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Ausstellungsorte in Duisburg: Lehmbruck-Museum

Duisburg

Lehmbruck-Museum


Oskar Schlemmer bis 17. Februar 2019

Meisterwerke des Expressionismus bis 17. Februar 2019

Oskar Schlemmer trifft Expressionismus – 100 Jahre Bauhaus und die klassische Moderne

2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses in Weimar zum hundertsten Mal. Als Teil des Bauhaus-Jubiläums in Nordrhein-Westfahlen „100 Jahre Bauhaus im Westen“ widmet das Lehmbruck Museum Oskar Schlemmer (1988–1943) eine Kabinettausstellung mit 14 Werken und einem Film über das Schlemmersche Theaterkonzept.. Schlemmer gilt als einer der einflussreichsten und vielseitigsten Künstler des Bauhauses. Er war nicht nur als Maler, sondern auch als Grafiker, Wandgestalter, Bühnenbildner, Choreograf und Bildhauer tätig. Nahtlos geht diese Schau in die Präsentation expressionistischer Werke über, die durch die „gefühlten Farben“ besticht und sich den Themen „Farblandschaften“ und „Akten“ widmet.


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Im Gegensatz zu der starken Farbigkeit, bisweilen kann man schon von Farbmeeren sprechen, die den Expressionisten der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“ kennzeichnend waren, beschränkte sich Schlemmer auf eher erdige und matte Farbsetzungen. Seinen Figuren ist eine gewisse Puppenhaftigkeit eigen, so auch in „Vier Köpfe und Stehende“. Die Köpfe scheinen skulptiert, wenn auch nicht dreidimensional. Schraffuren und Strichelungen sind maßgebliche Elemente der Darstellung. Aquarelliert wurde in einem anderen Werk ein Frauenkopf, der wohl auf einem schwarzen Sockel ruht, so scheint es zumindest. Auch im Werk „Gegeneinander“ ist das Puppenhafte nicht zu übersehen. Schematisch wie in einer technischen Zeichnung für Gliederpuppen erscheinen die Dargestellten. Rostig-erdig sind die Farbnuancen, die Schlemmer einsetzte. In dem bronzierten Relief von 1919 findet die schematisierte Darstellung von Personen eine Fortsetzung. Beim Anblick des Reliefs muss man an moderne Schachfiguren denken.

 

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Mit der „Fünfzehnergruppe“ (1929) steht ein Schlüsselwerk Schlemmers im Zentrum der Ausstellung. Das Gemälde ist eines der letzten, das am Bauhaus in Dessau entstand. Die Figuren scheinen in ihren Bewegung eingefroren und erstarrt zu sein. Die gymnastischen und tänzerischen Bewegungen scheinen zum Stillstand gekommen zu sein. Das Dynamische wurde nicht ausdifferenziert, sondern im Moment festgehalten. Steif sind die Haltungen.

 

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Mensch und Modern Times

Dem Figurativen blieb Schlemmer auch bei „Figur H2“ verhaftet. Dabei handelt es sich um eine Lithographie auf rosafarbenem Velin. „Modern Times“, sprich der Mensch im Industriezeitalter als Maschinenanhängsel, kommt einem beim Anblick in den Sinn. „Figurenplan K1“, verwobene schwarze Figuren sind zu sehen, kann man als Darstellung der Masse begreifen. Kommunikation suggeriert der Titel „Begegnung“. Doch wenn man sich die beiden Figuren anschaut, dann ist auch Isolation mit im Spiel, ebenso Egozentrismus, da die obere Figur, die andere Figur nicht anschaut, keine Interaktion feststellbar ist. Es scheint eher wie die Darstellung eines Oben und eines Unten, eines Herren und eines Unterwürfigen.

 

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Leider sind keine Bühneninszenierungen des Triadischen Theaters in Duisburg zu sehen, dafür aber ein 30-minütiger Film, der dem Zuschauer diese besondere Theaterform als Gesamtkunstwerk nahe bringt.

 

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Auf die Farbe kommt es an

Im Gegensatz zu Schlemmers Farbreduktionen und zur geometrischen Formensprache steht das „Eintauchen in den Farbtopf“ durch die Expressionisten. Mit Ernst Ludwig Kirchner sind wir auf einem „Bergwaldweg“ unterwegs, der an bläulichen und rötlichen Baumstämmen vorbeiführt, die von tiefgrünen Laubwipfeln bekrönt werden. Flüchtig-skizzenhaft scheint der Farbauftrag in Erich Heckels „Windmühle in Dangast“. Dabei scheint auch der durchscheinende Leinwandgrund als Bildelement bewusst kenntlich gemacht worden zu sein. Tintenblaue Himmelstreifen treffen auf giftig grünes Laub und dunkelrote Hausfassaden zu Füßen der Windmühle.

 

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Abstrakter Dreiklang

Der Blick fällt nachfolgend auf Rudolf Bellings „Der Dreiklang“, ein Reigen von drei abstrakten Figuren bzw. Torsos oder aber auch als dreigeteilter Dornenstrauch zu interpretieren. In der Nachbarschaft zeigt man kristalline und geschwungene Formensprache, dank sei Ewald Herzog, dessen expressionistische, farbig gehaltene Plastik zu sehen ist. Dornenvogel und Hahngestalt sind Assoziationen, die angezeigt sind. Zu den gezeigten Kleinstplastiken gehört Franz Marcs kauernder Panther und natürlich darf auch eines seiner Pferdchen nicht fehlen, diesmal aber nicht gelb, rot oder blau, sondern in Bronze.

 

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Eine Strandszene am Abend fing Karl Schmidt-Rottluff ein und vermittelt dem Betrachter ein Stück Sommerfrische an der Ostsee, auch wenn man keine Badende sieht, auch keine Nacktbadende. Einen Meeresblick im Mondschein erlaubt Emil Nolde mit einem entsprechenden Gemälde, in dem sich das Mondlicht als orangefarbener „Schattenriss“ auf dem Meer absetzt. Mit aufgeblasenem grünen Segel dümpelt ein Kahn dahin.

 

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Mensch und Natur

Die Schöpfungsgeschichte hat Heinrich Campendonk auf seine eigene Weise in der „Sechste Tag“ verarbeitet. Neben einer Katze als zentraler Figur entdecken wir ein riesiges blaues Eichhörnchen und einen Elefanten inmitten einer abstrakten Waldszenerie. Abgesehen von einigen Holzschnitten, die nicht in Farbe getaucht wurden, stößt man auf Alexej von Jawlenskys diagonal gesetzten Frauenkopf. Auffallend sind die kantige Nasenpartie und die Sehschlitze statt offener Mandelaugen. Gelb und grün sind die Lippen gehalten, sodass sich aus all dem eher die Vorstellungen einer Maskerade ergibt.

 

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Irdische Paradiese

Von der Natur umgeben und in ihr verloren sind August Mackes zwei Spaziergänger („Paar auf dem Waldweg“). Die Suche nach dem irdischen Paradies mündete bei einigen Brücke-Malern in Aktmalerei, so auch bei Kirchners „Mädchen auf Fehmarn“. Nacktbaden war angesagt, hier aber auch an den Moritzburger Seen – man sehe sich dazu Max Pechsteins „Freilicht (Moritzburg)“ genau an, eine Gruppe von Nackten beim Sonnenbad. Nacktbaden war zugleich ein Aufbegehren gegen die Konventionen und in Einklang mit der aufkommenden Lebensreformbewegung stehend. Wenn auch in Abkehr von gefühlten Farben findet man dieses Thema auch bei Otto Mueller, der uns zwei Mädchen in einer Küstenlandschaft präsentiert. Von Erich Heckel stammt hingegen das Gemälde „Frauen am Meer“, das sich durch einen „geflochtenen“ Farbauftrag auszeichnet.


Wilhelm Lehmbruck ist in der Schau mit zwei Akten, sehr zurückhaltend in der erotischen Darstellung, neben Otto Muellers „Zigeunerinnen am Strand“ vertreten. Von Letzterem stammt auch „Paar in der Kaschemme“.

 

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Reizvoll erscheint die Konfrontation von Schlemmer mit den Vertretern der klassischen Moderne, die zugleich im Museum aus dem Schattendaseins befreit wurden und einen exponierten Platz erhalten haben. Man darf auf mehr derartiger Konfrontationen hoffen, oder?


Text und Fotos: © ferdinand dupuis-panther – Text und Fotos sind nicht public commons!

 

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BU von oben nach unten / Copyrights bei den Künstlern, deren Rechtenachfolgern, VG BildKunst Bonn 2018/2019

 

Oskar Schlemmer:
Abstrakte Figur 1921/23, Ed. 1961
Bauplastik R, 1919
Gegeneinander, 1928
Die Fünfzehnergruppe, 1929
Karl Schmidt-Rottluff: Figuren am Strand, 1919,
Rudolf Belling: Der Dreiklang, 1919, 1958-59
Ernst Ludwig Kirchner: Mädchen am Meer (Zewei Mädchenakte), 1913

Erich Heckel: Frauen am Meer, 1913

Wilhelm Lehmbruck: Junges Mädchen (Martha), 1912 und Badende, 1913

Otto Mueller: Paar in der Kaschemme,

André Derain: Das Paar, 1907


Informationen
http://www.lehmbruckmuseum.de/

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