals steht?

Aus der Zeit gefallen scheint das Pferdefuhrwerk vor dem Malakow-Turm der Zeche Prosper II. Ist es ein inszeniertes Foto, fragt man sich. Dass die Zeche Katharina in Essen-Kray einen Klappkübellaufkran besaß, zeigt uns eine weitere Aufnahme von Stoffels. Wie mühsam die Arbeit unter Tage war, unterstreicht das Foto eines in einem Streb arbeitenden Bergmanns, der gleichsam in den Verhau eingespannt war und mit einer Hand den Presslufthammer bedient.

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Josef Stoffels (mit Kamera) bei Aufnahmen auf der Zeche Schlägel und Eisen Herten-Langenbochum 1952
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Irmgard Stoffels

Nicht nur Kohle

Dass das Ruhrrevier nicht nur von der Arbeit auf der Zeche bestimmt war, machen Aufnahmen deutlich, die die Industrieglasproduktion des Glaswerks Ruhr AG zeigen. Zu sehen sind unter anderem oberschlesische Glasbläser bei der Arbeit, Frauen die Industrieglas prüfend hochhalten und ein Arbeiter, der in seiner Pause gerade einen Schluck Milch genießt. Neben Kohle war es Stahl, der im Revier für Arbeit sorgte. So finden sich im fotografischen Konvolut Stoffels, das aktuelle in Teilen zu sehen ist, auch Aufnahmen des Schienen-Walzwerks der Friedrich-Alfred-Hütte und das Drahtwalzwerk der Gutehoffnungshütte in Gelsenkirchen-Schalke.

Von gesunder Luft im Revier konnte in den 1950er Jahren nicht die Rede sein. Das belegt die Aufnahme von einer Schachtanlage in Bochum-Gerthe. In dichtem Rauch und Smog versinkt die Anlage der Zeche Lothringen mitsamt dem Kiosk, an dem sich einige Bergleute eingefunden haben.

Essener Ansichten nach dem Zweiten Weltkrieg

Doch auch Essen nach der Bombardierung durch die Alliierten und der Wiederaufbau in den 50er und 60er Jahren waren Gegenstand der Tätigkeit Stoffels. Wir werfen dank ihm einen Blick auf die zerstörte Akazienallee, in der nur vereinzelt Menschen in der Trümmerlandschaft verloren herumstehen. Keine Hakenkreuzfahnen wehten in der Straße, die Stoffels 1936 fotografierte, sogar mit einigen Passanten, die die Straße queren, wie die Mutter im langen weißen Sommerkleid mit ihren Kindern. Dass 1946 die großen Einkaufshäuser in Schutt und Asche lagen dokumentierte der Fotograf ebenso wie das durch Bomben zerstörte Münster ein Jahr später.

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Ausstellungsinszenierung,
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Rainer Rothenberg

Besuch im Grugapark und am Baldeney See

Teilweise eingerüstet war das Ferrostahlhaus in Essen-Süd am 13. Dez. 1951. Besucher im Folkwang-Museum kamen Stoffels vor die Kamera wie auch die Feuerwehr der Gruga sowie das Glockenspiel im Grugapark. Im Grugapark fotografierte Stoffels außerdem Richard Scheibes Skulptur „Eos“. Stoffels besuchte zudem das Strandbad Baldeney See und drückte in dem Moment auf den Auslöser, als jemand vom Sprungturm ins kühle Nass sprang. Cola und Kaffee standen auf den Tischen des Ausflugslokals Baldeneyer Fähre, das sehr gut besucht war, als auch der Fotograf in diesem Essener Ausflugsziel zugegen war.

Auch die Essener Messe wurde von Stoffels aus verschiedenen Anlässen fotografiert, so auch zur Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung im Jahr 1952. Wir können zudem einen Blick in eine Verkaufsfiliale für SABA-Fernseher werfen und sehen wie mit eigenen Bully-Transportern die Auslieferung bewerkstelligt wird.

Porträts von englischen Soldaten

Zu den Auftragsarbeiten, die Stoffels übernahm, gehörten Porträts des „Besatzer“: Sie hatten sich in der Villa Hügel häuslich eingerichtet, so auch Miss Jeffers oder Captain Skaggs, der in die Kamera grinste. Ob mit Billigung der Betroffenen oder nicht, jedenfalls zeigt uns Stoffels auch ein sich küssendes deutsch-englisches Paar, obgleich die sogenannte Fraternisierung ja gar nicht erwünscht war.

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Ausstellungsinszenierung
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Rainer Rothenberg

Stoffels im Bild

Unter den Museumsansichten des Ruhrlandmuseums befindet sich auch das Essener Stadtsiegel, aber auch Ausstellungsansichten aus Karnap anlässlich der 600-Jahresfeierlichkeiten am 18.9.1937.

Dass sich die Schau auch der Biografie Stoffels widmet, allerdings angesichts des Ausstellungsthemas m. E. in einem Kabinett etwas zu ausführlich, ist nachvollziehbar. Trotz der Zerstörung eines Teils des Archivs hinterließ der Essener Fotograf 8000 Positive in Kartons, wie wir erfahren. Man bekommt dank einer Aufnahme einen Eindruck vom Atelier in der Ursulastraße 6, sieht Stoffels in Selbstporträts, eine Pfeife rauchend und als Athlet, ganz sportlich posierend.

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indergarten, Zeche Mathias Stinnes, Essen-Karnap 1955
Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Betriebliche Fürsorge

Eine Besonderheit war das Bergbau-Durchgangslager in Essen-Heisingen. Hier wurden angeworbene Arbeiter auf Herz und Nieren untersucht. Impfungen standen an und auch Lungenuntersuchungen – und Stoffels durfte mit der Kamera zugegen sein. Er besuchte Lehrlinge im Speisesaal ebenso wie beim Tischtennisspiel in Lederhosen (!). Im Kontext des Themas „Betriebliche Fürsorge“ erblickt man das Foto eines Bergmanns im Wannenbad und einen anderen bei der Wasseranwendung. Bergarbeitersiedlungen werden in der Schau schließlich auch noch vorgestellt, jedoch ohne Details über das dortige Alltagsleben zu erfahren.

Derartige ergänzende Informationen hält die umfängliche Schau bedauerlicherweise nicht bereit. So sind auch O-Töne von Bergleuten und anderen Bewohnern des Potts nicht zu vernehmen. Diese hätten der dokumentarischen Präsentation sicherlich als Ergänzungen gutgetan

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Kokerei und Zeche Helene, Essen-Altenessen, 20. Mai 1952 Copyright: Ruhr Museum; Foto: Josef Stoffels

Text: © ferdinand dupuis-panther / Der Text ist nicht public commons.

Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte
ab April 2018

2018 ist »Schicht im Schacht«, dann endet der deutsche Steinkohlenbergbau. Mit dem Ende der Kohleförderung geht ein wichtiges Zeitalter nicht nur der deutschen, sondern der europäischen Geschichte zu Ende. Zweihundert Jahre lang hat die Förderung von Kohle die Wirtschaft weit über das Ruhrgebiet hinaus bestimmt. Der Bergbau prägte die Form der Industrie und der Infrastruktur, der gesellschaftlichen Verhältnisse und des Soziallebens. Vor allem aber im Ruhrgebiet hat er die Arbeit, den Alltag und die Mentalität der Menschen stark beeinflusst. Doch Kohle war nicht nur der Treib- und Schmierstoff der Moderne und des Fortschritts, sie hat auch die Schattenseiten der Industrialisierung zu Tage gebracht. In den architektonisch beeindruckenden Räumen der Mischanlage auf der Kokerei Zollverein in Essen präsentiert die Ausstellung eine faszinierende Zeitreise durch die geschichtlichen, technischen und kulturellen Dimensionen der Kohle. »Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte« ist eine Gemeinschaftsausstellung von Ruhr Museum und Deutschem Bergbau-Museum Bochum. Sie wird ermöglicht durch die RAG-Stiftung im Rahmen der Initiative »Glückauf Zukunft!«.

Ruhr Museum Zollverein A 14
https://www.ruhrmuseum.de/startseite

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